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genommen gegen die Stimmen des Abg. Richter und einiger seiner Freunde, sowie der Socialdemokraten.

Die Etatsübersicht pro 188889 wird debattelos in dritter Lesung den Anträgen der Rechnungs-Commission ge­mäß erledigt.

Es folgt die dritte Berathung des Nachtragsetats, betr. die Militärforderungen (65 Millionen). Die Vorlage wird mit einem formellen Anträge v. Huene-Fritgen (Ctr.), wonach die Ausgabe von etwa 12 Millionen zur Ausbildung der Infanteristen und Jäger des Beurlaubtenstandes mit dem neuen Gewehr aus dem außerordentlichen in den ordentlichen Etat eingestellt werden, ohne wesentliche Debatte angenommen, schließlich auch in der Gesammtabstimmung die Vorlage bewilligt.

Damit ist die Tagesordnung erschöpft.

Staatssecretär v. Boetticher verliest die Allerhöchste Verordnung, durch welche der Reichstag bis zum 18. November vertagt wird.

Der Präsident wird ermächtigt, die nächste Sitzung anzuberaumen und die Tagesordnung festzusetzen. Mit dreimaligem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser schließt die Sitzung um 11 Uhr 5 Minuten.

De«t-che» Ueicy.

Berlin, 2. Juli. Das nahe bevorstehende Erlöschen des Socialistengesetzes kündigt sich bereits an. Am 30. Juni ist in Leipzig der sogenannte kleine Belagerungs­zustand zu Ende gegangen, der seit 1881 alljährlich erneuert wurde. Eine Erneuerung für das noch lausende Vierteljahr des Bestandes des Socialistengesetzes war nicht beantragt worden. Es wird sonach für zahlreiche Ausgewiesene fortan die Rückkehr gestattet sein. Von irgendwelchem Ersatz für das Socialistengesetz kann jetzt, nachdem der Reichstag bis in den November vertagt ist, vor Ablauf dieses Gesetzes nicht mehr die Rede fein; vom 1. October an werden sich die Regierungen lediglich auf die Abwehrwaffen des gemeinen Rechts angewiesen sehen. Man muß jetzt die practische Probe machen, inwieweit man damit ausreicht.

Nerrefte Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Lauterberg am Harz, 2. Juli. Reichscommissar Wi ß- mann ist gestern hier eingetroffen und von der Einwohner­schaft herzlich begrüßt worden.

Straßburg, 2. Juni. Zwei deutsche Forstbeamte ertappten am 28. Juni im Waldbezirke Voyement bei Saales vier französische Holzdiebe, die mehrere Bäume angesägt hatten- sie versuchten, den Dieben den Weg zu^ verlegen. Diese, unter denen einer von deutscher Seite gerichtlich ver­folgt wird, flohen der Grenze zu. Einer, Namens Claude aus Houssot, als Holzdieb bekannt, drehte sich gegen die Forst­beamten um. Der Förster Hipp schoß aus weiter Entfernung mit dünnem Schrot, dann aus der Nähe. Claude wurde leicht verletzt, floh mit dem Genossen über die Grenze und beschimpfte die Forstleute. Eine genaue Untersuchung ist eingeleitet.

Leeds, 2. Juli. Die durch den Strike der Gas­arbeiter veranlaßte Heranziehung fremder Arbeitskräfte hat ernste Ruhestörungen hervorgerufen. Die Strikenden griffen die fremden Arbeiter an, ebenso die Schutzleute und Militärabtheilungen, welche die fremden Arbeiter nach der Gasanstalt geleiteten. Bei einem Handgemenge gab es aus beiden Seiten zahlreiche Verwundungen. Infolge des Gas­mangels herrschte gestern Abend völlige Finsterniß.

Leeds, 2. Juli. Die Mehrzahl fremder Arbeiter hat die Stadt verlassen. Die heutige Conferenz zwischen den feiernden Arbeitern und dem Vorstand der Gasgesellschast -verlief resultatlos.

Christiania, 2. Juni. Der Deutsche Kaiser wurde zum Ehrenadmiral der norwegischen Marine ernannt. Prinz Eugen erhielt den Schwarzen Adlerorden.

