rich Wilhelm III. sei die Frage noch immer nicht zur Lösung [ gekommen. Deutschland stehe mit seinem Militärstrasproceß hinter allen Völkern, selbst hinter Rußland zurück.
Abg. Gröber (Ctr.) erklärt sich dem Anträge gegenüber zustimmend.
Abg. Fieser (nl.) ist mit dem ersten Theile des Antrags einverstanden, bittet dagegen, den zweiten Theil des Antrags abzulehnen.
Per Antrag wird hierauf, soweit er die wesentlichen Formen deö ordentlichen StrasprocesseS für die Militär proceßordnung verlangt, mit großer Mehrheit angenommen, dagegen in seinem weiteren Theile, wonach die Militärgerichte im Frieden nur für Dienstvergehen der Militärpersonen zuständig sein sollen, abgelehnt.
ES solgt die Berathung des Antrages Rickert-Hermes (dsr.): infolge vielfacher Verstöße der Behörden gegen die gesetzlichen Bestimmungen bei der Wahlagitation ans die Innehaltung dieser Bestimmungen durch die bezügl. Behörden hin zuwirken. Der Abg. Rickert begründete seinen Antrag durch den Hinweis ans die zahlreichen Verstöße gegen die gesetzlichen Bestimmungen, wie.sie jedesmal bei der Wahlagitation von den Beamten verübt worden- so lange wir kein Beamten verantwortlichkeitsgcsetz haben, enthalte der Antrag daSMinimnm dessen, was man auf diesem Gebiet verlangen muß. Besonders traurig sei die Mißwirthschast in Baden.
Abg. Singer (Soe.) ist der Meinung, daß dem gegen wärtigcn System gegenüber der Antrag nutzlos sei. Nachdem der Grvßhcrzog von Baden und der Kaiser ihre Ansicht ausgesprochen haben, daß daö Cartell die Politik treibe, welche sie wünschen, wäre eö Verblendung, anzunchmen, daß inan die Beamten rectificiren werde, welche gegen Agitatoren ein schreiten, die gegen diese Politik austraten. Redner schildert namentlich daö ungesetzliche Verfahren des Amtsverwalters von Reetzen in Mecklenburg, sowie der sächsischen Behörden. Die Cartellmehrheit könne ja nur aus Grund früher unerhörter Wahlbeeinflussung in den Reichstag gelangen. Redner wird für den Antrag stimmen, verspricht sich aber keinen Er । folg von demselben.
Der Präsident ruft nachträglich den Redner zur Ordnung, weil dieser in seiner Rede einen deutschen Bundes- sürstcn alü Wahlagitator bezeichnet habe, wodurch die Ehrfurcht verletzt werde, welche das Haus den Bundesfürsten entgegenbringe.
Abg. Müller Marienwerder (Rp.) bestreitet die Com pctcnz deö Halises, in dieser Angelegenheit Beschlüsse zu fassen. Daö vorgebrachte thatsächliche Material sei uncon trvllirbar. Verstöße gegen daö Gesetz, ohne daß Remedur stattgefunden habe, seien nicht vorgekommen und der Antrag deshalb unbegründet.
Badischer Bundesbevollmächtigtcr Frhr. v. Marschall rechtfertigt die Maßnahmen der badischen Regierung damit, daß in Baden eine sehr rührige socialdemokratische Partei bestehe und an ihrer Spitze ein Redactenr- cs werde dort namentlich die Einschmuggelung des „Socialdemokrat" betrieben. Der Redacteur trat als Redner in der aufgelösten Versammlung aus und zwar in so aushetzender Rede, daß die Versammlung aufgelöst werden mußte.
Von dem Abg. Müller-Marienburg ist ein Antrag eingcgaligcn, über den Antrag Rickert Hermes in Erwägung, daß die vorgebrachten Beschuldigungen nicht erwiesen sind und soweit sie erwiesen sind, Remedur erfahren haben, zur Tageö- Ordnung überzugeheu.
Abg. Fieser (natl.) polemisirt mit dem Abg. Rickert
und vertheidigt diesem gegenüber die Zllstände in Baden.
Er empfiehlt den Antrag Müller zur Annahme.
Abg. Träger (dsr.) tritt für den Antrag Rickert- Hermes ein, der Niemanden verletze, weil der Reichstag sich darin nur seines guten Rechtes bediene. So lange die Wahlmache als ein Theil der Negierungskunst betrachtet werde, sei der Kamps gegen ein solches Austreten der Beamten nöthig.
Ein Antrag ans Schluß der Debatte wird genügend unterstützt, nachdem mehrere Vertagungsanträge abgelehnt waren.
