Ausgabe 
28.6.1889
 
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monarchistischen Lager ist also eine vollständige und die republikanischen Gruppen Frank­reichs werden sehr gut thun, sich hieran ein Beispiel zu nehmen.

Zwischen England und Arankreich scheint sich in der egyptischen Frage eine kleine Spannung erheben zu wollen. Nach einer Meldung desNeuter'schen Bureau's" will die französische Negierung ihre Zustimmung zu der Umwandlung der privtlegirten egyptischen Staatsschuld so lange verweigern, bis die englische Regierung ihre Truppen aus Egypten zurückzieht. Daß dies aber nicht geschieht, weiß man in Paris so gut wie in London und so läuft das ganze Manöver der französischen Re­gierung darauf hinaus, England in der egyptischen Frage wieder einmal Schwierigkeiten zu machen. Für den einstweiligen Verbleib seiner Truppen im Pharaonenlande hat aber England gerade jetzt einen recht plausibeln Vorwand, denn eine starke Streitmacht der Mahdisten rückt gegen Ober-Egypten heran und General Greenfuhl, der englische Oberstcommandtrende in Egypten, hat sich darum schleunigst nach dem zunächst be­drohten Grenzpunkte Wady Halfa begeben, während zugleich die englische Garnison von Kairo Befehl erhielt, sich marschbereit nach Wady Halfa zu hallen.

In den Belgrader Regierungskreisen soll die Thronrede Kaiser Franz Joses's einenvortrefflichen" Eindruck gemacht haben, was freilich einigermaßen verwunderlich klingt, denn die Rede enthielt ja eine deutliche Verwarnung an die Adresse der jetzigen Machthaber in Belgrad. Jedenfalls werden dieselben nun aber etwas zurückhaltender auftreten und soll namentlich bei der Kossaer-Feier jede politische Kundgebung ver­mieden werden. Anläßlich derselben reiste König Alexander, begleitet von den Regenten Protic und Belimarkooic und allen Ministern nach Kruschewatz.

Im türkischen Verwaltungsbezirke Novibazar, der stark von Serben bewohnt ist, sind Unruhm ausgebrochen. Es zeigen sich aufständische Bandm, gegen welche zwei türkische Bataillone entsendet wurden; nach einer weiteren Meldung sollen in der Stadt Novibazar sämmtliche Serben verhaftet worden sein; doch hat man es hierbei wohl nur mit einem übertriebenen Gerüchte zu thun, denn die Einwohnerschaft dieser Stadt besteht zu einem nicht geringen Thetle aus Serben.

nn. Darmstadt, 26. Juni. Nach Rückkehr des Großherzogs von den Jubiläums- seierlichketten aus Stuttgart wird die gesammte Grobherzogliche Familie demnächst nach Schloß Fürstenlager bei Auerbach übersiedeln und dort einige Wochen zubringen. Auch Prinzessin Heinrich von Preußen wird nach Rückkehr ihres Gemahls nach Kiel einige Wochen im elterlichen Hause verweilen.

Augenblicklich finden in unserer Umgebung täglich größere militärische Hebungen der gesammten Garnison statt, wobei das neue Felddienstreglement practische Ver­wendung findet. Auch die Santtätsmannschaften werden mit zu diesen Hebungen heran­gezogen.

Telegraphische Depeschen.

Wolffs tclegr. Eorrespondenr-Bureark

Berlin, 26. Juni. DerRetchsan-eigec" veröffentlicht die Verleihung des Komthurkreuzes zum Hohenzolltrn'schen Hausorden an den Generaladjutantcn von Winterfeld, ebenso das Gesetz betreffend die Ueb^rlragung polizeilicher Befugnisse in den Kreisen Teltow, Niederbarnim und im Stadtkreise Charlottenburg an den Polizeipräsidenten von Berlin, ferner das Gesetz betreffend die Alters- und Invaliditäts- Versicherung und schließlich die Königliche Verordnung betreffend den Erwerb von Eigenthum und die dingliche Belastung der Grundstücke im Schutzgebiete der Marschall- Inseln.

