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nebst den kaiserlichen Prinzen, die hier anwesenden Prinzen imb Prinzessinnen, die Hofstaaten, die General- und Fluges Adjutanten, daS diplomatische Corps :c. beiwohnten. Danach war große Defilircvur im Weißen Saale, nach welcher sich das kaiserliche Paar mit den Prinzen zur Gratulation zur Kaiserin Augusta und den großh. badischen Herrschaften begab. Sodann fuhr der Kaiser zur Großen Parole nach dem Licht­hofe des Zeughauses, woselbst eine kurze Ansprache au die commandirenden Generale sämmtlichcr Armeecorps erfolgte.

Dresden, 1. Januar. Die Königin wird wegen Un­päßlichkeit an der heutigen GratulationScour nicht theilnchmeu.

London, 1. Januar. Der Bericht des Schatzamtes weist an Einnahmen für das am 31. December schließende Quartal Lst. 21,577,798 gegen Lst. 21,266,907 des Vor­jahres auf, für die am 31. December schließenden 12 Monate Lst. 88,963,595 gegen Lst. 90,173,416 des Vorjahres. Die Einnahmen aus den Zöllen der verflossenen 12 Monate nahmen um Lst. 496,000 und diejenigen aus den Posten und Tele­graphen um Lst. 780,000 zu. Dagegen nahmen die Ein­nahmen aus den Steuern um 1 Million und aus den sonstigen Mgaben um Lst. 1,215,000 ab.

London, 1. Januar. Die Krankheit, welche Lord Salis­bury zwei Tage ans Bett fesselte, war Influenza. Der Leibarzt der Königin, Dr. Jenner, war zur Consultation zu­gezogen worden. Das Befinden des Patienten besserte sich langsam, doch muß derselbe noch das Zimmer hüten. 'Em unbekannter Wohlthäter überwies dem Vorstande eines hiesigen Hospitals Lst. 100,000 zur Grundlegung eincv Sanatoriums für genesende Patienten der Londoner Hospitäler.

Brüssel, 1. Januar. Das königliche Schloß zu Lacken steht in Flammen. Sämmtliche Kunstsammlungen in dem Schlosse sind zerstört, die Gemächer des Königs sind erhalten. Die Prinzessin Clementine, welche mit ihrer Erzieherin beim Ausbruch des Feuers im Schlosse anwesend war, ist mit Mühe gerettet worden. Die Erzieherin wird vermißt und fürchtet man, daß dieselbe in den Flammen den Tod gesunden hat.

Petersburg, 1. Januar. DieNeue Zeit" bespricht die Ernennung der Bischöfe durch den PSpst. und con- statirr dessen versöhnlichen Geist. Die Regierung sowie das russische Volk seien immer sehr talerant gegen den Katholi­zismus als Religion gewesen, die russischen Katholiken ge­nössen dieselben Rechte wie die Protestanten, die Resormirten, die Armenier und Gregorianer. Dem Vatican werde die Lösung der Bischofsfrage sicherlich Vortheile darbieten und als Beweis dienen, daß der Papst in völliger Aufrichtigkeit handelte, als er das Prinzip der Einmischung der Geistlichkeit in die Politik tadelte.

Bukarest, 1. Januar. Der Senat nahm die Vorlage betreffend das Recrutencontingent für 1890 an. Die Kammer lehnte die Amendements der Opposition zu der Adresse ab und nahm den ersten Paragraphen des Entwurfes bei* Majorität an. Zahlreiche bisher nicht schwere Fälle von Influenza werden hier konstatirt. Die Zahl der in der Garnison an der Influenza Erkrankten betrug gestern Abend loo7.

Sofia, 1. Januar. Das amtliche Blatt veröffentlicht eine Verordnung betreffend die Regelung der Handels­beziehungen zwischen Bulgarien und England. Hiernach unterliegen englische nach Bulgarien eingeführte Waaren einem Zolle von 8 pCt. vom Werthe. Außerdein sind I für dieselben eine Gebühr von 1/z pCt. und die gesetzlichen I Communalabgaben zu entrichten. Für Spiritus, Tabak, Salz, Pulver und andere der Verzehrungssteuer unterworfene, oder ein Monopol bildende Artikel sind außer den oben erwähnten Zollgebühren noch die betreffenden Spezialabgaben zu zahlen. Nach England eingeführte bulgarische Boden- und Jndustrie- producte werden wie die Waaren einer meistbegünstigten Nation behandelt. Die Verordnung bleibt bis zum 1. Januar 1891 in Kraft und gilt, falls seitens keines der beiden Ver­trag schließenden Theile bis zum 1. October d. I. Kündigung I erfolgt, als bis zum 1. Januar 1892 verlängert.

