welche das Haus schließlich an eine 28gliedrige Commission verweist. Nächste Sitzung Donnerstag den 4. d. M., 11 Uhr. Tagesordnung: Anträge betreffend Wildschaden-Ersatz und Jagdpolizei.
— Die Arbeiterschutzcommission begann heute die zweite Berathung auf Grund der in der Subcommission gefaßten Beschlüsse. Die Socialdemokraten erklärten, sie stünden von der Stellung eigener Anträge, gegenüber den Compromißbeschlüssen der anderen Parteien ab und behielten sich dieselben für die Berathungen im Plenum vor. Zunächst wurde der neue Paragraph 40 A angenommen, wonach in solchen offnen Verkaufsstellen, deren Bediensteten Sonn- und Festtags nicht zu beschäftigen sind, auch Gewerbebetrieb nicht stattfinden darf; ferner Paragraph 55 A, wonach an Sonn- und Festtagen der Gewerbebetrieb im Umherziehen, mit Ausnahme künstlerische Leistungen, verboten ist. Sodann wurde bei Paragraph 105 A der Compromißzusatz angenommen, wonach Gewerbetreibende Arbeiter zum Arbeiten an Sonn- und Festtagen nicht verpflichten können.
— Wie der „Reichs-Anz." meldet, wird die Conferenz über das höhere Schulwesen am 4. d. M. im Cultus- ministerium zusammentreten. Der Kaiser beabsichtige der Eröffnung beizuwohnen- der Cultusminister werde, soweit er nicht anderweitig behindert, den Vorsitz führen- zugleich veröffentlicht der „Reichsanzeiger" das Verzeichniß der zur Conserenz berufenen 44 Mitglieder, von denen aber der Geheime Medicinalrath Dr. Koch um Dispensation gebeten hat. Gleichzeitig wird der für die Conferenz bestimmte, inhaltlich bereits bekannte Fragebogen veröffentlicht.
Berlin, 1. December. Die heute hier eröffnete, von zahlreichen Jndustrieverbänden, Handelskammern und gewerblichen Instituten beschickte Conferenz für den Schutz gewerblichen Eigenthums, der Commiffarien des Reichsamts des Innern, des Handelsministers und der Präsident des Patentamts beiwohnten, wählte Hammacher zum Vorsitzenden und Henne berg (Berlin) zum Stellvertreter. Die Conferenz sprach sich einstimmig für Bildung einer Reichs- Centralstelle zum Schutz des gewerblichen Eigenthums aus und bejahte einstimmig die Frage, ob es geboten scheine, bei Berathung der neuen Schutzgesetze die Frage des Anschlusses an die Staatenunion für Schutz des gewerblichen Eigenthums zu berücksichtigen. Sie überwies die Frage, ob sich ein solcher Anschluß empfehle, einer Section zur Vorberathung und genehmigte einstimmig die Resolution, daß sich für alle Gebiete des gewerblichen Eigenthums die Anwendung des Grundsatzes civil- und strafrechtlicher Verantwortlichkeit empfehle.
Berlin, 1. December. Die heutige militärische Feier anläßlich des Jahrestages der Thronbesteigung des Großen Kurfürsten nahm einen glänzenden Verlauf. Der Kaiser hatte schon früh einen prachtvollen großen Lorbeerkranz, dessen Altasschleisen seinen Namenszug trugen, vor dem Standbilde des Kurfürsten niederlegen lassen. Ueber dem Standbild war ein Baldachin mit Fahnenschmuck errichtet, dabei hielten zwei Leib-Kürassiere, ein Garde-Kürassier und ein Grenadier des 2. Garde-Regiments Ehrenwache. Nachdem die dazu befohlenen hiesigen Truppen und die Deputationen auswärtiger Regimenter mit Fahnen und Standarten in der Nähe des Standbildes Aufstellung genommen hatten, trat der Kaiser in der Uniform des Leib-Kürassier-Regiments „Großer Kurfürst" Punkt 11 Uhr, umgeben von dem Kronprinzen von Griechenland, den Prinzen Leopold, Albrecht, Alexander und zahlreichen anderen Fürstlichkeiten und glänzender Suite aus dem Schloßportale. Die Truppen präsentirten, der Kaiser hielt eine kurze, auf die Feier bezügliche Ansprache, an deren Schluß die Leib-Batterie mit 101 Schüssen salutirte. Die Truppen rückten nach dem Lustgarten ab, der Kaiser stieg zu Pferde, ritt die Front der „Unter den Linden" zur Parade ausgestellten Truppen entlang und ließ sie dann in Parade an sich vorbeimarschiren. Er sprach sich sehr be- sriedigt über den Verlauf der Parade aus, sowie darüber, daß er die früher übliche Abnahme der Parade „Unter den Linden" wieder eingesührt habe. Moltke und Blumenthal wohnten ebenfalls der Parade bei. Der Kaiser wurde überall mit Jubel begrüßt.