Berlin, 26. Juni. Der Bundesrath stimmte dem Anträge wachsens wegen erneuter Anordnungen auf Grund des § 28 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Socialdemokratte (Verlängerung des kleinen Belagerungszustandes) für Leipzig und Umaegend zu.

DieNordv. Allg. Ztg." schreibt bezüglich der Beantwortung der Interpellation im Nationalrath in Bern durch Bundescath Droz dahingehend, die Schweiz sei nach Art. 2 des Ntederlassungsvertrags nicht verpflichtet, von einwandernden Deutschen Legittmattonspapiere zu fordern, daß die Frage des Asylrechts hiermit nichts zu thun habe, denn die deutschen Socialdemokraten seien nicht als politische Flüchtlinge nach der Schweiz gekommen, sondern sie halten sich dort auf, um vom fremden Boden aus die Heimath anzugreifen. Der Schweizer Bundesrath widerspreche sich selbst. Während er das Recht beansprucht, jedem Fremden die Niederlassung zu gestatten, behauptet er, an der Ausweisung der revolutionären Elemente durch den Niederlassungsvertrag ver­hindert zu sein. Beamte monarchischer Staaten glaubt der Bundesrath ohne Rücksicht­nahme ausweisen zu können.

Sigmaringen, 26. Juni. Der Prinz Georg von Sachsen ist mit der Prinzessin Mathilde und dem Prinzen Friedrich August angekommen. Seine Majestät der Kaiser und Ihre Majestät die Kaiserin werden heute Abend 10 Uhr erwartet.

Sigmaringen, 26. Juni. Der König und die Königin von Rumänien mit Prinz Ferdinand von Hohenzollern und Gefolge sind heute Mittag mittelst Extrazuges hier eingetroffen.

Sigmaringen, 26. Juni. Der Kaiser und die Kaiserin sind heute Abend 10 Uhr von Stuttgart hier etngetroffen und wurden von sämmtlichen Fürstlichkeiten auf dem Bahnhofe empfangen. Die Stadt ist prächtig illuminirt, der Jubel des Volkes groß.

Metz, 26. Juni. Bei der Reichstagsersotzwahl erhielt Lanique 2768 von 3104 in der Stadt abgegebenen Stimmen. Das Ergebniß des Landkreises steht noch aus.

Wien, 26. Juni. Im Heeresausschuß der ungarischen Delegation erwiderte der KriegSmtnister auf eine Anfrage bezüglich der Erhöhung des Rekruten-Eontingents, außer einer Vermehrung bei der Artillerie, dem Eisenbahn- und Telegraphen Regimente werde keine Erhöhung des Heeres-Contingents eintreten. DaS im Gesetz vorgesehene größere Contingent werde nur im Nothfalle in Anspruch genommen werden.

Bern, 26. Juni. Der Ständerath ermächtigte den Bundesrath ebenfalls ohne Diskussion einstimmig zur baldmöglichsten Einführung des kleinkalibrigen Gewehres und zur Ausnahme der nöthigen Anleihe.

Lokales.

Oietzen, 26. Juni. sMilitärdienstnachricht.) Meier, Zahlmeister vom 3. Bat. 2. Großh. Hess. Jnf.-Regts. Nr. 116, bet seinem Ausscheiden aus dem Dienst mit Pension der Charakter als Rechnungsrath verliehen.

Vermischtes.

Griedel, 25. Juni. Ein recht trauriger Unglücksfall ereignete sich dahier. Gestern Vormittag wollte sich die junge, co. 6 Wochen verheirathete, aus Stein­furth gebürtige Frau des Schuhmachers Herrn H. Schmidt auf das Grabstück begeben, um dortselbst nothwendige Arbeiten zu verrichten. Als nun die Frau bis zum Mittag immer noch nicht nach Hause zurückgekehrt war, forschte man nach ihrem Verbleib und fand in der Nähe der Wetter die Geräthschaften, welche die Frau am Morgen mit­genommen hatte. Ein beängstigendes Gefühl beschlich den Mann, er suchte weiter und fand alsbald, daß seine bange Ahnung leider eine wahre Tbatsache werden sollte. Am Ufer der Wetter waren Baumzweige abgerissen, welche darauf schließen ließen, daß hier die Frau beim Wasserschöpfen ausgegltlten und in'S Wasser gestürzt war und so ihren Tod fand. Herzzerreißend soll der Anblick gewesen fein, als der junge Wittwer seiner nicht mehr lebenden Gattin ansichtig wurde.

