Ausgabe 
14.5.1889
 
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Bochum, 11. Mai. Gestern fand in Dortmund eine Berathung des Ministers Les Innern mit den Behörden statt; der Minister ist darauf nach Berlin abgereist. Hier herrsche viel militärischer Verkehr. Das Hauptquartier ist im HK'el Neubauer. Da fast jede Zeche Truppen wünschte, was eine Verzettelung der Streitkräfte zur Folge gehabt hätte, werden jetzt stärkere Abtheilungen und Patrouillen nach den Zechen, namentlich zum Schichtwechsel versandt. Wie lange der Ausstand sich hinziehen wird, läßt sich noch gar nicht bestimmen.

Bochum, 11. Mat. Diese Nacht um 3 Uhr fuhr das hier liegende Bataillon des 57. Infanterie-Regiments sowie.dle Schwadron Husaren nach Steele. Dagegen trafen drei Bataillone des 39. Infanterie-Regiments und zwei Schwadronen Husaren von Düsseldorf hier ein, die sämmtttch unter dem Befehl des Obersten der Husaren v. Michaelis stehen.

Witten, 11. Mat. Sämmtltche Zechen des hiesigen Bezirks liegen still. So­eben treffen mehrere Compagnteen Infanterie ein.

Dortmund, 10. Mat. lieber die Vorkommnisse auf Zeche Schleswig schreibt die Dortmunder Zeitung u. a.: Die Frühschicht der Zeche war gestern Morgen noch angefahren, die Mtttagsschicht weigerte sich jedoch anzufahren. Die Vorgänge vollzogen sich zunächst in voller Ruhe und Ordnung. Gegen Abend sammelten sich jedoch größere Menschenmengen auf dem Zechenplatze an, welche gegen 9 Uhr bis zur Ladebrücke vordrangen. Auf die Frage des Betriebsführers, was die Leute wünschten und ob sie zur Aufnahme der Arbeit bereit seien, wurden seitens der Arbeiter die bekannten Forderungen gestellt, die der Betriebsführer nicht bewilligen zu können erklärte. Die Beamten, welche zunächst das Bestreben hatten, die Maschinen zu schützen, wurden schließlich von der Menge angegriffen und mißhandelt. Schwer verletzt wurde ein Steiger; er trug einen Bruch des rechten Vorderarms, 6 Kopfwunden von 2 bis 5 cm : Länge, eine Stichwunde in der rechten Seite und eine große Anzahl kleinerer Ver­letzungen, die von Schlägen herrührten, davon. Ein anderer Steiger wurde leicht ver­letzt. Nach einiger Zeit zog sich bann die Menge zurück, doch ging Niemand nach Hause. Gegen 31/» Uhr traf mittelst Sonderzuges Militär (13er) von Hörde ein, welches sofort die Menge jup Räumung der Zechenanlagen aufforderte. Die Leute zogen sich auch zurück, nahmen aber, in zwei Haufen getheilt, in der Nähe der Enser'- schen Wirthschaft und auf dem Bahndamm Aufstellung. Schon vorher war das Mili­tär verhöhnt undSondhasen" titulirt worden. Der Osficter, welcher die Truppe befehligte, Lieutenant Pape, hatte den gemessenen Befehl, keine Zusammenrottungen zu dulden. Die Leute wurden deßhalb wiederholt aufgefordert, nach Hause zu gehen. Niemand leistete Folge; die Ansammlung wurde vielmehr, da es inzwischen Tag ge­worden war, immer größer, viele Frauen und Kinder befanden sich unter dem Haufen. Der Osficter forderte abermals zum Auseinandergehen auf, er ließ seine Aufforderung durch Trommelwirbel unterstützen 9ltemanb ging, die Leute sahen den Ernst der Lage nicht ein. Da gaben die Soldaten auf erfolgten Befehl eine Salve ab. Die Wirkung war eine furchtbare; zwei Bergleute und eine Frau stürzten sofort zu Tode getroffen zur Erde. Sechs Personen wurden schwer verletzt, darunter ein vierjähriges Kind, welches einen Schuß durch eine Hand bekommen hatte. Die Zahl der Leicht­verletzten ließ sich noch nicht feststellen, da die Leute sich nach ihren Wohnungen be­geben hatten. Der zweite Haufe Menschen, welcher in der Nähe der Bahn Posto ge­faßt hatte, begab sich auch nach Abgabe der Salven noch nicht hinweg, bis es endlich dem Director Hahne gelang, die Menge durch den Hinweis:Da unten liegen sechs Leichen!" zum Weggehen zu bewegen. Die Leichen wurden auf der Zeche untergebracht, drei der Schwerverletzten in das Krankenhaus nach Hörde befördert. Die Truppen hatten im Laufe des Morgens Verstärkungen erhalten. Die Zugänge zur Zeche sind abgesperrt. Heute Mittag trafen bereits der Landrath, der Erste Staatsanwalt und der Untersuchungsrichter auf der Zeche zur Feststellung des Tatbestandes ein. Die­jenigen, welche die Beamten mißhandelt haben, sind bekannt.

