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Feuilleton
(conf.) beantragt Schluß der bezweifelt die Beschlußfähigkeit
'esatz,
Verhalten der Schweiz im erkennung.
Abg. Bock Minden Debatte.
Abg. Richter (dfr.)
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Locales und provinzielles.
Gießen, 23. November.
— „Todtenfcst" heißt man in der protestantischen Kirche den letzten Sonntag des Kirchenjahres, diesmal auf den 24. November fallend, bevor die stille, die „geschlossene" und doch so frohbewegte Adventszeit vor Weihnachten begiihit. — Es ehrt der Mensch sich selbst, indem er Derjenigen gedenkt, die er geliebt und die ihn liebten, so lange sic auf Erden weilen durften. Hat auch der bittere Tod sie abgerusen ans der Welt, — sie leben doch, sind nicht gestorben, wenn ihr Gedächtniß nicht verlischt im Herzen derer, von denen sie geschieden. — Wohl ist der liebe Mund verstummt, der so oft gütig oder mahueud einst gesprochen, das theure Auge ist erloschen, aus welchem so viel freundliches und frohes Licht gestrahlt, — doch die guten oder ernsten Worte hatten weiter und das segensreiche Licht strahlt fort!
„Was vergangen, kehrt nicht wieder, Aber ging es leuchtend nieder, Leuchlel's lange roch zurück!"
Hell und verklärt schimmert in Gedanken Bild und Beispiel unserer Todten, — alle Trennung siegreich überbrückend, sowie der Dank, der warme Dank für Alles das, was sie im Leben — für uns gethan! Und droht das Sehnen nach den verlorenen Lieben und dem verlorenen Glücke gar zu heiß und stark zu werden, so flüstert von Droben, von woher ja alles Licht und aller Trost kommt, der Engel mit der Friedenspalme dem einsam Weinenden verheißungsvoll die Hoffnung aus ein Wiedersehen zu. — Sie ruhen nun aus, die den harten Kamps ums Dasein überwunden und lehren mit beredtem Schweigen die ernste Wahrheit, daß des Menschen Heimath nicht von dieser Welt ist, sondern daß er das schmerzensreiche Leben erst zu überwinden hat, um ewigen Frieden zu erreichen, wie die, welche ihm vorangegaugen und denen er jetzt seine Grüße, Thränen und Gebete hinab und hinaus sendet, in Liebe und in Treue, zu frommem Gedächtnisse im ganzen Jahre, besonders aber an ihrem ganz besonderen Feste: dem „Todtensonntag!"
des Hauses.
Der Namensausrns ergibt die Anwesenheit von 152 Abgeordneten. Das Haus ist mitlnn nicht bcschlußsähig.
Der Präsident beraumt die uächstc Sitzting aus Mon tag 1 Uhr an. Tagesordnung: Initiativ Anträge (Arbeiterschutz). — Schluß 5 Uhr.
die Jesuiteu uud ihnen asfiliirte Orden auszuschlwtzcn. Wünschenswerth ist es ja, daß die Missionen in den deutschen Schutzgebieten auch von deutschen Missionaren betrieben
demokratic in der Schweiz nicht geduldet werde und der praktische Sinn der Schweizer Bevölkerung wird die Socialdemokratie ebensowenig vertragen, wie ein anderes civilisirtes Staatswesen. Der Fall Wohlgemuth ist erledigt.
