Ausgabe 
1.6.1890 Erstes Blatt
 
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dem Bahnhofe waren beim Abschiede anwesend Generallieute­nant Seeckt, Oberpräsident Gras Zedlitz-Trützschler und die Generalität.

Posen, 30. Mai. Erzbischof Dinder ist Vormittags gestorben.

Breslau, 30. Mai. Heute st arb hier der Professor der Zoologie Schneider, Director des hiesigen Zoologischen Museums.

Wiesbaden, 30. Mai. Die Nachricht, daß der Statt­halter von Elsaß-Lothringen, Fürst Hohenlohe, zum Be­suche der Kaiserin Eugenie in Wiesbaden gewesen sei, ent­behrt der Begründung. Der Statthalter verweilte gestern in Privatgeschäften hier; er begibt sich heute nach Schillings­fürst und von dort nach Straßburg.

Braunschweig, 30. Mai. Der 20. Braunschweigische Landtag wurde durch Rescript des Prinzregenten geschlossen, nachdem der Staatsvertrag mit Preußen, betr. den Bahnbau Jlsenburg-Harzburg, genehmigt worden war.

Karlsruhe, 30. Mai. Der Großherzog empfing heute den spanischen Botschafter, Grafen Rascon, in feierlicher Audienz zur Entgegennahme des Beglaubigungsschreibens. Der Botschafter wurde darauf von der Großherzogin empfangen. Später fand ihm zu Ehren große Hoftafel statt.

Wien, 30. Mai. Kaiser Franz Joses stattete heute dem Prinzregenten Luitpold von Bayern einen Abschieds­besuch ab, welchen der Prinzregent bald darauf erwiederte. Später machte der Prinzregent auch bei den übrigen Mit­gliedern der kaiserlichen Familie Abschiedsbesuche.

Pest, 30. Mai. Einer Deputation der Arbeiter der Staats-Maschinenfabriken gegenüber erklärte der Minister Baroß, unter den gegenwärtigen Verhältnissen könne er weder eine Lohnerhöhung noch eine Reduction der Arbeits­zeit zusagen. , .

Sofia, 30. Mai. Im Panrtza-Proceß wurden Panitza zur Todesstrafe, vorbehaltlich der Begnadigung, Katu­kow zu neunjährigem, Lieutenant Rizow und Arnaudow zu sechsjährigem, Patew, Tschawdarow, Mollow, Kessimow zu je dreijährigem, Stefanow zu 5 Monaten Gesängniß verur- theilt. Die Uebrigen wurden freigesprochen.

Petersburg, 30. Mai. Der Kronprinz von Italien ist heute Nachmittag drei Uhr hier eingetroffen und wurde vom Kaiser Alexander in Generalsunisorm, mit dem Bande des Anunziatenordens, aus bem Moskauer Bahnhose empfangen. Die Großfürsten und Generäle, die italienische Gesandtschaft, sowie der portugiesische und dänische Gesandte waren anwesend. Der Empfang trug einen sehr herzlichen Charakter. Der Kaiser küßte den Kronprinzen wiederholt. Man fuhr dann in offenen Wagen durch den mit italienischen und russischen Farben geflaggten Newski-Prospect zum Winterpalais, wo der Gast von der Kaiserin begrüßt wurde. Abends fand im Anitschkowpalais ein Familiendiner statt.

und

Gießen, 31. Mai.

