Telegraphische Depeschen.
Dolff'S telegr. Korrespondenz -Bureark
c 22. Mat. Heute Nachmittag besuchten zuerst der Prinz von Neapel
später König Humbert den Reichskanzler Fürst Bismarck p '
^ltmr "7 Bei der heutigen Parade-Abendtafel brachte der Kaiser den Toast auf König h CrmCtnln 5)11111 aussprach für den Beweis von Freund- Erfuhr: „In gleichem Sinne sind meine Truppen Es ihnen vergönnt gewesen, vor dm Augen meines
Gastes urtt Ehren zu bestehen. Voll freudiger Erinnerung an die herrliche Heerickau fci Rom erhebe ich mein Glas und trinke auf das Wohl der Majestäten auf die braven ®eDifPeCn,Sem^re die unwandelbare Freundschaft mit dem Hause Savoyen, dessen ? AaTOy^ aur Einigung des Königreichs Italien geführt. König Umberto lebe hoch! Der König von Italien erwiderte in italienischer Svracke- fft innigster Rührung für den Ausdruck der dargebrachten Gefühle
kL 6 !e ??^r§brlin nur eine hehre, dankbare Pflicht gewesen. Ich bin sicher Sor«'Ar e^er Hofburg aus spreche, die Seele Italiens mit mir ru
^EN. Deutschland und Italien sind nach der Herstellung ihrer Einheit das Pfand kür Frieden Europas; meine Soldaten, deren der Kaiser so ehrenvoll gedacht hat c. ^ar cHe^r' ^Ovon ich so glanzende Abtheilungen bewundern konnte werden iede große Aufgabe zu erfüllen wissen. Ich trinke auf oaS Wohl des Kaisers' der Kaiserin «Ä'LSLS"'"" * *■ “ »"■«--< -Sä
"°" ben ®e,u6len d-r Freude über dm dem Könige und dem Kronprinzen in D-ulich-
Lokales.
„ 23- Mai Dienstag den 22. Mai, in früher Morgenstunde, starb im
Dr bet Ä?fr ^7 wZw-rbreil-t-n Familie Baur, Herr Geh. ktrchenralh
vr. Gustav Baur, Professor der Theologie und erster Unioersitätspredtger in Leipzig an einem Herzschlage. Wenige Tage vorher erhielt derselbe noch den Besuch Sr. Königl Hoheit unseres Erbgroßherzoges. - Die Beerdigung findet am Freitag Nachmittag statt, um 22. Mai. (Curschmann-Jubiläum.) Laut Dekret vom 24. April
1839 wurde Herrn Lehrer Curschmann die zweite evangelische Schulstelle in Monsheim im Kreise Worms in Rheinhessen übertragen und wurde derselbe am 22. Mat in seinen Dienst eingewiesen. Schon seit Anfang der vierziger Jahre ist Herr Curschmann in Gießen thattg. Sein vorzüglicher Unterricht, den er wett über ein Menschen- on per höheren Mädchenschule erthetlte, er hat hundertfälttg Frucht getragen. Aber auch außerhalb der Schule hat Herr Curschmann segensreich gewirkt. Wir Ä^"Ern nur an die mühevollen Weihnachtsbescheerungen, deren er 39 hinter sich hat.
"Othletdenden Menschen, sondern auch den hungernden Vögeln und gequälten Thieren sucht er ihr Loos nach Kräften zu mildern. Dadurch und durch sein freundliches, offenes, zuvorkommendes und zugleich bescheidenes Benehmen hat sich Herr Cur sch mann viele Freunde erworben. Einige derselben, mit dmen Herr Cursch- ”}ann Eafö Balzer verkehrt, haben ihn am Vorabend seines fünfzigjährigen Jubi- /in schone- Photographte-Album nebst ihren Photographien über- Rnnm«. auL?cr ^Ecke des Albums einige hungernde Vögel auf einem
Baume fitzend, an besten Stamme ein Futterbrett angebracht ist, gepreßt
Zwar hat Herr Curschmann tn Anbetracht der erlittenen schweren Verluste lnÄtr nnam hte be ^Iben iebroebc Feier abgelehnt. Eine Feier in der Schule, ver- anstaltet von dem Lehrer-Collegium der höheren Mädchenschule, konnte und wollte Curschmann nicht ablehnen. Um 9 Uhr heute Vormittag wurde der Jubilar Collegen Schmidt und Lehr aus seiner Wohnung zur kurzen, aber wür- otflen und schonen Feier abgeholt. Die genannten Lehrer gratulierten dem Jubilar M o Jdncr Wohnung und wünschten ihm noch recht viele glückliche Slunden. Zehrer Lehr gratulierte Herrn Curschmann im Namen des Turnlehrer-Vereins für Gießen und Umgegend in herzlichen Worten.
