Nachdem der Jubilar feinen Platz eingenommen, wurden vier Verse deS von ihm selbst gewünschten Liedes „Wer nur den lieben Gott läßt walten" gesungen. Herr Direktor VtgeliuS hielt alsdann an den Jubilar eine herzliche Anspiache, worin er hauptsächlich auf das lange und' segensreiche Wirken desselbm in feiner Schule hinwies, und wie es ihm gelungen fei, feine Söhne zu tüchtigen Männern heranzubilden, welche es zu hohen Stellungen gebracht hätten.
Herr Lehrer Schmidt sprach hierauf im Namen des Lehrer-Collegiums und feierte den Jubilar als einen humanen, treuen, offenen und stets hilfebereiten Collegen, der auch ein Herz für die Thiere habe und auch feit einiger Zeit Präsident des Thier- schutz-Vereins fei. Im Namm des Lehrer-Collegiums überreichte Herr Schmidt dem Jubilar einen Regulator mit dem Wunsche, daß derselbe ihm noch viele frohe Stunden verkünden möge! Mit einem dreifachen Hoch auf den Jubilar schloß Herr Schmidt seine Ansprache. Classe Ha, IVa und IIIb überreichten Blumensträuße, Classe Id die Kaiserbüfte Wilhelms IL nebst einem Blumenstrauß und Classe II b die Büste des Kaisers Wilhelm I. nebst einem Blumensträuße — alle mit entsprechender Ansprache.
Herr Beigeordneter G n a u t h sprach im Namen der Stadt Gießen dem Jubilar für sein langes, segensreiches Wirken in dieser Stadt seinen Dank aus, wünschte demselben einen langen frohen Lebensabend und überreichte ihm einen silbernen Pokal. Herr Direktor Vigelius gratulierte Herrn Curschmann im Namen der Staatsregierung und überreichte ihm im Auftrag derselben das von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog verliehene Ritterkreuz II. Klasse Philipps des Grotzmüthigen. Herr Lehrer Anbei überreichte Herrn Curschmann die Gratulation des Vorstandes der Luvwig- unb Alicen-Stiftung.
Mit bewegten herzlichen Worten dankte Herr Curschmann jedem Einzelnen der Anwesenden, sowie jeder Schülerin.
Damit war die schöne und würdige Feier in der Schule beendet. Allen Theil- nehmern wird dieselbe unvergeßlich bleiben.
Im Laufe des Vormittags brachte Herr Polizeirath Fresenius dem Jubilar im Namen der Mitglieder des Vorstandes des Thierschutz-Vereins die herzlichsten Glück- wünsche dar und überreichte Herrn Curschmann die Urkunde der Stiftung seines Namens, welche sich auf 1294 JL. beläuft. Die Zinsen werden alljährlich im Sinne des Jubilars zu Weihnachten für arme, bedürftige Kinder verwendet. Auch die Lehrer der Stadtschulen gratulierten Herrn Curschmann durch eine Vertretung und überreichten demselben eine geschmackvolle Adresse. Noch viele Andere gratulierten Herrn Curschmann zu feinem 50jährigen Jubiläum im Laufe des Tages in der herzlichsten Weise. Ein gemeinsamer Ausflug des Lehrer-Collegiums der höheren Mädchenschule nach Wetzlar bildete den Schluß des Festtages.
Möge es Herrn Curschmann vergönnt sein, im Kreise seiner Lieben und im Verkehr mit seinen Collegen und Freunden in ungetrübter Gesundheit und in voller Rüstigkeit noch viele Jahre zu verleben! A.
Gießen, 23. Mai. Die am Mittwoch im Einhorn ftattgefunbene Feier des Geburtstages Richard Wagner's durch den hiesigen Wagner-Verein ist in würdigster und schönster Weise verlausen. Ohne uns kritisch auf Die einzelnen Leistungen einlassen zu wollen, conftatiren wir doch gern, daß die fast ausschließlich aus Dilettanten bestehende Vereinigung ihre Lebensfähigkeit und Lebensberechtigung klar und deutlich erwiesen hat. Aus der Zusammensetzung des Programms haben wir mit Genug- thuung bemerkt, wie der Verein neben der Propaganda für die Schöpfungen ihres Meisters und der Bayreuther Idee auch die Pflege guter Musik im Allgemeinen sich zur Aufgabe gestellt hat. Einem solchen Streben dürste die Unterstützung des guten Publikums nie fehlen.
Zlaiverstttts - tzhrouik.
Leipzig, 21. Mai. Der Erbgroßherzog Ernst Ludwig von Hessen ist gestern als Student der Rechte und Kameralwissenschaften an hiesiger Universität im matrtfulirt worden.
Friedberg, 21. Mai. Der heutige Tag brachte uns einige schwere Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen. Das Wasier hat vielfachen Schaden gethan in den Gärten und der Promenade um die Stadt. In den niedrigen Theilen der Stadt, so in der Burgoorstadt, liefen die Höfe und dte Keller voll Wasser, auf den Feldern wurden die Kartoffeln herausgeschwemmt und die sehr kräftig stehende Frucht vollständig gelegt. Der Blitz hat mehrfach in Steinhaufen und Bäume eingeschlagen.
