Ausgabe 
8.5.1890
 
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Nerieste Nachrichten.

WolffS telegraphisches Torrespondcnz-Burcau.

Hannover, 6.Mai. Die Hannoversche Banmwollen- sp inner ei und -Weberei hat ihren sämmtlichen 700 Arbeitern aus den 10. Mai gekündigt. Die Fabrik ist gezwungen, den Betrieb einzustellen, weil in Folge des theil- weisen Strikes Mangel an vorgearbeitetem Material ein­getreten ist.

Wien, 6. Mai. Schloß Weinzierl nächst Poechlarn, in welchem zur Zeit ein Schutzinstitut für verwahrloste Knaben untergebracht war, ist abgebrannt. Von den Zöglingen ist keiner zu Schaden gekommen.

Paris, 6. Mai. Die Bo ul an gift en erlassen ein Manifest, worin sie erklären, sie verzichten auf alle gegen­wärtig unfruchtbaren Agitationen, würden aber ihr Programm weiter hochhalten. Thatfächlich ist ihre Auflösung ebenso vollständig, wie ihre Uneinigkeit. Laguerre und Deroulede wollen ihr Mandat niederlegen und ihre Wiederwahl auf ein neues Programm erstreben.

Montreal, 7. Mai. Bei dem gestrigen Brande der Irrenanstalt zu Longuepointe(Quebeck) sollen 150Personen umgekommen und 100 verletzt sein.

Cocoles rrird prwhtjicües.

Gießen, 7. Mai.

Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag den 8. Mai 1890, Nachmittags 4 Uhr:

1. Gesuch des P. Mulch und W. Loh um pachtweise Ueberlasfung städtischen Geländes. 2. Die Benennung der Flügelsgasse. 3. Decretur von Kostenrechnungen. 4. Remu- nerirung des Octroipersonals. 5. Erbauung einer Turnhalle für die Realschule. 6. Die Trichinenschau. 7. Ausübung der offenen Armenpflege.

M. Lauterbach, 6. Mai. Am vergangenen Sonntag be­gingen im ,,Hamburger Hof" zu Blitzenrod die Arbeiter der Wegener'schen Hutfabrik die Feier des 1. Mai und gleichzeitig die Gründung einer Filiale des Deutschen Hutmacherverbandes. Abends wurde ein solennes Tanz­kränzchen arrangirt und dem Herrn Fabrikanten ein Ständchen gebracht.

Wie man den Antisemitismus groMehk.

Offener Brief an Herrn Rabbiner Dr. Levi.

Geehrter Herr! Sie haben den Beruf gefühlt, in der Frage des Antisemitismus das Wort an die Einwohner unse­res Kreises zu richten, ohne Zweifel in der löblichen Absicht, demselben entgegenzuwirken. Ob Sie wohl das richtige Mittel gewählt haben, um die Antisemiten zu bekehren oder auch nur zu beschämen und die bisherigen Gegner desselben zu be­stärken? Ich fürchte. Sie haben sich arg vergriffen.

