Ausgabe 
11.6.1890
 
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daß der französische Botschafter Billot mit der italienischen Regierung ein Arrangement abgeschlossen habe, wodurch der französisch-italienische Zolltarif abgeändert werde.

Perigenx, 9. Juni. 'Constans ist zur Vertheilung der Preise für den Ackerbauverein hier eingetroffen. Bei dem Empfang der Maires des Departements hielt Constans eine Rede, worin er betonte, daß die Republik allen Fran­zosen von gutem Willen offcnstände.

London, 9. Juni. Das Oberhaus lehnte mit 119 gegen 49 Stimmen die Bill ab, welche auch Frauen die Qualification zur Mitgliedschaft bei Grasschaftsräthen beilegt. Die Regierung hatte die Bill bekämpft.

Petersburg, 9. Juni. Nach amtlichen, mit dem 7./19. Mai abschließenden Berichten war der Stand der Winter­saaten im größten Theile des europäischen Rußlands ein guter, an vielen Stetten sogar ein sehr guter. Mittelmäßig standen die Wintersaaten in Livland und Kurland, im Zarthum Polen, in Podolien und Bessarabien, unbefriedigend in einigen nordöstlichen Gouvernements.

Sofia, 9. Juni. Fürst Ferdinand ist, derPolit. Corresp." zufolge, in Bratza, wohin er sich zur Enthüllung des Denkmals für den Dichter Botiw begeben hat, begeistert empfangen worden. Bei der gestrigen Enthüllungsseier hielt der Fürst eine Ansprache, in welcher er die Bulgaren auf­forderte, das Andenken der für das Vaterland Gefallenen zu ehren. Bei dem Festbanket toastete der Fürst auf das Wohl Bratzas und das Gedeihen der bulgarischen Nation- Stam-' bulow aus alle Patrioten, an deren Spitze der Landes- sürft stehe.

Suez, 9. Juni. (Meldung des Bureau Reuter.) Major Wißmann ist, begleitet von Dr. Bumiller und einem Ver­wandten des Sultans von Zanzibar, welcher Geschenke des Sultans für den Kaiser Wilhelm überbringt, aus Zanzibar hier eingetroffen und nach Kairo weitergereist.

Kairo, 9. Juni. Major Wißmann, der heute hier eingetroffen ist, wurde von der deutschen Colonie und den gesellschaftlich hervorragenden Persönlichkeiten anderer Nationen, auch von Casati, aufs Herzlichste begrüßt. Wißmann reist zu Ende der Woche nach Berlin weiter.

Cocales rrnd Provinzielles.

Gießen, 10. Juni.

Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag den 12. Juni 1890, Nachmittags 4 Uhr:

1. Gesuch des H. Kinkel um Ertheilung der Concession zum Wirthschaftsbetrieb. 2. Desgl. des Conditors Ludwig Döll. 3. Gesuch des Specereihändlers H. Hansel um Er- laubniß zum Verkauf von Branntwein über die Straße. 4. Baugesuch des Valentin Fießer. 5. Baugesuch des Ludwig Kohlermann. 6. Gesuch des Kaufmanns Friedrich Habenicht um pachtweise Ueberlassung städtischen Geländes. 7. Die Telephoueinrichtung vom Polizeigebäude nach dem Thurm. 8. Herstellung im Bürgermeistereigebäude. 9. Die Ausstellung von 4 Ruhebänken auf der Ostanlage. 10. Anbau des Hoch­behälters. I I. Die Errichtung kleiner Fischzuchtanstalten. 12. Die Beschaffung von Brennmaterial für die städtischen Anstalten pro 1890/91. 13. Die Verwerthung des Gras­

samens im Stadtwalde. 14. Decretur von Kostenrechnungen. 15. Die sogen. Wodestraße. 16. Erbauung einer Kühlanlage im hiesigen Schlachthause.

