bic Ijuljcn SJoüi’bcHttägcv cc. bei. Uut 1^/2 folgte in der HauScapelle des Palais eine besondere Erinncrungs- seier mit einer Rede Kögels für den Dienst, die nächste Umgebung und die Dienerschaft der verstorbenen Kaiserin unter Theilnahme des Großherzogs und der Großherzogin von Baden. Daran schloß sich das Abendmahl. Rach dem Gottesdienst empfing der Kaiser das Präsidium des Reichstages.
München, 12. Januar. Der Magistrat beschloß heute in geheimer Sitzung die Nieder leg ung eines Kranzes am Grabe des Professors v. Döllinger und die Abordnung einer Gemeinde-Deputation zum Leichenbegängnis;.
Luzern, 12. Januar. Der Ches des schweizerischen Generalstabcs, Oberst Pfyffer, ist heute früh gestorben.
London, 12. Januar. Lord Hartington ist an der Influenza erkrankt.
Petersburg, 12. Januar. Das „Journ. de St. Petersburg" fügt seinen gestrigen Bemerkungen anläßlich des Protestes Rußlands gegen die bulgarische Anleihe hinzu, daß es sich um den Art. 22 des Berliner Vertrags handle, welcher Rußland die Zahlung der Occupationskosten zusichert. Für die Zahlung, welche durch ein besonderes Ueberein- kommen festgesetzt und seit 1886 im Rückstände sei, wären die Einkünfte der bulgarischen Eisenbahnen verschrieben. Die Regierung verfüge über die finanziellen Hilfsquellen des Staates und benachtheilige schwer die Rechte Rußlands, welche sich aus dem Art. 22 ergeben.
Madrid, 12. Januar. Nach dem ärztlichen Bulletin von heute früh 3 Uhr erhält sich die Besserung in dem Befinden des Königs.
Belgrad, 12. Januar. Die serbische Regierung sowie die Pforte, vom Wunsche beseelt, den Grenzverletzungen der Arnauten ein Ende zu machen, ernannten je einen Commissär, welche die Grenzlinie begingen, Anordnungen trafen und ein Protokoll aufnahmen, welches von der serbischen Regierung bereits angenommen wurde- es ist gegründete Aussicht vorhanden, daß auch die Pforte dasselbe annehme. — Das Amtsblatt veröffentlicht das Budget pro 1890. Der unbedeckte Betrag von 2 606000 Frcs. soll durch Vermehrung der Einnahmen bei den Eisenbahnen, dem Salzmonopol sowie durch Ersparnisse aufgebracht werden. Ljotic ist zum ersten Secretär im Ministerium des Auswärtigen ernannt worden. — Dem deutschen Consul in Nisch, Oberg, ist das Exequatur ertheilt worden.
Konstantinopel, 12. Januar. Die gegen Bassora am persischen Golfe und gegen das Küstenland von Demen verhängte Quarantäne ist aufgehoben und nur eine fünftägige Beobachtung von Personen und Maaren angeordnet worden.
Konstantinopel, 11. Januar. Aus Anlaß der Leichenfeierlichkeiten in Berlin fand in der hiesigen protestantischen Kirche heute ein Trauergottesdienst für weiland Ihre Majestät die Kaiserin Augusta statt, welchem das gesammte Personal der deutschen Botschaft und des Gencralconsulats beiwohnten. Der Sultan war vertreten durch den Finanzminister Agob Pascha und' Artin Pascha. Ferner waren viele andere ottomanische Würdenträger, alle accreditirten Botschafter und Gesandten sowie die vornehmsten Mitglieder der deutschen Kolonie zugegen. Pastor Suhle hielt die Ge- dachtnißrede.
Madrid, 13. Januar. Bulletin gestern 7 Uhr 30Min. Abends. Der König hatte ruhigen Schlaf, nahm etwas Nahrung zu sich. Die Kräfte kehren merklich zurück. Bulletin 10 Uhr Abends. Zustand unverändert ruhig.
Cocales und Krovinzielles.
Gießen, 13. Januar.
— Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag den 16. Januar 1890, Nachmittags 4 Uhr:
1. Mittheilungen. 2. Gesuch des Philipp Rühl zu Gießen um Ertheilung der Concession zum Wirthschaftsbetriev. 3. Gesuch des L. Huhn um Ausführung der allgemeinen Bauordnung- hier die Enteignung von Gelände des Ernst Wallenfels aus Grund des Art. 69 der Bauordnung.
— In der Stadtverordneten-Versammlung vom 9. d. M. wurde das von den derzeitigen Besitzern des Schüler'schen Gartens gemachte Angebot, die Stadt möge dieses Besitzthum zum Preise von 60000 Mk. übernehmen, abgelehnt und zwar wegen der einschränkenden Bestimniung, nach welcher den Actionären einer innerhalb 15 Jahren sich constituirenden Saalbaugesellschaft das Recht gewahrt bleiben soll, nach Ablauf dieser Zeit gegen Zurückerstattung des Kaufpreises das Besitzthum zum Zwecke der Errichtung eines Saalbaues wieder zu übernehmen. (S. Anz. Nr. 287 von 1889, 2. Bl.)
— Reichstagswahl. Wie dem „Frkf. Journal" von hier geschrieben wird, ist der gegenwärtige Reichstags-Abgeordnete unseres Wahlkreises, Herr Hugo Buderus in Hirzenhain, trotz der Schwierigkeiten, die ihm durch sein Mandat erwachsen, bereit, auf's neue eine Candidatur anzunehmen. — Weiter theilen wir mit, daß in einer gestern Mchmittag hier abgehaltenen Versammlung Herr Schreinermeister Carl Orbig als Candidat der Arbeiterpartei für die kommende Reichstagswahl aufgestellt wurde.
r. Herbstein, 11. Januar. Vor einigen Tagen wurde in dem benachbarten Orte Salz ein 21 jähriges Mädchen von der Influenza befallen. Ohne auf die Krankheitserscheinungen recht zu achten, machte dasselbe eine Tanzbelustigung mit. Am andern Morgen war das Mädchen eine Leiche.
* Amerikanisch. Scene: Das Local eines ingeniösen Gastwirths in Amerika. Gast (nach eingenommenem Souper): „Kellner, zahlen 1" — Kellner: „Belieben der Herr einen Augenblick auf die electrische Waage zu steigen. ©oft thut es. — Kellner: „Danke bestens! Gewicht vor dem Souper war 76,37 Kilogramm, nad)■ dem Souper 77,41 Kilogramm, also Zunahme 1,04 Kilogramm - macht einen Dollar vier Cent." Diese neue Art von Speiseberechnung berichten die amerikanischen Zeitungen ganz ernsthaft als eine epochemachende Neuerung.
Univerfitäb - Nachrichten.
Königsberg i. Pr., 11. Januar. Emin Pascha, welcher ein Jahr hier ftudirt hat, ist von der philosophischen Facultät der hiesigen Universität zum Ehrendoctor ernannt worden.
vermischter.
* Mainz, 10. Januar. Das Kriegsgericht verurtheilte letzter Tage einen Soldaten zu 8 Jahren Gefüngniß, weil derselbe während des Exercierens seinem Vorgesetzten das Gewehr vor die Füße geworfen, Schimpsworte gebraucht hatte und dann davongelaufen war.
* Frankfurt, 11. Januar. Welch' eingreifende Wirkung die Influenza aus einzelne Geschäftszweige hat, erhellt aus dem riesigen Verbrauch der Mineralwasser von Ems und Niederselters. Die beiden fiscalischen Verwaltungen sind seit einigen Wochen mit Füllung und Verladung ihrer Wasser so überhäuft, daß sie kaum den Anforderungen entsprechen können, ein im Januar nock) nie dagewesenes Ereigniß.
* Frankfurt, 11. Januar. Gestern fanden nicht weniger wie 30 Beerdigungen hier statt, der letzte Leichenconduct bewegte sich um 1 Uhr Nachmittags zum Friedhof. Es ist dies die größte Zahl der in letzter Zeit hier stattgefundenen Begräbnisse. Das Friedhofspersonal ist seit längerer Zeit verstärkt worden.