Wer ein Nebel heilen will, muß sich seine Ursachen klar machen und diese bekämpfen. Haben Sie das gethan? Wenn eine so ruhige Bevölkerung wie unser oberhessisches Landvolk mit einem Schlage einer Agitation zufällt, die so unmögliche Ziele verfolgt wie der Böckel'sche Antisemitismus, so muß dies durch wirkliche Uebelstände vorbereitet sein.' In der That ertönen ja gerade in Hessen seit Jahrzehnten die Klagen über die Ausbeutung des Landvolks durch jüdischen Handel. Auch Sie selbst erwähnen einmal Schäden, die den heutigen Juden anhaften. Wollten Sie zum Guten wirken, so hätten Sie hier einsetzen sollen. Helsen Sie diese Schäden wegschaffen, die dem Antisemitismus den Boden bereiten, so stirbt er ab. Die Erwartung, daß Sie sich berufen gefühlt hätten in die­ser Richtung zu wirken, erweckt nicht nur Ihr Amt, sondern auch der Umstand, daß Sie mit so hoher Emphase die Pro­pheten Israels für sich in Anspruch nehmen. Sie wissen doch, mit welchem schonungslosen Freimuth ein Amos, Jesaia, Micha, Jeremia ähnliche Sünden ihrer Volksgenossen gegeißelt, wie sie um derselben willen das Gericht Gottes über Israel und Juda vorausgesagt haben. Sie aber beschönigen diese Sünden als Schwächen, welche gegenüber den hohen Tugen­den der Juden verschwinden. Sie singen ein Loblied aus den jüdischen Geist und thun so, als ob der Antisemitismus die Feindschaft gegen diese Tugenden wäre. Sollten Sie sich nicht selbst sagen, daß Sie durch solche gänzliche Verkennung der Wirklichkeit, durch solche blinde Parteilichkeit nicht nur die in ihrer Erregung bestärken, welche unter den jüdischenSchwächen" leiden, sondern daß Sie auch Wohlwollende stutzig machen müssen? Und welch' merkwürdige Illustration zu Ihrer be­geisterten Schilderung des semitischen Geistes gibt die Thatsache, x bic in diesen Tagen wieder an's Licht trat, daß die Bewohner Gießens um des kleinen Bruchtheils der jüdi­schen Einwohner willen geschächtetes Fleisch essen müssen! Dem gemeinen Menschenverstand ist es nicht recht begreiflich, wie das jüdische Ritualgesetz, mittelst dessen die Juden sich von dem Deutschen Volke absondern und unter das sie die Bewohner Gießens beugen, nach dem von Ihnen angeführten Worte Hillels eine Erklärung zu dem Gebote sein soll: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, und was du nicht willst, daß man dir thue, thue auch einem andern nicht." Kommt Ihnen dies Zusammentreffen nicht auch wie eine köst­liche Ironie vor?

Doch Härten Sie sich nur aus die Vertheidigung des jüdischen Geistes beschränkt, so könnte man entschuldigen, daß Sie sich an eine falsche Adresse gewandt und sich dabei noch etwas vergriffen haben. Viel, viel schlimmer ist es, daß Ihr jüdisches Selbstgesühl Sie zu Behauptungen verführt hat, die nicht nur thörichte Ueberhebungen, sondern Beleidigungen des deutschen Nationalgesühls und des christlichen Bewußtseins sind.

Sie begnügen sich nicht damit, die Tugenden, welche die .alten Juden mit anderen Völkern getheilt haben, Muth,

Tapferkeit, Freiheitsliebe, und die Tugend der Ausdauer, welche die heutigen Juden vielleicht vor Andern voraushaben, zu rühmen, Sie versteigen sich dahin, zu sagen, der semitische Geist seider Geist der erhabensten, bedeutendsten Männer- und Franengestalten, von welchen die Weltgeschichte erzählt". Haben Sie es ganz vergessen, daß Sie unter einem Volke leben, welches einiges" Recht zu haben glaubt auf seine Eigen­art und auf die Männer- und Frauengestalten stolz zu fein, in denen sich dieselbe ausgeprägt hat? Wir Deutsche sind ja fremdem Geiste gegenüber gar gutmüthig und geduldig. Aber zu unbescheiden darf er doch nicht werden - sonst reifet auch uns der Faden der Geduld.