Rom, 2. Januar. sPrivatdepesche.) Gestern Nachmittag 5i/2 Uhr, nach Beendigung des Empfanges im Quirinal, warf ein Individuum eine Büchse mit brennender Lunte vor das Portal des Schlosses und flüchtete sodann eiligst. Ein Gensdarm drückte die Lunte aus. Das Individuum wurde verhaftet und stellte es sich heraus, daß es ein 30jähriger | Sicilianer Namens Tancred Vita ist, welcher früher Student ! in Pisa war. Es wird behauptet, das Gesäß enthalte eine ungesährliche Mischung von Petroleum und Firniß.

totales unö ^provinzielles.

Gießen, 2. Januar.

Die Neujahrsnacht ist in der hier üblichen Weise ver­laufen. Obwohl der Besuch der Wirthschaften gegen früher bedeutend schwächer geworden, zeigte das Leben und Treiben aus der Straße um die bedeutungsvolle Stunde das gewohnte Gesicht: Eine große MengeProsit-Neujahr"-Rufer. Mit Schießwaffen und sogen. Fröschen wurde natürlich auch ge­spielt) dieser Sport Unfug ist bezeichnender ist auch gar zu schön, als daß man ihn in Rücksicht auf Kranke und Kinder unterlassen könnte. Bald nach 1 Uhr hatte der Lärm, diesmal besonders srüh, sein Ende erreicht. Resultat der polizeilichen Thätigkeit: 33 Anzeigen wegen Schießens und Froschwersens, und die Aussicht aus ein für später zu er­lassendes Verbot jeglichen Neujahrsspectakels vor 12 und nach 1 Uhr.

Wie uns vom Vorstande des Eis Vereins mitgetheilt wird, haben verschiedene Vorkommnisse es nothwendig erscheinen lassen, den Besuch der Eisbahn einer strengeren Controle, als seither, zu unterwersen. Es sei daher daraus ausmerksam gemacht, daß die Beikarten, welche lediglich dem unterschriebenen Besitzer die Berechtigung zum Betreten der Eisbahn geben, stets mitzubringen und aus Verlangen dem Aufsichtspersonal vorzuzeigen sind. Um indessen das lästige Vorzeigen der Karten aus der Eisbahn selbst zu vermeiden, sind dieselben sür die Folge beim Eintreten in den eingefriedigten Raum vorzuzeigen.

- Lebensmittel Preise Ende November 1889. Nach einer Zusammenstellung der Großh. Centralstelle sür die Landes' statistik kosteten: ______________________________ '

Ochsenfleisch per Pfund

Rindfleisch per Pfund

Kalbfleisch per Pfund

Schweinefl. per Pfund

Hammelfleisch per Pfund

Gemischtes Brod

Roggen- Brod

Butter per Pfund

Milch 1 Liter

Eier 1 Stück

Städte mit Octroi Darmstadt

70

64

70

72

60

14

12

104-114

17

6-9

Mainz

72

54

70

70

60

14

12

100-111

19

67

Offenbach

70

60

66

70

65

14

13,5

116-126

22

6-10

Worms

70

64

67

72

60

12

11

105-118

16

6-8

Gießen

69

58

60

69

62

14

12

111-117

17

7-8

Städte ohne Octrot

Bingen

70

65

60

70

50

13

12,5

104-113

18

7-10

Bensheim

64

56

64

70

60

12,5

10

90-107

¥1

78

Alzey

65

60

70

75

70

14

11

105-115

17

9-10

Friedberg

70

60

60

64

50

14

13

105-110

16

8-9

Alsfeld

62

56

55

60

14

12

100

14

6

Lauterbach

56

56

50

64

50

15

11,5

100

14

6

In der Provinz Oberhessen bestehen z. Z. folgende, zum hessischen Landesverein gehörende Kirchengesangvereine: Gießen, Bad Nauheim, Friedberg, Londorf, Grünberg, Annerod, Alsfeld, Holzheim, Nainrod, Lauterbach, Larden­bach, Schotten, Herbstein, Romrod, Bingenheim, Ober- Mockstadt, Ulrichstein, Wenings, Bruchenbrücken, Rommel­hausen, Ober-Gleen, Klein-Karben. Kirchenchorschule Gießen. Eingegangen sind im Lause der Zeit die Vereine zu Schlitz, Lich, Allendorf a. d. L., Burkhards und Okarben.

