Ausgabe 
14.9.1890 Zweites Blatt
 
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der neben der Bahn von hier nach Bleichcubach hinzieht, in roher Weise umgebrochen worden. Die Bahnverwaltung hatte diese Stämmchen aus dem Hage aufwachsen lassen, um ihnen dann einen entsprechenden Schnitt zu geben und den Hag zu verschönern. Sobald die Stämmchen in die Höhe gehen, kommt nächtlicher Weile ein Unhold und bricht sie nieder. Man sängt da und dort in der Umgegend, besonders bei Selters, an, die Zwetschen abzunehmen, obgleich sie noch nicht ganz reif sind, weil sie nach Holland und England verschifft werden sollen. Es wird hierbei große Vorsicht empfohlen, damit die Bäume nicht geschädigt werden. Von bestimmten Preisen hört man aber immer noch nichts.

-h- Mittel-Gründau, 12. September. Bei den Manövern in hiesiger Feldgemarkung hat einer der Herren Offiziere seine goldene Uhr verloren. Von vielen Seiten wurde schon darnach gesucht, da aber die Verluststelle nicht genau bezeichnet werden kann, waren alle Bemühungen umsonst. Man hofft nun, daß beim Abräumen der Ztickerrüben-, Dick­wurzel- oder Kleeäcker die verlorene Uhr zum Vorschein kommen wird, falls sie nicht zerstampft oder in den Boden gefahren wurde. Die Ehrlichkeit unserer Bevölkerung bürgt dafür, daß der Eigenthümer die Uhr wieder erhält, wenn sie gesunden werden sollte.

* Aus dem Vogelsberge, 11. September. Ein lustiges Stücklein, das verbürgt werden kann, dürste den, der Sinn für Volkshumor hat, erfreuen. Peter X. fuhr mit seinen Braunen vom Markte in N. ab. Sechs Handelsleute standen da und wollten mitfahren,' sie waren aus der dortigen Gegend, der Weg nach Hailse beträgt 2]/2 bis 3 Stunden. Wenn jeder 50 Pfennig giebt, könnt Ihr aussteigen, sagt Peter und die Handelsleute steigen aus. Gemüthlich gehts fürbaß - Peter schwunzelt, denn die 3 Mark Fuhrlohn kommen seiner Kasse, welche aus dem Markte fast erschöpft war, sehr zu paß. Die Sonne scheint heiß; nach und nach nicken Peter und die Handelsleute ein, die Braunen finden allein d?n Weg auf der großen Straße. Inzwischen wacht ein Handelsmann nach dem anderen aus, gleitet leise hinten am Wagen herab und verschwindet im Walde. Vor Peters Hause halten die Braunen! Oha! ruft Peter, reibt sich den Schlaf aus den Augen und schaut sich nach seinen Fahrgästen um. Alle zum Teufel! ruft er und haut zornig mit der Peitsche durch die Lust, daß es zischt und knallt. Euch Filzmucker krieg' ich schon einmal dran, denkt er und zieht die Rosse in den Stall. Ein Jahr verging. Wieder ist der" Markt in N. vor der Thüre. Peter zieht mit einer prächtigen Kuh, neben der das Kalb steht, dorthin und zwar einen Tag vorher, daß das Gethier nicht abgehetzt wird. Er stellt bei einem Bekannten ein und schaut über die Straße. Meiner Treu! da ist ja auch der I-, der Z., der V. und die anderen drei, welche mich vorm Jahr um den Fuhrlohn geprellt haben, sagt Peter zu seinem Freunde, der gerne einen lustigen Streich mitmachte. Beide berathen über den Fall - hauen darf man nicht, meinte Peter, das wird hart gestraft - aber wenn sie sich untereinander hauen, ist's ihre Sache, meinte der Freund. Gib Acht was geschieht! Als es dunkel geworden, gehen Peter und sein Freund in den Nachbarstall und verwechseln die Thiere der Handelsleute, indem sie die Stücke des einen an die Stelle der Stücke des anderen bringen, ohne daß die Eigenthümer, welche wegen großer Müdigkeit frühzeitig zur Ruhe gegangen, es merken. Am anderen Morgen entstand großer Lärm. Wo ein Ochse stand, sand sich ein Kalb, wo eine Kuh sein sollte, stand ein fremdes Rind. Manche Stücke waren Anfangs gar nicht zu finden - erst später wurden sie drei Häuser weit ent­deckt.Du hast Dir meine Kalbin aneignen wollen", schreit Z. den V. an. Schwabb! hatte er eine hinterrn Ohr, die er nicht unerwidert ließ. Bei den Uebrigeu ging es ähnlich. Während sich die Handelsleute sonst in die Hände patschten zum Zeichen, daß ein Kauf perfect werden sollte, patschten sie sich hier in die Gesichter und schimpften und haselirten wie die Rol rsperlinge. Peter und sein Freund, die losen Bengels, standen dabei, hielten sich die Lenden und lachten Thränen.

die wild gemurmelten Worte:Die Hochzeitsfackel haha ich muß sie anzünden es wird Zeit!"