^"rde der Jubilar in den festlich geschmückten Saal der höheren Mädchenschule geleitet, wo bereits Herr Beigeordneter Gnauth, Herr Weyrich, Di- rektor des Realgymnasiums und der Realschule, Herr Rechtsanwalt Batst, HerrStabt- rath Hänsle in, Herr Stadtrath Georgi, Herr Stadtrath Homberg er, das Lehrer- Collegium, die Schülerinnen der 3 oberen Klassen der erweiterten Mädchenschule und aus den übrigen Klassen je zwei Schülerinnen anwesend waren.
Der Ltrikr in den deutschen Kohlengebieten.
/«A*lst«rircherr - ,22 Mat. In der Versammlung von Bergleuten der decken h«»frhi^?{pent r^fCnCt ^iche sich über Maßregelung beklagen, wurde einstimmig rnimgt roe'rbm 1 615 ilc oereinbatten Admvchungm j-il-ns der Zechen be?
. c ~ Die Belegschaften der Zechen „Hibernia", „Rhein-Elbe", „General" Carl ^4*C?r p '^ont Tremio" strtken weiter, weil bie Verwaltungen die Abmachungen S}$pA4ai?eifan? en' , Ucbcraa duschte größte Ruhe. Auf Freitag sind drei Arbeitn- Delegirtenoersammlungen nach Bochum berufen behufü Berathung weitere Schritte. .. — «2. Mai. Der „Reinisch-Weftfälischen ^tg." zufolae haben beute
bie Belegfchaflen auf ben Zechen „Zollern", „Hansa" und „Germania" die Arbeit voll aufgenommen. Auf Zeche „Weftfalia" sind 200, „Tremonia" 78, Borussia" 55
'?finüter .Siein" 320 Mann ungefähren. Die Fehlenden wurden aufgewiegelt^ (^) und sind wieder nach Haufe gegangen. Auf „Louise Tiefbau"
Qi" ar ßar ei^e , Schür bank" und „Charlottenburg" arbeitet Alles. Um ^rmaltungen unb ben noch Strikenben zu vermitteln, würbe Dr. Hammacher «nlcn gebeten, nach Dortmunb zu kommen unb ist bereits dort etn- i ? Q^ocbumer unb Essener Revier arbeitet Alles mit Ausnahme von ^Eche „Constantin ber Große" unb Zeche „Eintracht Tiefbau". Auf be ben Zechen wurden bie Bergleute durch Plakate aufgefordert, die Arbeit niederworben seien! 0110 * dnt0C Z)dc8irtc °uf der Zeche „Wiendahlsbank" gemaßregelt H Dortmund, 22. Mai. Nach der „Rhein.-Westf. Ztg." wurden in der heute rthnPArhaOt<n 'ßfCrj?m5Iun0 Strikenben bie Bergleute Schröder, Bunte und Siegel K/ordnet, mit Dr. Hammacher morgen über die bestehenden Differenzen zu verhandeln Die Belegschaft der Zeche „Konstantin der Große" ist Nachmittags vollzählig einaefabren dagegen herrscht im Steeler Revier und auf „Hibernia" wiederum Ausstand. — Heute wu^en 5576 Doppelwaggons voll gestellt und beladen abgefahren. Im Essener unb Bochumer Revier ist Alles ruhig, bie Belegschaften stnb eingefaßten.
rrrx. c j S ,Mai. Eine große Versammlung beschloß einstimmig bie
^aufnahme bes Strikes unb Fefthaltm an bem Berliner Protokoll. Hammacher ist zur Vermittelung hier angelangt. A 3)
, 3wi«au, 22. Mai. In einer gestern im Gebäube der Kreishauptmannschaft abgehallenen Sitzung von Vertretern der Bergarbeiter wurde der Vorschlag der Werks- vertreter betreffend eine lOftunbige Arbeitszeit unb lOproz. Lohnzuschlag, sowie betreffend li?Un0«l>Cm*6rmCnr Forderungen der Arbeiter angenommen. Abends fand n»» öffentliche Ver amrnlung der Bergarbeiter statt, welche den Lohnzuschlag von 10 pCt. einstimmig ablehnte unb alle Vermittelungsvorschläge zurückwies. Hierauf legte bas bisherige CentralcomitS ber Arbeiter sein Amt nieber unb würbe bie Wahl eines neuen Comics oorgenommen. Der Vorschlag, bis zur anberroeitigen Verhanblung den Bergwerksbefitzern die Arbeit fortzusetzen, wurde einstimmig^ abgelehnt und der Strike in aller Form proclamirt. Thatsächlich hatte derselbe schon Abends 6 Uhr begonnen, da auf allen Werken, mit Ausnahme des Arnim'schen, schon die Nachtschicht theils gar nicht, theils nur von wenigen Arbeitern aufgenommen worden war.