Alsfeld, 31. December. Am Sonntag fand hier im Saale des Weinhauses eine Versammlung d e r A r b e it e r Alsfelds statt. Die Tagesordnung lautete:Wie stellen sich die Arbeiter Alsfelds und Umgebung zu den jetzigen er­höhten Lebensmittelpreisen?" Herr Georg Schuchard wies darauf hin, daß unter den jetzigen Verhältnissen dem Arbeiter wirklich unmöglich sei, bei der steten Steigerung der Lebens­mittelpreise mit seinem Verdienste auszukommen. Da nun die Arbeiter der hiesigen Gegend nicht in der Lage seien, in eine Bewegung zur Erzielung besserer Arbeitslöhne einzu­treten, so sähen sie sich genorhigt, Mittel und Wege aus­findig zu machen, wie sie billigere Lebensmittel, besonders Brod, welches jetzt auch aus einer Preisstufe steht, die dem Arbeiter, der einen größeren Bedarf hat, den größten Theil seines Lohnes verschlingt, beschaffen können. Nachdem der Redner ein Schreiben von einer auswärtigen Brodfabrik ver­lesen hatte, wurde von der Versammlung beschlossen, mit den Herren Arbeitgebern und den hiesigen Bäckermeistern zusammen­zukommen, um zu sehen, ob die ersteren gewillt sind, diese Nothfrage ihrer Arbeiter zu unterstützen, und die letzteren, ob sie billigeres Brod hier am Platze schaffen können.

Lauterbach, 31. December. Am vorigen Sonntag hat sich hier unter dem Namen Zuchtvercin Lauterbach ein Verein constituirt, der es sich zur Aufgabe stellt, die Rindviehzucht in unserem Kreise zu heben, hauptsächlich durch Einführung der Simmenthaler Race. Zu diesem Zwecke soll das Rindvieh der Mitglieder von einer Commission besich­tigt und die tauglichen Thiere als Stammzuchtthiere gekört und gezeichnet werden. Hierbei werden jedoch nicht blos etwa reine Simmenthaler Mutterthiere angenommen, sondern alle Thiere mit gutem Körperbau und hohem Gebrauchs­werth ohne große Rücksicht auf die Race. Die reinen Simmenthaler Thiere werden besonders behuss Eintragung in das Heerdbuch sür das Großherzogthum Hessen vermerkt. Zur Veredelung des vorhandenen Zuchtmaterials dürfen nur reinracige Simmenthaler Bullen verwandt werden, lieber die gekörten Stammzuchtthiere und deren Nachkommenschaft wird ein genaues Zuchtbuch geführt, um Viehkäufern Auf­schluß über die Abstammung eines jeden Thieres geben zu können und um Anhalt zur Beurtheilung der eigenen Stamm­zuchtthiere zu gewinnen. Ferner bezweckt der Verein, seinen Mitgliedern den Bezug von Original-Rindern und -Bullen zu erleichtern. Es haben sich bereits verschiedene Mitglieder zur Anschaffung von Original-Simmenthaler Rindern bereit erklärt und wird demnächst vom Zuchtvereiu um Aufgabe fester Bestellung ungefragt werden. Es soll weiter vom Zuchtverein eine Vereinbarung über einheitliche und zweck­mäßigste Aufzucht des Jungviehs, Belehrung der Mitglieder und Erzielung günstiger Absatzwege für Zuchtvieh ins Auge gesaßt werden. Der Beitrag ist für jedes Mitglied auf 3 Mk., für jede Gemeinde auf 5 Mk. pro Jahr festgesetzt. Bis jetzt sind dem Verein 65 Landwirlhe beigetreten, weitere Anmeldungen stehen in Aussicht. Wer sich noch melden will, hat dies schriftlich an Herrn Dr. A. Backhaus in Rudlos zu thun.

dt. Neu - Ulrichstein , 1. Januar. Monatsbericht pro December 1889 der Arbeiter-Colonie. Ende December 1889 sind in der Colonie stellen- resp. arbeitslos 118 Mann. Dieselben verteilen sich aus das Groß- herzogthnm Hessen 35, Regierungsbezirk Cassel 19, Regie­rungsbezirk Wiesbaden 18, Provinz Brandenburg 3, Pro- | vinz Hannover 4, Pommern 3, Ostpreußen 2, Provinz Sachsen 1, Provinz Schlesien 4, Westfalen 4, Provinz Rheinpreußen 4; Königreich Bayern 9, Königreich Sachsen 2, Königreich Württemberg 1, Großherzogthum Baden 1, Groß- herzogthum Oldenburg 1, thüringische Staaten 2, freie Stadt Hamburg 2. Oesterreich 2. Italien 1.

