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Nr. »i;
Freitag den 1. März
1389.
Meßmer
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
tettttfttst Schul st raße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
-reiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh».
>urch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pft
Amtlicher Hßeik.
Nr. 4 des Reichs»Gesetzblatts, ausgegeben den 25. d M., enthält:
, (Nr. 1843.) Gesetz, betreffend die Controls des Reichshaushalts und des Landeshaushalts von Elsaß-Lothringen für das Etatsjahr 1888/89. Vom 18. Aeoruar 1889.
Gießen, am 27. Februar 1889. Großherzogliche- Kreisamt Gießen.
________________ v Gagern.
<n i cc c «x n c r. c Gießen, am 27. Februar 1889.
Betreffend: Das Landgestut, hier den Abgang der Landgestütsbeschäler auf den Landgestütsstationen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
a« die Grotzherzoglicheir Bürgermeistereien des Kreises.
Wir beauftragen Sie, in Ihren Gemeinden bekannt machen zu lassen, daß die LandgestütSbeschäler für die Landgestütsstationen Berstadt. Bubback und Grünberg abgegangen find. *
___________________________ v. Gagern. *——■■■■■ in imiIIniw>jijjiiwiB» g«any-!8yygKqt»».^iB(i mtnI I st—..
Politische Rundschau.
Gießen, 28. Februar.
Der vielerörterte Nachtragsetat ist dem Bundesrathe endlich zugegangen. Die Höhe btr in der Vorlage geforderten Summe beträgt nach einer officiösen Mtttheilung 22 Millionen Ma.k, hiervon wird aber nur ein Theil zu militärischen Zwecken (Vermehrung der Artillerie) Verwendung finden. Der andere Theil ist zur Bestreitung der Kosten für die Trennung der Obermarine-Behörden in ein Oberkommando und in ein besonderes Marineamt für die Verwaltung, welche Maßregel im Nachtragsetat ebenfalls begründet wird, bestimmt.
Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am Dienstag die Specialberathung des Etats beim Extraordtnarium der Bauoerwaltung fort Zu einer längeren Dis- cussion führten zunächst die Petitionen der Städte Oberwesel und St. Goarshausen, bezw. Boppard zu Ttt. 14, welcher 200,000 Mark für Errichtung eines Sicherheits- Hufens am rechten Rheinufer, unterhalb des Loreleyselsens, verlangt und jede dieser Eingaben bittet um die Anlage des Hafens bet dem betreffenden Ort; schließlich wurde die Errichtung des Hafens aber bei keinem der genannten Orte, sondern bei dem von der Regierung vorgeschlagenen St. Goar genehmigt. Im weiteren Verlaufe der Sitzung führten noch mehrere andere Positionen, so Tit. 27 (erste Rate von einer Million Mark für Herstellung einer 5 Meter tiefen Fahrrinne von Königsberg durch das Frische Haff nach Ptllau) und Ttt. 50 (300,000 Mark als erste Rate für etn neues Regterungsgebäude in Potsdam) zu längeren Erörterungen, die indessen gleich der „Rheinhafendebatte" doch nur einen mehr lokalen Charakter aufwtesen. Während indessen Ttt. 27 die Zustimmung des Hauses fand, wurde £it. 50 abgelehnt; der Rest des genannten Spectaletats fand alsdann debattelos Erledigung. Gegen Ende der Sitzung verwies das Haus den Gesetzentwurf, betr. Abänderung des Gesetzes zu Gunsten der nothleidenden Thetle des Regierungsbezirkes Oppeln, in erster Lesung an die Commission, welche zur Berathung der Denkschrift über die Verhinderung von Hochwasserschäden eingesetzt ist. Am Mittwoch stand der Schulantrag des Abg. Dr. Wtndthorst -ur erstmaligen Berathung, die sich vermuthlich zu einer regelrechten Culturkampfdebatte entwickelt haben wird.
Die In letzter Zeit aufgetauchten Gerüchte, wonach das österreichische acht-milli- metrige Repetirgew ehr, System Mannlicher, auch tn der deutschen Armee etngeführt werden soll, scheinen sich trotz mancher Anzweifelungen doch zu bestätigen. Das Wiener officiöse „Fremdenblatt" meldet, daß der Vertrag zwischen der deutschen Regierung und der österreichischen Waffenfabriks-Gesellschast in Steyr, demzufolge die letztere 400,000 Stück Mannlicher-Gewehre an die deutsche Regierung zu liefern hat, nunmehr zum Abschluß gekommen ist. Bis Ende des Jahres 1890 sollen mindestens 250,000 Stück Repettrgewehre an Deutschland geliefert sein und bezahlt diese je nach der Raschheit der Ablieferung 33Vs bis 35 Gulden pro Stück, d. h. durchschnittlich drei Mark für jedes Gewehr mehr, als die österreichische Regierung. In dm Berliner Regierungsblättern ist bis jetzt noch keine Aeußerung über diese für die deutsche Armee so wichtige Angelegenheit zu finden.