Der mit dem morgenden Tage in Kraft tretende Sommerfahrplan weicht, von geringfügigen Zugverschiebungen und während des Sommers regelmäßigen Aufenthalten ein­zelner Schnellzüge abgesehen, in folgenden wichtigen Aende- rungen von dem bisherigen Wintersahrplan ab: Neue Züge werden gefahren bezw. neue Anschlüsse hergestellt: Außer den bestehenden Tages-Schnellzügen aus der MaimWeserBahn: a) zwischen Hamburg und Frankfurt a. M. wird für den Sommer eine neue Schnellzugsverbindung über Cassel ein­gelegt. Der Zug von Hamburg nach Frankfurt (Nr. 74) fährt: ab Hamburg 12 Uhr 12 Min. Mittags, Hannover 3 Uhr 14 Min. bis 3 Uhr 26 Min., Cassel 6 Uhr 18 Min. bis 6 Uhr 28 Min., Gießen 8 Uhr 51 Min. bis 8 Uhr 58 Min., Frankfurt an 10 Uhr 3 Min. Abends und findet daselbst Anschluß an die Nachtschnellzüge nach Basel, München u. s. w. b) In der Richtung von Süden wird die Ver­bindung mit Hamburg bezw. Bremen dadurch verbessert, daß im Anschluß an den bestehenden (künftig um 11 Uhr 40 Min. Vormittags von Frankfurt a. M. fahrenden) Schnellzug (neue Nr. 55) ein neuer Schnellzug (Nr. 73) von Cassel bis Hamburg verkehrt mit Abfahrt von Gießen 12 Uhr 54 Min., von Cassel 3 Uhr 40 Min., in Hamburg 10 Uhr 40 Min. Der Zug nimmt in Frankfurt a. M. die Anschlüsse von Wies­baden, Heidelberg (bezw. Basel)?und Mannheim aus, erhält in Hamburg unmittelbare Fortsetzung bis Kiel bezw. Kopen­hagen und in Hannover nach Bremen. Der Localzug zwischen Friedberg und Fronhausen (früher Lollar) trifft Morgens schon um 5 Uhr 40 Min. (seither 6 Uhr 21 Min.) in Gießen ein. Der hier seither um 1 Uhr 16 Min. Mittags von Frankfurt eintreffende Schnellzug trifft von jetzt ab be­reits 12 Uhr 49 Min. hier ein und fährt anstatt seither um 1 Uhr 21 Min. bereits 12 Uhr 54 Min nach Cassel weiter. Der seitherige Personenzug 11 Uhr 44 Min. Mittags trifft bereits 11 Uhr 36> Min. hier ein und geht dementsprechend um 11 Uhr 45 Min. (seither 11 Uhr 54 Min.) nach Cassel. Der seither um 8 Uhr Vormittags von Cassel eintreffende Personenzug trifft schon um 7 Uhr 53 Min. hier ein und fährt 9 Minuten früher wie seither, also 7 Uhr 59 Min., nach Frankfurt werter. Aus der Bahnlinie GießenCoblenz trifft der seither Morgens 6 Uhr 56 Min. von Weilburg an­kommende Personenzug 6 Uhr 40 Min. von Diez ein, der seitherige Schnellzug 1 Uhr Mittags bereits 12 Uhr 44 Min., sowie der seither 8 Uhr 29 Min. von Coblenz eintreffende Schnellzug schon nm 8 Uhr 11 Min. Der seither Morgens 5 Uhr 21 Min. nach Coblenz abgelassene Personenzug geht schon um 5 Uhr 5 Min., der Schnellzug 8 Uhr 13 Min. schon 8 Uhr 8 Min., der Abend-Personenzug 7 Uhr 35 Min. schon 7 Uhr 15 Min. Aus der Linie Gießen-Deutz fährt der seither nach Deutz um 12 Uhr 25 Min. Mittags ab­gelassene Personenzug um 12 Uhr 10 Min. von Gießen ab, wogegen der Abends 7 Uhr 47 Min. seither hier eintreffende Personenzug um 20 Minuten früher (also 7 Uhr 27 Min.) eintrifft. Aus den Oberheffischen Eisenbahnen bleibt die An­

kunstszeit mit Ausnahme des Morgens 8 Uhr 57 Min. (seit­her 8 Uhr) aus der Linie Gießen-Fulda eintreffenden Personen­zugs dieselbe. Dagegen ist auf der Linie Gießen-Gelnhausen ein 11 Uhr 17 Min. Abends hier cintreffendcr Personenzug eingelegt, der aber nur Sonntags verkehrt. Ebenso bleibt, mit Ausnahme des seither Morgens 6 Uhr 40 Min. nach Fulda fahrenden Personenzugs, der vom 1. Juni ab 2 Minuten früher abgelassen wird, die Abfahrtszeit auf den Oberhessischen Linien dieselbe. Dagegen ist ein Abends 8 Uhr hier ab­gehender, bis Stockheim dnrchgeführter Personcnzug einge­schoben, der Anschlüsse nach Laubach, Schotten mib~ Gedern findet. Der nur Sonntags verkehrende, 8 Uhr 55 Min. Abends von Gießen abgolaffene Personenzug geht bis Nidda uüd hat noch Anschluß nach Schotten. Die Zahl der täg­lich aus Station Gießen abgehenden, dem Personenverkehr dienenden Züge beträgt 45. Der Plakatfahrplan über die aus Station Gießen verkehrenden Züge ist aus der Expedition desAnzeigers" zu haben.

