Nr. 120. Freitag den 24 Mai 1889.
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Vureau: S^ulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag-. gSS'MäfeSgafaglW
Amtlicher Hheil.
Betreffend: Das Budget des landwirthschaftlichen Vereins für die Provinz Oberheffen pro 1889/90.
Bekanntmachung.
Nachdem Grobherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz den vom Ausschub des landwirthschaftlichen Vereins von Oberheffen pro 1889/90 ausgestellten Voranschlag genehmigt hat, wird derselbe hiermit zur öffentlichen Kenutniß geb acht
Staats- Vereins-
A. Einnahme: wnds: fonds:
1. Ueberschuß dus vorigem Jahr ... . . — 838.24
2. Zuschuß aus Großh. Hauptstaatskasse im Ordinarium . 7620 —
3. „ „ „ „ zur Unterstützung
der Viehzuchtvereine....... 1000 —
4. Zuschuß aus Großh. Hauptstaatskaffe für Prämiirungszwecke 1600 —
5. „ „ „ „ zur Förderung des
Obstbaues......... 600 —
6. Beitrag der Aachen-Münchener Feuerversicher« Gesellschaft — 750
7. Beitrag des Landespserdezuchtvereins zur Fohlenweide . — 200
8. Beiträge der Vereinsmitglieder.....— 7020
Summa 10820 8808,24
B. Ausgabe:
1. Bureau und Rechnungswesen.....— 1300
2. Verwilligungen an die landw. Bezirksvereine . . — 2340
3. Kosten der Zeitschrift für die landw. Vereine . . — 3100
4. Gehalt des Wiesenbaumeisters . . . . - . 2500 —
5. Für die landw- Winterschulen zu Alsfeld, Büdingen und Friedberg......... 3300 —
6. Beitrag zu den Kosten des Deutschen Landwirthschaftsrathes 200 —
7. Beitrag zu den Kosten der Vertretung in den Eisenbahn- beiräthen.........— 100
8. Für die Viehpreisvertheilung im Kreise Friedberg . 1600 600
9. Zur Unterstützung der Viehzuchtvereine . . . 1000 —
10. Zur Unterstützung der Provinzialfohlenweide . . — 400
11. Zur Bestreitung der Kosten der landw. Vorträge . 1200 —
12. Zur Unterstützung der Untersuchung von Sämereien und Düngemitteln....... — 100
Zu übertragen 9800 7940
Staats- Vereinsfonds: fonds:
Uebertrag 9800 7940
13. Für die landw. Haushaltungssch.de zu Lindheim, Beitrag 320 —
14. Für dieselbe an Zinsen und Amortisationsquote des Anlagekapitals .........— 180*
15. Zur Förderung der Obstbaumzucht .... 600 —
16. Zur Förderung der Bienenzucht.....100 —
17. Zur Bestreitung der Kosten des Landes^"^chuffes und
des Prooinzialausschuffes . .... — 600
. 18. Für unvorherzusehende Ausgaben . . — 88.24
Summa 10820 8808.24
Bemerkungen zur Ausgabe.
ad 5. Der hier vorgesehene Betrag soll zu gleichen Theilen den Cura- torien der landw. Wincerschulen zu Alsseld, Büdingen und Friedberg überwiesen werden.
ad 9. Dieser Betrag soll zu gleichen Theilen den fünf in den Kreisen Alsfeld, Büdingen, Gießen, Lauterbach und Schotten bestehenden Viehzuchtvereinen ausgezahlt werden.
ad 11. Die hier vorgesehene Summe soll zu gleichen Theilen den sechs landwirthschaftlichen Bezirksvereinen zur Verfügung gestellt, aber nur bis zur Höhe der nachgewiesenen wirklichen Verwendung innerhalb des Rechnungsjahres . ausgezahlt werden.
ad 12. Aus diesem Betrage können nach der Reihenfolge der Anmeldungen diejenigen Landwirthe Unterstützung erhalten, welche landw. Sämereien oder Düngemittel bei der landw. Versuchsstation in Darmstadt zur Untersuchung gebracht haben.
ad 15. Diese 600 sollen den sechs landw. Bezirksvereinen zu gleichen Theilen zum Zwecke der Ausblldung von Obstbaumwärtern üverwiesen werden.
Friedel Hausen, den 8 Mai 1889.
Der Präsident des landwirthschaftlichen Vereins für die Provinz Oberheffen: Adalbert Freiherr Nordeck zur Rabenau.
Bekanntmachung.
Betr.: Die Vertilgung der Raupennester.