Abg. Singer (Soc.) hält den Fall Wohlgemuth noch nicht für genügend aufgeklärt. Wohlgemuth habe provoca torisch gewirkt. Hoffentlich werde sich die Schweiz mit dem Gespenst der Socialdcmokratic nicht schrecken laffen. Das Falle Wohlgemuth verdiene An-
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Wenn die Könige bauen, haben die Kärrner zu thun", heißt es in der Bibel und wenn Fürstlichkeiten tanzen, gibt es Arbeit für die Welt der Scheere uud Nadel in Hülle und Fülle. Als Vorbote der Faschingszeit hat für die gewöhnlichen Sterblichen der hiesige bedeutendste carnevalistische Verein „Tyll Eulenspiegel" mit einer großen Festlichkeit sich bereits angekündigt. Dank der Geschicklichkeit dev Vor fitzenden, eines Kaufmannes, der zugleich ein beachtenswerthes literarisches Talent an den Tag gelegt, sind die Feste des „Eulenspiegel" zu einem gewissen Ereigmß in der guten bürgerlichen Gesellschaft geworden und das will bei dem Berliner etwas sagen, der den carnevalistischen Possen im Großen und Ganzen kühl bis ans Herz hinan gegenübersteht und sich nicht leicht zum Narren halten und machen läßt. Wenn Berlin auch Hauptstadt Alldeutschlands geworden ist, an seiner geographischen Lage hat das nichts geändert. Cv liegt nach wie vor an der Spree und nicht am Rhein, wo alles die Kappe mit der tönenden Schelle sich aussetzt und das alte Wort des römischen Dichters zur Wahrheit macht: Dulce et decorum est desipere in loco. „Es ist doch eine ganz famose Sache, zur rechten Zeit einmal seinen Unsinn zu machen." Ich halte dafür, daß man, um von der Wahrheit dieses Dichterworts überzeugt zu sei« und nach ihm zu handeln, gleich den Anwohnern des Rheines, Wein trinken müsse und nicht so entsetzlich viel Bier, wie das in der Reichshauptstadt geschieht. Ist doch vor einigen Tagen schon wieder ein neues Local erstanden, noch schöner, noch prächtiger als die früheren, auf daß in seinen Räumen der Durst befriedigt werde, der etwa an anderen Restauraiits vorübergcgangen oder nicht zur Genüge gelöscht worden ist. Die Versicherungsgesellschaft „Equitable" hat an der Ecke der Friedrich- uud Leipzigerstraße einen ungeheuren Palast auffuhren laßen, dessen Bail Millionen verschlungen haben dürfte. In den Parterreräumen dieses noch nicht einmal vollendeten Palastes sprudelt nun des Gambrinus frische bräunliche Quelle. Von den ersten Künstlern ist dieser Quellenraum mit Bildwerken aller Art so kostbar geschmückt worden, daß keines der bisher entstandenen Bierlocale diesem das Wasser reichen kann.
.j baar und lUIHOSi in Raten.
werden.
Abg. Richter (dfr.) will für die coloniale Abtheilung nicht stimmen. Von dieser Bewilligung hänge für die Colonialpolitik gar nichts ab. Herr Windthorst hat im vorigen Jahre einen Fehler gemacht, als er die Forderungen für die Colonialpolitik bewilligte. Die Colonialpolitik sei ebenso verfehlt, wie die zur Unterdrückung der Sklaverei unternommenen Maßregeln.
Abg. Dr. Windthorst: Die Position ftir die coloniale Abtheilung will Redner bewilligen, nachdem erklärt worden ist, daß die Forderung unentbehrlich sei, dagegen haben die Erklärungen wegen der Missionösreiheit ihn nicht beruhigter verlangt bündigere Erklärungen. Was unter Gleichberechtigung der Confessionen zu verstehen ist, sehen wir in
Aus der Reichshauptstadt.
Berlin, 22. November 1889.
In der Hauptstadt des Landes der allgemeinen Dienstpflicht ist eine merkwürdige Agitation im Gange. Die Herren nämlich, welche im Allgemeinen die Pflicht des Bedienens haben, beabsichtigen eine Art von Umsorm sich zu- und anzulegen, wahrscheinlich von dem Glatiben beherrscht, daß sie dann die richtigste Form gefunden, in welcher jeder Gast bedient sein will. Die Kellner wollen den einfachen Frack von ihren Schößen abschütteln _ und denselben dafür mit allerhand Abzeichen zieren, so daß mannig- lich sofort weiß, einmal, ob er es mit einem Kellner und nicht mit einem Gast in höchster Gala zu thun habe, und Zweitens, daß man den Rang erkenne, in welchem der befrackte Ganymed bei seinen Genossen steht. Der deutsche Kellnerbund, der bereits vor einiger Zeit mit dem originellen Vorschlag eines Kellnerordens in Gestalt eines vergoldeten Sterns am plbernen Kettchen debütirte, macht jetzt in seinem officiellen Organ, der „Hotelrevue", den Vorschlag, jeder Oberkellner solle an beiden Aermeln, da, wo auch das Militär seine Gradeabzeichen trägt, eine seine Litze oder Schnur aus Gold tragen. Die Zählkellner oder gleiche Rangstufen sollen dieselbe Aus- zcichnnng in Silber tragen. Auf beiden Seiten müsse das Abzeichen schon darum sein, weil die Serviette das eine oftmals verdecke. Erproben wird sich diese neue Uniform bald können. Denn allem Anscheine nach soll an der Spree dcr Tanz mit der Saison im Allgemeinen und der Ballsaison im Besonderen in Kürze losgehen. Die Geschäftswelt gibt sich der angenehmen Hoffnung hin, daß der Hof aus seiner Reserve, die ihm seit einiger Zeit unter Kaiser Wilhelm 1. schon durch das Alter des Herrscherpaares und dann im vorletzten und letzten Winter in Folge der schmerzlichen Ereignisse auferlegt war, nunmehr heraustretcn und eine Faschingszeit bringen werde, wie sie Berlin seit längerer Zeit nicht gesehen.