Hiervon waren Anstreicher 1, Arbeiter 61, Bäcker 3, Bergmann 1, Bildhauer 1, Buchbinder 1, Buchdrucker 1, Böttcher 1, Drahtzieher 1, Elfenbeinschnitzer 1, Färber 1, Former 1, Glaser 1, Glasmacher 1, Gärtner 1, Gold­arbeiter 1, Häsner 1, Kaufleute 3, Leinweber 2, Maurer 3, Metzger 2, Sattler 2, Steinhauer 1, Seiler 1, Steinmetz 1, Schlosser 2, Schmied 1, Schreiner 1, Schornsteinfeger 1, Schreiber 2, Schuhmacher 4, Tapezierer 2, Tüncher 1, Ver­golder 1, Wagner 1, Ziegler 2, Zimmerleute 2, Schneider 4.

Seit Bestehen der Colonie wurden ausgenommen 1349. Abgegangen sind 1231. Im December wurden entlassen 9,

und zwar in Arbeit durch die Colonie 3, auf eigenen Wunsch 4, arretirt 1 , wegen Trunk 1. Verpflegungstage im December 3609. Gearbeitet wurde an 2829 Tagen, hierunter 78 Tage sür fremde Rechnung. ______________

vermischtes.

* Mainz, 1. Januar. In dem nahen Rüsselsheim hat die Influenza einen Arzt aus seinem Berufe hin­weggerafft. Der auch in weiteren Kreisen bekannte Dr. Melsheimer wurde vor einigen Tagen von der In­fluenza befallen, die alsbald in Lungenentzündung ausartete und den Tod des pflichttreuen Arztes verursachte.

* Mainz, 1. Januar. Im Verfolg des*Eisenbahn- projectes Mainz-Wiesbaden hat die preußische Staats­bahnverwaltung jüngster Tage der hiesigen Bürgermeisterei die Aufforderung zugehen lassen, sich über die Anlage der unterhalb des Mainzer Zoll- und Binnenhafens zu erbauen­den Eisenbahnbrücke zu äußern. Die Bürgermeisterei hat die Angelegenheit der städtischen Baucommission über­wiesen.

* Aus Rheinhessen, 1. Januar. Anläßlich ihres fünfzig­jährigen Bestehens hat die L e d e r f a b r i k von Doerr und Reinhart in Worms am Sylvesterabend einen Betrag von hunderttausend Mark zur Erbauung von Arbeiter­wohnhäusern ausgesetzt. Diese Häuser sollen zu einem mäßigen Zins den Arbeitern der Fabrik zur Versügung gestellt werden. Weiter hat die Firma ein Capital von fünf undzw anzig- tausend Mark gestiftet, dessen Zinsen zur Ergänzung des von der Betriebskrankenkaffe der Fabrik geleisteten Kranken­geldes dienen soll. Diese Stiftungen waren von einer Dank­sagung an die Arbeiter begleitet, worin es heißt, daß die Träger der Firma stets der Pflicht eingedenk seien, ihren Arbeitern mehr zu schulden als b.en Lohn.

* Frankfurt, 31. December. Den sichersten Maßstab für die Verbreitung einer Krankheit geben zweifellos die Kranken- kassen, und wenn wir erfahren, wie sie durch die Influenza in Anspruch genommen werden, so haben wir die Gewißheit, daß die Krankheit in den letzten Tagen sehr stark ausgetreten ist. U.»A. wurde am Sonntag der Vorstand der Kranken­kasseStandhastigkeit" zu einer schleunigen Sitzung zusammen- berusen, da sich die Krankenanmeldungen so angehäust hatten, daß sämmtliche 15 Vorstandsmitglieder zur Erledigung der Geschäfte in Action treten mußten. Aehnliche Mittheilungen werden auch von anderen Krankencassen gemacht.

