Ausgabe 
13.4.1890 Erstes Blatt
 
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Nr. 85. Erstes Blatt. Sonntag den 13. April 1890

Der

Wteiur Anzeiger triefrint täglich, mit Ausnahme der MontagS.

Die Gießener

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Unnahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den tilgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Borm. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Ilrntlichev Theil.

Gießen, am 10. Aprll 1890. !detr.: Den Wiesengang.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grosth. Bürgermeistereien des Kreises.

Soweit Sie unserem Ausschreiben vom 1. März d. I. - Anzeiger Nr. 53 noch nicht entsprochen haben, erinnern v« Sie an sofortige Erledigung.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Nachstehende Erklärung der Verwaltung der Unter- siützungskasse der Hessischen Landes - Irrenanstalten bringen Niir hiermit zur Kenntniß der Kreiseingesessenen.

ließen, am 9. April 1890.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Untrrstühungskassr der Hess. Landes-Zrrenanstalten.

Dte Vertrauensmänner unserer Kasse sind durch die in ihnen Händen befindliche Anleitung zur Geschäftsführung nun- tnchr in den Stand gesetzt, da, wo eS sich um die Versorgung eiii'es GeisteStranten handelt, Jedermann guten Rath und zuverlässige Auskunft unentgeltlich zu ertheilen. Indem wir düs gemäß der Vorschrift in Abschnitt A 6 der genannten Anleitung zur Kenntniß der Bewohner des Kreises Gießen bvngen, fügen wir Namen und Wohnort der kreisangehöri­gen Vertrauensmänner hier an.

1. Allcndors n. d. Lahn: Bürgermeister Volk daselbst. 2. Alten Buscck: Balthasar Volz I. da- selbst. 3. Bettenhnnscn: Landwirth Philipp Köhler- Lugge daselbst. 4. Beuern: Lehrer Fischer da­selbst. 5. Gießen: Polizeirath Fresenius daselbst. 6. Großen-Linden: Pfarrer Hepding daselbst. 7. Griinberg: Decan Pullmann daselbst. 8. Grün- bcrg: Gertchtsschreiber Wießner daselbst. 9. Heuchelheim: Bürgermeister Kreiling daselbst. 10. Hungen: Br. Rouge, pract. Arzt daselbst. 11. Klein-Lind n: Schnüedmeister Schaum daselbst. 12. Langd: Pfarrer Diefenbach daselbst. 13. Langgöns: Postagcnt Rompf daselbst. 14. Langs­dorf: Lehrer Vach daselbst. 15. Lich: Br. Seipp, pract.Arzt daselbst. 16. Lollar: Oeconom C. Geißler daselbst. 17. Londorf: Pfarrer Weber daselbst. 18. Rodheim a. d. Horloff: Lehrer Koch daselbst. 19.Trais-Horloff: Decan Wahl daselbst. 20. Vil- lingen: Bürgernteister Ko ch daselbst. 21. Großen- Buseck: Pfarrer Deichert daselbst. 22. Wicseck: Lehrer Katzenbach daselbst. 23. Saasen: Bürger­meister Schmitt daselbst.

Im Kampf mit Jrrthümern und Mißverständnissen, die uns leider stets von Neuem entgegentreten, glauben mir auch aiu dieser Stelle die nächsten Ziele unserer Bestrebungen in (Erinnerung bringen und hierdurch den erwähnten Mißver- stämdnissen entgegentreten zu sollen.

Der Einsicht und dem Wohlthätigkeitssinn unserer Mit- biirger vertrauend, wollen wir den bedürftigen Pfleglingen der Landes-Irrenanstalten bei und nach ihrer Entlassung aus der Anstalt, und ebenso den in Noth gerathenen Angehörigen der in den Anstalten befindlichen Geisteskranken diejenige Ilmterstützung sicher stellen, welche denselben anders woher nicht zu Theil wird und nicht zu Theil werden kann. Im Abschluß hieran ist unser Bestreben ferner darauf gerichtet, d«ß die so überaus wichtige rechtzeitige Benutzung der Landes- Zvrenanstalten nicht mehr, wie jetzt, als eine Ausnahme er- Ichieint, sondern immer mehr zu Regel wird.