Abg. Schmidt Elberfeld (dsr.) bezweifelt die Beschluß fähigkeit deö Hanseö.
Der Namensaufruf ergibt die Anwesenheit von 138 Mitgliedern, daö Haus ist also nicht beschlußfähig.
Nächste Sitzung Dienstag 1 Uhr. — Tagesordnung:
Zweite Etatberathung.
Schluß 6 Uhr.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Danzig, 11. November. Heute Nachmittag strandete bei Neusäh der schwedische Schooncr „Marie", mit einer Cokeöladung von Lübeck kommend; die 5 Mann starke Besatzung wurde durch Fischer gerettet.
München, 11. November. Der „Allg. Ztg." zufolge würde die Negierung die Erklärung der Centrnmöpartei bezüglich deö VersassungSeideS vorläufig nicht beantworten und gegen Vorbehalt bei der Vereidigung eines neuen Abgeordneten ein Beto einlegen. Dagegen sei cö schwierig, gegen die schon eingeschworenen Abgeordneten vorzugehen. Eine willkürliche Behandlung deö Staatsbudgets würde die CentrumSsraotion dem Unwillen deö Volkes auSsetzen, wie bereits die letzten Landtagswahlen bewiesen haben.
Bern, 11. November. In den gestrigen Genfer Staatsrathswählen unterlagen die Radikalen- ihr Führer Gavard wurde nicht wiedergewählt. 5 Conservative und 2 Radikale wurden gewählt.
Pest, 11. November. Der K a i s e r reist Dienütag Abend nach Wien und begibt sich nach kurzem Aufenthalte daselbst nach Innsbruck, wo er am 14. November mit dem deutschen Kaiser zusammentrifft. Am 15. November kehrt der Kaiser Franz Joseph nach Gödöllö zurück.
London, 11. November. Nach einer der englischen Regierung zugcgangenen Nachricht auö Zanzibar wäre keine
Hoffnung, daß die Mcldkingen Uber die Niedermachung der Pctcrö'schen Expedition sich als unrichtig erweisen könnten; der Tod Peters' sei zweifellos.
Nom, 11. November. Die Ankunft deö Kaisers in Monza wird für Dienstag Abend erwartet. Am Mittwoch findet die Jagd im Park von Monza statt. Die Abreise des Kaisers nach Verona, wo er die Kaiserin trifft, ist auf Mittwoch Abend festgesetzt.
Nom, 11. November. Der heutigen vom Papste celcbrirten Messe wohnten alle anwesenden Pilger und zahlreiche Fremde bei. Der Papst segnete jeden einzelnen Pilger.
— Ein Decret beruft das Parlament aus den 26. d. M. ein.
— Nach hier eingetrosfenen Nachrichten wurde Ras Mangasein von einem General Meneliks angegriffen und besiegt - die Truppen Meneliks rückten in Adua ein, während sich RaS Alula zurückzog.
— Der deutsche Botschafter Graf Solms ist in I Venedig eingetroffen.
Nom, 11. November. Gestern im Lause des Nachmittags legten 40 Anarchisten aus dem Friedhose an der Aschenurne ihres Genossen Vite Kränze nieder. Wegen einer I umstürzlerischen Rede entfernte die Polizei das rothe Band des Kranzes mit den Vite verherrlichenden Inschriften. Da die Demonstranten Widerstand leisteten, sanden nach der gesetzlichen Aufforderung zum AuSeinandergehen siebzehn Verhaftungen statt.
Nom, 11. November. An den Wahlen nahmen hier insgesammt 16,889 Wähler theil. In den Provinzialrath wurden die Candidaten der gemeinsamen Liste des liberalen CentraleomitüS und der liberalen monarchischen Vereinigung gewählt. Betreffs der nicht gemeinsamen Candidaten haben die von der Liste des liberalen Centralcomites einen starken Vorsprung. Die Wahlen in den Hauptstädten sind vollständig ruhig verlausen.
'Bari, 11. November. Daö deutsche Geschwader passirte heute Nachmittag den Leuchtthurm von Monte Saracent. ______
Locales nnö provinzielles.
Gießen, 12. November.
Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag den 14. November 1889, Nachmittags 4 Uhr:
1. Die Wahl eines Beigeordneten für die Stadt Gießen, hier Einführung und Verpflichtung desselben. 2. Mittheilungen. 3. Gesuch des Johannes Seibel und Johannes Häuser nm Erlaubniß zum Bauen in der Franksnrtcrstraße. 4. Gesuch des Hermann Heinrich Stolting um Ertheilung der Concession zum Wirthschastsbetrieb. 5. Deögl. des Christian Lony und Christian Heß. 6. Deögl. des Georg Todt IV. 7. Desgl. des Johannes Seibel. 8. Die Errichtung eines Denkmals der Völkerschlacht bei Leipzig. 9. Legat des Herz Schulhof zu Gunsten der Stadtarmen. 10. Kostendccreturen. 11. Anschaffung von Turngcräthen für die Realschule. 12. Gesuch um Ueberlassung eines Schulsaales für die Hebungen des isracl. Gesangvereins. 13. Herstellung des äußeren Verputzes am Schulhause auf der Westanlage. 14. Gesuch des Metzgermeisters Gg. Möhl nm Erlaubnis; zum Bauen in der Neustadt. 15. Desgl. der Garnisonverwaltung zur Erbauung eines Exercierhanscs. 16. Deögl. des Heinrich Schön zur Erbauung eines Gartenhauses. 17. Beschaffung von Straßenschildern. 18. Herstellungsarbeiten an der Brücke in der Bismarckstraße. 19. Ausbau der Schillerstraßc. 20. Unterhaltung der Anlagen vor dem Universitätsgebüude. 21. Die Anlagen vor dem Friedhof. 22. Erweiterung der Erb- begräbnißplätzc aus dem Friedhose. 23. Trichinenschau.
* Heute Morgeu 10 Uhr leisteten die am 6. November beim hiesigen Negimente eingetretenen Rekruten den Fahneneid. Die feierliche Abnahme desselben geschah in der Stadtkirche, wohin unter klingendem Spiele die drei Fahnen des Regiments gebracht wurden.
* Wie verlautet, soll ans der Eisenbahnlinie Koblenz- Gießen der Morgens gegen 10 Uhr in Limburg endigende Personenzug biü Gieße« durchgeführt und außerdem in jeder Richtung ein Schnellzug eingelegt werden.
— Stationsgehilfe Mainzer aus Gießen wurde zum Stationsassistenten bei den Obcrhess. Eisenbahnen ernannt.
— Wir erhielten nachstehende Zuschrift:
EH Gießen, 12. November. Nach langen Verhandlungen im Kirchbaucomits und Kirchenvorstand ist endlich gestern in der Sitzung der Gemeindevertretung die Platzsrage für die zweite evangelische Kirche entschieden. Da bis jetzt die Stadt der Gemeinde keinen Bauplatz zum Geschenk gemacht hat — wie daö wohl anderwärts vorkommt —, so । wurde der Kirchenvorstand ermächtigt, das Terrain zwischen Selterswcg und Südanlage, das zunächst als Bauplatz für eine Schule in Aussicht genommen war, der Stadt zum Preise von etwa 15,000 Mk. abznkausen, um dort eine Kirche zu erbauen- zur Projectbearbcitung wurden 4000 Mk. im Voranschlag für 1890/91 bewilligt - auch erklärte die Versammlung sich damit einverstanden, daß daö zum Bau der Kirche nöthige Capital durch ein Anlehen ausgebracht werde.
f Eine grobe Fahrlässigkeit, welche sich am 7. August d. I. ein Metzgerbursche von hier zu Schulden kommen ließ, hatte heute Morgen vor dem Schöffengericht ein Nachspiel. Der Angeklagte jagte nämlich an genanntem Tage, an welchem I Jahrmarkt und lebhafter Wagen und Personenverkehr in der Neustadt 'war, mit seinem Fuhrwerk durch diese Straße, so daß der ihm entgegeukommende Sattlerlehrling Karl Römer von Heuchelheim nicht im Stande war, ausznweichen, und so von dem Pferde zu Boden geworfen und von einem Hinterrad überfahren wurde. Die Verletzung, welche Römer davongetragen, bestand in einem Bruch deö linken Oberschenkels und hatte zur Folge, daß der Bedauernswerthe mehrere Wochen in der Klinik zubringen mußte. Der Angeklagte ’ wurde zwar wegen fahrlässiger Körperverletzung freigesprochen,
dagegen wegen unvorschriftSmäßigen Fahrens in eine Geldstrafe von 30 Mk. genommen.
