Ausgabe 
24.11.1889 Zweites Blatt
 
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Der Geldstand hat sich in dieser Woche etwas erleichtert. Infolge der Gold­zuflüsse aus dem Auslande ermäßigie sich der Prtvaidtscont um V<%, und der Satz für Reportgelder ging von 7%% auf 7, selbst auf 6%% zurück. Dieses Er- eignitz ist mit einer Hausse der Montanwerthe gefeiert worden, die trotz der großen oorhergegangenen Bewegung ihiesgleichen sucht. Die Haussemeinung ist so allgemein oerbretiel und verfügt über ein solches Heer von Anhängern, daß es jetzt außer­ordentlich leicht geworden ist, Hausse zu machen. Eine kleine Erholung der Course nach kurzem Rückgang genügt, um die Käufer in Massen zur Börse zu ziehen, und es bedarf dann kaum rrgendwelcher Facta oder flimulirender Gerüchte, denn der Einfluß steigender Course auf welle Kretse ist so groß, daß er allein genügt, die Bewegung im Flutz zu erhalten, bis Realisationen der Speculation von 9leuem kurzen Einhalt gebieten. Diesmal war die Provinz zeitig von der bevorstehenden Bewegung unterrichtet worden. Circulare, wie sie jetzt in großer Zahl von häufig sehr untergeordneten Firmen der Börsenplätze versandt werden, meldeten schon am Samstaggroße Tendenz für Kohlen- und Eifenactien". Aber am Montag war die Allgemelntendenz noch schwach und auch Montanwerthe konnten nur geringe Fortschritte machen, weil inzwischen die ersten Nachrichten über die Revolution in Brasilien, welche dem dortigen Kaiserthron ein so jähes Ende bereitete, bekannt ge­worden waren und zur Vorsicht mahnten, da in letzter Zeit auch viel deutsches Geld in brasilianischen Werthen inoerlirt wurde. Am Dienstag war das Ereigniß überwunden. Berlin zeigte im Gegensatz zu den auswärtigen Märkten feste Tendenz und stellte unter gänzlicher Vernachlässigung der internationalen Werthe Montan- actien allein in den Mittelpunkt des Verkehrs. Der Eindruck war derart, daß am Mittwoch die Börse mit Kaufaufträgen förmlich überschüttet wurde. Bei Beginn des Verkehrs lagen in Berlin bei den vereideten Maklern allein Aufträge zum Bester,s-Ankauf von 2% Million Gelsenkirchener Actien vor, und der Cours sprang daher unvermittelt um 7/2°/o in d'.e Höhe. Aus diesem Factum, welches offictell conftatirt wurde, kann man sich einen Begriff machen von den Summen, mit welchen gegenwärtig an der Börse operirt wird. Es sind nicht Gelsenkirchener allein, für welche eine derartige Kauflust auftritt. Harpener, Hibernia, Bochumer Gußstahl, Dortmunder und Laura-Actien werden ebenfalls in großen Summen aus dem Markte genommen. Man begründet diese Käufe immer wieder mit der außerordentlich günstigen Lage der Industrie. Die Eisenpreise haben neuerdings eine Erhöhung erfahren, und Kohlenpreise zeigen keine Neigung zu einem Rückgang. Die SDiob dendenschätzungen, welche jetzt auf Grund dieser Preise in die Oeffentlichkeit kommen, sind bewundernswerth, sowohl wegen ihrer Höhe, als auch wegen der Naivität, mit welcher sie in die Welt gesetzt wurden. Man verfährt dabei gewöhnlich in der Weise, daß man die gesummte Production des betreffenden Werkes mit der Differenz zwischen dem vorjährigen und dem gegenwärtigen Kohlenpreis multlplicirt, und diese Summe alsdann als den zu erwartenden Mehrgewinn bezeichnet. Eine mir vor­liegende Schätzung berechnet in dieser Weise für Gelsenkirchen 44,800 X Mehrgewinn per Tag, d. t. auf 300 Arbeitstage 13,440,000 JL Mehreinnahme. Bei Harpener Actien lauten die Schatzungen womöglich noch überschwänglicher und man versichert allen Ernstes, daß die Actien binnen Kurzem einen Cours von 500 erreichen würden. Daß ein gut Theil der Production fast aller Werke noch auf lange hinaus zu niedrigen Preisen verschlossen ist, daß z. B. gerade von Gelsenkirchen bekannt ist, daß das Werk noch für 3 Jahre an einen Lieserungsoertrag an die Stadt Paris gebunden ist, wird dabei gänzlich außer Acht gelassen. Trotzdem scheint man diesen Schätzungen, der Coursentwickelung nach zu schließen, Glauben beizumessen. Es kann nur wiederholt dem Bedauern Ausdruck gegeben werden, daß diese lieber? tteibungen Vorkommen. Wie klar wir auch erkennen mögen, daß dieselben sich einst bitter rächen werden, nicht nur in Verlusten Einzelner, sondern was weit schwerer wiegt in einem theilweisen Verlust der Machtstellung, welche sich die deutschen Börsen kaum erst errungen haben, wir stehen dem Ereigniß gänzlich machtlos gegen­über, und der Umstand, daß wir sehenden Auges dem Geschick entgegengehen, kann unseren Schmerz darüber nur erhöhen.