Die Armenverbände und die Staatsregierung, an die niian uns, wenn wir um Beiträge bitten, nur zu oft ver­wüst, sind in Folge ihrer gesammten Einrichtungen und in Atilbetracht des Umfangs ihrer sonstigen ^Verpflichtungen von vornherein außer Stand, den entlassenen Pfleglingen der Bundes-Irrenanstalten die erforderliche eigenartige und nament­lich auch verschwiegene Hilfe zu bringen. Die mannigfaltige Ant und Weise, in welcher diese Hilfe, unter unserer fort- wochrenden Mitwirkung in Rath und That im Einzelfalle geleistet werden muß, der im Voraus oft nicht zu bemessende llmd nicht selten hohe Geldbetrag der bald leihweise, bald M Geschenk gereichten Unterstützung, und endlich die um geirviffe, in gar manchen Fällen recht lange Dauer der Hilfs- lMrftigkeit, lassen sich in den Rahmen unserer öffentlichen Armenpflege nicht einfügen.

Was ferner die in Noth gerathenen Angehörigen eines in der Anstalt befindlichen Kranken betrifft, so dürfen die­selben, wie die Erfahrung gelehrt hat, auf eine durchgreifende Hilfe des betreffenden Armenverbandes schon deshalb nicht rechnen, weil dieser Armenverband die Kosten der Verpfle­gung des Kranken in der Anstalt trägt und entweder schon hierdurch genug belastet zu sein erklärt, oder nur eine ganz unzureichende Unterstützung zu leisten vermag.

Dazu kommt, daß es sich in vielen Fällen nicht sowohl um unbemittelte, als vielmehr um wenig bemittelte und nicht selten um solche bedürftige Pfleglinge der verschiedensten Stände handelt, welche, srüher niemals von fremder Hilfe abhängig, in ihrem kaum wiederhergestellten Gesundheits- zustand höchst nachtheilig bedroht und innerer wie äußerer Noth preisgegeben werden würden, wenn man sie bei ihrer Entlassung aus der Anstalt ohne Weiteres auf den Weg des öffentlichen Almosens verweisen wollte.

Die Staatsregierung und Armenverbünde nützen ebenso sich selbst wie uns, indem sie unserer Kasse jährliche Beiträge zuwenden; an unsere Stelle zu treten, unsere Ausgaben zu lösen, vermögen sie aber nicht.

Heppenheim, am 29. März 1890.

Die Verwaltung der Unterstützungskasse der hessischen Landes-Irrenanstalten.

Br. Ludwig. Br. Wittich. Br. Stühlinger. Schaum.

Gefunden: 1 Wagenkapsel, 1 Mütze, 1 Armband, 1 Halstuch, 1 Spazierstock, 1 Zwicker, 1 Halsbinde, 1 Paar Handschuhe, 1 Laterne. 1 Portemonnaie, 1 Hundemaulkorb.

Gießen, am 12. April 1890.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Nebersicht

Gießen, 12. April.

