Serbien zurückkehren kann, ist mit bezeichnend für die Wendung der Dinge in diesem Lande. Von officiöser Sette in Belgrad aus werden freilich die Gerüchte über einen demonstrativen Empfang des Exmetropoliten als übertrieben bezeichnet, auch solle seine Rückkehr gar keine politische Bedeutung haben; aber es wird sich bald zeigen, welch' kräftige Stütze die Russenpartet in Serbien in Michael erhalten hat. — Die serbische Regentschaft sanctionirte den vom engern Verfassungsausschuß für die nächste außerordentliche Skupschttnaperiode ausgearbeiteten Wahlgesetzentwurf.
In Brrlgarterr scheint jetzt etne Epoche des Etsenbahnbaues angebrochen zu sein. In Burgas im südlichen Bulgarien fand Ende voriger Woche der erste Spatenstich zu der neuen Linie Yambolt-Burgas unter besonderen Feierlichkeiten und im Beisein der Minister, der Großwürdenttäger, des Kammerpräsidenten, mehrerer Depu- tirten, sowie einiger hohen Militärs statt.
Veuljchland.
Darmstadt, 11. Mai. (Ordensverleihungen.^ Seine Majestät der Kaiser haben Allergnädtgst geruht, den nachbenannlen Personen die Erlaubniß zur Anlegung der ihnen verliehenen Insignien zu ertheilen, und zwar: des Kaiserlich russischen St. Andreas-Ordens dem Secondelieutenant L la euite des 1. Großherzoglich hessischen Jnfanterie(Letbgarde)-Regiments Nr. 115, Erbgroßherzog von Hessen und bet Rhein, Königliche Hoheit, und des Kaiserlich russischen St. Stanislaus - Ordens dritter Klaffe: dem Secondelieutenant v. Frankenberg und Ludwigsdorff II. in demselben Regiment.
Berlin, 11. Mat. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht, daß am 8. Mat er. tn dem Gefechte bei Bagamoyo von dem Kreuzer „Schwalbe" der Unterlteutenant zur See, Schelle aus Danzig, von der Kreuzerfregatte „Leipzig" der Matrose Foell aus Nürnberg gefallen und vom Kreuzer „Schwalbe" der Matrose Klebba aus Großendorf im Kreise Neustadt in Westpreußen verwundet feien.
— Das nunmehr festgestellte Programm für die den 16. October ds. Js. in Washington zusammentretende Marine-Conferenz enthält ausschließlich Vorschläge zur Sicherung von Leben und Eigenthum zur See.
™ .H- Mai. Der Prtnzregent empfing heute den neuernannten
Nuntius Agltardt tn Antritts - Audienz, welche etwa zehn Minuten währte. Der Minffter des Königlichen Hauses und des Aeußeren, Frhr. v.ZEratlsheim, wohnte derselben bei.
Hamburg, 11. Mai. Sämmtliche hiesige Brauer striken. (F. I.)
Hrrgkand.
London, 11. Mai. In dem heutigen, dem Siege des Hauptmanns Wtßmann über Buschtri gewidmeten Leitartikel der „Times" heißt es: Es ist unerläßlich, daß Las Ansehen Deutschlands in dem der deutsch-ostafrtkanischen Gesellschaft zugewiesenen Distrikte hergeftellt wird. Obgleich wir auf den schließlichen Ausgang mit einiger Be- sorgntß blicken, können wir doch unsere deutschen Bundesgenossen zu Wtßmann's Erfolge nur beglückwünschen.
IranLreich.
Lyon, 11. Mai. In Thizh a. d. Rhone haben gestern 10,000 Weber die Arbeit eingestellt. Ruhestörungen sind bis jetzt nicht oorgekommen.
Deutscher Reichstag.
65. Plenarsitzung. Samstag, den 11. Mai 1889, 11 Uhr.
Die zweite Berathung der Alters- und Jnvaliden-Versicherung wird fortgesetzt und zwar bei dem letzten Abschnitt der Vorlage „Schluß-, Straf- und Ueber- gangsbeftimmungm.