E. M. Neues Theater in Gießen. Gastspiel des Wid- mann'schen Ensembles vom Kgl. Opernhaus in Bayreuth. Freitag den 30. Mai:Die Ehre". Es gehört entschieden zu den Merkwürdigkeiten, daß das kunstliebende Publikum Gießens, obwohl hier kein stehendes Theater ist, in kurzer Zeit mit dramatischen Werken bekannt gemacht wurde, deren Eigenart aus lange hinaus das Gesprächsthema der literarischen Kreise Deutschlands beeinflußt hat,dieJbsen'schenGespenster" u. a. deßhalb, weil nur wenige Bühnen ihre Ausführung wagen konnten und wollten, und die Sudermann'scheEhre" nicht zum geringsten aus dem Grunde, weil die ersten hei­mischen und auswärtigen Theater sich beeilten, das zugkräf­tige Stück ihrem Spielplan einzuverleiben. Es trifft sich in der That höchst selten, daß der ideelle und finanzielle Erfolg eines Theaterstücks Hand in Hand wandeln. Bei Hermann SudermannsEhre" ist dies wunderbarer Weise der Fall gewesen. Dies Drama entspricht all' den Anforderungen^ die man an ein modernes Stück, an ein treues Spiegel­bild der Anschauungen und Kämpfe der Menschen unserer Zeit zu stellen berechtigt ist. Da tritt uns vor allem ein vortrefflich dramatischer Ausbau entgegen, getragen und be­dingt von lebensvollen Charakteren und echten, unverfälschten Wirklichkeitsconflicten, eine fesselnde Handlung, eine kraftvolle Sprache, und vor Allem auch das, was der Deutsche nun einmal am wenigsten entbehren will, die siegende Macht einer itt liehen Idee. Was ist Ehre? Nächst den Fragen: Was ist Wahrheit?"Was ist Recht?" wohl eine der wich­tigsten! Sie empfängt durch den Gang der Handlung ihre Beantwortung dahin, daß der sogenannte Ehrbegriff, den Hunderte im Munde führen und der, eine Art von Luxus­gefühl, ost nur dazu da ist- an Stelle der Pflicht zu treten, etwas grundverschiedenes ist von dem inneren, sittlichen Leben eines Menschen, der wahren Ehre, die nicht abhängig ist von gesellschaftlichen Zufälligkeiten und daher ihrem Besitzer ebensowenig geraubt werden kann wie etwa seine Herzensgüte oder sein Gerechtigkeitsgefühl. Die zweite Wahrheit, auf welche die Vorgänge des Dramas hinsteuern, ist die, daß die Ehre auch zu den Dingen gehört, die eine Entwicklung verlangen. Sie ist nichts fertiges, nichts feststehendes. Der Mensch, welcher Jahre lang in gesitteter, gebildeter Umgebung gelebt hat, die im Stande war, ihm Herz und Geist zu bil­den, wird für die meisten Verhältnisse eine ganz andere Auf­fassung, ein viel verfeinertes Empfinden haben, als diejenigen, welche ihm zwar durch Blutsbande verbunden, stets im alten Geleise geblieben sind. Der junge Robert Heinecke, der in der Fremde in eiserner Arbeit und edler Selbstzucht zum tüchtigen Manne herangereift ist, kann die Sprache und Ton­art, die in seinem Elternhause herrscht, wo alles auf öde, gedankenlose Genußsucht hinausläuft, weder verstehen, noch ertragen. Aber man braucht nicht nach Indien zu gehen, um den Seinen fremd zu werden. Die junge, feinfühlende Commerzienrathstochter Leonore hat, wenn auch stiller, un- merklicher, ein ähnliches Schicksal durchzukämpfen. Der tiefen Herzensgüte dieses Mädchens ist die Gesinnung von Eltern und Bruder, die Alles nur nach seinem Geldeswerth abschätzt, unerträglich. Durch die Loslösung von der Familienzuge­hörigkeit müssen Robert und Leonore sich also ein neues Leben erringen. Die Darstellung des Stücks ließ im Hörer ein volles Gefühl der Befriedigung aufkommen, da die Vertreter der Haupt- und Nebenrollen im Einzel- und Zusammenspiel die Absichten des Autors in Allem erreichten.