In der am 3. Juni d. I. abgehaltenen General­versammlung des Thierschutzvereins erstattete der Vorsitzende, Herr Lehrer Curschmann, Bericht über das abgelaufene Vereinsjahr. Aus dem Berichte geht hervor, daß der Verein auch in diesem Jahre bemüht war, die Leiden der Thierwelt zu mindern und das Barmherzigkeitsgesühl in weiten Kreisen zu wecken und zu pflegen. Die Mitgliederzahl hat sich im vergangenen Jahre um 47 vermehrt, so daß der Verein 502 Mitglieder zählt. Der Ausschuß hielt 8 Sitzungen ab. Entsprechend dem Vorgehen anderer Vereine hat der hiesige Thierschutzverein auch im vergangenen Jahre Prämien an solche Personen vertheilt, die sich einerseits hinsichtlich des Dienstes als Sicherheitsbeamte durch Anzeige von Thier­quälereien, anderntheils hinsichtlich der Behandlung und Wartung ihnen anvertrauter Thiere verdient machten. Die Namen der so Prämiirten wurden s. Z. imAnzeiger" ver­öffentlicht. Zur Vertheilung an die Schüler wurden 2000 Thierschutzkalender bezogen, wofür 104 Mk. 40 Pf. aufgewendet wurden- hiermit hofft der Ausschuß, eingedenk des Lefsing'schen Wortes:Wer die Welt bessern will, muß bei der Jugend anfangen", den richtigen Weg zur Erreichung seiner Zwecke einzuschlagen - die Kalender wurden von den Schülern als kleines Geschenk hocherfreut angenommen. Aus dem Gebiete des Vogelschutzes ist der Verein bestrebt gewesen, die Einwohner der Stadt für die Fütterung der bei hohem Schnee darbenden gefiederten Sänger zu gewinnen. Erfreulich ist es, zu constatiren, daß die Stadt Gießen sehr viele Einwohner zählt, die durch reichliches Füttern der Vögel im vergangenen Winter zur Linderung der Noth beitrugen - so hatte eine nicht genannt sein wollende Dame allein 85 Psd. auf eigene Kosten beschafften Vogelsutters auf einem Futter­brette verbraucht. Vom Vereine selbst wurden keine Kosten gescheut, die überwinternden Vögel zu pflegen. In das Ge­bier der Berathungen wurde hauptsächlich die Schädlichkeit der Katzen für die Vogclwelt gezogen, denen Tausende von Vögeln, namentlich im Frühjahr, zum Opfer fallen. Es beschloß deshalb auch der Ausschuß des Thierschutzvereins, den Hauptverein in Darmstadt zu ersuchen, für diejenige Arbeit, welche genau und bestimmt zeigt, wie aus gesetzlichem Wege dem Katzenunsuge gesteuert werden kann, eine Geld­prämie zu bewilligen. Trotzdem dieser Antrag in Darmstadt abgelehnt wurde, wird der Verein nicht eher ruhen, bis in dieser Sache zum Schutze der Vögel gesetzliche Anordnungen getroffen sind. Das Amt des Schriftführers, welches Herr Lehrer Spitz infolge anderweitiger Berufsgeschäfte nieder­legte, wurde Herrn Lehrer Oehlenschläger übertragen.

Herrn Lehrer Spitz wurde der Dank des Vorstandes aus­gesprochen, desgleichen dem Herrn Oberlehrer Fuhr für die gewissenhafte Führung der Rechnungsgeschäfte. Die im Verein gehaltenen Vorträge haben Abdruck in verschiedenen Blättern, sowie auch Auswärts Anerkennung gefunden. Zum Schluß brachte der Vorsitzende allen Denen den Dank des Vereins dar, die durch Wort und That, sowie durch finan­zielle Beihülse die Sache des Thierschutzes förderten und unterstützten.

Wer die jetzt im vollen Schmucke des Frühlings prangenden städtischen Anlagen bewundert und gern in denselben weilt, wird kaum glauben, daß es auch Leute, große und kleine, gibt, die in den Anlagen nichts als ein Object für ihre Zerstörungskünste finden. Immer werden diese Uebel- thäter wohl nicht erwischt, wo dies aber gelingt, werden sie zur wohlverdienten Strafe herangezogen. In der Feldgerichts­periode vom 20. März bis 20. Mai wurden nicht weniger wie 28 Personen zu empfindlicher Strafe deshalb verurtheilt, weil sie Beschädigungen der Anlagen sich hatten zu Schulden kommen lassen. Es seien angesichts dieser Thatsache namentlich die Eltern darauf aufmerksam gemacht, daß unter den 28 Straffällen sich viele Kinder befanden, die Verüber von Beschädigungen waren, für welche aber die Eltern bestraft wurden.