Abg. Singer (Soc.) zieht bei der genügend klargelegten Abneigung des Hauses gegen die freien Hülfskassen die auf Gleichstellung derselben mit den Zwangskassen gerichteten Anträge seiner Partei zurück.
Abg. Rickert (dfr.): Die Abneigung der Mehrheit des Hauses gegen die freien Hülfskassen beweise, welcher Art die Vollendung der socialen Gesetzgebung sei und von Welchen Gesichtspunkten der Arbeiter dabei betrachtet werde.
Geh. Rath Bosse: Die Zulassung der freien Hülfskassen war nicht thunlich, Da man sonst den Kassen hätte Verpflichtungen auflegen müssen, die sie nicht erfüllen können.
Die 88 128 und 129 werden unverändert angenommen.
8 130 behandelt die zuständigm Landesbehörden.
Hiezu liegt ein Antrag Hahn (cons.) vor, welcher bezweckt, die Amtsvorsteher vor einer Geschäftsbelastung sicher zu stellen.
Geh. Rath Bosse findet die Form des Antrages bedenklich. Man möge die Vorlage ruhig beibehalten; dieselbe gebe den Behörden die Möglichkeit, die Amts- vorfteher von dm Geschäften der Alters- und Jnvaliden-Versicherung völlig frei zu halten.
Abg. Schrader (dfr.) erklärt sich für den Antrag, den der bayrische Bundes- beoollmächtigte Landmann bekämpft, worauf der Antrag abgelehnt wird.
S 130 wird unverändert genehmigt.
Zu dm $8 130 und 131 werden einige wesentliche redactionelle Aenderunaen ! angenommen. i
8 133 enthält die Bestimmungen über die bei älteren Zwangskassen vorzu- vehmenden Amderungm, damit diese Kosten dm Anforderungm der Vorlage entsprechen.
Abg. Frhr. v. Stumm (Rp.) beantragt, diesen Paragraph zu streichen.
Abg. Schrader (dfr.) bekämpft den Antrag Stumm, der jedoch angenommen, also der Paragraph der Vorlage gestrichen wird.
Die 88 134 bis 138, letzterer mit einer redactionellm Aenderung, welche Abg. Struckmann (natl.) beantragte, werden ohne wesentliche Debatte angenommen.
8 139 setzte Geldstrafe bis zu 1000 JL ober Gefängniß bis zu drei Monaten für denjenigen fest, der als Arbeitgeber oder dessen Beauftragter den Arbeiter an der Ausübung ehrenamtlicher Pflichten hindert. Die Commission hat diesen Paragraph gestrichen.
Abg. Singer (Soc.) beantragt Wiederherstellung des Paragraphen.
Abg. Buhl (natl.) widerspricht diesem Anträge, doch wird derselbe angenommen. „ Die 88 140 bis 146 werden mit einigen redactionellm Amderungm angenommen. 8 147 ermäßigt die Wartezeit für Personen, die über 40 Jahre alt sind.
Ein Antrag Gebhard (natl.) verlangt eine Ausdehnung dieser Ermäßigung auf weitere Arbeiterklassen.
Geh. Rath Bosse hält diesen Antrag, dessen Tragweite nicht zu übersehen sei, für besonders bedenklich. Der Antrag wird abgelehnt und 8 147 angenommen.
8 147c enthält Bestimmungen über die Rentenbemessung.
Abg. Dr. Buhl (natl) beantragt itne neue Fassung des Paragraphen, welcher bHrifftUen ^schluffe zu $ 18 u. ff. über die Rentenberechnung und Nmtmbeiträge
Der Abg. Singer (Soc.) beantragt, den Paragraph ganz zu streichen. Es nmb nach kurzer Debatte der Paragraph tn der vom Abg. Buhl beantragten Fassung angenommen. u
Zu 8 150, welcher das Inkrafttreten des Gesetzes betrifft, äußert Abg. vr. Miquel (natl.) Bedenken darüber, daß dem Bundesrathe die Inkraftsetzung überlassen worden sei, er behält sich vor, für die dritte Lesung einen festen Termin in das Gesetz aufzunehmen.
