Landes. (Lebhafter Beifall.) — v. Eynern halt dem Centrum entgegen. Windthorst's Antrag wolle die SlaatSschule zur Kirchenschule machen. Nach seinem und seiner Freunde Standpunkt gehöre die Schule den Pädagogen, die Kirche den Geistlichen; sie lehnten daher den Antrag ab. Hierauf wurde die Diskussion geschlossen. Nach dem Schlußworte Windthorst's als Antragsteller wurde der Antrag gegen^dte stimmen des Zentrums, der Polen und Dänen abgelehnt. Hierauf wurde die L-itzung geschlossen. Nächste Sitzung Donnerstag LI Uhr. Tagesordnung: Landesverwaltung der Prooinz HZosen; Thetlung des Regierungsbezirks Schleswig.
Bremen, 27. Februar. Der am 28. Januar von Wilhelmshaven mit für bte Wißmann'fche Expedition bestimmten Waffen, Proviant ?c. abgegangene Lloyddampser „Schwan" ist gestern in Zanzibar etngetrosten.
Wie«, 27. Februar. Das Telegraphen-Correspondenzbureau kann hinsichtlich betreffender Zeitungsnachrichten erklären, daß im laufenden Jahre wohl eine Generals- retse und von derselben ganz unabhängig eine Generaistabsretse ftattftndet, daß aber in beiden Richtungen noch gar keine Anordnungen ergangm sind.
Bern, 27. Februar. In Folge zahlreicher aus dem Canton Tessin und von im Auslande lebenden Tessinern dem Bundesrathe zugegangener Beschwerden wegen willkürlicher Streichung aus dem Sttmmregister der für nächsten Sonntag stattfindenden Neuwahlen zum Großen Rath richtete der Bundesrath ein sehr ernstes Schreiben an die Regierung von Tessin, worin er bis morgen Mittheilung verlangt, rote die Beschwerden erledigt worden sind, damit der Bundesrath endgtlttge Entscheidungen fassen könne. Der Bundesrath thetlte der Tessiner Regierung ferner die Grundsätze mit, wonach eine Anzahl von Beschwerden zu erledigen seien, und bemerkte,. er seinerseits wolle das Geeignete thun, um eine ruhige Abwickelung des Wahlgeschäfts zu ermöglichen und spätere einschneidende Maßregeln zu vermeiden.
Pari-, 27. Februar. Sämmtliche Botschafter, ausgenommen der russische, welcher abwesend ist und durch den Botschaftsrath Kotzebue vertreten wurde, sowie die «eisten anderen Missionschefs confertrten im Laufe des heutigen Nachmittags zum «rften Male mit Spuller, dem französischen Minister des Auswärtigen.
London, 27. Februar. In der Parnell-Commtssion thetlte Webster, der Anwalt der „Times", ein ihm aus Paris zugegangenes Schreiben Ptgott's mit, worin derselbe erklärte, daß er die veröffentlichten, Parnell zugeschriebenen Briefe zurückziehe und sein Bedauern über deren Veröffentlichung aussprtcht. Auf Anrathen Russel's, des Anwalts Parnell's, erschien Parnell auf der Zeugenbank und beeidete, daß die fraglichen Briese nicht von ihm unterzeichnet seien. Auf Verlangen Websters vertagte sich der Gerichtshof bis Freitag. — Im Unterbaus erklärte der Minister des Innern, Matthews, daß die Regierung Schritte thue, um die Auslieferung Ptgott's wegen Fälschung zu erwirken.
Lo«do«, 27. Februar. In der gestrigen Sitzung des Unterhauses erklärte der Staatssekretär des Innern, Matthews, auf Befragen, dec gegen Pigott Mittags erlaffene Haftbefehl wurde von dem Boten des Anwalts Parnell's erst um 61/« Uhr der Polizei eingehändigt; somit sei der Polizei die Verzögerung der Ausführung des Haftbefehls nicht zuzuschreiben.
Brüssel, 27. Februar. Die ausgedehnte Briquettfabrik von Felix Dehaynin zu Marchienne ist in Brand gerathen. Zehn Behälter mit je 500,000 Liter Theer brennen. Das Feuer wird unmöglich zu löschen sein, sondern ausbrennen müssen, was vor morgen nicht der Fall sein dürste. Die vor Anker liegenden Schiffe sind ebenfalls in Brand gerathen. Menschenleben sind nicht verloren gegangen-
Rom, 27. Februar. „Opinione", „Fanfulla* und „Tribuna" verzeichnen das Gerücht, der Ministerrath werde eine die Berathung der Finanzmaßnahmen aufschiebende Motion annehmen, die Annahme jedoch von einem Vertrauensvotum abhängig machen- „Fanfulla" und „Tribuna" fügen hinzu, hierauf fände eine Umgestaltung des Kabinets statt.