Herr Dr. Hermann Goldenberg in Newyork hat der Redaction der dort erscheinendenHessen-Darm­städter Zeirung" den Aufruf des Turnvereins Gießen um Zeichnung von Antheilfcheinen und Geschenken zur Er­bauung einer neuen Turnhalle übersandt. Der Aufruf ist in Nr. 45 vom 28. Mai desselben Blattes erschienen. Die in Amerika lebenden Gießener Landsleute werden von der Re­daction ersucht, sich für diesen Zweck zu constitufren und eine solche Beihülfe zu leisten, wie sie denGießener Amerikanern" zur Ehre gereiche. Gut Heil!

Friedberg, 6. Juni. Ihre K. H. Prinzessin Mar­garethe von Preußen kam heute Nachmittag 4 Uhr zu Wagen von Homburg hierher, um I. Kgl. Hoh. der Prin­zessin Alix zum hohen Geburtstag zu gratuliren, und fuhr nach dem Thee nach Homburg zurück.

Friedberg, 7. Juni. Heute Nachmittag 2 Uhr traf Se. Erl. der Gras von Jsenburg-Meerholz nebst Ge­mahlin und Töchtern zum Besuche der Allerhöchsten Herr­schaften hier ein, wohnte der Tafel an und reiste Abends nach Meerholz zurück.

Friedberg, 8. Juni. Seine Königliche Hoheit der Großherzog begaben sich heute früh 9 Uhr in Begleitung des Großh. Majors v. Grancy nach Darmstadt und von da mit Großh. Oberst Wernher nach Groß-Gerau zur Anwohnung bei der 300jährigen Jubiläumsfeier der dortigen Schützen­gilde. Kreisrath Frhr. v. Löw zu Steinfurth empfing Se. Königliche Hoheit, welche dem Vorbeimarsch des Festzuges beiwohnten und darauf den Festplatz zu besuchen geruhten. Abends 8 Uhr kehrten Höchstdieselben wieder hierher zurück.

Heute Mittag 1 Uhr trafen Ihre Durchlaucht der Fürst und die Fürstin von Isenburg-Büdingen mit Prinzessin-Tochter zum Besuche der Allerhöchsten Herr­schaften hier ein, nahmen an der Tafel theil und reisten um halb 4 Uhr wieder nach Büdingen zurück.

> < Friedberg, 9. Juni. Eine aufregende Scene spielte sich heute Abend in der hiesigen Pferdeschwemme ab. Als die Pferde des Droschkenbesitzers H. in die Ufa geritten wurden, geriethen drei Thiere in Schlamm und Schling­gewächse. Die Pferde konnten weder vor- noch rückwärts, zudem ihnen die scharfen Stengel der Pflanzen in das Fleisch schnitten. Schrecklich war das Schreien der Pferde anzuhören. Mit Hilfe herbeigeeilter Leute gelang es nach vielen Ver­suchen, Reiter und Pferde mit Seilen aus der gefährlichen Lage zu befreien.

Friedberg, 9. Juni. Samstag den 14. Juni, Vor­mittags 10 Uhr, findet im hiesigen Rathhaussaale eine Gene­ralversammlung des landwirthschaftlichen Bezirks­vereins Friedberg statt.

Friedberg, 7. Juni. Unser hiesiges evangelisches Prediger-Seminar ist in den letzten Tagen um einen werthvollen Schmuck reicher geworden, welcher auch Fernerstehende, namentlich Kunst- und Alterthumsfreunde, interessiren dürfte Der Festsaal, welcher zu der seierlichen Entlassung der Candidaten an Ostern und zu den wöchent­lichen Seminargottesdiensten benutzt wird, entbehrte bisher jeder würdigen gottesdienstlichen Ausstattung. Auf dem Bodenraum der Burgkirche fand sich nun eine alte Kanzel. Mit sicherem Blick erkannten die für die Sache interessirten Herren, voran Kreisbaumeister Kranz, deren Kunstwerth. Der Kirchenvorstand ließ sich bereit finden, das in seinem verwahrlosten Zustand für die Gemeinde völlig werthlose Jnventarstück dem Prediger-Seminar zu überlassen, und aus Mitteln, welche von dem Jubiläum 1887 aus einer Schen­kung der Geistlichkeit des Landes noch übrig waren, wurde die Restauration bewerkstelligt, welche Tischlermeister Deweil in stilgerechter Weise besorgte. Die Kanzel ist ein Meister­stück der Holzarbeit im Renaissancestil und stammt aus dem Jahre 1605. Außerdem wurde eine mustergültige Altar­bekleidung beschafft, welche den Kandidaten vor Augen zu stellen geeignet ist, wie der Altar einer evangelischen Kirche (gothischen Stils) beschaffen sein soll. Die Arbeit, die als eine vorzügliche bezeichnet werden darf, stammt aus dem Atelier der Gebr. Stoffregen in Hannover.

