Ausgabe 
2.1.1890
 
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Nr. 2.

Freitag den 3. Januar

1890.

Gießener Anzeiger

Henerat-Wnzeiger

Aints- und Airzergeblatt für den Ureis Gieren

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Der chießerrer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS.

Alle Annoncen-Bureaux deS In» und Auslandes nehm» Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Vorm. 10 Uhr.

Amtlicher TheiL.

Bekanntmachung,

das Ersatz-Geschäft für 1890 betreffend.

Mit Bezug aus die Bestimmungen der Deutschen Wehr- Ordnung werden alle im Jahr 1870 geborenen Militärpflich­tigen, sowie die in früheren Jahren geborenen, welche sich noch nicht zur Musterung gestellt haben, oder welche hinsichtlich ihrer Verpflichtung zum Eintritt oder ihrer Befreiung vom Militärdienste noch keine definitioe Entscheidung erhalten, und entweder im Kreise Gießen ihren dauernden Aufenthalt haben, oder in demselben als Studenten. Gymnasiasten und Zöglinge anderer Lehranstalten, oder als Haus- und Wirthschastsbeamte, Handlungsdiener, Lehrlinge, Handwerksgesellen, Lehrburschen, Dienstboten, Fabrikarbeiter oder in ähnlicher Eigenschaft sich aufhalten, hiermit aufgesordert, sich behufs Eintragung ihrer Namen in die Stammrolle in der Zeit vom 13* Januar bi» zum 1. Februar L. I. bei der Bürgermeisterei ihres Wohnortes, beziehungsweise ihres Aufenthaltsortes, zu melden und dabei, wenn sie an diesem Otte nicht geboren sind, ihren Geburtsschein und wenn sie sich bereits bei einer früheren Musterung gestellt haben, ihren Loosungs-Schein vorzulegen.

Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß Diejenigen, welche die Anmeldung Unterlasten, zu gewärtigen haben, daß sie mit einer Strafe bis zu 30 «X oder mit Haft bis zu drei Tagen belegt, von der Theilnahme an der Loosung aus- geschlossen und ihrer etwaigen Ansprüche aus Zurückstellung rc. verlustig erklärt werden.

Bezüglich derjenigen Militärpflichtigen, welche zur Zeit abwesend sind, sind deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- And 'Fabrikherrn zu diesen Anmeldungen verpflichtet.

Die Großherzoglichen Bürgermeisterelen des Kreises wer­den beauftragt, Vorstehendes in ihren Gemeinden noch beson­ders auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen.

Gießen, am 2. Januar 1890.

Der Civllvorsitzende der Großherzoglichen Ersatz-Commission Gießen- Jost, Regierungsrath.

Bekanntmachung,

Feldbereinigung in der Gemarkung Ruttershausen betreffend.

Nachdem das Großh. Kreisamt Gießen die Einleitung des Verfahrens der Feldbereinigung und der Anlage von Wegen in den Baunfftücken in der Gemarkung Ruttershausen beantragt hat, nachdem von der Großh- Landescommission für Feldbereinigung das beantragte Verfahren als zulässig erachtet und der Unterzeichnete als Commiffär zur Leitung der Ab­stimmung bestellt worden ist, wird Tagfahrt zur Abstimmung über den gestellten Antrag auf

Montag den 13. Januar 1890, Vormittag- von 10 bi- 12 Uhr, in da- Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Ruttershausen

anberaumt und zu derselben die beteiligten Grundeigentümer unter dem Rechtsnachthell eingeladen, daß diejenigen, welche in dem Termin weder persönlich noch durch gehörig Bevoll­mächtigte abstimmen, als sür den gestellten Antrag stimmend angesehen werden.

Gießen, am 17. December 1889.

Der zur Leitung der Abstimmung bestellte Commiffär: Nebel, Amtmann.

Bekanntmachung,

die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig freiwilligen

Dienst auf Grund von Schulzeugnissen betreffend.

Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst nachsuchen wollen, werden hierdurch auf die nachfolgen­den, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß' hiernach unvoll­ständige Gesuche ohne Weiteres zurückgegeben werden

1) Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs- Commission nur dann einzureichen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Hessen gestel­lungspflichtig ist, d. h- seinen dauernden Aufenthaltsort hat.

2) Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jahres nachgesucht werden, in welchem der sich Meldende das 20. Lebensjahr vollendet.

Der Nachweis der Berechtigung zum ein­jährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts

spätestens bis zum 1. April desselben Jahres zu erbringen.

3) Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist hierzu ein Bogen in Actenformat (nicht Briefpapier) zu verwenden- Auch erscheint es zweck­dienlich, wenn die nähere Adresse angegeben wird.

4) Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:

a) Geburtszeugniß;

b) ein Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereit­willigkeit den Freiwilligen während einer ein­jährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrig­keitlich z'u bescheinigen;

c) ein Unbescholtenheitszeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Real­gymnasien, Ober-Realschulen, Progymnasien, Real­schulen, Realprogymnasien, höheren Bürgerschulen und den sonstigen mllitärberechtigten Lehranstalten) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit ooer ihre vorgefetzte Dienstbehörde auszustellen ist;

d) das Schulzeugniß.

Sodann wird noch besonders bemerkt:

Zu pos. b: daß in dem Einwilligungs-Attest die Unter­schrift de» Vaters oder Vormundes beglaubigt sein muß.

Zu pos. d: daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reifezeugniffe für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen und Reifezeugniffe für die Prima der Gymnasien, Realgymnasien und Ober - Realschulen, sämmtlich nach dem Schema 18 zur Wehr-Ordnung vom 22. November 1888 Reg.- 5 von 1889 ausgestellt sein muffen.

Im llebrigen wird aus die 89, 90, 93 und 94 der angeführte Großh. Prüfungs für einjährig Freiwillig Der Vorsitzende:

Dr. Zeller.

Deutsche» Reich.

Berlin, 31. December. Gestern sand eine Sitzung des Staatsministeriums statt, welche sich anscheinend mit Vorlagen für den Landtag beschäftigt haben dürfte.

Berlin, 31. December. Die Abendblätter bringen ein aus Mixesse, 26. November datirtes Schreiben EminPaschas an das Emin-Pcffcha-Comite, worin derselbe für die Aus­rüstung der deutschen Expedition dankt. Emin begrüßt darin daS große Unternehmen, welches ihm und seinen Leuten.Hilse bringen solle, als einen Beweis für das lebhafte Interesse, das man nun auch in Deutschland den afrikanischen Verhält­nissen zuzuwenden beginne, wovon er reichen Segen für diese Länder erwarte. Aus deutschem Boden befindlich, habe er nur Gutes kennen gelernt. Was er zum rüstigen Fortbau aus den gelegten Grundlagen beitragen könne, werde gern geschehen.

Breslau, 31. December. Wie derBreslauer Ztg." aus Trachenberg gemeldet wird, wird Se. Majestät der Kaiser am Freitag Abend ß1/^ Uhr als Gast des Fürsten Hatzfeld in Trachenberg eintreffen, wo eine große Jagd in Aussicht genommen ist. Die Rückreise Sr. Majestät wird nach den bisherigen Bestimmungen am Samstag über Breslau statt­finden. Die Bürgerschaft Trachenbergs und die dortigen Vereine treffen Vorbereitungen zu einem feierlichen Empfang. Gegen 350 Fackelträger werden vom Bahnhose bis zur Stadt Spalier bilden.

Ausland.

Wien, 31. December. Die Influenza ist in stetigem Wachsen. Der Landessanitätsrath hat beschlossen, den Unter­richt in sämmtlichen Schulen Meder-Oesterreichs bis zum 7. Januar zu sistiren und zugleich das Ersuchen an den Bürger­meister gerichtet, Vorsorge für die Eröffnung eines Epidemie- Spitals zu treffen.

Wien, 31. December. Wie derPolit. Corresp." aus Belgrad gemeldet wird, waren daselbst gestern Gerüchte über das Bevorstehen einer M i n i st e r k r i s i s verbreitet. Dieselben seien auf Differenzen zurückzusühren, welche zwischen der Regierung und der Regentschaft wegen Reconstruction des Staatsrathes entstanden seien und deren Austragung ur­sprünglich noch gestern hätte erfolgen sollen, aber nunmehr bis nach den Weihnachtsserien vertagt worden sei.

Kopenhagen, 31. December. Dem amtlichen ärztlichen Berichte zufolge hat die Influenza in der letzten Woche hier erheblich abgenommen, es wurden während der ganzen Woche nur gegen 3000 neue Erkrankungen gemeldet. Der Verlauf der Epidemie ist ein fortdauernd gutartiger geblieben.