Staatssecretär v. Bo etlicher hält für mißlich, einen festen Termin in das Gesetz aufzunehmen, verkennt aber nicht, daß mancherlei Gründe für solchen Termin j sprechen. Jedenfalls fei kein Termin vor dem 1. Januar 1891 zu empfehlen.
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. Korrespondenz-Bureau
cinfletro®™*1"' 3)16 Mfctin ift beute 6 Uhr 15 Min. von Kiel hier
B^ttn, 12. Mai. Der Reichskanzler empfing gestern Nachmittag den Akaem-d- neten v. Bennigsen und conferirte mit ihm über eine Stunde. — Der Minister des urtb' xsl.gestern früh aus dem westfälifchen Ausstandsgebiet zurückgekehrt Am Nachmittag conferirte er längere Zeit mit dem Reichskanzler. duruageregn. 1ni/ 1?- Mai. Der König und die Königin von Sachsen find gestern Abend 10 /« Uhr mit Gefolge hier etngetroffen und im Hotel „Zu den vier Thürmen" ab- cS? A^nhofewaren der Badekommisfar, Kammerherr von Rathenow, der Landrath Johannes und der Bürgermeister Spangenberg zum Empfange anwesend ««."■ssa sshä” *>- “■«•««»■ «ftä ÄÄ-SSfÄKa au^rnrft JeinJöoU könne bezeugen, daß er seine Versprechungen immer und zu jede? Zeit gehalten habe. Er wisse, daß sein Volk in den Tagen der Freude wie des Kum- mers stets tteu zu ihm gestanden sei, wie auch er sich stets bemüht habe das Vater- ^^ucklich zu machen. Mit innigem Dankgefühl gegen Gott, durch dessen Gnade ba? ?,teJ?anb *wV^jn Oranten und den Niederlanden wieder hergestellt sei blicke er b ^Vergangenheit zuruck und erflehe an dem heutigen Ehrentage den alefchm ©egen Gottes für das Wohl und die Zukunft seines Hauses und seines Volkes. Die Erinnerung an die Verglmgenheit sei die beste Gewähr, daß auch in Zukunft Oranten und die Niederlande durch die Gnade Gottes tn Eintracht stark und frei seien.
Haag, 12. Mai. In der vergangenen Nacht ist es Sozialisten aelunaen in ^en ßro^en Thurm einzudringen und die auf demselben befindliche Fahne von Oranien durch eine rothe Fahne mit sozialistischer Inschrift zu ersetzen, waslrstinvorgerückter Morgenstunde entdeckt wurde. Die rothe Fahne wurde sofort entfernt und die orantsche wieder aufgezogen. Eine gerichtliche Untersuchung ist etngeleitet. $
12. Mai. Das „Journal officiell" veröffentlicht einen Erlaß, durch T^ch/n ^J^fubr unt> fcer Transit von lebendem Vieh, insbesondere von Rindern
"* b"‘ «-
Rom, 12. Mai. Einer der beiden Vulkane auf der Insel Livari ift ausae- Brocken; auch der Vulkan auf der Insel Stromboli droht auszubrechen. 9 "
, . dEterSbnrg, 12. Mai. Ein von der „Allgem. Reichs-Corr." in Berlin ver-
breiteteS Petersburger Telegramm, nach welchem der Reichsrath dem früheren 93erfebr§^ Lässigkeit bei der Geschäftsführung einen scharfen Verweis^er- c Ä^bhrt der Begründung. Es ist in dieser Angelegenheit noch gar kein Beschluß gefaßt und falls es zu einem solchen Beschluß kommt, so unterliegt der- langenUrann.n0(6 ®anclion 6c§ Kaisers, ehe er überhaupt ,ur Ausführung ge-
äRictelt (dfr.): Was Hilst alles Warten mit d-m Inkrafttreten des i ^°Ktzes, wenn man uns hier nicht Zeit läßt zu Einer gründlichen Ue^erlEguna 6
"^nlichEm StnnE äußert sich der Abg. Windtharst (Ctr ) 8 ®’
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angenommen welche^ttnE^aus den Ma^kenvErkauf^d>?rch?i'e Pi-s^be^üattch'/BEstt (6tr-) 2BÜt“emberS Cnt65U °u' ®'nn?UbErÄf‘frSSUf“
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Damit ist die zweite Berathung beendet.