E. Laubach, 9. Juni. Der auf morgen festgesetzte Vieh- markr wurde wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche in einigen Gemarkungen des Kreises Schotten auf Grund des § 28 des Reichsviehseuchengcsetzes verboten.

E. Schotten, 9. Juni. Laut Bekanntmachung Großh. Kreisamts Schotten ist die Maul- und Klauenseuche in Helpershain, Ulrichstein und Eschenrod in ein­

zelnen Gehöften ausgebrocheu. Es ist deßhalb theilweise- Gehöfte-, rheilweise Gcmarkungssperre angeordnet, die Aus­fuhr von Klauenvieh aus Eschenrod verboten worden.

vermischte».

* Statistisches aus dem Großherzogthum Heffen. Im Jahre 1889 wurde die Gr. Hosbibliothek in Darmstadt von 7552 Entleihern benutzt, die Zahl der entliehenen Bände belief sich aus 36203. Davon wurden 26497 im Lesesaat der Bibliothek, 9633 außerhalb der Bibliothek benutzt und 73 aus auswärtigen Bibliotheken bezogen. Von den außer­halb des Lesesaals benutzten Büchern kamen 7209 auf Darmstadt, 1913 aus andere Orte des Großherzogthums (718 auf Ober­hessen), 498 auf Orte im deutschen Reiche und 13 aus außer­halb des Reiches gelegene Orte. Der höchste Wasser­stand an den Pegeln des Rheins wurde im Juni 1889 beobachtet, er betrug in Worms 4,12, in Mainz 3,28, in Bingen 3,73 Meter. Im Frühjahr 1889 betrug die Ge- sammtzahl der im Großherzogthum Hessen bestehenden ein­fachen Volksschulen 991. Von diesen wurde in 587 Unterricht ohne Schulgeld, in 404 mit Schulgeld ertheilt. Nach dem. Bekenntniß zerfielen die 991 Lehranstalten in 876 gemein­same, 54 evangelische, 58 katholische und 3 israelitische. 531 Schulen waren einklassig, 245 zweiklassig, 110 drei- klassig, 58 vierklassig und 47 mehrklassig. Den Unterricht crtheilten 2168 Lehrer und 171 Lehrerinnen. Es kommen aus 1000 Einwohner- 170 Schulkinder, auf eine Schule 164, auf eine Lehrstelle 69,5 Schulkinder.