Die aufgetauchten Gerüchte über die Einsetzung von Reichsministcricn treten immer bestimmter auf und versichern Berliner Meldungen, die Verhandlungen über die Verwirk­lichung dieses Planes seien bereits in vollem Gange. Falls sich die Sache nach den Wünschen des Kaisers gestalte, so werde der Reichstag schon in feiner bevorstehenden Session in der Lage fein, eine Gesetzesvorlage über die Errichtung von Reichsministerien in Berathung zu nehmen. Als in erster Reihe stehend wird die Einsetzung eines Reichsfinanzministers bezeichnet und sei dieselbe so unerläßlich, daß man sie selbst für den Fall wünsche, daß die Institution zunächst nur mit nahezu unzulänglichen Befugnissen ausgerüstet ins Leben zu treten vermöchte. Weiter versichern die betreffenden Meld­ungen, daß die deutsche Centralgewalt trotz des Mißtrauens einzelner Bundesstaaten gegen das Reichssinanzminister-Project an demselben mit aller Zähigkeit festhalte und der Heber» zeugung fei, daß die zwingende Nothwendigkeit einer solchen Reform schließlich alle derselben noch entgegenstehenden Hinder­nisse und Bedenken beseitigen müsse. Daß es indessen mit der Einsetzung eines Reichsfinanzministers wirklich so rasch gehen sollte, möchte doch noch zu bezweifeln fein, der Plan ist schwerlich schon spruchreif.

Die Pöbclcxcesse in Wien haben sich, soweit die vor­liegenden Nachrichten reichen, nicht wiederholt und steht eine Wiederholung der wüsten Scenen vom Dienstag und Mittwoch angesichts der getroffenen Vorsichtsmaßregeln auch nicht zu befürchten. Unter den strikenden Wiener Arbeitern soll gegen die Urheber der Tumulte große Erbitterung herrschen, weil jene, wohl nicht mit Unrecht, befürchten, daß die stattgefun­denen Ausschreitungen auf die Entscheidung des Streites um die Lohnerhöhung in einem für die Arbeiter ungünstigen Sinne einwirken könne. Uebrigens werden die Wiener Un­ruhen außer an gerichtlicher Stelle auch noch an anderen Stellen ein Nachspiel finden. Bei dem bevorstehenden Wieder­zusammentritte des österreichischen Abgeordnetenhauses wird die Regierung von deutschliberaler Seite in Bezug auf die mangelhaften Vorkehrungen zum Schutze von Personen und Eigenthum bei den Krawallen in Neu-Lerchenfeld interpellirt werden. Ferner will eine Abordnung angesehener Wiener Bürger beim Kaiser die Bitte um Schutz der friedlichen Ar­beit gegen dieselben bedrohende Umtriebe vortragen und zu­gleich auf den eigentlichen Ursprung der Unruhen wie auf den hierbei zunächst bekundeten Mangel an Energie seitens der Behörden Hinweisen.

Am 27. April finden in Paris die Neuwahlen zum Gemeinderathe statt und darf man denselben mit Interesse entgegensehen, da die städtischen Wahlen in Paris von jeher einen Gradmesser für die politische Stimmung der Bevölkerung

der französischen Hauptstadt abzugeben pflegen. Die Wahl­agitation ist bereits in vollem Gange und da für die erledigten 88 Gemeinderathssitze gegen 1000 Bewerber vorhanden sind, so kann man sich vorstellen, wie hitzig sich der eigentliche Wahlkampf gestalten wird. Neben boulangistischen und monarchistischen Candidaten erscheinen natürlich auch die (San* didaten aller möglichen republikanischen Parteischattirungen auf dem Plane und dürfte es voraussichtlich in der Haupt­sache zu engeren Entscheidungen zwischen Radicalen, der jetzigen Mehrheit des Pariser Gemeinderathes, und Ultrarabicalen kommen.

Nach mehrjähriger Abwesenheit nicht nur von Europa, sondern auch überhaupt von den Grenzen der Civilisation hat Henry Stanley am vergangenen Donnerstag in Brindisi zum ersten Male wieder europäischen Boden betreten, umflossen von dem eigenartigen Nimbus feiner jüngsten abenteuerreichen Afrikafahrten. Der berühmte Afrikaforscher, welcher die lieber* fahrt von Egypten auf dem DampferHydaSpeS" bewerk­stelligt hatte, wurde bei der Ankunft in Brindisi noch an Bord des Schiffes vom llnterpräfecten, dem Bürgermeister und zwei Mitgliedern der italienischeii geographischen Gesell­schaft begrüßt, die letzteren überreichten Stanley eine ihm von genannter Gesellschaft zuerkannte goldene Medaille. Der König Humbert und Ministerpräsident Crispi sandten herz­liche Begrüßungstelegramme an Stanley. Noch am Donners­tag Abend reifte Stanley über Neapel, Rom und Genua nach Cannes weiter, vermuthlich, um daselbst einige Zeit zur Er­holung zu verweilen.