Berlin, 1. December. Der „Reichsanzeiger" sagt in einem Artikel über die Thronbesteigung des „Großen Kurfürsten": „Drei Gedanken durchziehen die Politik des Großen Kurfürsten: den Staat militärisch stark und kräftig zu machen
wurde es gleich nach den ersten Klängen unruhig, die Fenster erhellten sich, schattengleich bewegten sich menschliche Wesen hinter denselben.
Rubly, furchtbar erregt schon allein durch die Wirkung der mächtigen Klänge seiner Posaune, wähnte in dieser Be- wegnng menschlicher Geschöpfe das Wunder der Auferstehung zu schauen. Die aufgeschreckten, mit wildem Gekrächze umher- fiatiernden Nachtvögel vermehrte« noch den Eindruck dieser phantastischen Scene.
Dann kam ein Augenblick, da wurden die Posaunen- klange furchtbar. Die Häuser der Lebenden antworteten mit einem Aufschrei des Schreckens.
Es war das letzte Aufgebot eines erhabenen Wahnes. Nach und nach wurden die Töne schwächer- die Verzweiflung chien sich zu besänftigen, die letzten Töne erstorben wie der letzte Funke einer erlöschenden Fackel.
Die Bewohner des Dörfchens schlossen die Fenster und suchten itjre gestörte Nachtruhe wiederzufinden.
Morgens, gegen Sonnenaufgang, betraten der Pfarrer und der Küster den Friedhof und sanden den armen Rubln ein Marmorkreuz umschlungen haltend. Sic riesen ihn an Iie schüttelten ihn, vergeblich. Seine edlen Gesichtszüae hatten einen ruhigen, glücklichen Ausdruck, aber sie waren kalt im Tode erstarrt. '
6r hatte sein Versprechen gehalten. Maria war nicht zu ihrem Paolo zurückgekehrt, er aber war zu ihr gegangen.
und von fremden Gewalten zu befreien- die Untenhanen mit dem Bewußtsein eines einheitlichen Staates zu durchdringen und die Staatsgewalt im Sinne ausgleichender Gerechtigkeit zu handhaben. Auf dem Wahrspruch des Großen Kurfürsten: „Ich werde die Fürstengewalt so führen- daß ich weiß, sie ist nicht meine Privatsache, sondern Volkssache" arbeiteten die Könige und Kaiser weiter bis heute, wo das damals begonnene Werk blühend, glänzend, gesund und kräftig als Bürgschaft des Friedens im Innern und nach Außen dasteht. Der Kaiser gab heute am Denkmal des Großen Kurfürsten den Gefühlen der Dankbarkeit, Ehrfurcht und Bewunderung vor dem Geiste Ausdruck, welcher Preußen geschaffen und erhalten hat. Mit dem Kaiser schlagen heute alle Preußenherzen höher und geloben, sestzuhalten an den Grundlagen, welche der Große Kurfürst geschaffen hat, und aus ihnen weiterzubauen.
Straßburg, 1. December. Durch Verfügung des Unter- staatssecretärs Schraut mit Genehmigung des Reichskanzlers wurde die Einfuhr italienischen Rindviehs in die Schlachthäuser der größeren Städte des Reichslandes gestattet.
Wien, 1. December. Der „Presse" zufolge findet morgen im Ministerium des Auswärtigen eine Sitzung der österreichisch-ungarischen Zoll-Handelsconferenz bezüglich des Handelsvertrages mit Deutschland statt. Derselben folgt Nachmittags eine Conferenz der deutschen und österreichisch-ungarischen Delegirten.