Offenbach, 25. Juni. Der am 13., 14. und 15. Juli dahier stattfindende 14. hessische Feuerwehrtag verspricht einer der besuchtesten, welche bis jetzt in unserem Lande abgehalten worden, zu werden. Die Vorbereitungen sind im Gange und wird es besonders die Ausstellung, für welche der Neubau im Stadthaushofe vor­gesehen ist, sein, die eine große Anziehung ausübt. Die renommirtesten Fabrikanten dieser Branche, z. B. Metz (Heidelberg), Magirus (Ulm), Kurtz (Stuttgart), Lieb

(Biberach) u. A. haben bedeutende Lieferungen angemeldet, so daß das Gebäude kaum für die kleineren Gegenstände reicht; die Spritzen, Leitern u. s. w. müssen in einer noch zu erbauenden Halle untergebracht werden. Auch ein vollständiges Feuerwehr­haus mit Steigerthurm aus Eisefi wird von einer Firma aus Remscheid ausgestellt werden.

m , Osfenbach, 25. Juni. Bei dem gestern Nachmittag über unsere Stadt gezogenen Gewitter schlug der Blitz an verschiedenen Stellen, glücklicherweise ohne zu zünden, ein. Zuerst an dem Colonius'schen Hause am Markt, woselbst er in den Schornstein fuhr und diesen zerschmetterte, dann an dem Hause Bismarckstraße Nr. 24, dem Herrn Andreas Forster gehörig. Auch hier schlug der Blitz in den Dachschornstein, zerstörte den Kopf und fuhr durch den ganzen Schornstein hinab bis in den Keller, sprang von hier in die nebenan befindliche Waschküche, aus der die Strahlen herausfuhren. Die Wirkung dieses Blitzstrahles war bis im Nedenhause bemerkbar, wo theilweise der Verputz im Stiegenhaus herabfiel und wo es ziemlich stark nach Schwefel roch. Ferner schlug es im Hause des Herrn Daniel Weimar, Ludwigstraße Nr. 117, woselbst der Blitz den Schornstein und theilwetse auch das Dach zerstörte und die Balken des Dach­stuhls zersplitterte und in den großen Fabrikschornstein von Collet u. Engelhardt ein. Der Blitz fuhr den Schornstein entlang bis nahe der Erde und übersprang bann in einen Arbeitsraum, woselbst der gerade dort anwesende Werkführer vollständig betäubt wurde, so daß er vom Arbeitsplatz getragen werden mußte. Der Mann kann zwar heute noch nicht an der Arbeit erscheinen, doch ist zum Glück keine Gefahr für sein Leben vorhanden. Die an dem Gebäude angebrachte städtische Laterne wurde, wohl durch den Luftdruck, zertrümmert. Weiter schlug es noch in einem bewohnten Häuschen im Lehmfelde ein, das am Dach und an Den Wänden sehr stark gelitten hat. Ein ganz in der Nähe des Häuschens befindlicher Stall wurde zertrümmert und 2 Ziegen, dem Werkmeister Eichhorn gehörig, erschlagen. Außerdem schlug der Blitz auch tn ba& Haus des Herrn Arnold, Fcankturterstraße 87, und beschädigte den Schornstein und- das Dach. Wunderbarer Weise ist in keinem einzigen der vielen Fälle ein Menschen­leben zu beklagen, trotzdem alle Gebäulichkeiten, in denen es cinschlug, bewohnt sind. (Offenb. Ztg.)