Deutscher Reichstag.
21. Plenarsitzung. Freitag den 22. November 1889, 1 Uhr.
Die Plätze des Hauses und die Tribünen sind mäßig besetzt. *
Am BundeSrathstische Gras H e r b e r t B i s m a r ck u. A.
.Eingegangen ist der zweite Nachtragsetat.
Das Hans tritt in die Tagesordnung ein: Fortsetzung der zweiten Etatberathung, Specialetat „Auswärtiges Amt". ... -»//c
BeimTitel „Gehalt des Staats,ccretars" fragt Aba Richter (dfr.), ob es wahr sei, daß der Generalstabschef die Politik des Reichskanzlers zu durchkreuzen suche. Es sei wichtig zu wissen, ob unsere Friedenspolitik von einer Seite beeinflußt werde, die hier dem Reichstage nicht verantwortlich ist. c. r m
ziriegSminister v. Verdy: Ich kann alle diese Behauptungen als unwahr bezeichnen. Niemand ist in der Armee thätig, der sich dauernd mit der Politik der Regierung in Opposition setzt.' Die betr. Angelegenheit sei ein dunkler Punkt in der Presse- es sei eine Beleidigung, derartige Behauptungen auszustellen von Offizieren der Armee. (Bravo!)
Staatssecretär Gras Bismarck: Ich kann mich dem nur aus vollem Herzen anschließen. Se. Majestät leitet die auswärtige Politik des Reiches und nimmt Rath entgegen von derjenigen Seite, die dazu berufen ist.
Abg. Richter (dfr.): Wir haben also einen neuen Fall zum groben Unfug mittelst der Presse zu verzeichnen. Ich bin für die erhaltene Auskunft dankbar.
Der Titel wird bewilligt.
Bei Titel 2 und 3 sind die Mehrsorderungen für die neu eingerichtete „coloniale Abtheilung" eingestellt. _
Abg. Dr. Windthorst (Ctr.) erkennt zwar an, daß im Auswärtigen Amt Sparsamkeit herrsche - es frage sich aber, ob die Einrichtung der Colonial-Abtheilung nach richtigen Principien erfolgt sei. Für die Colonien verlange er und seine Freunde volle Freiheit des Cultus, also nichts Neues, sondern nur, was in allen anderen Staaten bestehe und in den Congo-Acten jestgelegt sei. So lange die Congo-Acte nicht auf die Schutzgebiete ausgedehnt werden, ist es dem Redner nicht möglich, für Mehrsorderungen zu colonialen
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Sonntag den 24. November. Gieszenev Anzeiger*. Beilage zu Nr. 275. -1889.
Zwecken zu stimmen.
Staatösecretär v. Bismarck: Eine ausdrückliche Bestimmung über die Culten in den Colonien ist nicht ei lassen, weil kein Anlaß dazu vorlag. Auch liegt kein Grund vor, asfiliirte Orden auszuschließen.
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Natürlich ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Nach diesem werden andere kommen und auch den jüngsten Tempel Bayerns in den Schatten seiner electrischen Beleuchtung stellen. Man kennt hier eben keinen Stillstand und cs geht an der Spree so gewaltig vorwärts, daß es selbst den in sie hinein- gesetzten Krebsen unheimlich wurde und sie alle in ihrer natürlichen Farbe starben. Denn vor einigen Jahren wurden oberhalb Sprembergs mehrere hundert Schock Krebse in die Spree gesetzt, um zu versuchen, die Thiere herauzuzüchtm. Dieser Versuch ist aber erfolglos geblieben. Jetzt freilich sollen sie im Spreewalde wieder gedeihen und will man daher an verschiedenen Stellen wiederum den Versuch machen, durch Einsetzen junger Krebse die Spree mit denselben zu bevölkern.
Nun! Man braucht sich ja mit dem Krebsgang nicht gerade zu befreunden und kann dennoch der Freund eines Ganges Krebse sein und im Sinne dieser Freunde will ich wünschen, daß der Versuch diesmal besser glückt. Sonst aber darf unsere Parole für Berlin und Umgegend nur „Vorwärts" sein. Und es geht vorwärts sogar mit Riesenschritten, w'e ein Blick aus die Entwickelungsgeschichte Charlottenburgs beweist. Vor kaum dreißig Jahren, im Jahre 1857, hatte die Gartenstadt Charlottenburg, welche damals von den Berlinern viel als Sommcrausenthalt benutzt wurde, erst 11,010 Einwohner, 1871: 19,518, 1880: 30,483, 1885 : 42,371 und jetzt beträgt die Einwohnerzahl ca. 68,000. Seit 1880 hat sich dieselbe also mehr als verdoppelt. Er fühlt sich aber auch, unser Nachbarort, und hat die Ausnahme einer Anleihe von 12 Millionen Mk. beschlossen, zu welcher der Kaiser von Konstantinopel aus seine Genehmigung ertheilt hat. Datirt somit aus dem Lande des Halbmonds und des Sonnenaufgangs für die gute Stadt die Ermächtigung, Schulden zu machen, so mag das eine Vorbedeutung dafür sein, daß über ihren Zinszahlungen stets em guter Stern waltet.