Und nun gar Ihre Belehrungen über das Christenthum! Man weife nicht, worüber man mehr staunen soll, über die Feinheit Ihres Taktgefühls oder über die Kühnheit Ihrer Schlüffe. Um Christen öffentlich über den christlichen Geist und was er fordert zu belehren, ist ein jüdischer Rabbiner kaum berufen. Das hätte Ihnen Ihr eigenes Taktgefühl sagen dürfen. Vollends aber der Inhalt Ihrer Belehrungen, der dahin geht/ daß der Geist Christi, der Apostel, der Evan­gelien, der Geist, der die ganze Christenheit, die Kirchen, die Schulen, die Häuser der Christen durchwehr der semitische Geist sei. Das schließen Sie aus dem Umstande, daß Christus und seine ersten Jünger jüdischer Herkunft waren. Ein rascher Schluß. Rasch gegenüber der Thatsache, daß der Geist des Schriftgelehrtenthnms und der pharisäischen Gesetzlichkeit, der­selbe Geist, der bis auf den heutigen Tag der Geist des Judenthnms, der semitische Geist ist, sich im schroffsten Gegen­satz zu dem Geist Christi gewußt und deshalb Christus an's Kreuz gebracht, seine Apostel verfolgt hat. Rasch gegenüber dem christlichen Bewußtsein, wie es Christus und das ganze Neue Testament ausspricht. Da Sie, wie Sie sagen, das Christenthum so gut kennen, so wissen Sie auch, daß nach christlichem Glauben Christus ans dem Samen Davids stammt nur nach dem Fleisch, nicht aber nach dem Geist (Römer 1, 3. 4), daß fein Geist nicht aus der jüdischen Entwickelung, sondern von obenher stammt, nicht semitischer, sondern Gottes Geist ist. Der erste jnben-christliche Märtyrer, Stephanus, hat noch nichts von Ihrer Erkenntniß geahnt, daß es der semitische Geist war, der ihn seinen Glauben mit dem Tode besiegeln liefe. Sonst hätten seine Worte an dieHals­starrigen." (Apostelgeschichte 6, 51 ff.) anders gelautet, als sie lauten. Auch ein Paulus, der der Meinung ist, dafe das Christenthum den Juden ein Aergernife ist (1. Korinther 1, 23), würde über Ihre Entdeckung sich höchlichst gewundert haben. Nein, Herr Rabbiner, wir müßten erst aufhören Christen zu fein, ehe wir den christlichen Geist als semitischen Geist an­sehen und dem semitischen Geist den Einzug in unsere Häuser, Schulen, Kirchen frei gäben. Auch, wenn wir an den Psalmen und Propheten uns erbauen, so thun wir es nicht, weil sie uns Erzeugnisse des semitischen Geistes sind, sondern weil sie uns Erzeugnisse des Geistes Gottes sind. Was ihnen von semitischem Geist noch anhaftet, das ziehen wir dabei ab.

Die Belehrung über das Wesen des christlichen Geistes, die Sie an Christen richten, ist also die Zumuthung, den christlichen Glauben wegzuwerfen. Sollten Sie nicht selbst empfinden, welche Beleidigung diese Zumuthung enthält? Und diese Beleidigung wird um so gröber, als es ein jüdischer Rabbiner ist, der sie ausspricht. Wenn Sie, der Sie Jude sind und Jude sein wollen, den christlichen Geist als semiti­schen bezeichnen, so heißt das, daß Sie den christlichen Geist als eine niedrigere Abart des semitischen Geistes betrachten, dessen echter Vertreter das heutige Judenthum sein will. Wenn Sie dabei noch die Miene der Hochschätzung des Christenthnms annehmen, so ist das ein um so peinlicherer Ausdruck des jüdischen Selbstgefühls, als es besagt, daß selbst die Brocken, welche vom Tisch des Judenthums fallen, für Andere noch köstliche Speise sind.

Ich bin selbstverständlich davon überzeugt, daß Sie sich nicht klar gemacht haben, was Ihre Worte bedeuten und wie sie von Deutschen, von Christen empfunden werden müssen. Darum darf man wohl hoffen, daß, wenn Sie ein ander Mal wieder in der Frage des Antisemitismus das Wort nehmen sollten, Sie mit Rücksicht auf die Umgebung, in der Sie leben, die Aeußerungen des jüdischen Selbstgefühls mäßigen werden. Sollten Sie sich dazu nicht entschließen können, so würden Sie wiederum wie diesmal Oel in's Feuer des Anti­semitismus gießen. Denn das ist eine der Hauptursachen desselben, daß die jüdischen Stimmen nur zu oft diese Mäßigung vermissen lassen.

Professor Dr. Go11schick.

vermischte».

* Frankfurt a. M., 2. Mai. Die Kälbermetzger hatten gestern früh im Börsenloeale des Viehhofs eine Ver­sammlung, in welcher der Preis des Fleisches von 75 Pf. auf 70 Pf. von gestern an, ermäßigt wurde. Frieandeau behielt seinen Preis. Der Preis von Ochsen fleisch wurde, nach einer Veröffentlichung der Fleischer-Innung, gleichfalls von 75 Pf. auf 70 Pf. herabgesetzt.