Die Aussichten für das neue sranzöfische Eabinet Tirard nehmen sich allgemach günstiger aus, als zuerst zu erwarten stand. Dies gilt namentlich von dem Beschluß der am Dienstag von der Deputirtenkammer neugewählten Budgetcommission, das oorgelegte Budget für 1890 im Allgemeinen zu bewilligen und dieser allerdings nur vorläufige Beschluß erscheint geeignet, einen bedenklichen Stein des Anstoßes für das neue Ministerium aus dem Wege zu räumen, da jener eine glatte Erledigung des Etats verheißt. Ueberhaupt habm die französischen Parteien sowohl unter einander als auch mit der Regierung eine Alt stillschweigenden Waffenstillstandes abgeschlossen, der es dem jetzigen Ministerium vielleicht doch ermöglichen könnte, bis zu den nächsten allgemeinen Wahlen im October auszuhalten. Der Gedanke an die bevorstehende Pariser Weltausstellung läßt eben in den Franzosen den Wunsch immer entschiedener hervortreten, jede neue innere Verwickelung vermieden zu sehen und da eine abermalige Mtnistercrtfis unter dm gegenwärtigen Verhältnissen leicht zu Folgen führen könnte welche auch die Weltausstellung illusorisch machen würden, so will man dem Eabinet Tirard lieber eine längere Gnadenfrist gönnen. Wenn aber diese Rechnung nur nicht ohne Boulanger gemacht ist!
Aeutschlarrd.
b,n 27- Februar. Nach dem „R.-A." hat Se. Majestät der Kaiser
den Maior z. D. und Landwehr-BezirksCommandcur Eduard von Hombergk zu Vach Ü «iS rnunb bcn Großh. Hess. Kammerjunker und Amtmann Fritz von Hombergk k Ln ^orm§ Rh., nach Prüfung derselben durch das Kapitel und auf Vor- Herrenmeisters, Prinzen Albrecht von Preußen, zu Ehrenrittern des ^oyannttter-Ordens ernannt.
Darmstadt» 28. Febuar. Das Grotzherzogliche Regierungsblatt Rr. 5' enthält:
Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die deutsche Wehrordnung betreffend.
Friedberg, 27. Februar. Die von den Abgeordneten Schröder und Genossen in der zweiten Kammer gestellte Interpellation wegen Erbauung von Secundärbahnen hat auch in der Wetterau diese Frage von Neuem in Fluß gebracht. Das seit langen Jahren bestehende Comitt hat Anfangs dieses Monats eine Deputation aus seiner Mitte gewählt, die, sobald ihr die nachgesuchte Audienz gewährt wird, nochmals die Bitten unserer Gegend um Erbauung einer Bahn — Hungen (oder Nidda), Echzell, Reichelsheim, Weckesheim, Friedberg — in Darmstadt vortragen soll.
Hamburg, 27. Februar. Die Kaiserin Friedrich mit ihren Töchtern und mit Gefolge trifft heute Abend 9 Uhr 40 Min. im strengsten Jncognito über Vlisfingen auf dem Venloer Bahnhof hier ein und setzt ihre Reise unmittelbar nach Kiel fort. Alle Empfangsfeierlichkeiten sind strengstens verbeten. (F Z.)
Telegraphische Depeschen.
Wolst's telegr. Corresporrdenz-Brrrearr«
£ Berlin, 27. Februar. Eine Kabinetsordre Sr. Majestät des Kaisers an den Ches der Admiralität vom 21. Februar spricht die Allerhöchste Freude darüber aus, daß Officiere und Mannschaften sich im Gefecht bei Apia tadellos und des Geistes und der Tradition der Marine würdig geführt hätten. Der Kaiser habe sich veranlaßt gesehen, einer Anzahl von Officieren und Mannschaften Auszeichnungen zu verleihen und beauftragt den Chef der Admiralität, auch den übrigen im Gefechte betheiligt gewesenen Officieren und Mannschaften Allerhöchst Seine Anerkennung für gutes Verhalten auszusprechen.