Petersburg, 27. Februar. In Datum ist heule eine aus sechs hohen Würdenträgern bestehende ouchartsche Gesandtschaft etngetroffen. Dieselbe überbringt ein Dankschreiben des Emirs für den Etsenbahnbau an den Kaiser und führt reiche Geschenke xitt sich. Morgen erfolgt die Weiterreise nach Petersburg.
Lokales.
Vietze«, 28. Februar. Morgen, am 1. März, feiert das Musikcorps des 2. Großh? Hessischen Infanterie-Regiments Nr. list sein 75jähriges Jubiläum. Es ist dies für Gießen um so interessanter, als die Gründung des Regiments resp. des 1. Bataillons in den schweren Jahren der Befreiungskämpfe 1814 in unseren Mauern, damals Festung Gießen, stattfand. Das Musikcorps wurde am 1. März 1814 gegründet und hat durch alle Stürme der Zeit sich einen so guten Ruf erworben und bis auf den heutigen Tag erhalten, daß wir demselben etnen weiteren Verlauf von abermals 75 Jahren von Herzen wünschen. Weiteren Bericht über die Festlichkeit, welche im Tasä Leib stattsindet, behalten wir uns vor.
— Auch die gestrige 2. „Wohlthätigkeits-Vorstellung" in Stein's Saalbau war äußerst zahlreich besucht und ernteten das Theaterstückchen sowohl wie die lebenden Bllder den wohlverdientesten Beifall der Anwesenden.
Uuiverfltät-'Ghrouik.
Straßburg, 27. Februar. Der Landesausschuß bewilligte mit großer Mehrheit , trotz lebhafter Opposition der Abgeordneten v. Bulach, Sohn und Köchltn, 450,000 JL als erste Baurate für die Landes- und Universitäts-Bibliothek.
— Prof. Ur. Möller von der thierärztlichen Hochschule zu Berlin wird sich nächstens auf einige Wochen nach Petersburg begeben, um, einer Aufforderung der russischen Regierung Folge gebend, an der dortigen kaiserlichen Thterarzneischule Vorlesungen über Kehlkopfoperationen an Thieren zu halten.
— In Heidelberg starb der Kirckenrath vr. W. Gaß, Professor der Dogmatik und Ethik. Er gehörte der Heidelberger Universität fett 1868 an.
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Vermischtes.
Marburg, 26. Februar. Die „Oberhess. Ztg." schreibt: Das Streben, vom Guten das Beste zu bringen, bekundet sich auch in dem am nächsten Freitag, den 1. März, im Saalbau stattsindenden 4. Concert unseres Akademischen Eoncertveretns in hervorragender Weise wieder. Drei Compositionen von Johann Sebastian Bach, darunter zwei Solis für Violine, die eine mit Streichorchester und ein wenig bekannter Thoral desselben „Gieb dich zufrieden und sei stille" bilden einen besonders beachtens- werthen Theil des Programms ’ an denselben reiht sich dann noch eine Sonate für zwei Violinen und Baß von Handel (bearbeitet von R. Barth), sowie ferner der dreistimmige Chor a capella „Crucifixus", ein besonderes Kunstwerk des berühmten italienischen Eomponiften Antonio Lotti (f 1740) und der sechssttmmtge Chor a capella „Darthulas Grabgesang" von Brahms. Dre Violtnsoli werden von den Herren Äntoersitäts-Musikdireclor Barth und Bassermann aus Frankfurt oorgetragen. Sicher wird auf alle Musikfreunde auch dieses hochinteressante Programm wieder seine Anziehungskraft auüzuüben nicht ermangeln.
— sFür den zehnten deutschen Armenpflegertag.j Der Deutsche Verein für Armenpflege und Wohlthättgkett will seine zehnte Generalversammlung in der zweiten Hälfte des Monats September d. I. in Kassel abhalten und dort folgende Gegenstände behandeln:
1. Die Bestimmungen des bürgerlichen Gesetzbuches in Bezug auf Armenpflege und Wohlthätigkeit.
2. Offene Pflege für ungefährliche Irre.
3. Bericht über den gegenwärtigen Stand Der Sommerpflege armer Kinder (Feriencolontm, Kinderheilftätten u. s. w.).
4. Beaufstchttgung der örtlichen öffentlichen Armenpflege.
5. Die Grenzen der Wohlthätigkeit.
Der Vorstand des Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohlthätigkeit hat in seiner letzten Sitzung, die am 22. Februar d. I. zur Feststellung der obigen Tagesordnung in Berlin stattfand, zugleich beschlossen, die Retchsregterung um Veranstaltung einer Erhebung über das Armenwesen im Deutschen Reiche für das Jahr 1890 zu ersuchen, damit die seit der letzten Erhebung von 1885 etwa erfolgte mit der neuen deutschen Soctalgesetzgebung im Zusammenhänge stehende Veränderung des Armen- «esenS gehörig festgeftellt werden kann.