Luxemburg, 1. December. Staatsminister Eyschen trifft morgen in Coblenz mit dem Großherzog zusammen und begibt sich mit demselben nach dem Haag. Die luxemburgische Regierung wird bei der Bestattung des Königs durch vier Mitglieder vertreten, die Kammer durch den Vorsitzenden und zwei durch das Loos bestimmte Deputirte, der Staatsrath durch zwei Mitglieder, die Hauptstadt durch den Bürgermeister.
Haag, 1. December. Die Königin Wilhelmine und die Königin-Mutter sind heute früh von Loo eingetroffen und begaben sich alsbald nach dem Palais Noordeinde. Gestern Abend fand am Sarge des Königs ein Gottesdienst in Gegenwart der beiden Königinnen statt.
Loo, 1. December. Die Trauer feier am Sarge des Königs ist in erhebendster Weise verlaufen. Eine nach Tausenden zählende Menge folgte der Ueberführung des Sarges nach dem Bahnhofe, von wo derselbe um 11 Uhr 35 Min. mittelst Sonderzuges nach Haag übersührt wurde.
Paris, 1. December. Bankier Cer nuschi schickte Pasteur eine Anweisung auf 10,000 Franken zur Unterstützung fremder Studirender.
Paris, 1. December. Anläßlich der gestrigen Schlußsitzung des Katholiken - Congr esses in Nantes hielt Bischof Freppel eine Predigt, in der er aufforderte, die Revolution und deren Principien rastlos zu bekämpfen und der Kirche hierdurch zum Triumphe zu verhelfen.
London, 1. December. Morell Mackenzie nahm gestern in seinem Hospital in Gegenwart zahlreicher Aerzte an zwei Lupuskranken und einem an Kehlkopsschwindsucht Leidenden Impfungen mit Koch'scher Lymphe vor.
Rom, 1. December. Nach einer Meldung der „Agenzia Stefani" hat der König ein Amnestie-Decret unterzeichnet, durch welches Personen begnadigt werden, welche wegen Preßvergehens und einiger anderer Vergehen und Uebertretungen einschließlich politischer Demonstrationen ver- urtheilt waren. Das Decret begnadigt ferner Stellungspflichtige, die vor dem 1. Januar 1851 geboren sind.
Washington, 1. December. Präsident Harrison richtete an den Congreß eine Botschaft, in welcher er die Beziehungen zu allen Staaten Europas und des Orients als freundliche bezeichnet und bemerkt, daß die Verbindung mit den amerikanischen Staaten durch den panamerikanischen Congreß verstärkt wurde- der Präsident hofft, die Mächte werden das Schifffahrts-Reglement annehmen, erklärt ferner, es sei nothwendig, einige Monate abzuwarten, um die Wirkung der Silberacte auf die vom Silber abhängigen Werthe festzustellen- vorläufig habe das Gesetz im Allgemeinen einen wohltätigen Einfluß auf die Geschäfte ausgeübt. Der beträchtliche Golövorrath der Vereinigten Staaten werde den Abschluß einer internationalen Vereinbarung über den uneingeschränkten Gebrauch des Silbers fördern, sowohl in geprägtem wie in ungeprägtem Silber. Bezüglich der Mac Kinley-Bill erklärt die Botschaft, es sei nicht zweckmäßig, Veränderungen vorzunehmen, bevor nicht eine allgemeine und vollständige Erfahrung über die Wirkung des Tarifs vorliege- bisher sei nicht bewiesen, daß der Tarif den Interessen des Handels und der Industrie der Vereinigten Staaten nachtheilig sei, eher das Gegentheil.
^provinzielles.
n. Großen-Liuden, 1. December. Die Volkszählung ergab 1426 Anwesende- gegen die letzte Zählung mehr: 157.
:: Lich, 1. December. Prof. Koch' sches Heilverfahren. Aus sicherer Quelle wird uns mitgetheilt, daß der Fürstl. Hospitalarzt Herr Dr. Stamm die Koch'sche Lymphe bereits erhalten und die betreffenden Einspritzungen bei den an Lungen- und Knochentuberkulose, sowie an Lupus Erkrankten zur Anwendung bringt. Selbstverständlich sieht man hier mit großer Spannung dem Erfolge dieses Wundermedicaments entgegen.