Marburg, 6. Mai. Der bereits durch die hiesigen Lokalblätter angekündigte, als Ausdruck der Freude über das Hierbleiben der Herrn Prof. Dr. Bergmann und Consi- storialrath Dr. § en riet geltende Fackelzug der hiesigen Studentenschaft fand heute Abend bei schönstem Wetter unter Betheiligung von mindestens 800 Fackelträgern und sieben Musikchören statt. Der Zug bot einen glänzenden Anblick dar.

* Leipzig, 5. Mai. Der hiesige Freidenker verein Humbvld" wurde polizeilich aufgelöst.

* + Kassel, 6. Mai. Zur Warnung für Meister und Gesellen! Die Ursache der Kasseler Gasexplosion, durch welche im Herbst v. I. fünf Personen schwer, teil­weise lebensgefährlich verletzt wurden und welche zu den ver­schiedensten Gerüchten und Bermuthungen Veranlassung gab, ist nunmehr durch die gerichtliche Untersuchung festgestellt worden. Sie ist auf das fahrlässige Verschulden eines Gas­

arbeiters zurückzusühren, weshalb sowohl dieser als auch dessen Meister, der Inhaber eines hiesigen Gas- und Wasserleitungs­geschäftes, wegen fahrlässiger Körperverletzung aus § 230 des Reichsstrafgesetzbuches unter Anklage gestellt waren. In dem Conditorladen von B. in der Bahnhofsstraße entstand nämlich Abends beim Anzünden des Gases eine furchtbare Explosion. Das Schaufenster miftje auf die Straße ge­schleudert und drei Passanten zu Boden geworfen und schwer verletzt; im Laden selbst die Thüren zerschlagen, Thürfüllungen, Tapeten von den Wänden abgerissen, Maaren beschädigt, überhaupt ein grauenhaftes Zerstörungsbild angerichtet. Ferner wurde der Geschäftsinhaber und ein Kaufmann arg verbrannt. Die Verletzten haben viele Wochen im Krankenhause gelegen, sind aber jetzt wiederhergestellt. Die Ursache der Explosion war um so unerklärlicher, als am selben Tage ein Gasarbeiter die bisher unbenutzte Leitung nachgesehen und angeblich sorg­fältig untersucht und geprüft hatte. Da das ganze Haus am Nachmittage nach Gas roch, wurde der nämliche Arbeiter damit beauftragt, den Desect an der Leitung aufzufinden. Derselbe hatte auch vorher unbefugter Weise die Gasuhr mit der Hauptleitung verbunden, was er nicht thun durfte, da dies, sowie die Prüfung der Leitung nur die Gasanstalt angeht. Der Gasarbeiter kam nun wieder, suchte und suchte, fand aber den Schaden nicht; er erklärte trotzdem, die Leitung im Conditorladen sei völlig in Ordnung, man möge solche nur ruhig anstecken, denn er wisse ganz 'genau, der Fehler liege auf dem Gange am Hauptrohr, dieses letztere müsse undicht sein. Gesagt gethan und die Explosion erfolgte. Jetzt hat sich nun heransgestellt, daß ein altes Rohr der Leitung ins Nebenzimmer führte, durch die Tapete aber ver­klebt war, sodaß Niemand im ganzen Hause eine Ahnung von diesem Rohre hatte- dasselbe war am Ende offen und so konnte das Gas ungehindert entweichen. Das Gericht nahm an, daß der Gehülse bei einiger Sorgfalt dies alte Rohr finden mußte, daß in seinem Verhalten eine grobe Fahrlässig­keit zu erblicken und deshalb er zu einer Gefängnißstrafe von sechs Wochen zu verurtheilen sei. Wegen mangelnden Beweises eines directen Verschuldens wurde der Meister frei- gesprochen.

* Ein schwieriger Fall. Ein Arzt erhält spät am Abend eine Karte zweier Collegen:Komm doch noch ein bischen in die Kneipe uns fehlt der dritte Mann im Scat!" Liebe Emilie," sagte er nun zu seiner Frau,ich werde noch einmal fortgerufen; es scheint ein schwieriger Fall es sind schon zwei Aerzte dort!"