Der Kaiser und der König begaben sich Vor­mittags nach Frognersätteren und dejeunirten in einem mit deutschen und norwegischen Fahnen geschmückten Zelte. Als­dann suhren sie auf dem neu angelegten Wege nach Holmen- kollen, welcher den NamenKaiser Wilhelms Vei" erhielt, und kehrten sodann nach dem Schlöffe zurück.

Christiania, 2. Juli. Bei dem Dejeuner in Frogner­sätteren erwiderte der Kaiser auf die Begrüßung des Stadt­vorstandes, er danke den Bürgern Christianias für die schöne Begrüßung. Schon gestern freundlichst empfangen, wosür er innigst danke, habe man heute die Aufmerksamkeit hinzu- gesügt und hier im schönen Norden einer Straße seinen Namen beigelegt. Mit des Königs Genehmigung bewillige er die gewählte Bezeichnung und hoffe, daß noch in fernster Zukunft viele deutsche Landeskinder diesen Weg wq.ndeln möchten. Er trinke auf das Wohl der Stadt und der Bürger.

Christiania, 2. Juli. Bei der heute Abend im Königs­schlosse stattgesundenen Galatasel hob der König in seinem Toast auf den Kaiser hervor, daß der Kaiser nicht zum ersten Male Scandinavien ausgesucht habe; schon im Vorjahre habe er die Westküste und die Ostküste des Landes besahren und dadurch die Werthschätzung der Naturschönheiten Norwegens und Schwedens bewiesen. Das norwegische Volk habe in diesen Tagen den Gefühlen Ausdruck gegeben, welche es für den Kaiser und-auch für Deutschland beseelt. Der Kaiser dankte für die Ausnahme in der Hauptstadt. In seiner Jugendzeit sei er nicht gereist, so wolle er jetzt als Kaiser sich durch Reisen ausbilden und als Herrscher j)ie Nachbarn kennen lernen; dieses Land habe er aus Liebe zu dem kernigen Volke ausgesucht, das durch steten Kamps sich durchgearbeitet habe zu einem Volke voll Mannestreue und Königstreue, die auch den Germanen eigen seien. Er sei überzeugt, daß das Volk in Zeiten der Gefahr für den König einstehen werde, er fordere auf, auf das Wohl des Königs zu trinken.

Budapest, 2. Juli. DemNemzet" zufolge schloß Fejer- vary heute mit der Waffenfabrik Steyr einen Vertrag wegen Lieferung von Gewehren ab, deren wegen der Vertrag mit der ungarischen Waffenfabrik aufgelöst wurde. Die Lieferung von 80,000 Gewehren bis Ende März 1891 ist sichergestellt- wegen der Lieferung weiterer 75,000 Ge­wehre behielt sich der Minister eine Frist von zwei Monaten zur Option vor. Die ungarische Waffenfabrik wird an eiGm Theile der der Option vorbehaltenen Lieferung participiren können, wenn sie inzwischen ihre thatsächliche Lieferungsfähig- feit nachweist.

Paris, 2. Juli. Die Textil-Commission des höheren Handelsraths sprach sich für den Seid en zoll aus. Die Plenarsitzung des Handelsraths hat für den gegenwärtigen Kohlenzoll gestimmt.

Madrid, 2. Juli, Nach den letzten Nachrichten sind in Gandia vier, in Real de Gandia drei, in Montichelvo eine Erkrankung an Cholera vorgekommen.

Cocate# «ttv Provinzielle».

Gießen, 3. Juli.

Diejenigen, welche zu dem zehnten Bundesschießen nach Berlin fahren, seien darauf aufmerksam gemacht, daß dort seit Jahresfrist ein landsmannschaftlicher Verein der Hessen besteht. Derselbe versammelt sich an jedem Freitag um 9 Uhr Abends in dem Linden-Hotel (Unter den Linden, Kleine Kirchgasse 2/3). Landsleute find als Gäste stets will­kommen.