^öad Nauheim, 1. December. Der Gemeinderath beschloß in seiner letzten Sitzung den Bau eines städtischen Hospitals, in welchem einheimische Kranke, die der häuslichen Pflege entbehren, und unbemittelte Curgäste, welche seither im Curhospital an der Usabrücke Ausnahme fanden, gleichmäßig Aufnahme finden sollen. Mit ansteckenden Krankheiten Behaftete sollen in einem Jsolirhaus Ausnahme finden. Das bisherige Hospital und das alte Amtsgerichsgebäude würden dann zur anderweitigen Verfügung frei werden.
Friedberg, 1. December. Heute Morgen 8 Uhr wurde der D i e n st b e t r i e b in dem neu erbauten Posthause an ocr Bahnhofsstraße hierselbst eröffnet, nachdem am Abend
vorher, nach Schluß des Dienstes im alten Posthause, die Uebergabe des neuen Hauses stattgefunden hatte. Letztere vollzog sich lediglich als ein dienstlicher Act. Oberpostdirector Clavel aus Darmstadt hielt dabei in der Schalterhalle vor den versammelten Postbeamten, Bauleitern und Bauhandwerkern eine kurze Ansprache, worin er die Entwicklung der postalischen Verhältnisse in Friedberg, die Entstehungsgeschichte des neuen Hauses und die Fürsorge der Verwaltung zur Gewinnung guter Diensträume und bestmöglicher Bedienung des Publikums hervorhob und mit einem Hoch aus Kaiser und Großherzog schloß. Postdirector Wüst übernahm das Haus mit dem Ausdruck des Dankes für den obersten Leiter des deutschen Postwesens, Staatssecretär Dr. v. Stephan, und brachte Letzterem ein Hoch aus, worauf ein Rundgang und Besichtigung des Hauses erfolgte. Nach Schluß dieser geschäftlichen Uebergabe des neuen Posthauses vereinigten sich die dabei betheiligt Gewesenen im Hotel Trapp zu einem gemächlichen Beisammensein, bei welchem auch dem hochverehrten Leiter der Oberpostdirection Darmstadt, Oberpostdirector Clavel, durch ein Hoch der Dank für seine Bemühungen um das neue Haus und um die Förderung des Postwesens in dem ihm unterstellten Bezirke dargebracht wurde. Die Stadt Friedberg hat durch das neue Posthaus eine neue Zierde erhalten und macht dasselbe besonders vom Bahnhofe aus einen recht günstigen Eindruck. Dasselbe ist nach dem vom Postbaurath Cuno in Frankfurt angefertigten, im Reichspostamte festgestellten Entwürfe ausgeführt. Die örtliche Bauleitung erfolgte bekanntlich durch den jetzt nach Höxter versetzten Architekten Hartig. O. A.
Friedberg, 1. December. Der vielfach verbreiteten Meinung, Friedberg sei einer der theuersten Plätze des Großherzogthums, wird im „Oberh. Anz." mit folgenden Ziffern entgegengetreten: Es kostete seither: Ochscufleisch das Kilo in Darmstadt Mk. 1,52, Offenbach Mk. 1,32, Gießen Mk. 1,44, Mainz Mk. 1,44, Bingen Mk. 1,50, Friedberg Mk. 1,36- Kuh- und Rindfleisch in Darmstadt Mk. 1,40, Offenbach Mk. 1,24, Gießen Mk. 1,24, Mainz Mk. 1,20, Bingen Mk. 1,40, Friedberg Mk. 1,20 - Kalbfleisch in Darmstadt Mk. 1,30, Offenbach Mk. 1,32, Gießen Mk. 1,24, Mainz Mk. 1,40, Bingen Mk. 1,40, Friedberg Mk. 1,20- gemischtes Brod in Darmstadt Mk. 0,28, Offenbach Mk. 0,30, Gießen Mk. 0,28, Mainz Mk. 0,30, Bingen Mk. 0,26, Friedberg Mk. 0,28 - Butter in Darmstadt Mk. 2,60, Offenbach Mk. 2,60, Gießen Mk. 2,50, Mainz Mk. 2,20, Bingen Mk. 2,50, Friedberg Mk. 2,60.