* Niederschelden, 6. Januar. Eine höfliche amtliche Aufforderung. Folgende drastische Bekanntmachung veröffentlicht der hiesige Amtmann des Amtes Eiserfeld in dem amtlichen Kreisblatt: „Ich habe schon so manchmal gewarnt, daß der Fußtritt der Provinzialstraße von Eiserfeld nach Niederschelden nicht verunreinigt werden möchte. Trotzdem geschieht es aber nock; immer. Ich mache daher nochmals daraus aufmerksam, daß scharf aufgepaßt wird, und Diejenigen, welche dabei abgefaßt werden, strenge Strafe trifft. Vorläufig aber bitte ich alle Diejenigen, welche die Straße verunreinigt haben, siä) gefälligst vor sick; selber schämen zu wollen."
* Die Erfindung der Stahlfedern wird gewöhnlich den Engländern zugeschrieben, aber wie eine in Nürnberg 1544 gedruckte Schrift beweist, kannte man schon zu jener Zeit neben den Federn aus „Genßkil, Psawenkil, Schwaneukil, Welschen Calami oder Ror, hartem Holtzleim und durchsichtig Horn^ auch solche von „Eysern und Kupfern Ror, auch Kupfern und Messine blechlein". Aber wie das in früheren Jahrhunderten noch häufiger vorkam, als jetzt, von der Erfindung und vereinzelten Ausführung gelangte man noch lange nicht zur Anerkennung und Verbreitung. Der Bürgermeistereischreiber Johann Jansen in Aachen erfand die Stahlfeder um die Mitte des 18. Jahrhunderts noch einmal und der Schreiblehrer Bürger zu Königsberg construirte auch Federhalter und wollte später die „Federschnäbel", die er anfangs aus Gänsekielen nach einem eigenen Apparat schnitt, aus Metall Herstellen. Dank sand er für seine Erfindungen jedoch nicht, sondern wüthenden Haß der Gänsesederhändler und anderer Neider, er verlor seine Schüler, ergab sich dem Trunk und starb im Elend. Da bemächtigten sich im zweiten Viertel des Jahrhunderts die Engländer der Idee und brachten sie schnell zu siegreicher Anerkennung. Perry, Mason und Gillot hießen die ersten Stahlfederfabrikanten, ihre Federn kosteten 5 Mk. anfangs, ziemliä) lange fiel der Preis nicht unter 1 Mk. Heute bestehen in Europa 20 Stahlfederfabriken, davon 14 in England und zwar alle in Birmingham, 3 in Frankreich, 2 in Deutschland, 1 in Oesterreich. In Nordamerika gibt es 2 Fabriken. Birmingham allein prvducirt im Jahr 749 Millionen Stück.
* Hübsches Compliment. Eine Dame der englischen Aristokratie hatte längere Zeit zu dem französischen Botschafter gesprochen, ohne ihn zu Worte kommen zu lassen. Dasselbe endlich inne werdend, bemerkte sie: „Sie müssen glauben, daß ich den Ton meiner eigenen Stimme sehr liebe." — Der Franzose erwiderte: „Ick) wußte ja, daß Sie eine I große Freundin der Musik sind."
Literatur und Ituitft.