Lebensmittel-Preise Ende April 1890. Nach einer Zusammenstellung der Großh. Centralstelle für die Landes­statistik kosteten:

1

Ochsenfleisch per Pfund

Rindfleisch per Pfund

Kalbfleisch per Pfund

Schweinefl. per Pfund

Hammelfleisch per Pfund

Gemischtes Brod

Roggen- Brod

Butter per Pfund

Milch 1 Liter

Eier

1 Stück |

Städte mit Oclroi Darmstadt

70

64

70

72

66

12

111121

17

6-7

Mainz

72

50

70

70

65

15

13

113-121

19

5-6

Offenbach

70

60

70

70

65

15

14

122-172

22

5-7

Worms

70

64

74

72

60

13

12

120-129

15

67

Gießen

70

62

60

68

66

14

12,5

104-114

17

56

Städte ohne Octroi

Bingen

70

65

65

70

70

13,5

13

114-130

5-7

Bensheim

66

60

66

70

60

14

11,5

80-100

17

67

Alzey

65

60

70

70

70

15

12

96-104

17

6-7

Friedberg

70

60

60

64

50

14

13,5

,100-110

16

5-6

Alsfeld

60

55

55

60

14

12

90-100

14

0

Lauterbach

60

60

50

64

50

15,5

12

| 100

14

4

K Friedberg, 30. Mai. Nach der gestrigen Vorver­sammlung sand hente im Hotel Trapp die Hauptversamm­lung des Hess. Unterverbandes der Deutschen E r w e r b s - u n d W i r 1 h s ch a f t s g e n o s s e n j ch a s t e n statt, in welcher von 24 (nicht wie gestern irrthümlich angegeben 23) dem Verbände angehörenden Vereinen 20 Vereine durch etwa 60 Delegirte vertreten waren. Dem Verbände sind die

Vereine von Homberg (Reg.-Bez. Cassel), Neukirchen b. Ziegen­hain, Ober-Mockstadt und Rotenburg a. d. Fulda neu bei­getreten. Aus dem Bericht des Verbandsdirectors Diehls ist hervorzuheben, daß die Mitgliederzahl der Verbandsvereine Ende 1889 bis aus 16,694 gestiegen ist. Der Gesammt- umsatz erreichte die Höhe von JL 181,796,000 gegen JL 143,204,000 in 1888. Vorschüsse wurden gewährt gegen Schuldscheine, Wechsel einschließlich der Discontwechsel und im Conto-Correntgeschäst im Gesamnnbetragc v. 40,640,000. Das eigene Vermögen der Vereine an Reservefonds und Geschästsguthaben hat sich gegen das Vorjahr um 289,000 vermehrt und betrug Ende 1889 Jl. 5,439,639. Der Bericht­erstatter hob rühmend hervor, daß in allen Vereinen das Streben nach Erhöhung des eigenen Vermögchrs, der Grund­lage der Creditwürdigkeit, ersichtlich sei. Sämmtliche Vereine haben die frühere unbeschränkte Hastart beibehalten, bis auf einen kleineren sehr gut situirten Verein, der aber nur einen beschränkten Mitgliederkreis hat. Die Mittheilungen der Vertreter jedes einzelnen Vereins in alphabetischer Reihenfolge, ferner die Besprechungen über die Unterscheidung und die Bedeutung der nach dem neuen Genossenschaftsgesetz zuge­lassenen Hastordnungen, über die Revisionspflicht u. s. w. boten viel des Interessanten und sicherlich hat ein jeder Theilnehmer an der Verhandlung, die einschließlich einer kurzen Ruhepause 6y2 Stunden währte, auss Neue die Erfahrung gemacht, daß. der gegenseitige Austausch der gemachten Erfahrungen, die Belehrung und Anregung durch den Leiter des Verbandes owohl wie der Anwaltschaft und des Vertreters der Deutschen Genossenschaftsbank nur segenbringend wirken können. Herr Kreisrath JDr. Braden von Friedberg, welcher mehrere Stunden lang den Verhandlungen mit Aufmerksamkeit und Interesse gefolgt war, hob dieses in einer kurzen Rede ebenfalls her­vor. Nach der anstrengenden Sitzung, in welcher zum Schluß die Vereine von Reichelsheim und Rotenburg durch das Loos zur Beschickung des demnächst in Freiburg i. B. stattfindenden allgemeinen Verbandstags aus Verbandskosten bestimmt waren, vereinigte ein ausgezeichnet gutes Mittagessen die Genossen- chafter für einige Stunden zu fröhlichem Beisammensein.