Berlin, 21. Mai. 3000 Maurergesellen haben gestern beschlossen, nachdem die Unterhandlungen mit den Meistern resullatlos geblieben sind, heute die Arbeit ins- gefammt so lange einzustellen, bis ihre Forderungen bewilligt werden. Letztere sind: Herabsetzung der Arbeitszeit auf 9 Stunden, Vi Stunde Pause zum Frühstück, eine Stunde zum Mittagessen, eine zur VeSper, ferner des Samstags und an den Vorabenden der Feste eine Stunde früher Feierabend, die voll zu zahlen ist (!), endlich Erhöhung des Arbeitslohnes von 50 auf 60 Pfg. pro Stunde und vierzehntägige Kündigungsfrist.
Westerland auf Sylt, ttn Mai. Die Kinderhellstätte im Nordseebade Westerland Sylt, deren Verwaltung in der Person des zum Schriftführer gewählten Herr» Pastor Carstens in Westerland eine treffliche Ergänzung gefunden hat, wird in diesem Jahre am 15. Juni unter der bisherigen bewährten Leitung von Schwestern der evangelisch - lutherischen Diakonissen - Anstalt in Flensburg wieder eröffnet werden. Während im Uebrigen die Aufnahmebedingungen gegen das Vorjahr unverändert geblieben sind, ist die Verwaltung diesmal in der besonders erfreulichen Lage, neben den drei halben auch noch zwei ganze Freistellen in jedem Kurturnus vergeben zu können. Die Mittel für diese ganzen Freistellen hat der stellvertretende Vorsitzende, Herr Pastor Gleiß in Westerland, gesammelt, an welchen Bewerber um diese Stellen sich zu wenden haben. Alle sonstigen Aufnahmegesuche, auch diejenigen für halbe Freistellen, sind an den Vorsitzenden der Verwaltung, Herrn Seebade-Director Pollacsek in Westerland, oder zu Händen der leitenben Schwester, zu richten. — Außer der Kinder- beilftätte bestehen in Westerland jetzt auch zwei wohleingerichtete Pensionate unter Leitung gebildeter und sachkundiger Damen, um erwachsene, jedoch ohne Begleitung von Angehörigen zum Kurgebrauch nach Sylt kommende junge Damen unter Schutz zu nehmen und ihnen ein freundliches Asyl zu gewähren.
— Das vierte deutsche Preiskegelfest wird in Magdeburg vom 20. bis 24. Juli abgehalten. Am Montag den 22. Juli, Morgens 9 Uhr, beginnt die Generalversammlung im Concerthause (kleiner ©aal). Von Morgens 8 Uhr bis Abends 7 Uhr findet Preis-, Wett- und Concurrenzkegeln auf den in der neu errichteten Kegel- Halle und im Garten neu erbauten 18 Asphalt- und Bohlenbahnen statt. Am Dienstag den 23. Juli wird von Morgens 8 Uhr bis Abends 6 Uhr das Preis- und Wettkegeln fortgesetzt. Nach Zusammenstellung der Listen erfolgt die feierliche Abdankung des alten und Ausrufung deS neuen Kegelkonigs und die Preisvertheilung durch den Vorsitzenden des Centralvorstandes.
— Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahl- industtieller belief sich die Roheisenproduction des Deutschen Reichs (einschließlich Luxemburgs) im Monat April 1889 auf 372 742 Tonnen, darunter Puddelroheisen und Spiegeleisen 170 059 Tonnen, Bessemerroheisen 36 701 Tonnen. Thomasroheisen 120 670 Tonnen und Gießereiroheisen 45 312 Tonnen. Die Production im Aprll 1888 betrug 349 880 Tonnen. Vom 1. Januar bis 30. April 1889 wurden probucirt 1455 265 Tonnen gegen 1395 455 Tonnen im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Handel und Verkehr.
Limburg. 22 Mai. rFruchtmarkt). Rother Weizen JL 16.05, weißer Weizen JL 15 85, Korn utL 11.65, Gerste JL 8.50, Hafer JC 7.05, Erbsen X 00.00, Kartoffeln JL 0.00.
Frankfurt, 22. Mai. Erbsen ganze pr. Pfd. 12—18 H, do.geschälte 14-184. Linsen 18—28 H, weiße Bohnen 16—18 H, Kartoffeln 100 Ko. ut 0,00—0,00, do- per Gescheid 10- 12 4. Butter per Pfd- JL 1,25—1,40, Eier das Stück 5-6 4, Blumenkohl per Stück 50—80 4, Wirsing per Stück — 4, Zwiebeln per Md. 7-9 4, Weißkraut per Stück — 4, Gelberüben per Portion 15—20 4.
Wärmegrade der Lahn und der Luft
gemessen nach Reaumur am 23. Mai zwilchen 11 und 12 Uhr Mittags: Wasser 16 Grad, Luft 20Vi Grad.
L. Chr. Rübsamen, Turn- und Schwimmlehrer.
EMsdit«- btt israelitische« KeligmsgMschgft.
Freitag Abend 715 Uhr, Samstag Vormittag 8oo Uhr, Samstag Nachmittag 330 Uhr, Samstag Abend 840 Uhr.
Dienstag den 28. Mai, Nachmittags 2 Uhr,
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