Ausgabe 
28.6.1889
 
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- 1889.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Gttreau r S ch u l st r a ß e 7. ' Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. KreiS vierteljährlich 2 Mark M Pf. mit SrlngerloM

........... Durch die Post bezogen vierteliährlich 2 Mark 50 M

Amtlicher Theil.

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^Q$bem sämmtliche betheiligte Grundeigenthümer bei der am 15. Mai l. I. vorgenommenen Abstimmung sich für die Feldbereiniaung und die ah^fp&°fi:^rdC-t7 «n Baumstucken rn der Gemarkung Steinbach erklärt haben, nachdem ferner Einwendungen gegen die Zulässigkeit und ftecfiteMänbia*

Vollzug Phöben worden sind, hat bie Großh. LandeLkommission für Feldbereinigung den Beginn der Arbeiten angeordnet und mich zum

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fMMiente 6 3 ' 3- »-'"»W « Ul». <» »-» ,u «t.lnl.«»

Die Versammlung hat:

" 9eSerbeUt ^'^°nang°ben, ober ob die durch eine Vermessung zu ermittelnden Mächen-

2) Minimen, wie die Bereinigungskosten aufgebracht werden sollen, ob durch Ausschlaq auf den Mckenaefialt oder den ^fifffififcittm&mprtfi £ -> VÄS* LL SW tt

3)öwtekr$8un8SemifrtOn $U betufenbsn Sachverständigen und deren Stellvertreter, sowie ein Mitglied des Schiedsgerichts und dessen Stell- Außerdem können Wünsche und Anträge Seitens der Betheiligten vorgebracht und berathen werden-

o^ser Versammlung hat jeder anwesende betheiligte Grundeigenthümer eine Stimme: die Beschlüsse erfordern ru {fiter ßtürfmM -in- bieier $orauäfe6un8 °uch für die nicht erschienenen Betheiligten verbindlich^

zu 1 die Ermittelung des Flächengehalts der Grundstücke durch Vermessung zu erfvlaen zu 2 die Vollzugskommission die erforderlichen Beschlüsse zu fassen, c ru 3 die Landeskommission die Sachverständigen und Schiedsrichter zu ernennen.

Gießen, am 19. Juni 1889. Der VollzugS-Kommiffär:

___ Nebel, Großherzoglicher Amtmann.

Betreffende Zurückstellung unabkömmlicher Beamten, hier von Lehrern und Schulverwaltern im Falle eimr^Mobilmachung 1839'

Die Großhcrzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen

«m die Schulvorstände des Kreises.

Z ~.n. Lchrer oder Schulverwalter einklassiger Schulen, welche mllitärpflichtig sind, darauf aufmerksam machen, daß Gesuche um Zurückstellung

im Falle ^ner^M^bünmchung innerhalb 8 Tagen ber uns ernzureichen sind. Später einlaufende Gesuche können nicht berücksichtigt werdem

1) Civilstcllung,

2) Vor- und Zunamen,

3) Militärcharge und Truppengattung,

5) BeziaudwehrbatailloiisCompagnie rc., bei welchem der Eintritt erfolgt ist, und Datum de» letztere«. Meldung Se$mn °bet Schulverwaltern, welche bereits früher bei uns reclamirt haben, bedarf es der Angaben 1-5 nicht, genügt hier einfache Abwesende Lehrer oder Schulverwalter, die als alleinstehende Lehrer zur Reclamalion berechtigt sind, wollen Sie sofort benachrichtigen

______________________________________________________ v. Gagern. ________________________________

Betreffend: Feldbereinigung in der Gemarkung Steinbach. "

Politische Rundschau.

Gießen, 27. Juni.

^le infolge des Wohlgemuth-Falles angeregte Reform des Fremdenpolizeiwesens in der Schweiz ist nunmehr zum parlamentarischen Beschluß erhoben worden. Gleich -oem Standerath hat auch der Nationalrath das Gesetz, betr. die Einsetzung eines stän­digen Bundesstaatsanwaltes zur obersten Beaufsichtigung des Fremdenpolizeiwesens, Unstimmig angenommen, nachdem in der vorangegangenen Debatte von sämmtlichen Rednern eine strengere Handhabung der Fremdenpolizei gefordert worden war. Es k lcmnc CDI Beschlüsse eine indirecte Genugthuung für die deutscherseits anläßlich der Wohlgemuth-Afsaire gegen die Schweiz erhobenen Beschwerden und so wird man denn wohl von weiteren Schritten und Maßregeln gegen die Eidgenossenschaft abschen, obwohl dieNordd. Allg. Ztg." noch immer gegen die schweizerische Neutralität los­wettert.