Heinrich Blankenburg.
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Deutschland. Er kenne keine National, sondern nur eine । Universal-Kirche.
Staatssecretär v. Bismarck: Es werden die Mistionen aller Orden zngclaffen, sobald sie sich darum bewerben. Deutsche werden bevorzugt.
Abg. Dr. Hammacher (natl.): Der gegenwärtige Zeitpunkt ist nicht geeignet, über die Errichtung eines Colonial- Amtes zu streiten.
Abg. Dr. v. Frcge (cons.) dankt der Regierung für die Aufrechterhaltung der Parität bei den Misnonen. Von einem Mißerfolge der Colonialpolitik könne nicht die Rede sein. Gut Ding will Weile haben. Man kann- jetzt noch keine großen Erfolge erwarten. Unwürdig der deutschen Nation wäre es, ans Anlaß vorübergehender Stockungen und Stauungen die Colonialpolitik aufzugeben. Leider hält sich das Kapital zurück, das auch für die Missionen mehr thun könnte. Das Schwert für die weltliche Ordnung, das Kreuz für die sittliche Hebung, das ist das richtige Princip für die Colonialpolitik.
Abg. Rickert (dsr.): Das Kapital geht überall da nicht hin, wo nichts zu holen ist. Soll denn nur das Colo nialamt vom Auswärtigen Amt losgelöst werden?
Staatssecretär Gras Bismarck: Heute handelt es ßch nur um die Bildung einer Abtheilung, die im Auswärtigen Amt verbleibt. Für facher wollen wir uns noch nicht schlagen. Wir wollen sehen, ob die Bildung eines Colonial-Amtes nöthig wird. .
Abg. Woermann (nl.): Zaghafter als das Capital sind Regierung und Reichstag in der Colonialpolitik vorgegangen, daran liegt die Schuld, warum die Colonial-PoliNk | so langsam fortschreitet. Don Mißerfolgen kann man nicht sprechen. An Unternehmungslust fehlt es dem Capitalc nicht; es sind zahlreiche PlantagengeseHstl,asten entstanden, die nur zaghaft sind wegen der Zurückhaltung der Regierung und des Reichstages. .
Abg. Dr. Bamberger (dsr.) Nachdem wir die Dmge in der Colonialpolitik nicht mehr aushalten können, wollen wir wenigstens für die möglichste Sparsamkeit sorgen. Nicht zaghaft sondern gewissenhaft für das deutsche Capital. Ev sei ja leicht, großmüthig sein, wenn eö Etwas einbringt. Aber heute sind die staatserhaltenden Parteien diejenigen, welche vom Staate Etwas zu erhalten wünschen. (Heiterkeit).
Abg. Woermann (nl.): Wir sind stolz daraus, jetzt deutschen Schutz zu haben, wo wir früher die englische Regierung um Schutz anrufen mußten. Ich hoffe, wir werden untere Colonialwaaren aus deutschen Colonien beziehen.
Abg. Richter (dfr.): Damit kämen wir aus die Theorie von der Handelsbilanz der Staaten aus dem vorigen Jahrhundert zurück. Die Ausgaben für die Colonialpolitik kommen einzelnen Unternehmern zu gute. Es wäre ja interessant, wenn man an die Wähler appclliren wollte, etwa mit einer Auflösung des Reichstags wegen der Colonialpolitik.
Die Titel 2 und 3, welche die Mehrsorderungen für die coloniale Abtheilung enthalten, werden bewilligt.
Bei dem Titel „Gesandtschaft in Bern" fragt der Abg. Baumbach-Berlin (dfr.), ob die aus Anlaß der Asfaire Wohlgemuth eingetretene Verstimmung noch bestehe und namentlich, ob der Niederlassungsvertrag Aussicht habe, von Neuem verlängert zu werden. In jedem Falle sei zu wünschen, daß die Regierung die Interessen der Deutschen in der Schweiz wahren werde.
Staatssecretär v. Bismarck: Eine Verstimmung hat nicht bestanden. Wir haben nur den Wunsch, daß die Social-