Am 21. und 23. Februar haben auch die vom Deutschen Verein für Armenpflege und Wohlthätigkeit eingesetzten zwei Commissionen über die Wohnungsfrage und über die hauswirthfchaftliche Erziehung von Mädchen aus den ärmeren Volksklaffen getagt und die Richtungen bezeichnet, in denen die auf diese Angelegenheit bezüglichen Arbeiten vorgenommen werden sollen.
— Ein Bismarck-Museum in Berlin. Als Pendant zu dem Hohenzollern- Museum, so schreibt die unpolitische „Berliner Montagspost", beabsichtigen Anhänger des Reichskanzlers, an deren Spitze für die Verwirklichung des Projects einer unserer srüheren Staatsmänner eifrig wirkt, ein Bismarck-Museum zu gründen, welches einen historischen Rückblick auf die gesammte staatsmännische Thätigkeit des Fürsten Bismarck gewähren soll.
Von der badischen Bergstraße. Daß einen Dorfmonarchen die Fürsorge um seine vier- und zweibeinigen Schutzbefohlenen zuweilen recht schwer drückt, beweist nachstehender, in seiner Art köstliche Vorfall. Gelegentlich der kürzlich vollzogenen Ortsberetsung deS im Amtsbezirke H. gelegenen Dorfes S. erkundigte sich der Bezirksamtmann nach den Gemeindeverhältniffen, worauf der Bürgermeister schlagfertig, aber etwas verdrießlich replicirte: „Herr Schtadtdirecter, mer Hots holt nit leicht, die Fasset un--die Schullehrer löschte alleweil heidemeßig
vel Geld!"
— Eine für Bienenzüchter wichtige Entscheidung ist dieser Tage vom preußischen Finanzministerium getroffen worden. Ein Lehrer aus der Umgegend von Wiesbaden beschäftigte sich in seiner freien Zeit und zu seinem Vergnügen auch mit der Bienenzucht. Das Landrathsamt setzte ihm nun eine Zusatz - Staatssteuer von 18 vM fest, annehmend, der Besteuerte erziele aus seiner Bienenzucht einen diesen Steuersatz rechtfertigenden Gewinn. Da die Beschwerde gegen diese Mehrbesteuerung bei der Kgl. Regierung keinen Erfolg hatte, wurde daS Finanzministerium angerufen. Diese oberste Landesbehörde hat nun verfügt, daß die Besteuerung der Bienenzucht, wenn sie wie im vorliegenden Falle aus Liebhaberei und als Nebenbeschäftigung betrieben, nicht aufrechtzuerhalten und die Staatssteuer des Klägers daher um den angegebenen Zu'atzbelrag zu ermäßigen sei.
— sDte Jagdtrophäen des Kronprinzen Rudolfs Die in verschiedenen Salons der Wiener Hofburg aufgestellten präparirten Thtere, die alle von dem Kronprinzen erlegt wurden, sind in einer das Auge höchst fesselnden Weife aufgestellt. Am tntereffantesten und größten ist nach dem Wiener Fremdenblatt der erste der drei Salons. Beim Eintritt in denfelben glaubt man sich in einen Wald mit Felsen und Grotten versetzt. Natürliche, hohe bis an die Decke reichende Bäume und Sträucher aller Art wurden zur Decorirung des Salons benutzt. Das Erste, was dem Besucher hier auffällt, ist ein mächtiger, aus einer tiefen Felsenhöhle herauskommender Bär. Es ist der erste Bär, welchen Kronprinz Rudolf bei Munkacz erlegt hat. (Der Kronprinz hat noch 9—10 Bären erlegt, die im Laxenburger Schloßmuseum thetltz ganz und theils nur als Decke mit Kopf präparirt untergebracht sind.) Auf einer anderen Seite fesseln wieder die Adler, die auf Felsen horsten oder auf Baumen sich befinden. Aus den Felsenlöchern schauen Uhus heraus. Wieder von einem anderen Felseneck springt ein Luchs herunter. „Black", der alte starke Jagdhund des verewigten Kronprinzen, bat im Museum auch seinen Platz gefunden. Ihm fällt die Aufgabe zu, die erste bei St. Ktraly vom Kronprinzen geschossene Wildkatze zu „stellen". Die Katze hat sich aufgebäumt und verthetdigt sich gegen den Hund. In einem Mtttelglaskasten im selben Salon steht eine Eiche, unter der die Reste eines gefallenen Pferdes liegen, die theil- wetse von Geiern verzehrt