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ÄÄÄtÄÄÄÄ mM?1?10» ff11// Cx?IopS!^en Stellung. In den dem Könige dargebrachten Huldiaunaen wird das italienische Volk einen Maßstab des Werthes finden, den die Völker
Zlattens legen. Die in De^i^Unßatn unb ^SeutS auftretenben Strömungen gegen Italien berechtigen keinerlei Zweifel an hi, Pnntpr^pu und Stätte des Bundes. Die Polittt der MLch.e wur ett in den st-->M»m ZLZLk und rüumi anderweitigen Rücksichten keinerlei Einfluß ein. ” ■Jntetcflm
k f , c* 22. Mai. Der Strike ber Grubenarbeiter von Marihaye nimmt 111 fäSÄ“SSÄ'™.iÄÄ "" »ÄS fÄKÄS’ÄÄtt auf deutschem »oben emPfangen%orb«i0^ift S)iefe n^ baJ1hflJit01hibet >?"ibundes werde von dem englischen Volke mit Genugthuung begrüßt bas darin die bene Friedensgewähr erblicke, sowie die beste Bürgschaft dafür hab hi, sund°men.alen Interessen Europas unoetsehtt aus jeder Ä?i6e f6erDot8el)ben
^ai- Mataafa spielt in seinem Brief an den Admiral Kimberlv von den Amerikanern bezeugten guten Gesinnungen an und wünscht hast der Kr eg, welcher wirklich beendet sei, nun auch formell als beenbet anerkannt merbe Kimberly rieth Mataafa, das Resultat ber Berliner Conferenz abzuwarten.
Deutscher Reichstag.
73. Plenarsitzung. Mittwoch, den 22. Mai 1889, 11 Uhr.
Die 3. Berathung der Jnvaliditäts- und Altersversicherung wirb fortgesetzt. Die SS 10 biS 12 wurden debattelos genehmigt.
Sodann wurde auf Vorschlag des Präsidenten mit Rücksicht auf die spärliche Besetzung des Hauses die Sitzung auf 15 Minuten vertagt und nach Ablauf dieser Frist mit der Berathung fortgefahren: S 14, der die Aufbringung der Mittel behandelt, wird debattelos genehmigt, S 15 ebenfalls mit einer redacttonellen Aenderung. Es werden nunmehr die SS 7, 7a, 7aa, und 7b, 13 und 16 gemeinsam diskutirt. Dieselben betreffen die Lohn- klaffen (Rentenbesträge), den Gegenstand der Versicherung und die Bestimmungen über das Beitragsjahr.
Hierzu liegen mehrere Anttäge vor: Abg. v. Brand (kons.), welcher die Einführung einer einheitlichen Rente und eines einheitlichen Beitrages bezweckt.
Diesen Antrag vertheidigt Abg. Graf Hollstein (kons.). Es sei durch Einrichtung -von Rentensparkaffen den Arbeitern Gelegenheit gegeben, sich eine höhere Rente zu erwerben, unb genüge deshalb die einheitliche Rente.
Abg. v. Pfetten (Ctr.) beantragt, die Dauer einer Krankheit nicht auf die Bei- Iragszert in Anrechnung zu bringen, wenn der Betheiligte sich die Krankheit bei Begehung eines durch strafgerichtliches Urtheil festgestellten Verbrechens zugezogen hat.
Endlich verlangt Abg. Brand (kons.), daß die Erwerbsunführgkeit schon anzunehmen fei, wenn der Arbeiter nicht mehr ein Drittel des durchschnittlichen Tagelohns verdient. (Die Vorlage setzt nur ein Sechstel des Durchschnitts-Verdienstes für die Erwerbsunfähigkeit voraus.)
Abg. Struckmann (nl.) bittet alle Aenderungsanträge abzulehnm und nur die redacttonell verbefferte Faffung nach dem Anträge Buhl (nl.) anzunehmen.
Abg. Flügge (kons.) tritt für Einheitsrente und Beseitigung der Beitrags- und Lohnklaffen em, bte so komplizirt seien, daß die Sache desto konfuser, je länger man über dieselbe bebattire (Heiterkeit). Nehme man aber die Lohnklaffen an, so werde er trotzdem für das Gesetz stimmen, denn er wisse, daß die Verabschiedung des Gesetzes ein Wunsch des Kaisers sei. (Bravo!)
Staatssecretär v. Boetticher: Wer mit dem Princip des Gesetzes einverstanden ist, sollte nicht wegen der Einzelheiten Schwierigkeiten machen. Vom politischen Standpuntte aus mag die Einheitsrente gut sein, vom sozialpolitischen Standpunkte ist sie es nicht denn ber Sozialpolitiker muß sich den individuellen Verhältnissen anpaffen.