Berlin, 11. Mai. Aus Westfalen hört man, daß in mehreren der ftrifenben Zechen viel ausländisches Geld, insbesondere englisches, belgisches und französisches angelegt ist. Gerade bei den Zechen, wo dies der Fall ist, sollen die Löhne wre die Behandlung der Arbeiter die schlechtesten fein.

Lokale-.

* Gießen, 13. Mai. In der am Samstag den 11. Mai Nachmittags statt- gfhabten nichtöffentlichen Sitzung der Stadtverordneten wurde der seitherige Beigeordnete, Provinzial- unb Kreis-Ingenieur Feodor Gnauth einstimmig zum Bürgermeister der Provinzial-Hauplstadt Gießen gewählt. Den hiesigen Abonnenten desAnzeigers" konnten wir diese Nachricht noch am Samstag Nachmittag per Extrablatt mittheilen

* Gießen, 13. Mai. Laut Bekanntmachnng des Großh. Ersten Staatsanwalts am Landgericht der Provinz Oberhessen beginnen die Sitzungen des Schwurgerichts für das 2. Quartal d. I. am Montag den 17. Juni. Zum Vorsitzenden wurde Herr Landgertchtsrath Schaefer ernannt.

Vermischtes.

, Darmstadt, 11. Mai. (Mtlitärdienftnachrtchten.) Wernher, Oberst und Flugeladjut. Seiner Königl. Hohett des Großherzogs von Hessen und bei Rhein, mit den Funktionen des Gen.-Adjut. Sr. Königl. Hoheit des Grotzherzogs beauftragt. ober v. Diersburg, Hauptmann und Batterie-Chef vom Großh. Hess. Feld- Art.-Regt. Mr. 25 (Großh. Art.-Eorps), zum Flügeladjut. Sr. Kgl. Hoheit des Groß­herzogs von Hessen und bei Rhein ernannt. Frhr. o. Senarclens-Grancy Hauptm. und Flügeladjut. Sr. Kgl. Hoheit des Grsßherzogs von Hessen und bei Rheim zum Maior befördert. Westerwcller v. Anthoni, Gen.-Lteut. und Gen.-Adjut. Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs von Hessen und bei Rhein, in Genehmigung seines Abschiedsgssuches, mit Pension zur Disposition gestellt.

r .. T li-Ä- WittelrhetnifcheS Musikfest.) Der Festchor zum

mittelrheinischen Mufikfeft, welches in diesem Sommer hier gefeiert werden wird, wird aus 942 Stimmen bestehen, also nur um eine geringe Ziffer hinter dem Chorbestand des letzten Musikfestes zurückbleiben. Im Einzelnen vertheilen sich die Stimmen wie folgt: Liedertafel und Damengesangveretn Main; 164, Liederkranz Mainz 55, Männer­gesangverein Mainz 107, Schüler des Gymnasiums und der Realschule Mainz 78, Musikserein Darmstadt 76, Nützlicher Deietn Frankfurt 156, Akademischer Gesang­verein Gießen 122, Sängerverein Offenbach 83, Musikgesellschaft und Liedertafel Worms 101. Das Festprogramm bringt am ersten Tage (7. Juli) Haydn'sJahres- zerten" und am zweiten Tage als Hauptnummer den 100. Psalm (Jubilate) von Händel und B-ethooen's 9. Lymphonte, außerdem eine Fest-Oaoerture von Lux und die Vorträge der Solisten. Als Solisten sind gewonnen: Fräulein Elisabeth Leisinger, Hofopernsängerin in Berlin, Frau Kammerfängerin Rosa Papter-Paumgartner, Hof­opernsängerin in Wien, Herr Kammersänger Lorenz R.ese, Hvf Opernsänger in Dresden, und Herr Kammersänger Franz Krolop, Hofopernsänger in Berlin. Das vorläufige Festbudget beziffert sich aus die ansehnliche Summe von 30,000 JL

Mainz, 12. Mar. Verflossene Woche hat sich hier ein Jagdverein con- stiturrt. Der selbe bezweckt hauptsächlich die Bekämpfung der Wilddieberei und der Wildhehlerei. Der Verein beabnchtigt zunächst Bekanntmachungen zu erlassen, in denen öffentlich vor Wildfrevel und besonders vor dem An- und Verkauf von gefreveltem Wrldpret unter Hinweis auf die vom Gesetz angedrohten schweren Strafen gewarnt wird. Fermer soll in geeigneter Weise das Publikum darauf aufmerksam gemacht werden, daß das in Schlingen gefangene Wild tu den meisten Fällen nur mit Gefahr für die Gesundheit genossen werden kann.