Am Mittwoch bereits machten sich bei Börsenschluß Realisationen geltend, aber die Tendenz blieb fest, und eS haben an den folgenden Tagen auch Renten und Banken gewonnen. Am Freitag ist in Frankfurt der Satz für Reportgeld noch weiter zurückgegangen, und es hat ben Anschein, als ob, trotz der außerordentlichen Vermehrung der Engagements, welche die Woche gebracht hat, die Schwierigkeiten der ß quitaiion bereits vollkommen überwunden seien. Der Status der Reichsbank hat sich durch eine Vermehrung der Depositen etwas gebessert. Die Notenreseroe beträgt jetzt 68 Millionen, das ist ungefähr die Hälfte des Betrages, mit welchem die Bank im Monat December in Anspruch genommen zu werden pflegt. Es stehen der Börse also immerhin noch sorgenvolle Wochen bevor und sie hat allen Grund, die Geldverhältnisse ängstlich zu Überwachen.

Von Banken waren Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft zu Anfang der Woche gedrückt wegen ihrer Betherligung an brasilianischen Geschäften. Thetis wegen erfolgter Dementis, theits wegen des ruhigen Verlaufs der dortigen Umwälzung ist Der Druck wieder gew.chen und hat einer kleinen Erholung Platz gemacht. Darm ftäbter und Dresdener Bank gewannen 23 % auf Anga.cn, welche über einen günstigen Verkauf des kürzlich erworbenen Bergwerks Herne-Bochum in die Oeffent­lichkeit drangen. Anscheinend wird der Zwffchengewinn sehr bedeutend sein, und es ist daher anzunehmen, daß dieselben, wenn nicht die Geldverhältnisse entgegenwirken, in Kürze weiter steigen. Handelsgesellschaft wurden am Freitag, angeblich auf Hausse­interesse eines großen Consortiums, bevorzugt und gewannen ebenfalls 3 %. Wiener Banken sind nicht unbeträchtlich erholt, aber ohne besonderes Animo.

Bahnen find sehr wenig verändert. Galizier verloren 2 fl., Böhmische Nord­bahn 4 fl, Böhmische Wellbahn sind dagegen 3Vz fl. gebessert. Von Schweizer Bahnen sind nur Nordost erwähnenswerth, welche in den letzten Tagen der Woche aus starke Prämienkause 3% °/o gewannen.

Renten sind unter d.m Eindruck der gebesserten G<ldveihältnisse etwas fester. 3%% Deutsche Fonds anfänglich weilet räckgänglich, schließen eine Kleinigkeit über oem Cours der Vorwoche. Dagegen sind 4° 0 Consols unter dem Eindruck bei

Conversion der Sächsischen Rente und der Preußischen Prioritäten weiter rückgängig. Von auswärtigen Renten sind nur Portugiesen und Spanier schwach, alle anderen gut behauptet.