gesEtz, Ä®Äm°nta81Ui,r- CammissionsbErichte, Elsaß.LothringEN, Sprachen- Schluß 5 Uhr.
§er Strikt im rheinisch-westfälischen KohlendeM.
. e Düfseldorf, 11. Mai. Um Mitternacht wurde die hiesige Garnison alarmirt -Öataiaone be3 39. Infanterieregiments sowie die hier noch verbliebene Schwadron Husaren mit Sonderzügen in den westfälischen Kohlenbezirk befördert — nieben *6ranntc bie OeIfabrif DDn Compes u. Co. in Lierenfeld gänzlich r Der Bergbauliche Verein hält eine Vorftandssitzung ab zur ™ Uber seine Stellung zur Lohnbewegung. Die Reaterunasvr5sidt»nt?n
und Oberprasident v. Hagemeister werden Mittags mi?bem^ herein ^De?banbdn ®er aUw cCr-> öffentlichen Kundgebung wird Nachmittags festgefteüt. Hier ist alles
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Generaldirector der Arnsbergischen Bergwerks-Actien-Gesellschaft den Förderungen der Bergleute gefügt hatte, vollständig erfunden. — Die gestrige Versammlung der Gruben- h drei Dortmunder Reviere beschloß einstimmig, den Bochumer Beschluß' « Unß; ^Cr " Sorderungen, so lange die Bergleute im Kontraktbruch oer- aS\l!c 0ncn; "7 $n Dortmund sind für den morgigen Sonntag alle öffent- ichen Lustbarketten untersagt. - Der Minister des Innern, von Öerrsurlb ist schon gestern Abend nach Berlin abgereist und haben ebenso der OberprSstdEnt verkästem " RegiErungspräsident v. LiEb-rmann h-ute Morg-n Dvr?mund B 11. Mat. Der „Rhein.-Wests. ZEitung" zufolge waren heute hier die
Dielelben LTrfS”1'beä £)6£rbergamtä6ejittcä Dortmund versammelt. Dieselben beschlossen in Gegenwart des Oberpräsidenten und Regterungsprästdenten seüll»e«8N^^ "a?0 ?ie ?e,t?Icutc' mDrln c§, nachdem diese8den auk ihr unge- ArbettErv^bültnttk- Interesse der zukünftigen Entwickelung der
ArbettErverhaltmsse innErhalb bs§ BEzirks und zur Aufrechterhaltung der festen Grund- 9?rTif,rn bttselben beruhen, müssen und könnten wir tn dem uns jetzt von den ^,N"!sen°tbigten Kampfe lebiglich bie Machtverhältnisse ent- schetven laffen, wir erwägen jedoch die ungewöhnlich ernsten Folgen, welche die lagere Fortdauer der Arbeitseinstellung nicht nur für unsere Bezirke sondern ba? ieto ? ^reife r beS Vaterlandes hat und erklären deßhalb r'ückbaltlos:
chrm^ Arbelt rn d.-s ^",8. U?lCreS B-jirks bereit unb ernstlich entschlossen ist, E^tft nn!!!? n- wenn sie die Arbeit wieder ausgenommen, erhöhte Löhne zu bewilligen, m un^ widersinnig, wie teder Bergmann weiß, eine allgemeine Lobn- finnlU Öeine er p^centualer Höhe für die Bergarbeiter vorzunehmen und deshalb
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