* Ein kleiner Schlaumeier.Du, Großmama, hast Du gute Zähne?"Leider nicht mehr, mein Junge." So, dann sei so gut und bewahre mir meine Nüsse auf!"

Die Bedeutung der Vögel für die Landwirt!)schäft.

(Nachdruck verboten.)

Es scheint, dafe man selbst in landwirthschastlichen Kreisen der Bedeutung, welche die Vögel für die Landwirthschast besitzen, noch kein rechtes Verständnife entgegenträgt, ja dieselbe vielfach unterschätzt und ein Wort über den Nutzen, welche unsere gefiederten Freunde dem Landwirthe in verschiedenen Beziehungen gewähren, dürfte da vielleicht am Platze sein. Man kann eigentlich behaupten, dafe ohne die Vögel gar kein Landbau, ja gar keine Vegetation möglich wäre! Sie ver­richten eine Arbeit, welche Millionen Menschenhände nicht halb so gut oder vollständig ausführen würden. Wir sehen dies namentlich bei den Verheerungen der Forstinsecten. Da sind schon oft Commissionen §ufammengetreten, haben Maß­regeln getroffen,z Hunderte von Leuten aufgeboten, Gräben gezogen, Schweine aufgetrieben und konnten am Ende ent­weder nur unvollkommen oder gar nicht der Verwüstung wehren. Etliche Dutzend Vögel vermochten es!

Wir vermögen es freilich nicht, der sündlichen unb schändlichen Vögelvertilgung in Italien zu wehren. In unfern Kreisen aber können wir es unseren kleinen Wohlthätern bequem machen und sie an unsere Felder und Wälder fesseln. Jeder umsichtige Oecvnom sollte sein Augenmerk daraus richten, daß die so nützlichen Schwalben, Finken, Meisen, Rothschwänzchen :c. bei ihm eine Wohnung fänden. Man schone doch die hohlen oder mit Astlöchern versehenen Bäume, in denen die Höhlenbrüter die beste Zuflucht finden. Wenn man solche Baumhöhlungen von Moder und Laub reinigt und, wenn sie ziemlich senkrecht sind, etwa noch ein gegen Regen schützendes Brettchen über die Oeffnung anbringt, so werden sie bald genug bewohnt sein und die einziehenden Thierchen in wenigen Stunden schon die angewandte Mühe vergelten. Man vermehre die Staarenkästen und sorge dafür, daß die Jungen nicht ausgenommen werden. Vor allen Dingen fertige man bei Gelegenheit aus längeren oder kürzeren Stücken von hohlen Baumästen ober- Baumstämmchen ober allenfalls auch aus Teucheln ober alten Brettchen Brüthöhlen für die kleinen Jnfectenvertilger an und befestige diese, etwa noch mit einem Sitzstäbchen unter dem ungefähr zollgroßen Flugloch versehen, mit dem Eingang gegen Morgen an die Bäume, doch, mit Ausnahme der Staarenkästen, nicht über 10 bis 20 Fuß über der Erde und nicht an zu spät sich belaubende ober gar zu frei stehende Bäume. Die Kästen unb Fluglöcher dürften von verschiedener Größe sein. Die Meisen lieben solche, welche inwendig etwa 7 Zoll lang unb 3 Zoll breit find, die andern etwas größere. Dabei sollten die aus Bretterstückchen gemachten mit einem schwarzgrauen Anstrich unb Flechten ober Moosen überzogen werden. In Deutschland, wo früher in mehreren Gegenden das Aufstellen von Staarenkästen gesetzlich befohlen war, geschieht gegenwärtig in zoologischen Gärten, Gärtnerei-Anstalten, landwirthschastlichen Schulen und auf größeren Ökonomien sehr viel in dieser Beziehung und jährlich werden auf die Fürsprache von Beamten, Lehrern und einsichtigen Gutsbesitzern viele Tausende solcher Brut- käftchen aufgestellt, indem man immer deutlicher erkennt, dafe sich vielleicht kein Capital schneller und reichlicher rentirt als diese kleinen Auslagen.