Mainz, 25. Juni. Die Anwesenheit des Großherzogs hat einer großen Anzahl Leute Gelegenheit gegeben, an den Landesfürsten Bettelbriefe abgeben zu lassen, in welchen um eine Anstellung oder um Geldunterstützung gebeten wird, ebenso wird der Großherzog ersucht, Personen, die sich im Gefängnitz befinden, die Freiheit wieder zu geben. Fast durchgängig rühren die Bettelbriefe von Personen her, die eine Berück- sichttgung gar nicht verdienen.

inainj, 26. Juni. An dem hiesigen Hoflager werden den tommenben- Samstag Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen zum Besuch erwartet. Seitens der Verwaltung der Stadt Mainz ist beabsichtigt, zu Ehren der Anwesenheit des Prinzenpaares ein großes Nachtfest in derNeuen Anlage" zu veranstalten, zu welchem von der Bürgermeisterei die Einladungen an die Spitzen der Behörden ?c. ergehen sollen. Um dem Feste einen recht volksthümlichen Charakter zu geben und hierdurch einem von dem Großherzog verschiedentlich geäußerten Wunsche nachzukommen, ist in Aussicht genommen, den Zutritt zu der Festlichkeit auch wetteren Kreisen gegen ein entsprechendes Enträe zu gestatten. Die definitive Feststellung des Programms wird erst nach der Rückkunft des Großherzogs von Stuttgart erfolgen.

Auf Veranlassung des preußischen Verkehrsministcrs hat das Eisenbahn­betriebsamt in Wiesbaden jüngst angeordnet, daß auf der Nassauischen Bahn, so weit solche hessisches Gebiet passirt, alle Barrieren, Laternenpsähle, Flaggenstangen 2C. für bie Folge nicht mehr schwarz-weiß, sondern in den hessischen Farben rothwciß ange­strichen werden müssen. Ebenso ist bezüglich der Beflaggung der Bahngebäude auf dem angebeuteten Gebiete angeordnet, daß neben der preußischen immer eine hessische Flagge, sein muß.

Während Reclamationcn wegen Steuerbelastungen zu den Alltäglichkeiten gehören, ist jüngster Tage hier der gewiß sehr seltene Fall vorgekommen, daß sich Jemand zur Steuerzahlung meldete, von dem gar feine Abgaben verlangt wurden. Dieser sonderbare Schwärmer, der in den hiesigen Steuerlisten nicht zu finden war, aber absolut Steuer bezahlen wollte, wat ein sich nur vorübergehend hier aufhaltender Herr aus Norddeutschland und seine merkwürdige Liebhaberei für das Steuerzahlen erklärte sich dadurch, daß derselbe in einen Prozeß verwickelt ist, der es praktisch erscheinen liefe,, hier Domicil zu wählen und die damit zusammenhängenden Pflichten zu erfüllen. Die hiesigen Steuerbehörden sind dem Ansinnen des Mannes alsbald bereitwilligst, nachgekommen.

Bingen, 26. Juni. In einem Neubau In der Mainzergasse hier stürzte heute Morgen eine Mauer zusammen und vergrub drei Arbeiter unter den Trümmern. Einer der Arbeiter, aus Gaulsheim gebürtig, blieb sofort tobt, während die beiden anderen schwere Verletzungen an Arm und Beinen davontrugen.

Hanau, 25. Juni. Aus Schloß Numpenheim meldet dieO. Ztg.": Nach mehr als 120jährigem Bestehen am hiesigen Platze wird am 1. Juli d. IS. die Land- gräflich Hessische Hauptverwaltung hier aufgelöst und nach Schloß Philippsruhe ver­legt, bezw. mit der Verwaltung des Hofmarschallamtes horten vereinigt. Zur Zeit, als die hohen Herrschaften noch in Numpenheim refibirten, war hier stets offenes Haus und alle fürstlichen Verwandten, zu denen die hervorragendsten europäischen Dynastien gehörten, gaben sich jeden Sommer hier gern ein Rendezvous. So waren öfter im Laufe der Sommermonate 30 bis 40 fürstliche Personen in Rumpeuheim anwesend, hierzu kamen noch die Cavaliere, Hofdamen, Adjutanten und Dienerschaft und gab es ein Sprachengewirr in griechischer, dänischer, französischer, englischer und russischer Sprache. Jetzt wird voraussichtlich unser Schloß öde und leer und eine Wiederkehr der früheren Herrlichkeit nur noch ein frommer Wunsch bleiben.