— Im Abgeordnetenhause wurde heute der Windthorst'sche Schulantrag debattirt. Windthorft begründete denselben zunächst unter Hinweis darauf, daß derselbe dienoth- wendige Folge des Schulausstchtsgesetzes sei, das er bekämpfen werde, so lange er athme. Sein Antrag bringe kein redigirtes Gesetz, sondern gebe nur für die Regierung die leitenden Grundsätze. Die Kirche müsse die Aufsicht über den religiösen Unterricht kraft des ihr eigenen wohlbegründeten Rechtes haben; vor allen Dingen aber verlange « die Zurücknahme des Falc'schen Erlasses. Er fordere heute weit weniger, als der Kirche vor 1872 zugestanven habe und erbitte hierzu die Mitwirkung des Hauses. — Stöcker erklärte Namens seiner Partei, sie ständen mit dem Antragsteller auf dem Standpunkte der confessionellen Schule. Indessen sei etn Bedürfniß für den vorliegenden Antrag nicht vorhanden, er stimme in Folge dessen gegen denselben. Wenn ein allgemeines Schulgesetz auf der Grundlage des Antrages wirklich in der ernsten Absicht des Cenlrums liege, so schlage dies der ganzen preußischen Geschichte und einer gesunden Schulverwaltung in's Gesicht. Hinter ihrer Ablehnung stände vielleicht das gesammte eoanaelische Volk. — Brüel hob hervor, der Windthorst'sche Antrag liege gleichmäßig im Sinne des evangelischen, wie des katholischen Glaubens, denn er erstreoe lediglich die Gleichberechtigung beider Confessionen. — v. Kardorff sprach gegen den Antrag welchem feilt evangelischer Staat, ohne sich selber auftugeben, folgen könne. Die Schule dürfe nicht Herd und Tummelplatz religiöser Gegensätze werden. Ter Antrag verfolge rein demonstrative Zwecke, zeige aber die letzten Ziele des CentrumS. Ein solches Streben nach dem politischen Uebergewtcht verdiene erst gar keine Commissionsberathung, man solle ihn einfach durch Ueberaong zur Tagesordnung erledigen. — Mosler entgegnete, nichts könne den festen Bestand des Centrums mehr fördern, als das Wider- streden von rechts und links gegen seine berechtigten Bestrebungen. Der Antrag Windthorft enthalte das geringste Maß dessen, was man zu fordern berechtigt sei; denn die Schulpflicht bilde nach katholischer Anschauung einen Theil des Amtes eines Geist-
®egffarbt betont das Recht des preußischen Lehrers auf eine selbstständige polnische Meinung und erklärt, auf dem Schulgebiete gebe es zwischen Centrum und Nationalliberalen feine Verständigung. Die Letzteren wollten wohl eine Mitarbeit, aber feine Herrschaft der Kirche an der Schule. Man solle Daher den Antrag einfach ablehnen. — Reichensperger glaubte vermittelst des im Anträge ausgesprochenen Weges die Heranwachsende Jugend vor der Soctaldemokratie zu schützen. — Virchow erachtete dagegen die Trennung von Kirche und Schule am Zweckmäßigsten; seine Partei lehne daher den Antrag ab. — v. Stablewski befürwortete nochmals den Antrag. — Hierauf ergriff Cultusminister v. Goßler das Wort. Derselbe erblickt in dem Anträge gewisser- matzen eine Einladung, die Frage zu untersuchen, ob sich der Staat hinsichtlich Der Schulaufsicht seit vier Jahrzehnten auf verfassungsmäßigem Boden befinde Was heute vom Centrum mit dem Anträge erstrebt werde, sei im Einzelnen, wie im Princip weit verschieden vom Ladenberg'ichen Entwurf. Im Laufe Der Debatte seien ernste Beschwerden und Bedenken gegen die Schulverwaltung nicht hervorgetreten und die gehörten Reden hätten Den Beweis geliefert, daß da» besiehende System zum wenigsten recht wohl erträglich sei. Bei seiner Uebernobme des JteffortS seien mehr als 2000 Geistliche vom Religionsunterrichte ausgeschlossen gewesen, wahrend gegenwärtig, die Provinz Posen ausgeschlossen, dies nur noch für 50 zutreffe. Der (Staat habe zwar nicht die Ausgabe, den religiösen Unterricht zu ertheilen, dürfe sich aber auch nicht völlig indifferent verhalten. Dieser einstigen Stellung Ladenburg'S folge Die Schulverwaltung auch heute noch unter dem Beifall des gefammten Vater-