Rom, 31. December. In dem letzten geheimen Con- sistorium hat der Papst 31 Erzbischöfe und Bischöfe prä- conisirt und zwar 5 Spanier, 8 Italiener, 6 Russen, 3 Deutsche, 1 Dalmatiner, 6 Franzosen, 1 Belgier und 1 Mexikaner. Darunter befinden sich Anton Thoma, Erz­bischof von München, Anton Zerr, Bischof von Terespol, Peter Kossowski, Suffragan-Bischos von Wladislaw, Philipp Nakic, Bischof von Spalato (Dalmatien), Anton Stillemans, Bischof von Gent, Hermann Dingelstädt, Bischof von Münster, Michael Rampf, Bischof von Passau, Anton Andzicwicz, Bischof von Wilna, Franz Yaczewski, Bischof von Lublin und Administrator der Diöcese Podlachien, Michael Wowodworski, Bischof von Ploczk. Ferner theilte der Papst mehrere bereits durch Breve erfolgte Ernennungen mit, darunter die des Mgr. Piavi zum lateinischen Patriarchen von Jerusalem und des Mgr. Walsh, von London nach Toronto (Canada) ver­setzt. Endlich hat der Papst dem Patriarchen von Jerusalem das Pallium bewilligt und den neu ernannten Cardinälen den Cardinalsrang verliehen.

Rom, 31. December. In der Allocution, welche der Papst in dem gestrigen Consistorium hielt, sprach derselbe seine Befriedigung aus über die Errichtung von katholischen Universitäten in Washington, Ottawa und Freiburg. Um so größeren Schmerz verursache ihm Italien, wo, wie jüngst ein im öffentlichen Leben stehender Mann erklärt habe, die Machthaber unaufhörlich die Kirche und den Papst zu be­kämpfen trachteten. Das Papstthum habe ein Recht auf die weltliche Macht, weil hierauf die Unabhängigkeit und die zur Ausübung der Pflichten nothwendige Freiheit beruhten. Das neue italienische Strafgesetzbuch und das jüngst votirtc Gesetz über die frommen Stiftungen und Wohlthätigkeitsanstalten seien eine Beleidigung der Geistlichkeit und eine Verletzung der Kirche. Die Priester seien von der Verwaltung der Wohlthätigkeitsanstalten ausgeschlossen worden, während die Frauen dazu zugelassen würden. Man habe gesagt, die Wohlthätigkeit müsse von Laien geübt werden, weil sie dann besser ausgenommen werde. Die Unglücklichen aber schämten sich, außerhalb der Kirche christliche Mildthätigkeit in Em­pfang zu nehmen, weil es außerhalb der Kirche keine wahre Mildthätigkeit gäbe.

Turin, 31. December. Bei einem Fe st banket, welches der hiesige Verein der Industriellen zu Ehren des hier an­wesenden Marineministers veranstaltete, besprach letzterer die Militärausgaben und äußerte dabei, es sei zu beklagen, daß die europäischen Verhältnisse einen so großen Druck auf ein Land wie Italien ausübten, welches nur bestrebt sei, in Frieden mit Allen zu leben und welches, nachdem alle seine Bemühungen der Erlangung der Unabhängigkeit gegolten hätten, jetzt die Nothwendigkeit fühle, sich gänzlich der wirth- schastlichen und socialen Wiedergeburt zu widmen. Es sei zu wünschen, daß dieser Zustand sich zum Besseren wende. Der heißeste Wunsch, den er an diesem Tage aussprechen könne, sei der, daß der Zustand der Ruhe, wozu Italien gelangt sei, sich derart kräftige, daß bald der Tag kommen möge, wo es möglich werde, die das Land bedrückenden Opfer zu erleichtern. Die Regierung sei von der Pflicht durchdrungen, Alles zu thun, um diesen Tag möglichst bald herbeizuführen, dieselbe habe die feste Absicht, dies Ziel zu erreichen.

Petersburg, 31. December. Durch ein heute veröffent­lichtes Gesetz wird der Minister für Volksaufklärung ermäch­tigt, das deutsche Gymnasium in Goldingen (Kurland) binnen drei Jahren zu schließen und die der Kurländischen Ritterschaft für das Gymnasium bewilligte Regierungs- subsidie von 1600 Rubel jährlich von Neujahr 1890 ab zurückzuziehen.

Nach einem heute veröffentlichten Gesetze sind den­jenigen ausländischen Actiengesellschaften, welche die Erlaubniß nachsuchten, ihre Operationen in Rußland fortzusetzen und Handelspapiere für das lausende Jahr erhielten, solche auch für das künftige Jahr zu verabfolgen, wenngleich die Er­laubniß noch nicht ausgesertigt ist.

Washington, 31. December. Der Congreß der See- User-Staaten hat heute die Arbeiten beendigt und sich auf unbestimmte Zeit vertagt.

Neneste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 1. Januar. Heute Morgen 11 Uhr war Gottes­dienst in der Schloßcapelle, dem der Kaiser und die Kaiserin

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