Frankfurt, 25. Junt. Ein Mädchen klagte heute auf Ebelichung oder Ent­schädigung wegen eines nicht eingehaltenen Eheoersprechens. Der Beklagte legte heute dem Gerichtshof eine Menge Briefe vor, aus welchen er deduclrte, daß die Klägerin von ihm gar nichts wissen wolle, unter Anderem hieß es:Ich verzichte auf die Ehre, Deine Braut zu fein, sauberer Monsieur." ....Ich stehe nicht an, Dich zu ver­nichten! Ich zertrete Dir den Kopf wie einer giftigen Otter! Haß und Liebe sind Geschwister, doch der Bruder ist stärker als die Schwester. Ich gebe Dir den Rath, schieß' Dich tobt, Du Kameel!" u. s. w. Trotz dieser Kraftausdrücke klagte das Mädchen auf Ehelichung, eoent. 10 000 Entschädigung. Die Auslassungen bezeichnete sie als den Ausdruck ihrer bis zum Wahnsinn gesteigerten Liebe und Eifersucht. Die Klage wurde abgewiesen. (Frkf. Ztg.)

Berlin, 22. Juni, lieber eine muthige Lebensrettung berichtet dieBerl. Ztg." Folgendes: Dieser Tage sprang ein 19jähriaes Mädchen angesichts einer Menge Zu­schauer von der Weidendammer Brücke in Die Spree; Alles schrie um Hülfe, doch Niemand wagte der Ertrinkenden nachzuspringen. Da kam ein Lieutenant eines Garde- Regiments, übergab seinen Säbel einem Soldaten und wagte den Sprung. Das Alles spielte sich in wenigen Augenblicken ab und als der muthige Netter mit dem Mädchen, das er mit Aufbietung aller Kräfte über Wasser hielt, einen zur Rettung heran­kommenden Nachen erkletterte, erscholl hundertstimmiger Jubel und Beifallrufen. Der brave Offizier schwang sich mit der Geretteten in eine Droschke und brachte das Mädchen nach einem Krankenhause, worauf er, ohne feinen Namen zu nennen, daosnfuhr.

DieKreuzzeitung" erzählt folgendes kleine Gefchichtchen von der kürzlichen Anwesenheit des Kaisers in Oldenburg: Der Kaiser besuchte auch den preußischen Gesandten, Grafen Eulenbura, der eine stattliche Zahl munterer Knaben besitzt. Da fragt einer der Kleinen:Onkel Kaiser, wo hast Du denn aber Deine Krone?" Antwort:Ja, mein lieber Junge, die setze ich nur Sonntags Nachmittags auf."

Osterode, 22. Juni. Der erste Liebhaber und Tenorist Geßner wurde gestern früh von dem durchreisenden Schauspieler Seidemann aus Trier in feinem Bette während des Schlafes durch einen Neoolverschuß in bie Schläfe ermordet. Hierauf jagte S. sich selbst zwei Schüsse in den Kopf und wurde nach dem Kreislazareth ge­bracht, wo er heute Vormittag starb. Der Mord wurde mit voller Ueberlegung aus Eifersucht begangen, da, dem Vernehmen nach, beide Männer die hiesige Schauspielerin D. liebten. S. kam birect nach Osterode, um den G. zu tobten.

Berlin. Zu seinem neu eingerichteten Lokale in der Cottbuserstraße hatte der Wirth lange keine passende Bezeichnung finden können, weßhalb er nur feinen Namm auf das Firmenschild hatte setzen lassen. Unlängst verließ ihn heimlich seine Ehefrau und seitdem steht in großen Buchstaben auf dem Schilde:Zum ver­lassenen Ehemann." Das Local soll jetzt vielfach von seinen Leidensgenossen besucht werden.