* Groß-Gerau, 8 Juni. Ein Fest einzig in seiner Ard das 300 jährige Jubiläum der Schützengesell­schaft hat heute hier seinen Anfang genommen. Wesent­lich verschieden von den meisten Schützenfesten war man in Anbetracht des langjährigen Bestehens der hiesigen Schützen­gesellschaft darauf bedacht, dem heutigen Feste einen mehr historischen Character zu geben, der seinen vollen Ausdruck in dem sich gegen 2 Uhr Nachmittags durch die aus das Fest­lichste geschmückten Straßen des Städtchens bewegenden Festzug sand. Hinter einer zur Aufrechthaltung der Ordnung aufge­botenen Abtheilung Feuerwehr und zwei berittenen Gens- darmen wurde der Zug durch 2 Herolde zu Pferd in altdeutscher Tracht eröffnet, denen sich in gleichen Costümen zunächst Trommler und Querpfeifer, eine Gruppe Landjäger mit einem Hauptmann an der Spitze und der dem Verein im Jahre 1596 geschenkten Fahne, an der der Zahn ziemlich genagt hat, anschloß. Eine zweite Zeitperiode das Ende des 16. Jahr­hunderts, fand in dem Zug durch Kriegsvolk aus dem 30jährigen Kriege (Kaiserliche und Schweden), Stadtdiener mit dem Frei­heitsbrief, ernstdreinschauende Mitglieder des Magistrats von dem Jahre 1662, der Schützenfahne von 1717 und zum Schluß durch Ernst Ludwig, Landgraf von Hessen, Ludwig, Erbprinz von Hessen und dessen Gemahlin Charlotte, mit Gefolge, sqmmtlich zu Pferd, Darstellung- Jung Deutschland war in dem Zug aus einer Gruppe Schützen des-19. Jahrhunderts, Wagen des Festcomites, Stadtvorstandes, Deputationen ver­schiedener Schützenvereine sowie der übrigen hiesigen Vereine vertreten. Die Costüme der einzelnen Gruppen, die theil- weise der Coblenzer Bühne gehören, waren streng den ver­schiedenen Zeitperioden angepaßt und machten deren Träger einen ganz guten Eindruck. Nach mehrmaligem Vorbeimarsch vor dem Großherzog, der in Begleitung des Obersten von Wernher gegen 3 Uhr in einem Viererzug* von Darmstadt hierher gekommen war und in der Behausung des Gr. Kreis­raths von Löw Wohnung genommen hatte, bewegte sich der Zug nach dem an der Zuckerfabrik gelegenen Festplatz, wohin der Landesfürst alsbald nachsolgte und nach einer Festrede durch ein Mitglied des Schützenvereins den ersten Schuß auf die Festscheibe abgab und den gestifteten Ehrenpreis unter den üblichen Formalitäten überreichen ließ. Nach diesem Act entwickelte sich alsbald aus dem Schützenplatz das übliche Leben, über das Ihr Berichterstatter nur zu melden nöthig hat, daß es ein sehr animirtes war und bis in die späte Nacht anhielt.

* Allerlei statistische Angaben über die Reichstagsabgeord- neten machen jetzt die Runde durch die Blätter. Neulich wurde festgestellt, daß von den 397 Abgeordneten sich etwa ein Fünftel des Kneifers oder der Brille bedient. Die rechte Seite des Hauses sieht erheblich besser als Centrum und Linke. Das Verhältniß zwischen Kneifer und Brille stellt sich im Ganzen fast wie 1 : 3- je weiter man von rechts nach links geht, verschwindet der Kneifer - die Socialdemo­kraten kennen nur Brillen. Jetzt wird fest gestellt, daß im Reichstage unter den 397 Mitgliedern 53 alte Corps- ftubent en sitzen, zu denen alle Parteien ihr Contingent stellen. Gleich der Präsident v. Levetzow ist ein alter Corps­bursche, der s. Z. den Heidelberger Saxoborussen angehörte. Unter den Deutschconservativen zählt chan 23 Angehörige des S. C.: die Herren Ackermann, von Colmar, Dodillet, Graf Dönhoff, Hahn, Hartmann, Gras Holstein, v. Jagow, Graf Kanitz, Kurtz, v. Levetzow, v. Maltzahn, Frhr. v. Manteuffel, Gras Mirbach, von der Osten, Gras Saldern, Scheffer, Frhr. v. Schleinitz, v. Schlieckmann, Steinmann, Stöcker und v. Wedell-Malchow. Dann folgt die Reichspartei mit sieben alten 'Corpsburschen: Graf Arnim, Gamp, Frhr. v. Gült- lingen, Gras Hatzfeld, Hellmann, v. Kardorff und Frhr. v. Stumm. Die Nationaüiberalen weisen sechs frühere Corps- studenten auf: v. Benda, v. Bennigsen, v. Cuny, Günther, Hammacher, v. Reden. Im Centrum ist der 8. C. ebenfalls durch sechs Abgeordnete vertreten: Gras Adelmann, Frhr. ö. Buol, Graf Hompesch, Letocha, Graf Schönborn, Frhr. v. Wendt-Papenhausen. Auch unter den Freisinnigen finden sich sechs alte Corpsburschen: v. Forckenbeck, Stadtrath Krause-Berlin, Langerhans, Schenck, Seelig und Freiherr v. Stauffenberg. Unter den Welfen zählt man zwei: von der Decken und Frhr. von Wangenheim. Unter den Social­demokraten ebenfalls zwei: Schriftsteller Liebknecht und W. Blos. Auch dieFraction der Wilden" enthält einen alten Herrn des S. C.: v. Meyer-Arnswalde.