Abg. Hahn (kons.) schließt sich im Wesentlichen dem Abg. Graf Hollstein an.
Abg. Holtz (Rp.) vertheidigt sich gegen bie neulichen Ausführungen bes 3Uidtö-- kanzlers unb hält seine Ausführungen bezüglich ber Verhältnisse ber Lanbwtrthschaft in Westpreußen voll aufrecht. *
Abg Dchraber (bfr.) befürwortet bie Lohnklassen. Die Einheitsrente würbe dem Gesetze vollends den^Character der Verbesserung der Armenpflege aufdrücken. Bei der hierauf folgenden Abstimmung wird der Antrag 0. Pfetten angenommen die Zur Debatte stehenden Paragraphen in der Fassung Buhl, alle anderen Anträge aber abgelehnt. — S 17 normirt die Beiträge nach ven Lohnklassen. Es liegt hierzu ein Anttag Buhl (nl.) vor, der auch für S 17 eine veränderte Fassung vorschlägt. Die weiterm Anträge Brandt sind im Prinzip des S 16 erledigt unb kommen hier nicht mehr in Betracht.
, Abg.Schmidt-Elberfelb(bfr.) bemängelt nochmalsbierechnungsmäßigen Grunb-
I?0earJ$rc? c Beitragspflicht; ihm tritt Reg -Commissär 0. Woebke entgegen, ebenso die Abg- Hegel (kons.) unb Buhl (nl.)
Bei der Abstimmung wird -in neuer § 16a c,«gefügt, der die Gewährung von Invalidenrente nach bem früheren S 7a betrifft.
S 17 wird in einer nach bem Anträge Buhl verlangten rebaktionell veränderten Faffung angenommen.
S 18,, welcher die Ausbringung d-r jährlich zu berechnenden Renten betrifft, rvrrd unverändert angenommen.
qtu § behandelt ben von ber Versicherungsanstalt aufzubringenden Theil der Attersreme.
. Buhl bezweckt die in der Vorlage nach Beitrags jähren berech-
neten Beitrage der einzelnen Lohnklassen nach Wochen beiträgen umzurechnen.
, . ?bg Lohr en (Rp.) bekämpft bei dieser Gelegenheit das Prinzip des Kapital- Decrungsoerfahrens, das kolossale Summen ansammele und zu unveräußerlichem Eigen- thum der Versicherungsanstalten mache. Diese Einrichtung sei im höchsten Maße gefährlich.
Bundes-Commissär v. Woedtke bekämpft die Anschauungen des Abg. Lohren als unzutreffend und nicht einer richtigen Berechnung entsprechend.
Abg. o.Kardorff (Rp.) betont', daß Lohren nur eine vollständig singuläre Stellung in der Partei einnehme und seine Ansicht sonst nicht getheilt werde.
Abg. Lohren erwidert daß er nach dieser Erklärung gegen das Gesetz stimmen werde, um seine Stellung deutlich zum Ausdruck zu bringen.
t n „Abg. Prinz Carolgth (Rp.) bedauert die Erklärung des Abg. v. Kardorff, bezüglich Lohrens, zu ber keine Veranlassung vorlag.
.. n Abg- v. Kardorff (Rp.) erwidert, daß Herr Lohren, von dem, was er für « -5-. 'UNS vorhatte. Niemanden in der Fraktion Kenntniß gegeben; nach seinem Auftreten könne: Herr &>bren gar nicht anders, als gegen die Vorlage stimmen.
Abg. Lobren (Rp.) hAt nochmals seine Berechnung aufrecht, wonach zur Aus- führung d^ sozialpolitischen Gesetze ein laufender Betrag von 400 Millionen Mark erforderlich sei, was ein Capital von 12 Milliarden repräsentire.
Bunbes-Commissar v. Woebke bestreitet die Richtigkeit bieser Berechnung, b löa wtrd mit ben rebactioneUen Aenberungen nach bem Anträge Bubi angenommen.
. , N mcri)en debatteloS unb nur mit Aenberungen nach ben Cartell-
anträgen (Buhl u. Gm.) angenommen.
c Qn« den Abgg. v Stolberg und Hahn (kons.) ist die Einfügung eines neuen udd)? ^b Ernchwng besonderer Alters- und Invaliden-Kassen bei den Berufsgenoffenschasten bezweckt. — Der Anttag wird abgelehnt.
Die SS,31—57 werden ohne wesentliche Aenberungen, die anderweit beantragt waren, genehmigt. 3
gicrauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Donnerstag 11 Uhr. Tages-Ord- rmng: Forffetzung der Berathung. — Schluß 5V< Uhr. 7