dt. Neu - Ulrichstein, 1. December. Monatsbericht der Arbeiter-Colonie pro November 189 0. Ende November 1890 sind in der Colonie stellen-, resp. arbeitslos 113 Mann. Dieselben Vertheilen sich aus das Groß- herzogthum Hessen 32, Königreich Preußen: Berlin 1, Regierungsbezirk Cassel 9, Provinz Hannover 5, Provinz Brandenburg 4, Provinz Ostpreußen 1, Provinz Westpreußen 1, Provinz Rheinlande 13, Provinz Sachsen 3, Provinz Schlesien 1, Provinz Westfalen 2, Provinz Pommern 3. Königreich Bayern 12. Großherzogthum Baden 2. Großherzogthum Mecklenburg 1. Großherzogthum Oldenburg 2. Provinz Hessen Nassau 13. Thüringische Staaten 6. Hohenzollernsche Lande 1. Kaiserreich Oesterreich 1.
Hiervon waren: Arbeiter 37, Anstreicher 4, Bäcker 5, Bergleute 1, Brauer 1, Barbier 2, Buchbinder 1, Buchdrucker 1, Eisengießer 1, Färber 1, Former 1, Gärtner 2, Glaser 1, Glasmacher 1, Gürtler 1, Hausbursche 1, Kaufleute 4, Kellner 3, Kupferschmied 1, Maurer 1, Maschinenbauer 1, Maschinenschlosser 1, Maschinenheizer 1, Metzger 2, Mechaniker 1, Sattler 1, Schirmmacher 1, Schlosser 7, Schmiede 2,'^Schneider 4, Schreiber 3, Schuhmacher 8, Stellmacher 1, Strumpfwirker 1, Tuchmacher 1, Tüncher 3, Vergolder 1, Weber 1, Ziegler 1, Zimmerleute 2.
Im Monat November wurden entlassen 8 und zwar in Stellung durch die Colonie 1, auf eigenen Wunsch 5, rum Militär 2.
Verpflegungstage im November 1890 : 2747. Gearbeitet wurde an 1299 Tagen, hierunter 402 Tage für fremde Rechnung.
Seit Bestehen der Colonie find ausgenommen worden 1586 Mann, dagegen abgegangen 1473- bleibt Bestand 113 Mann.
Ulrichstein, 23. November. Heute Abend nach 8 Uhr versammelten sich dahier im Gasthof von Fr. Groh (Vogelsberger Hof) auf Einladung des Herrn Amtsrichters Engel hier ungefähr 30 Personen zwecks Gründung eines Bürgervereins für Ulrichstein und Umgegend. Die dargelegten Ideen gipfeln ungefähr in folgenden Hauptpunkten: Dem Verein kann jeder unbescholtene Erwachsene beitreten, gleichviel welcher Religion oder politischen Parteirichtung er an- gehört, ausgeschlossen sind nur Socialdemokraten - verpönt sind ferner Gespräche über Religion und Politik.
1. Hauptzweck des Vereins ist, als Ordnungspartei energisch Front zu machen gegenüber den einen allgemeinen Umsturz der bestehenden Verhältnisse bezweckenden Bestrebungen der Socialdemokraten.
2. Es soll der Wohlthätigkeitssinn nach besten Kräften gefördert werden z. B. durch Weihnachtsbescheerungen an würdige, unterstützungsbedürftige Personen rc.
3. Soll der gesellige Verkehr unter den Mitgliedern thun- lichst gepflegt werden.
Der vierteljährliche Beitrag wurde auf 50 Pfg. festgesetzt. Die eigentlichen Statuten werden von einer Commission von sieben Herren z. Z. ausgearbeitet.
Atzenhain, 30. November. Am 28. November, Mittags von 1 Uhr an bis tief in die Nacht hinein wurde hierselbst durch Großh. Staatsanwalt und Großh. Amtsgericht Grünberg in Begleitung der Gendarmerie eine Untersuchung abgehalten bezüglich des zwischen Atzenhain und Lumda tobt aufgefundenen I. Wagner von Beltershain. Es wird nämlich vermuthet, der genannte Wagner fei von böser Hand erschlagen worden- inwieweit die Sache auf Wahrheit beruht, wird die Untersuchung ergeben.
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