Die Ausweisung zweier auswärtiger Zeitungscorrespon- henteu aus Rom erregt auch außerhalb Italiens ein gewisser ' Aufsehen, da sonst die italienische Negierung in Preßsachen sehr tolerant ist. Von der Maßregel sind der Correspondent der ,,Frankfurter Zeitung", Moritz Grunwald, und des Pariser Figaro", Jules Lavalette, betroffen worden und erfolgte sie auf Grund des Artikels 90 des Gesetzes über die öffentliche Sicherheit. Es heißt, daß die Ausweisung der beiden Jour­nalisten auf Grund unwahrer Berichte, welche sie über römische Bankfirmen ihren Blättern sandten, angcordnet worden sei und daß der Ministerpräsident CriSpi selbst die Sache in die Hand nahm. DieRisorma" sagt über den Zwischenfall, die Gründe zu der Ausweisung seien in Art. 113 und Art. 293 des neuen Strafgesetzbuches zu finden. Dieselben betreffen die Verbreitung falscher Nachrichten, welche geeignet feien, die internationalen Beziehungen des Staates oder feinen öffent­lichen Credit zu schädigen. Die Regierung habe sich endlich entschlossen, das Gesetz zur Anwendung zu bringen, da eine noch längere Duldung die finanzielle und wirthschastliche Lage des Landes ernstlich gefährdet haben würde.

Neueste Nachrichten.

WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 11. April. DerReichsanzeiger" veröffentliche die Ernennung der Herren v. Berlepsch und Marschall, zu Bevollmächtigten des Bundesraths.

Der Afrikareisende Hauptmann Kund ist von dex Dienstleistung bei dem auswärtigen Amte entbunden und Zu« Nebenetat des großen Generalstabs commanbirt worden.

Berlin, 11. April. DieB. P. N." wollen wissen, daß abgesehen von den parteitendenziösen Speculationen über die Einrichtung verantwortlicher Reichsmini st erieic doch andererseits Gründe sür die Annahme vorliegen, daß Erwägungen hierüber stattfinden, wie ohne eine Beeinträch­tigung der Stellung des Bundesraths den Reichsämtern eine größere Selbständigkeit und verstärkte Verantwortlichkeit ge­geben werden könne.

DieGermania" schreibt in einer Polemik gegen einen Artikel desB. T." über den Sturz der Brs- marck'schen Wirth schastspolitik: Der Hauptträger der Schutzzollpolitik, das Centrum und die Conservativen, im Verein mit Polen und Elsässern, sind es heute wie seit elf Jahren; auch ist nicht die leiseste Vermuthung berechtigt, daß die Regierung, bezw. die deutschen Regierungen, an eine Aenderung des Schutzzollsystems dächten- in Deutschland seien landwirthschaftliche Zölle nothwendiger als gewerbliche.

Wiesbaden, 11. April. Se. Majestät der Kaiser traf heute früh 9 Uhr 45 Min. hier ein und fuhr vom Bahn­hofe aus, überall von der dicht gedrängten Volksmenge enthusiastisch begrüßt, durch die festlich geschmückte Stadt nach dem Schlosse.

Wiesbaden, 11. April. Der Kaiser empfing um 10 Uhr die Prinzessin Christian von Schleswig-Holstein mit ihren Töchtern, welche einen prachtvollen Theerosenstrauß überreichten. Der Kaiser geleitete die Herrschaften bis in das Vestibül und verabschiedtte sich herzlichst. Eine tansendköpfige Volksmenge.