werden. Andere Geier streichen und kämpfen um das Aas. Dazu gesellen sich als Schmarotzer Elstern, Raben, Krähen rc. Diese Geier wurden vom Kronprinzen wahrend der „Fünfzehn Tage auf der Donau", die vom Kronprinzen selbst beschrieben wurden, dann in Spanien, in Egypten und auf der Insel Plawntk im Quarnero erlegt. Eine Anzahl prächtiger Adler sitzt wieder auf einer anderen Sette in majestätischer Ruhe. Ein vom Kronprinzen geschossener Wolf ist aus einem Rohrdickicht springend dargestellt. Im zweiten Salon besteht die Hauptgruppe, welche sofort auffällt, aus einer Hyäne, die ein todtes Schaf vertheidigt, sieben egyptischen Füchsen und einem kleinen Wüstenfuchs. Das Ganze ist dargestellt auf einer Felsen- gruppe, die eine naturgetreue Copie ist von dem Hyänen-Anstandsplatze zwischen Jerusalem und Bethlehem nächst dem Schlosse Tantur. In diesem Salon sind auch Pistolen, mit Silber und Gold ausgelegt, dann Handschare, türkische Säbel, die der Kronprinz zum großen Theil vom Sultan zum Geschenk erhalten, expontrt. Ebendaselbst sind in Glaskasten alle Arten Sumpfvogel zu sehen und unter einem Glassturz ein alter durchlöcherter — Jagdhut. Es ist der erste und älteste Jagdhut (aus Loden) des Kronprinzen. Im dritten Salon fesselt die besondere Aufmerksamkeit eine Gruppe: Zwei schneeweiße Edelhirsche, die der Kronprinz in Böhmen erlegt hat, bann in einem Glaskasten die verschiedensten Hühnervögel. In allen drei Salons sind mit Hirsch- unb Rehgeweihen, Gemskrickln, Mouflongehörnen, Sauwaffen unb sonstigen waid- männischen Jagdtrophäen die Wände geschmückt. Es ist noch nicht entschieden, was mit dem Museum geschehen wird. Jedenfalls wird ein großer Theil im kaiserlichen Museum untergebracht werden.
— sHungersnoth im Böhmerwald.j Im Böhrnerwald droht eine Hungersnoth auszubrechen; es wird der Ausbruch des Hungertyphus befürchtet. Die Prager deutschen Blätter bringen Hilferufe an die deutsche Bevölkerung für die armen Hinterwäldler.
— lieber die Beraubung der Post in einem Eisenbahnzuge bringt ein Kabeltelegramm des „Berl. Tagebl." aus Newyork folgende sensationelle Meldung: Als der Newyorker Schnellzug die Station Pixley (Californien) verließ, schwangen sich fünf Männer auf die Locomotive, zwangen den Locomotivführer, den Zug mitten auf der Strecke onzuhalten, drangen in den Postwagen ein und raubten dort die Werth- fenbungen. Passagiere, welche yinzueilten, wurden von den Räubern erschoffen. Die von denselben gemachte Beute wird auf hunderttausend Dollars geschätzt.
Handel und Verkehr.
Limburg, 27. Februar- (Fruchtmarkt). Rother Weizen JL 16.20, weißer Weizen „M 00.00, Korn JL 1220, Gerste X 8.90, Hafer 6.70, Erbsen 00.00, Kartoffeln JL 0 00.
Frankfurt, 27. Februar. Erbsen ganze pr. Pfd. 12—18 H, do. geschälte 14—18H, Linsen 18—28 weiße Bohnen 16—18 H, Kartoffeln 100 Ko. ut 0,00—0,00, do- per Gescheit) 10—12 H, Butter per Pfd- 1,00—1,20, Eier das Stück 5—6 Blumenkohl per Stück 25-60 H, Wirsing per Stück 10-15 H, Zwiebeln per Psd. 7-8 H, Weißkraut per Stück 15—25 4, Gelberüben per Portion 15—20
Schwarze Seidenstoffe von Mk. 1.25 bis 18.65 per
Meter — glatt und gemustert (ca. 150 versch Qual ) — versendet tobens und stückweise porto- und zollfrei bas Fabrik-Depot G. Henneberg (K- u. S Hoflief.), Zürich. Muster umgehend. Briefe kosten 20 $ Porto. 448
Gottksditnst dkl israelitischen Keligioosgesellschast.
Freitag Abend 5" Uhr, Samstag Vormittag 830 Uhr, Samstag Nachmittag 3oo Uhr, Samstag Abend 6-° Uhr.
Unregelmäßigkeiten in der Zustellung des Anzeigers bitten wir sofort zu unserer Kenntniß zu bringen, damit wir in der Lage find, Abhülse schaffen zn können.
Gxpeditio» des „Gießener Anzeiger."
Gedenket der hungernden Vogel!