e>r1.£2nl»er Dienst-gssitzung des ungarischen HeereS-AnSschuffeS begründete Miegsmtnister v. Bauer die Mehrforderungen des Armeebudgets. Im Marine-Aus- schusse kam die Frage der Donau-Monitore zur Sprache und erklärte hierbei Admiral v. Sterneck, daß nach Rcgulirung des Eisernen Thores die Erbauung einer Donau- Flotille nothwendtg sei.

r n bedeutungsvollen Auslassungen des Kaisers von Oesterreich über die Welt- b^ Eröffnung der Delegationen haben durch die vom Grafen Kalnoky im Budget-

ausschusse der österreichischen Delegation abgegebenen Erklärungen eine werth­volle Ergänzung gefunden. Dieselben sind offenbar bestimmt, die Besorgnisse und Befürchtungen, welche der im Ganzen ernste Ton der kaiserlichen Rede in weiten Kreisen auf's Neue erweckte, zu zerstreuen, denn die Aeußerungen des Leiters der aus­wärtigen Politik Oesterreich-Ungarns klingen geradezu überraschend friedlich und hoff­nungsvoll. Wohl findet auch Kalnoky die Lage schwankend und leicht veränderlich aber er erklärt trotzdem bestimmt den europäischen Frieden als nicht gefährdet und führte er dies in vortrefflicher Rede des Näheren aus. Speciell nahm der Minister Bezug auf Rumänien und Serbien und trat er der Meinung, daß das jetzige rumä­nische Cabinet Catargiu russenfreundlich und demnach antiösterreichisch gesinnt sei ent­

schieden entgegen. Auch die Aufregung in Serbien nahm Kalnoky keineswegs sehr ernst, ^obei es ironische Seitenhiebe auf die großserbtschen Phantastereien absetzte. Kalt­blütig erklärte er, Serbien verfüge zu aggressiven Zwecken nicht über genügende Macht­mittel und werde Oesterreich-Ungarn im Uebrigen ein scharfes Auge auf etwaige Wüh­lereien in Serbien haben. Jetzt aber gelangte Kalnoky zum Kernpunkte seiner gesammten Darlegungen, indem er als den wahren Grund des allgemeinen Gefühls der Unsicherheit die Unzufriedenheit einiger Völker mit dem bestehenden europäischen Rechtszustande und die systematische Erweckung der nationalen Leidenschaften bezeichnete; worauf diese Worte zielen, bedarf wohl keiner näheren Erläuterung! Demgegenüber betonte der Minister den festen Willen aller Monarchen und auch der Regierungen, den Frieden zu er­halten, schon wegen der ungeheuren Dimensionen heutiger Kriege. Zum Schluffe wieS Kalnoky auf das fortdauernde vollständige Einvernehmen Oesterreich-Ungarns mit Deutschland wie mit Italien hin und zuletzt versicherte er noch, daß Oesterreich-Ungarn Überhaupt zu allen Staaten mit Einschluß Rußlands in freundschaftlichen Beziehungen stehe. Wie Graf Kalnoky selbst versicherte, hat er diese Erklärungen hauptsächlich abgegeben, um Klarheit und Beruhigung in die allzu pessimistischen Auffassungen der all- g-meinen Lage zu bringen und es steht zu hoffen, daß dieser Zweck auch allseitig erreicht worden ist. An die Erklärungen des Grafen Kalnoky knüpfte sich in der österreichischen Delegation noch eine längere Debatte, indem an Kalnoky und an den Finanzminister Kallay Anfragen über die serbischen Vorgänge, über die in Belgrad beschlagnahmte aufrührerische Proclamation an die österreichischen Slaven, über Bosnien und über das österreichisch-italienische Verhältniß gerichtet und von den Ministern beantwortet wurden. Hierauf genehmigte die Delegation das Budget des Auswärtigen Amtes.

In Frankreich machen sich die ersten Anzeichen der Wahlbewegung anläßlich der allgemeinen Kammer-Neuwahlen bemerklich, welche schon im August stattfinden sollen. Das Manifest, welches die vereinigten Gruppen der Rechten an ihre Wähler erlassen haben, kann als der Beginn der monarchistischen Wahlagitation bezeichnet roer°cn und die politische Bedeutung der Kundgebung ist unverkennbar, denn^aus ihr erhellt daß die monarchistischen Parteien geschlossen in den Wahlkampf eintreten wer­den. Auch Prinz Victor Napoleon hat sich in einem Schreiben an den Deputaten Mirckau zustimmend zu dem conseroativen Manifest erklärt; die Einigkeit int