Die Garten« und Feldbesitzer der Gemarkung Gießen werden hiermit aufgefordert, bis zum 5. Juni l. Js. an Bäumen, Sträuchern und" Decken die Raupennester zu vertilgen.
Diejenigen, welche dieser Aufforderung nicht Folge geleistet haben werden, verfallen nach § 368 pos. 2 des Reichsstrafgesetzes in eine Geldstrafe bi- zu fechSzig Mark oder in eine Haftstrafe bis zu vierzehn Tagen. Außerdem wird die Vertilgung der sich vorfindenden Raupennester auf Kosten des Säumigen angeordnet werden.
Gießen, den 22. Mai 1889. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.
__Fresenius.________________
Gießen, am 20. Mai 1889.
Das Großherzogliche Amtsgericht Gießen an die Großherzogl Bürgermeister und Beigeordneten des Amtsgerichtsbezirks Gießen.
Im Aus!rag des Großherzogl. Ministeriums des Innern und der Justiz machen wir Sie daraus aufmerksam, daß es nach Art. 1 der Verordnung vom 1. April 1841 unzulässig ist, Sühnetermine für Privatklagesachen an Sonn- und Feiertagen abzuhalten, und daß bei Zuwiderhandlungen disziplinäre Bestrafung einzutreten hat.
Langsdorfs.
][ Darmstadt, 22. Mai. Seine König!. Hoheit der Großherzog, sowie Ihre Großh. Hoheiten die Prinzen Heinrich und Wilhelm werden von den Beisetzungs- feierUchkeiten in München heute Nachmittag 4 Uhr 9 Min. hier zurückerwartet. — Ihre Majestät die Karsertn Friedrich, Höchstwelche bekanntlich gegenwärtig bet Homburg o. d. H. resiotrt, wird am 24. d. Mts. zur Feier des Geburisfestes des Prinzen Ludwig von Battenberg auf Schloß Hetligenberg bet Jugenheim a. d. B. ein treffen. — Wie wir hören, wird der Grotzherzogltche Hofhalt am nächsten Samstag oder Montag nach Mainz verlegt werden und dort 8 — 14 Lage verbleiben. Das Fest der Wiederherstellung der Oppenheimer St. Katharinenkirche wird demnach der Großherzog von Mainz aus besuchen.
Berlin, 22 Mai. Die Parade der Berliner und Spandauer Garnison ist aus das Glänzendste verlaufen. Der Kaiser kommandirte die Parade selbst. Er ritt dem einige Minuten später eintreffenben Könige Humbert entgegen und geleitete denselben dann die Front der Truppen entlang und führte letztere daraus zweimal in Parade an dem König vorüber. Der Kaiser trug die große Generalsuniform mit dem Bande des Annunciatenordens, der König Humbert die preußische Husarenuniform mit dem Bande des schwarzen Adlers. Die Kaiserin ritt an der Rechten Humberts; die Erbprinzessin von Meiningen folgte mit einem glänzenden Gefolge zu Pferde, der
deutsche Kronprinz, der Prinz EitelFritz und Minister Crispi zu Wagen. Die Musikcorps der Regimenter spielten, als der König die Front der in zwei Treffen ausgestellten Truppen abritt, den italienischen Königsmarsch. Die Parade schloß gegen 11 Uhr. Der König begab sich von Dem Paradefeld mit dem Kronprinzm nach Der Liewa'schen Waffenfabrtk. Der Kaiser kehrte an der Spitze der Fahnencompagnie in die Stadt zurück. Die Majestäten wurden auf der Hinfahrt und Herfahrt von den Volksmassen unablässig mit stürmischen Zurufen, Tücher- und Hüteschwenken begrüßt. (F. Z.)
Berlin, 21. Mai. Hier eingetroffene auch an Dr. Hammacher gelangte Depeschen aus Rheinland-Westfalen melden, Daß der Strtke vom neuem ausbricht, weil einzelne Zechenverwaltungen die Essener Abmachungen nicht einhalten und die Führer der Strikenden entlassen wollen.
— Die Abends eingetroffene Depesche der Bergleute Schröder, Bunte, Siegel an den Abg. Baumbach besagt, Daß morgen der Strtke wieder beginnen werde, weil die Grubenbesitzer ihr Wort nicht hielten. Dr. Hammacher reist morgen in daS Strikegebiet, um eventuell durch eine öffentliche Erklärung auf die Grubenbesitzer ein- zuwirken, wahrscheinlich reisen auch die Abgg. Schmidt-Elberfeld und Baumbach hin.