Der Stadl Mainz fft durch den gestern in Wiesbaden erfolgten Tod eines von hier gebürtigten Rentners eine große Stiftung für ihre Wohlthätigkeitsanftalten zugefallen. Außer einem Vermächtnis) von annähernd 500,000 JC erhält die Stadt eine sehr werthoolle GemäldegaUerie alter Me.fter, an welcher der Verstorbene mit großem Verftändniß über ein halbes Jahrhunde>t gesammelt hat.

Dem Dirigenten oesMainzer Liederkranz", Capellmeister Rupp wurde anläßlich seines heute gefeierten 25jährigen Jubiläums als Leiter des genannten Vereins vo.n dem Großherzog die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen.

Aus Rheinhessen, 12. Mai. Eine aus dem Oberbürgermeister Or. Ohly und mehreren Stadtverordneten von Darmstadt bestehende Deputation weilte gestern in Oppenbeim, um mit dem sich dort gebildeten Comtt4 bezüglich des Nebmbahn- projectes Darmstadt-Kornsand-Alzey gemeinschaftliche Schritte zu vereinbaren.

S6diffSua<hri<pten.

Bremen, 8. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Elbe, Capttän R. Sander, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 27. April von Bremen und am 28. April von Southampton abgegangen war, ist gestern 1 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen.

Bremen, 10. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Aller, Capt. H. Christoffers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 1. Mai von Bremen und am 2. Mai von Southampton abgegangen war, ist heute 11 Uhr Vormittags wohlbehalten in Newyork angekommen.

Bremen, 10. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Hermann, Capt. Schmölder, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 24. April von Bremen abgegangen war, ist gestern 8 Uhr Morgens wohlbehalten in Baltimore angekommen.

Bremen, 10. Mai. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Eider, Capitän H. Baur, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 30. April von Bremen und am 1. Mai von Southampton abgegangen war, ist getern 10 Uhr Abends wohlbehalten in Newyork angekommen.

Wärmegrade der Lahn und der Luft gemessen nach Reaumur am 13. Mai zwischen 11 und 12 Uhr Mittags: Wasser 14*/« Grad, Luft 17Va Grad.

L. Chr. Rübs am en, Turn- und Schwimmlehrer.

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Dienstag den 11. Ium, Nachmittags 2 Uhr, sollen auf dem hiesigen 'Ortsgericht die den Georg Dietrich Dörner Ehe- Leuten in Gießen gehörigen Immobilien: Flur I Nr. 33 - 106 Meter Hofraum in der Mühlgasse,

Flur I Nr. 33 b 25 Meter Grabgarten daselbst,

Flur I Nr. 43 - 62 Meter Hofraithe in der Neustadt,

Flur 33 Nr 153 1475 Meter Acker am Natzrrmgsberg auf den Stein­bacherweg!

öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 29. April 1889.

Großh. Ortsgericht Gießen-

Dienstag, den 14L Mai, Nachmittag- 2 Uhr sollen Wodestraße, gegenüber der Kleinkinder schule, wegzug-- halber nachstehend verzeichnete hochfeine Möbel, namentlich:

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Dien-tag den 21< ds. MtS.,

Vormittags 10 Uhr, sollen in der Wirthschaft der Hein­rich Döpfer Wittwe zu Röthges nachstehende zur Einfriedigung des Kirchhofs nöthigen Arbeiten in Akkord gegeben werden:

veranschlagt zu: 1) Maurerarbeiten . . at. 180,00

2) Mauersteinanfuhr . 50,00

3) Steinhauerarbeiten . 450,00

4) Schlosserarbeiten . . 150,00

Hungen, am 12. Mai 1889.

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> Oessenlliche Zustellung.

Der Gastwirth Heinrich Philipp Zipp zu Gießen klagt gegen den un­bekannt wo abwesenden Kaufmann Heinrich Kehm von Gießen aus Darlehen mit dem Anträge auf 93er» urtheilung des Beklagten durch vor­läufig vollstreckbares Urthell zur Zah­lung von HO Mark und ladet den Beklagten zur mündlichen Verhandlung des Rechtsstreits vor das Großherzogl. Amtsgericht zu Gießen

den 13» Juni 1889, Vormittags 9 Uhr.

Zum Zwecke der öffentlichen Zu­stellung wird dieser Auszug der Klage bekannt gemacht.

Gießen, am 27. April 1889.

Strauch, Hilfs-Gerichtsschreiber des Großherzog­lichen Amtsgerichts. [3604

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