Das Hauptinteresse beanspruchten Montanwerthe. Gelsenkirchener stiegen von 195 bis 220 und schließen heute mit 214. Laura gewannen 6%, Alpine Montan 1 %. Electricttätswerke haben eine anfängliche Steigerung wieder eingebüßt. Guanowerke stiegen 5.40%, Chemische Fabrik Weiler 12%, Höchster Farbwerke 4%, Binding'sche Brauerei 4%. Niedriger sind Essighaus 2.50, Waghäusel 1.30%.

Course der Frankfurter Börse.

Diverse Obligationen.

5o/o Buderus-Obligat. . I 104.90 I 104. I 4%% GrafHenkelo.Don- I

nersmark, rückz. A 105 | 104.40 |

Cours vom

Staatsanleihen.

15./XI. 22./XI.

15./XI.

22./XI.

Conrs vom

4% Hessische Obligation.

104 25

104.30

4l/r%Portufl.-A. 88 u.89

98.95

97.90

Bauern ....

105.30

105.40

5% amort. Serb. Gold-

Baoen.....

104.25

104.10

Rente ....

84.45

83.90

3% Sächsische Rente. .

92.50

92.80

5o/o SerbischeEisenbahn-

3%% BremerStaatsanl.

.

.

Hyp.-Obl. L. A. .

85.90

85.

Hamb.Staatsrente

101.35

101.50

4%Schwed.Obltg.l880r

102.50

102.65

4% Oestr. Goldrente .

93.30

92.80

l°/o Türken cono. .

17.40

1 22.35

GriechischeMonopol-

5% priv. Egypter. . .

104.

104.15

Anleihe . . .

78.30

78.10

Argent. Gold - Anl.

5o/o Rumänische Rente .

96.20

96.15

v. 1887 ...

91.20

90.70

W/o Russische Anl.. .

100.90

100.50

Eisenbahn Prioritäten.

40/0 Psälz. Ludwigsbahn

5% Südbahn Lombarden

101.50

101.10

(Bexbach) . . .

102.40

4% do. do.

--

_ _

Hessische Ludwigsb.

3% do. do.

62 35

62.40

68/69 garant. .

102.10

102.10

4o/o Prag-Duxer Gold .

100 60

100.70

Eltsabethb. steuerfrei

Rudolf Gold (Salzk.)

100.35

100.25

Gold ....

101.30

100.90

Franz-Josef Silber

83.10

83.40

5o/o Oestr. Staatsbahn.

,

106.

3o/o staatl. garant. Jtal.

4o/o do. do.

100.20

100.35

Eisenbahn . .

57.80

57.80

3% do. do.

3o/o Ltoorneser . . .

63 50

63.-6-

I.VHI.Emiss..

82.90

83.

4o/o Russ.Südw.-Eisenb.

90.40

90.65

3o/o do. Ergänzungsnetz

79.75

79.35

4°/0 Wladikawkas garnt.

89.30

89.80

5o/o Nordweltbahn Gold

106.10

.

4% gar. Sa. dtn.Sec.stsr.

88.20

88.05

Gisenbahn-Aetien.

Ludwigshafen-Bexbach.

237.25

237.20

Lübeck-Büchner . . .

196 30

194.90

Hessische Ludwigsbahn.

125.

125.20

Mecklenburger . . .

163

162.

Pfälzische Nordbahn .

127.75

127.45

Gotthardt.....

176.30

175.80

Marienburger-Mlawka.

64.75

64.90

Jtal. MIttel meer . .

115.20

114.

Vank-Aetien.

Deutsche Reichsbank .

133

133.90

Dresdener Bank. . .

171.60

173.80

Berlin. Handelsgesellsch.

194.60

197.70

Mitteldeutsche Creditb. .

114.

115.70

Deutsche Bank . . .

171.

172.50

Wiener Bank-Verein

97.-

99.37

DeutscheGenossenschftsb.

Württemb. Vereinsbank

126 50

126.50

v.Soergel,ParrisiusLCo.

134.50

135.

Industrie-Papiere.

Binding-Brauerei . .

166.

170.

Deutsche Verlagsanstalt

278.90

278.-

Stern- do. (Oberrad)

134.20

134.60

Farbwerke,vorm.Meister,

Bad. Anilin- u. Soda-

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266

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