— Grundzüge der Realien für Volks- und Bürgerschulen. Bearbeitet von Earl A. Krüger, Rector in Königsberg t. Pr. Zweite Auflage. Mit 153 Abbildungen und 43 Karten. 254 Seiten. 8°. Preis dauerhaft gebunden 1 JL Danzig 1889. Ernst Gruihns Verlag. Das 254 Seiten starke Buch bringt die ge- sammten Realien in einheitlicher Darstellung. Bet aller Reichhaltigkeit zeigt sich doch überall weise Beschränkung. Der ganze Stoff ist anziehend und für den Schüler mundgerecht bearbeitet. — In der Naturgeschichte treffen wir bet lebendiger Schreibweise eine strenge Gliederung und überall bekundet die Auswahl, daß der Verfasser es meisterhaft verstanden, das rechte Maß zu treffen. — Leicht faßlich und klar ist der spröde Stoff der Naturlehre behandelt. Aus dem Gebiete der Mineralogie und Chemie wurde eine musterhafte Auswahl getroffen, die dem Bedürsniß durchaus entspricht. — Die deutsche und preußische Geschichte ist bis auf unseren jetzt regierenden Kaiser in höchst anziehenden Characterbildern geschrieben. Großes Wohlgefallen hat bei uns die Behandlung der deutschen Göttergeschichte erregt; auch sagt es uns zu, daß die alte Geschichte nicht ohne Berücksichtigung geblieben ist. — Erfreut hat uns auch die gediegene Behandlung der Geographie; insbesondere zeigen die kurzen vortrefflichen Schilderungen einzelner Landschaften die meisterhaft gedrängte Schreibweise des Verfassers. Bet fremden Namen ist die Aussprache angegeben und die vielen Erklärungen der Eigennamen beleben den Stoff. Es ist uns nicht entgangen, daß auf die richtige Schreibung der Namen große Sorgfalt verwendet ist. Ein reiches Kartenmaterial im engen Anschluß an den Text ersetzt dem Schüler den Atlas, und so ist das Buch nach allen Richtungen hin warm zu empfehlen. D. Ztg. Dr. A. G.
Verkehr, £anö« uni V olkrrvirthschaft.
Grünberg, 11. Januar. (Fruchtpreise). Weizen JC 20,00, Korn JL 18,9t), Gerste JL 18,10, Hafer 16,00, Erbsen Jt 00,CO, Samen 00,00, Lein JC 00,00, Kartoffeln JL. 0,00, Linsen JL 30.
Frankfurt, 11. Januar. Erbsen ganze per Pfd. 14—18 H, do. geschälte 16—20 H, Linsen 15—25 H, weiße Bohnen 16—20 gelbe Kartoffeln per Gescheid 14—16 H, rothe Kartoffeln per Gescheid 12—14 4, Butter per Pfd. X 0,80-0,95 Eier das Stück 7—8 Blumenkohl 30—80 H, Weißkraut das Stück 12—20 H, Rothkraut 12—25 H, Wirsing 10—15 H.
M Gaffel, 12. Januar. Etsenbabnproject Cassel-Köln. Wie das Mitglied des Eisenbahn-Comitäs, Herr Kaufmann Carl Has, in der nichtöffentlichen Sitzung der hiesigen Handelskammer mittheilte, hat das Comitä zur Herstellung einer dtrecten Eisenbahnverbindung Cafsel-Cöln eine eingehende Denkschrift über das Project ausgearbeitet, der ein aenauer Nachweis über Verkehr und Industrie der berührten Gegenden, eine Rentabilitätsberechnung, sowie eine UebersichtSkarte beigegeben wird. Nach einem Beschluß des Eisenbahn-Comit6s sollen diese Schriftstücke, Karten und Pläne rc. den Behörden und Jnteresfenten an der Verwirklichung des Projectes übermittelt werden. Die ersten Exemplare dieser Schriftstücke lagen der Handelskammer in der neulich stattgefundenen nichtöffentlichen Sitzung bereits vor. Auf Antrag aus der Mitte des Etfenbahn-ComitLs beschloß die Handelskammer, auch die für Herstellung der erwähnten Schriften entstehenden Druckkosten auf ihre Kasse zu übernehmen, ein Verfahren, was Anerkennung verdient und deutlich beweist, daß die Casseler Handelskammer das lebhafteste Interesse an der Ausführung des Projectes nimmt.
M Gaffel, 13. Januar. Der hiesigen königlichen Staatsregierung ist ote amtliche Mtttheilung zugegangen, daß nach einem Beschluß des Bundesrathes, wie in früheren Jahren, in der zweiten Hälfte des Monats Februar 1890 eine Ermittelung des Ernteertrages für 1889 im gefammten Reichsgebiete stattfinden wird. Diele Ermittelung verfolgt den Zweck, durch directe Umfragen möglichst zuverlässige Angaben über die im Jahre 1889 wirklich geerntete Menge an Bodenproducten in Deutschland zu gewinnen.
Schiffrnachrtchten.
Der Postdampfer „Westernland" der „Red Star Line" in Antwerpen ist laut Telegramm am 10. Januar wohlbehalten in Newyork angekommen.
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