** Herbstein, 30. Mai. Das große Bezirks-Krieger- f est des Bezirks Herbstein wird dies Jahr hier abgehalten und zwar Sonntag den 15. und Montag den 16. Juni. Es wird schon jetzt die Frage in Erwägung gebracht: was ist zu thun, um den auswärtigen Vereinen einen würdigen Empfang zu bereiten. Der Bezirk besteht aus den Vereinen Lanzen­hain, Grebenhain, Crainfeld, Salz, Freiensteinau, Nieder- Moos, Stockhausen und Herbstein. Das Programm für das Fest ist folgendes: Samstag den 14. Ium: Zapfenstreich. Sonntag den 15. Juni: Tagreveille, Empfang der fremden Vereine, Frühschoppen, Mittagstafel, Bezirkstag, Festzug. Aus dem Festplatz: Begrüßungsrede, Musikvortrag, Festrede- Restauration und Tanzvergnügen- Feuerwerk, Illumination des Festplatzes. Montag den 16. Juni: Frühschoppen in der Brauerei von C. Suppes. Concert aus dem Festplatz.

x Ober-Roßbach, 29. Mai. Gestern geriethen zwei junge Leute in Streit. Dabei kam der Daumen des Einen in den Mund des Andern, der denselben in seiner Wuth fast ganz durchbiß.

x Aus der Wetterau, 29. Mai. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Die Hoffnung aus eine aus­gezeichnete Obsternte ist sehr herabgedrückt worden. Es gibt wohl Obst, aber nicht sehr viel, denn die Bäume haben, wie die Landleute sagen, falsch geblüht- Aepfel und Birnen sallen massenhaft ab. Besonders schlecht steht es um die Kirschen, denen der Frost und die Jnsecten viel geschadet haben.

Dermifd^tes.

* Mainz, 30. Mai. Wie dasMainzer Journal" mittheilt, ist der Versuch, ein Local-Comite für Errichtung eines National-Denkmals für den Fürsten Bismarck zu bilden, bei der hier herrschenden Abneigung, Lebenden Denkmäler zu setzen, gescheitert. Mit Rücksicht hieraus soll ein Landes- comite constituirt werden, zu welchem Zwecke von dem Grasen Oriola (Büdesheim), Dr. Osann (Darmstadt), Commerzien- rath Michel (Mainz) und Frhr. Heyl zu Herrnsheim (Worms> auf kommenden Sonntag eine Versammlung nach Darmstadt einberusen ist.

*== Frankfurt, 30. Mai. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten - Versammlung wurde u. A. auch über die gewünschte Beseitigung der Schaustellungen aus dem sog. Juxplatz während der Messe berathen. Es entspann sich eine lange Debatte, in welcher sich mit Aus­nahme des Herrn Oberbürgermeisters, welcher zunächst einen Bericht des Rechneiamtes über die Zustände aus dem Jux­platz (namentlich in sittlicher Hinsicht) abwarten will, bevor eine althergebrachte Einrichtung ausgegeben und damit aus eine hübsche Einnahme verzichtet werden soll, nur eine Stimme für die Beibehaltung dieser Schaustellungen erhob. Es wurde dem Magistrat vorgehalten, daß nur die Hefe der Bevölkerung den Juxplatz in den Abendstunden besuche und eine finanzielle Einbuße von 10000 Mk. gegenüber den be* stehenden Uebelständen und den Nachtheilen, welche den an­liegenden Hausbesitzern zugesügt würden, nicht ins Gewicht fallen könne. Aus den Reihen der Stadtverordneten fehlte auch der Hinweis auf die Schädigung der ansässigen Geschäfts­inhaber durch das Meßwesen nicht. Die Angelegenheit wurde gestern nicht zum Abschluß gebracht, sondern die auf Ab­schaffung des Juxplatzes hinzielende Petition dem Eingabe- Ausschuß überwiesen. Ferner entspann sich eine lange Debatte über die Vergebung der städtischen Druck­sachen, eine Frage, die schon viel Staub aufgewirbelt hat. Bekanntlich haben die Buchdrucker mehrere Versammlungen in dieser Angelegenheit abgehalten und schließlich eine Eingabe beschlossen, m welcher gebeten wird, nur sog. tariftreue Buch­drucker zu beschäftigen. Dr. Rößler befürwortete die Ein­gabe mit dem Bemerken, daß es sich gleichsam um eine Prämie für gutes Einvernehmen zwischen Arbeitgebern und