Wie viel hatten sich währenddem Mutter und Tochter zu erzählen. Der Kleine, welcher anfing, müde zu werden, sollte m Frau v. Wehlens Schlafzimmer auf das Bett gelegt werden, denn Herr v. Nordeck konnte nicht vor 8 Uhr ein- treffen und würde voraussichtlich erst gegen 10 Uhr absahren. So konnte das Kind noch ruhen.

Die Wärterin war hinabgegangen zum Abendessen, da der Knabe schlief- da schlich das Unheil vom Corridor näher und immer näher: eine graue, unheimliche Frauengestalt, in der Hand eine brennende Kerze. Es war Julie, ihr Auge leuchtete unheimlich, ihr Athem flog keuchend und sie kicherte vor sich hin:Die Hochzeitsfackel haha ich will sie noch heute anzünden---"

Auf dem Bette lag friedlich schlummernd der kleine Curt mit rosig angehauchten Wangen und dunklen, in die Stirne fallenden Härchen. Die Wahnsinnige erblickte jetzt das Kind, sie stutzte, dann schritt sie auf dasselbe zu und stieß plötzlich einen gellenden, markerschütternden Schrei aus:

Leopold es sind seine Augen!"

Drunten im Salon stutzte Lilli, als sie den seltsamen Ton vernahm, und stand unruhig auf:Ich will doch nach dem Kleinen sehen, Mama- die Wärterin ist vielleicht unten und er könnte erwacht sein."

Wie Du willst, Kind- aber geschehen kann ihm doch nichts, Curt liegt auf meinem Bette."

Von unerklärlicher Angst gefoltert, eilte Lilli nach dem Schlafzimmer der Mutter. Sie fand die Thür geschlossen und von innen erklang ein unheimliches Kichern zwischen das Weinen des erwachten Kindes. Lillis Blut schien in den Adern zu erstarren, denn sie wußte nun, was sie geahnt und ge­fürchtet daß Julie drinnen bei ihrem Lieblinge sei.

(Schluß folgt.)

Endlich war der Streit geschlichtet, jeder hatte sein richtiges Vieh wieder beisammen.Nou will eich aach gesahn, wäih >ös kumme is," spricht Peter zu den Handelsleuten-im lörige Johr hobt häi meich geprellt üm mein Foahrgeld. Nir zwaa hawwe dös Vaih verwachselt mV dodesäir hobt häi Lich emol dorchgewackelt aus Rock un Kammesul. Wer zuletzt

:, lacht am beste."

Venmischtes.

* Mainz, 12. September. Zu der den kommenden Donnerstag hier beginnenden l a u d w i rt h s ch a ft l i ch e n Ausstellung des landwirthschastlichen Vereins der Provinz Rheinhessen ist nunmehr das vollständige Programm fertig- gestellt. Danach findet die Eröffnung der Ausstellung Donners- ag den 18. September, Vormittags 8 Uhr statt. Denselben Dag, Mittags 12 Uhr, Preisvertheilung. Abends Schluß )er Viehausstellung. Freitag den 19. September, Vormittags >/2ll Uhr, Generalversammlung der drei landwirthschastlichen Provinzialvereine im Akademiesaale des Kursürstl. Schlosses. Samstag den 20. September Generalversammlung der Special- ) ereilte, Pferdezuchtverein im Großherzogthum Hessen, Rhein- jessischer Bienenzuchtverein rc. re. Schluß der Ausstellung Sonntag den 21. ds., Abends. Die Ausstellung wird in ünem großen Hallenbau, der aus dem Marktplatz unmittelbar m derStadthalle" errichtet ist, abgehalten.