Ueber denFechter von Ravenna", Är am nächsten Freitag eben 4. Juli, Abends 6x/2 Uhr, in der städtischen Turnhalle durch Frl. Natalie Köhler zum Vortrag kommt, berichtet derRhein. Curier" in Wiesbaden wie folgt: In der Aula der städtischen Realschule sand gestern Abend der angekündigte Vortrag der Recitatorin Frl. Natalie Köhler statt, die durch ihre wirkungsvolle Interpretation der Meister­dramen des Sophokles in den kunstsinnigen Kreisen unserer Stadt bereits vortheilhaft bekannt geworden ist. Diesmal wurde der vorwiegend aus Damen bestehenden Hörerschaar von Seiten der für ihre Kunst begeisterten Recitatorin keine altgriechische Tragödie, sondern ein deutsches Trauerspiel, Halms bei seinem Erscheinen mit rauschendem Beifall auf­genommener, jetzt etwas in Vergessenheit geratenerFechter von Ravenna" vorgeführt. Daß dieser Wechsel im Pro­gramm kein unglücklicher Gedanke war, bewies der stürmische Applaus der Zuhörer am Schluffe der P/2 stündigen Reci- tation, bei welcher Frl. Köhler wieder eine bewunderungs­würdige Kraft des Gedächtnisses, lebendige und auch bei den leidenschaftlichsten Stellen maßvolle Diction und tiefes Ver- ständniß der Grundgedanken der Dichtung bekundete. Be­sonders gelungen erschien die Wiedergabe der Caligula des Wütherichs auf dem römischen Kaiserthrone, und der unglück­lichen Cheruskerfürstin Thusnelda. Die Vorführung der großen Scene am Lager ihres zum Römer gewordenen Sohnes, des Fechters von Ravenna, war von echtem dranatischen Leben erfüllt.

Wie aus dem Jnscratentheile ersichtlich, haben die Festwirthe des 18. Lahuthal-Simgersestes für nächsten Sonntag den 6. Juli eine Nachfeier arrangirt, bestehend in Concert der Bockenheimer Husaren - Capelle, Volksbelustigung und Tanzvergnügen. Ein Musik-Pavillon wird auf der Mitte des Festplatzes errichtet werden.

Die Capelle unseres 1. Großh. Hess. Inf.- (Leibgarde-) Regts. Nr. 115 aus Darmstadt beabsichtigt auf der Durchreise nach Hamburg wohin dieselbe nach den vorjährigen großen Erfolgen abermals berusen ist hier ein einziges Concert zu veranstalten. Der Recensent des Darmstädter Hoftheaters äußerte sich über die Concerte der Capelle wie folgt:In der gegenwärtigen sang- und klanglosen Jahreszeit bilden die Donnerstags-Concerte der Capelle Hilge^n den reizenden Gartenanlagen des Saalbaues den Mittelpunkt unseres öffent­lichen Musiklebens. Nicht nur die Reichhaltigkeit und Ge­diegenheit des gestrigen Programms war es, die Herrn Hilge als Musiker von Geschmack erscheinen ließ, sondern der wahr­haft künstlerische Schliff, welcher in der Ausführung der schwierigsten Werke von Beethoven, Wagner und Mendelssohn zu Tage trat und der Leistungsfähigkeit der unter feiner tüchtigen Leitung stehenden Corporation das rühmendste Zeugniß ausstellte. So übte denn auch die absolute Reinheit der Blechinstrumente in dem zweiten Satze der C-moll- Sinfonie von Beethoven und in dem Bruchstück aus Wagners Parsifal" eine geradezu überraschende Wirkung, aber in noch höherem Maße gelangte dieser große Vorzug in der zweiten Abtheilung, die aus Werken von Mendelssohn für Streich­orchester bestand, zur Geltung. Die Wiedergabe der Ouvertüre Meeresstille" würde manchem ständigen Orchester, das unter weit größeren Pretensionen auftritt, zur Ehre gereicht haben! Mag man sich auch darüber ärgern, daß zuweilen ein unvor­sichtiger Kellner Klänge mit denen des Orchesters mischt, welche nicht in der Partitur stehen oder daß die Unterhaltung der Anwesenden im Saal vielfach zu lebhaft gepflogen wird, gerade in dem populäret^lnstrich dieser Concerte, in der Geringfügigkeit der SumnM um die man sich wirklich ganz hervorragende Genüsse erkaufen kann, besteht deren größter Vorzug und seien dieselben denn auch jedem musikbedürftigen Ohr auf das Wärmste empfohlen."