Im Bürgerhospital, das eben den höchsten Kranken­stand ausweist und keine Betten mehr frei hat, wurde auch diesmal eine Weihnachtsbescheerung sür sämmtliche Patienten und Pfründner, zusammen 180, abgehalten) Dank den zahlreich eingegangenen Geschenken war die Bescheerung in diesem Jahre so reichlich ausgefallen, wie in keinem Jahre vorher. (8r- Ztg-)

* Die Sonntagsruhe der Postbeamten. Eine dem Reichs­tage mitgetheilte Statistik gibt eine Uebersicht über das Maß der Sonntagsruhe der Postbeamten. Danach sind von 74,565 Beamten dienstfrei an jedem Sonntage nur 4910 Beamte, mindestens jeden zweiten Sonntag 20,940, min­destens jeden dritten Sonntag 22,910 und jeden vierten Sonntag und seltener 9203. Niemals haben einen ganzen dienstfreien Sonntag 16,602 Beamte.

* Am ersten Wcihnachtstage, Abends, ereignete sich an einem der Bahnhöfe einer rheinischen Stadt ein recht pikanter Vorfall. Wenn es etwas Interessantes geben soll, muß allemal eine Dame dabei sein und so war es auch hier, ja, die betr. Dame war sogar die Hauptsache. Dieselbe hatte, wie das so manchmal vorkommen soll, Langeweile. Der Gemahl, ein sehr lebenslustiger Herr, der viel Glück bei den Frauen hatte, war sehr oft von Hause abwesend und alles Bitten der jungen Frau half nichts gegen das nun einmal überschäumende Naturell desselben. Selbst die Geburt eines Kindes besserte nur vorübergehend die zerfahrene Sachlage und zudem blieb das Kind auch nicht lange am Leben. So kam also die besagte Langeweile mit Riesenschritten daher und mit ihr auch der üblicheVetter". Vor wenigen Tagen erfuhr der flatterhafte Ehegcspons, daß seine Frau im Stillen ihre Sachen eingepackt und dies führte nun zu der oben erwähnten Scene. Kurz vor Abgang des Zuges erschien die Dame im Arme desVetters" im Perron, sich scheu und aufgeregt umblickend. Da plötzlich tritt der betrogene Gatte, der sich schon verborgen gehalten, hervor und aus düs Paar zu. Die Treulose will zu Boden sinken, aber auch ihrerw Begleiter ist nicht ganz geheuer, denn der beleidigte Eheherr hält sortwährend eine Hand hinter sich' verborgen) offenbar war es ein Revolver, den er da versteckt hielt. Schrecken und Entsetzen lähmen einen Moment dem Pärchen die Zunge. Da tönt die Klingel zum Einsteigen und im selben Moment bringt der Gatte die versteckte Hand zum Vorschein und über­reicht dem Nebenbuhler einen Bädecker, mit ironischem Lächeln sich verbeugend und davongehend.

* Newyork, 21. December. Louis Kämmerer, einer der bekanntesten und geachtetsten Geschäftsleute der Stadt Newyork, ist gestorben. Louis Kämmerer war in Lich im Großherzogthum Hessen 1830 geboren, kam 1851 nad) New­york und schon drei Jahre später gründete er eine Posamenttr- waarenfabrik, welche er bald zu hoher Blüthe brachte. Wie dieNewyorker Staatszeitung" hervvrhebt, stand Kammerer überall ba, wo es sich darum handelte, dem Deut chthum zur verdienten Anerkennung zu verhelfen, in den vordersten Jiciljen; er nahm reqcit Antheil au gemeinnützigen wvhlthatigeu Schöpf­ungen und scheute dabei weder Zeit noch Mühe oder peeuniäre Opfer. Einer der Hanptzüge seines Charakters war der, daß er unentwegt seiner Ueberzeugung folgte. Hatte er einmal etwas sür recht erkannt, so trat er ohne Rücksicht auf die Folgen auch mit Mannesmuth dafür ein, und gerade dieser Charakterzug war es, der ihm viele treue, anhängliche Frennde erwarb. Kämmerer war einer der Gründer des Deutschen Liederkranz", als dessen Präsident er wiederholt gewählt wurde, und der es hauptsächlich seiner tüchtigen Leitung verdankt, daß er sich zu der Stellung ausgeschwungen