Zur Zeit ist man damit beschäftigt, den hiesigen Dom nit einer Heizungseinrichtung zu versehen. Die Heizungsvorrichtung wird nach einem unterirdischen System öetfyätigt, dessen Anlage mit Rücksicht auf die vielen Gräber und die schweren Fundamente des Domes mit bedeutenden Schwierigkeiten verknüpft ist. Außer dem Dome selbst wird Die Kapelle, die Sakristei und der Kapitelsaal mit der Heizungs­vorrichtung versehen, unter welchen Räumen sich genannte Gräber dicht aneinander reihen und deren theilweise Ver­setzung darum nothwendig wird. Zur Fertigstellung der Heizungsanlage sind drei Monate in Aussicht genommen.

* Mainz, 12. September. Unter den Personen, die anläßlich des heutigen Geburtstags des Großherzogs Aus­zeichnungen erhielten, befindet sich auch Hauptmann Salm oom 118. Inf. - Regiment, welcher mit dem Ritterkreuz II. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen decorirt wurde. Der Decorirte ist dieselbe Person, auf welcher zu Anfang dieses Jahres der Pionierlieutenant Stoll hier meuchlings einen Schuß abfeuerte, und sei bei dieser Gelegenheit bemerkt, daß Hauptmann Salm von der schweren Verwundung vollständig genesen ist und nach Vollendung einer Badekur demnächst wieder in Dienst tritt. Lieutenant Stoll hat sich damals bekanntlich selbst entleibt.

* Heppenheim a. d. B., 11. September. Die am ver­flossenen Sonntag stattgefundene Beleuchtung unserer herrlichen Burgruine Starkenburg hat so allge­meinen und großen Beifall gefunden, daß das Comite der hiesigen Gewerbe- und Industrie-Ausstellung auf vielseitige Anregung eine Wiederholung dieses prächtigen Schauspiels auf nächsten Sonntag, den 14. d. Mts., festgesetzt hat. Gleich­zeitig wurde, in Folge des andauernd regen Besuchs, eine 8 tägige Verlängerung der Ausstellung, vom 14. bis 21. d. Mts., beschlossen. Aus nächsten Samstag Nachmittag hat Se. Exc. Herr Staatsminister Finger in Begleitung des Herrn Ministerialrath Emmerling seinen Besuch angekündigt. Der Absatz der Loose ist ein so guter, daß die Verloosung am festgesetzten Termin, Mittwoch den 17. d. Mts, stattfinden kann. Fortwährend findet ein starker Besuch der Ausstellung auch durch die Schulen der Umgebung, für welche der Ein­trittspreis auf 10 Pfg. pro Kopf ermäßigt wurde, statt. Man gibt sich hier der Hoffnung hin, daß die Bewohner der Umgebung sowohl wie auch diejenigen der Nachbarstädte sich den herrlichen Genuß der Beleuchtung unserer altehrwürdigen Starkenburg am nächsten Sonntag nicht entgehen lassen werden.

* Graudenz, 11. September. Aus dem Schießplätze in Gruppe platzte eine nicht krepirte Granate. Ein Artillerist wurde getödtet, zwei andere sind lebensgefährlich verletzt.

* lieber ein interessantes Experiment macht Dr. Hans Otto in der WochenschriftUeber Land und Meer" (heraus­gegeben von Professor Joseph Kürschner, redigirt von Otto Baisch, Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt), die an Fülle und Mannigfaltigkeit des Stoffes unübertroffen ist und neben dem der Unterhaltung und den Zeitereignissen gewidmeten Theil auch in jeder Nummer wissenschaftliche Aufsätze aus den verschiedensten Gebieten bringt, folgende Mittheiluug: Nach den allgemeinen Erfahrungen der Physiologie bringt vermehrter Blutgehalt eines Theiles vermehrten Stoffwechsel darin zu Stande. Um dies Verhalten besonders für das Gehirn zu beweisen, hat der geistvolle, um derartige Beob­achtungen sehr verdiente italienische Physiologe Professor Mosso in Turin eigene Versuche erdacht und angestellt. Bei fester Ruhelage der Hand wurden mit den Fingern Gewichte gehoben und die Hubhöhen ausgezeichnet. Eine größere Reihe solcher Beobachtungen wurde immer in Form einer Curve dargestellt. Unterzog sich nun der Untersuchende darnach einer mehrstündigen geistigen Anstrengung bei körperlicher Ruhe und wiederholte dann die Hebeversuche, so blieb auch bei größter Willensanspannung die Curve der Hubhöhen weit hinter der früher erhaltenen zurück- auch die elecirische Reizung der Fingermuskeln zeigte deutlich ihre durch vorhergehende Geistesarbeit bewirkte Kraftabnahme. Die Erklärung sucht Professor Mosso darin, daß durch die Gehirnarbeit ein Er- zeugniß des Stoffwechsels entstehe, das sich im Blut anhäufe und dadurch die Leistungsfähigkeit des Körpers und also auch der Muskeln herabsetze. Erst mit der Erneuerung des Blutes erlangen das Gehirn und der ganze Körper wieder die volle Frische und Thatkrast. Ein Urtheil über diesen Erklärungs­versuch ist gegenwärtig noch nicht möglich, aber die Beobacht­ungen sind unanfechtbar. Es ist ja auch keine neue Erfahrung für geistig Thätige, daß starke Gehirnanstrengung nicht bloß