Die Zahl der Todesfälle, ausschließlich der Todt- geborenen, betrug in der Woche vom 15. bis 21. Juni in Mainz mit Castel 46, in Darmstadt 20, in Offenbach 13, in Worms 14 und in Gießen 10, zusammen 103, darunter 34 im ersten Lebensjahre. Die To desursache anlangend, verstorben an Rachenbräune 7 (Mainz 3, Darmstadt 2, Offen­bach und Worms je 1), an Halsbräune 1 (Mainz), an Keuch­husten 2 (Mainz), an Unterleibstyphus 1 (Mainz), an Diarrhoe und Brechdurchfall 14 (Mainz 8, Worms 3, Darmstadt 2, Offenbach 1), an Lungenschwindsucht 9 (Mainz 4, Darmstadt und Offenbach je 2, Gießen 1), an entzündl. Krankheiten

der Athmungsorgane, einschl. Influenza 12 (Darmstadt 4, Mainz 3, Offenbach und Gießen je 2, Worms 1), an Gehirn­apoplexie 6 (Mainz 3, Offenbach 2, Worms 1), gewaltsamen Tod 2 Personen (je 1 in Mainz und Gießen).

U. Schotten, 1. Juli. Das achtzehnte Turnfest des Gaues Hessen wird bekanntlich am 19., 20. und 21. Juli hier abgehalten. Die Vorarbeiten Seitens der einzelnen Ausschüsse lassen auf ein gutes Gelingen des Festes schließen. Nach der soeben veröffentlichten Fest-Ordnung findet am Samstag, den 19. Juli Empfang der Ver­einsvertreter, Turntag in der Turnhalle, Sitzung des Kampf­gerichts und Fest-Commers in der Turnhalle statt. Sonn­tag, den 20. Juli: Weckruf, Empfang der ankommenden Turnvereine, Einzug derselben in die Stadt- Nachmittags Festzug. Au demselben nehmen folgende Turnvereine Theil: Alsfeld, Amöneburg, Anspach, Bad-Nauheim, Biedenkopf, Butzbach, Büdingen, Frankenberg, Gemünden a. Wohra, Gießen (Männer-Turnverein), Gießen (Turnverein), Hungen, Kirchhain, Klein-Linden, Krofdorf, Laasphe, Laubach, Lauter­bach, Lich, Lollar, Marburger Turnverein, Marburger Academ. Turnverein, Marburger Hasso-Guestphalia, Marburger Philip- pina, Marburger Turngemeinde, Neustadt, Nidda, Orten­berg, Pfaffenwiesbach, Rodheim a. d. Bieber, Schlitz, Usingen, Wetzlar, Wieseck, Wölfersheim, Turnvereine anderer Gaue. Nach der Begrüßungs- und Festrede: Ordnungs- und Frei­übungen, Wett-Turnen, Concert; später Tanz. Abends: Preisvertheilung, Feuerwerk. Montag, den 21. Jult: Weckruf, Turnen der Musterriegen, Früh-Concert; Nach­mittags: Festzug wie am Tag vorher, Mittheilung des Er­gebnisses des Musterriegenturnens - Kürturnen, Concert, Tanz und Volksbelustigung. Dienstag, den 22. Juli: Aus­flug nach dem Hoherodskopf.

Friedberg, I.Juli. Unsere Stadtkirche hat einen neuen Schmuck erhalten. Die seit Jahren zerbrochenen Fenster in der sogenannten Sacristei sind durch die Glasmalerei des Architecten Linnemann in Frankfurt a. M. vollständig wieder­hergestellt worden. Die Malerei ist nach unserem Ermessen eine sehr schöne. Besondere Aufmerksamkeit erregt das breite große Fenster. Der Säemann im oberen Raume des Maß­werks mit der auffliegenden Lerche, die Teppichbeete in den unteren Theilen des Fensters werden gewiß jeden Besucher des stillen Raumes erfreuen. O. A.