geistig, sondern auch körperlich ermüdet. Die bekannte, auck? körperlich angreifende Wirkung des Besuches von Gemälde­sammlungen, die auch dann eintritt, wenn die Betrachtungen im Sitzen vorgenommen werden, beruht wahrscheinlich auf ähnlichen Verhältnissen, aber ihre Würdigung ist nicht so leicht durchführbar und nicht so über jeden Widerspruch erhaben wie die einfachen und klaren Versuche Mossos.

Citeratur uttO Tkrrnst.

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Den vollen Wortlaut der in- und ausländischen Gesetze über das Urheberrecht und die internationalen Literaturverträge in übersichtlicher Zusammenstellung zu besitzen, ist seit langer Zeit der Wunsch der Verleger, Autoren, Juristen und der gebildeten Kreise überhaupt. Diesem Wunsch entspricht das jetzt bei G. Hedeler in Leipzig erscheinende Werk Gesetze über das Urheberrecht im Irr- und Ausland nebst den internationalen Litteraturvertrügen und den Bestimmungen über das Verlagsrecht. Die vor­liegende I. Ablheilung (2 JL) enthält in deutschem Textabdruck die gegenwärtig geltenden Gesetze der Länder Deutschland, Oesterreich, Schweiz, Frankreich, Italien, Großbritannien, Vereinigte Staaten, woran sich die II. Abtheilung in einigen Wochen schließen wird. Mit Recht ist neuerdings dem Urheberrecht in seinen internationalen Be­ziehungen erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet worden, steht doch mit dem sich von Land zu Land erstreckenden Schutz der geistigen Arbeit auch ein Mehrertrag derselben in engstem Zusammenhang. Die vor­erwähnte Textsammlung bietet bei der Wahrnehmung dieser Schutzes nach dem heutigen Stand der Gesetzgebung und bet den Bestrebungen, noch rückständige Länder zu Verträgen heranzuziehen, eine erwünschte Unterlage. Daneben wird das allgemeine Interesse, welches der Gegenstand verdient, dem Buch einen Platz in jeöei größeren Hand­bibliothek sichern.

Auszug aus dem -Aerztlichen Aragekasten" -es ^Aerzt° lichen Central'AnzeigersE vom 19. März 1888 Nr. 12. Herr Dr. Weckerling, pract. Arzt in Friedberg i. Hessen, schreibt: Zu Frage 173 erlaube ich mir folgende Antwort einzusenden: Die Oefen mit Dauerbrand, gewöhnlich amerikanische Oefen genannt, sind, wie sich neulich ein College mit Recht ausdrückle, der bedeutende Fort­schritt im Heizungswesen seit 300 Jahren, und Niemand hat in dem Grade Ursache, dieser wohlthätigen, wahrhaft menschenfreundlichen Erfindung dankbar zu sein, als gerade der Arzt in seinem Sprech­zimmer. Obne alle Mühe hat er Tag und Nacht einen gleichmäßig warmen Raum zu seiner Verfügung; das Feuer wird im October angemacht und brennt ohne Unterbrechung sparsam und ohne Kohlen- oergeudung bis zum Mai, und nur einmal im Jahre wird der Ofen ausgeputzt. Der amerikanische Oien ist der wahre Hausfreund der Familie unh ganz besonders des Arztes geworden und es sollte mich freuen, wenn teb durch diesen Hinweis recht viele Collegm veranlaßte, sich diesen höchst sinnreichen Hausrath anzuschaffen und dadurch ihr vielgeplagtes Leben zu verschönern.

Die ursprünglich in Amerika verfertigten Oefen sind jetzt in Deutschland allenthalben nachgeob-nt und verbessert. Von den mir bekannt gewordenen Oefen mit Dauerbrand sind die besten die von Junker & Ruh in Karlsruhe Die kenne ich aus eigener Er­fahrung; ich besitze deren vier seit einer Reihe von Jahren. Die so­genannten echten amerikanischen (Crown-Jnwel) sind viel theurer und leisten mindestens nicht mehr.

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