Vom Vogelsberg, 2. Juli. Es ist bezeichnend für die jetzige abnorme Sommerwitterung, daß man gestern, am 1. Juli, Feuer in die Oefen machte, um der naß-kalten Witterung zu begegnen. Daß die Heuernte unter dem tag­täglichen Regenwetter sehr Noth leidet, haben wir bereits berichtet. Unberegnetes Heu kommt eben in diesem Sommer nicht in die Scheune. Behält die Bauernregel Recht, welche vom Heutigen besagt: Wie das Wetter auf Maria Heim­suchung, so bleibt es 4 Wochen danach, dann sehen wir einem Sommer entgegen, auf den die Stoßseufzer desLahrer Hinkenden" vom Lenz von 1869 nicht unzutreffend wären, welche mit der Strophe beginnen: Ach, was war das für ein Lenze achtzehnhundertsechszigneun! Eisbezapfte Blüthen- kränze, Regen und kein Sonnenschein!

O Altwiedermus, 2. Juli. Die geodätischen Beo­bachtungen, welche auf dem Thurme der Ronneburg vor­genommen wurden, haben sich kürzlich wiederholt und es wurde nach dem Hahnenkamm im Spessart operirt. Gegen­wärtig wird eine Mauer in der Ronneburg wieder her­gestellt, weil ein Stück ausgebrochen war und befürchtet werden konnte, die ganze Mauer möchte nachstürzen. Beim Aufräumen des ausgebrochenen Stückes fand man ein mensch­liches Scelett darunter. In früheren Jahrhunderten war der Aberglaube verbreitet, eine Burg sei uneinnehmbar, wenn ein Mensch in die Befestigungsmauer eingeschlossen würde. Da sich nicht gut annehmen läßt, daß ein Mensch zufällig einen so seltsamen Begräbnißplatz erhalten habe, liegt der Gedanke nicht ferne, der hierher Begrabene wäre möglicher­weise das Opfer jenes Aberglaubens geworden.

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* Darmstadt, 2. Juli.Nur" etwas über 60 Candidaten hatten sich zu dem gestern und vorgestern stattfindenden Finanzexamen zweiter Kategorie gemeldet. Die seither benutzten Räume reichten natürlich für diese Anzahl nicht aus, weshalb man den Gartensaal desDarmstädter Hofs" auf zwei Tage miethete. Fällt das Examen nur einigermaßen günstig aus, so wird auch in Zukunft an Pfand­meistern kein Mangel sein.

* Em saurer Tod. Der Maurergehilfe Johann Pracher- storfer in Nußbach (Oesterreich) begab sich Sonntag Abend in den Keller, entkleidete sich bis auf das Hemd, bezeichnete den Essigbottich mit fff und I. P. und legte sich dann in denselben, wo er ertrank. Anderen Morgens wurde er tobt aus dem Bottich gezogen.

Land« ttnd 2>olf»ti»trtb)cbaft

AuS Oderhefferr, 2. Juli. Das Aufstutzen von Pferden und Vieh aller Art, von Getreide und Sämereien u. dgl. m., um diesen Erzeugnissen der Landwtrthschaft ein besseres Aussehen und dadurch einen höheren Preis zu verschaffen, ist eine bekannte Thatsache. Aber neu dürfte es für Viele fein, daß man auch alte Kartoffeln in so geschickter Weise zu verjüngen vermag, daß sie sich wenig von den neuen unterscheiden. Es geschieht in folgender Weise: Die alten Kartoffeln werden von den Augenaustriebe« befreit und längere Zeit ins Wasser gelegt. Das Wasser dringt in die runzelige Schale und diese wird nach und nach glatt und straff, wie bet einer neueh Kar­toffel. Nun nimmt der Fälscher eine Wurzelbürste und bürstet die glatthäuttgen Kartoffeln, wodurch sich die Kartoffelschale zum Theil absplittert. Dadurch erhält die alte Kartoffel das Ansehen einer neuen und wer nicht vorsichtig ist, fällthinein". Die Kartoffeln aus 1889 zeichnen sich durch viel Stärkemehl aus, haben sich bis jetzt gut gehalten und eignen sich daher sehr gut für die Fälschung. Einsender glaubt daher den verehrlichen Hausfrauen einen Dienst zu leisten, wenn er auf diese neueste Kartoffelverjüngungsmethode aufmerksam macht.