* Die hiesige Spar« und Leihkasie hatte am Ende des Jahres 1887 6491 Einleger mit einem Einlagen-Bctrag von 3387915.40Mk.,einen baaren Kassenbestand von 86541.35 Mk., verzinslich ansgeliehene Capitalien von 3512 351.54 Mk., einen Reservefond von 333417.42 Mk. Bei den 47 Sparkassen des Großherzogthums Hessen waren im gleichen Jahre angelegt 106245 725.06 Mk. von 170912 Einlegern. Gegen Anfang des Jahres hatten sich die Einlagen um 4 599 467.08 Mk. die Einleger um 3196 vermehrt. Aus einen Einleger kommt im Durchschnitt eine Einlage von 110.44 Mk., auf 1000 Einwohner 177.66 Einleger. Am meisten gespart wird in der Provinz Starkenburg, denn dort kommen aus 1000 Personen 219,62 Einleger, in Oberhessen 153,13, in Rheinhessen 141,87, wogegen der Betrag der aus den einzelnen Einwohner entfallenden Einlagen am niedrigsten in Oberhessen (72.90 Mk.) ist.
Großen Buseck, 11. November. Gestern wurde dahier die seltene Feier eines 50jährigen Dienstjubiläums begangen. Herr Bezirksbauausseher Hahn von Gießen war der Jubilar - hierbei wurde diesem ein von elf Gemeinden seines Bezirksgemachtes Geschenk als Anerkennung seiner langen, treugeleisteten Dienste überreicht. Die Feier verlief in recht schöner und angenehmer Weise und wurden in den dabei gehaltenen Reden und Ansprachen manche ehrende Worte in ernsten und humoristischen Vorträgen dem Jubilar gewidmet. Möge es dem Jubilar noch recht lange vergönnt sein, sich mit der ihm eigenen Rüstigkeit über das ihm gewordene Geschenk zu freuen - in diesem Satze gipfelten die Wünsche Aller, die dieser Feier beiwohnten.
Lich, 10. November. Gestern Abend wurde einer in der Schiedergasse wohnenden armen Taglöhncrin, die seit letzterer Zeit auch noch leidend ist, ein Theil ihrer geringen Ersparnisse — ca. 80 Mk. — entwendet. Des Diebstahls verdächtig ist die Ehefrau eines hiesigen Arbeiters, eine Zimmernachbarin der Bestohlenen, welche der Letzteren verschiedene Dienstleistungen verrichtete und sich längere Zeit allein in deren Wohnung ausgehalten hatte.
Muschenheim, 11. November. Vor einigen Tagen fand zwischen dem Müller S. I. und der Arbeiterfrau R. eine Rauferei statt, in deren Verlauf Letztere dem Ersteren einen Schlag mit einer Hacke versetzte, infolge dessen S. kamps- unsähig wurde und den Platz räumen mußte.
Altenstadt, 10. November. Billige Betriebs- und .'Arbeitskräfte sind die Seele der Industrie und Land- wirthschaft. Von dieser Ansicht ausgehend hat Herr Wester- nacher zu Lindheim eine neue Windmühle aus Norddeutschland kommen lassen, welche gegenwärtig aufgestellt wird und zur Förderung von Wasser dienen soll. Wahrscheinlich ist diese Windmühle eine der ersten in der ganzen Provinz. Einsender weiß sich wenigstens keiner zweiten zu erinnern. In Norddeutschland, wo' die Wasserkräfte seltener und daö Gefälle der Bäche und Flüsse oft nur ein geringes ist, hat man die Windmühlen sehr häufig. Bei Windstille leisten sie natürlich nichts. „Der Windmüller mahlt wenn der Wind geht", heißt es in jenem Gedichte- aber billig ist diese Betriebskraft jedenfalls und es ist gut, daß durch ein practisches Beispiel daraus hingewiesen wird. B. A.
* In der Provinz Oberhesien starben im 2. Vierteljahr 1889 1159 Personen, ausschließlich der Todtgeborenen - es befanden sich darunter 136 Kinder im 1., 231 Kinder im 2. bis 15. Lebensjahre und 792 Erwachsene. Die Todesursache mar 1 Mal Masern, 20 Mal Scharlach, 3 Mal Rose, 47 Mal Diphtheritis, 8 Mal Croup, 5 Mal Keuchhusten, 3 Mal Typhus, 4 Mal Kindbettfieber, 5 Mal Kind bettkrankheiten, 198 Mal Lungenschwindsucht, 97 Mal acute entzündliche Krankheiten der Athmungsorgane, 35 Mal Schlag- flnß, 5 Mal acuter Gelenkrheumatismus, 24 Mal Darm- eatarrh und Brechdurchfalls in 534 Fällen führten andere bekannte Krankheiten, in 127 Fällen unbekannte Krankheiten den Tod herbei. 22 Personen endeten infolge Verunglückung, 20 durch Selbstmord und eine durch tödtliche Körperverletzung. Die günstigsten Mortalitätsverhältnisse und zwar in allen Alterskategorien, besonders aber bei den Erwachsenen und den Kindern deö ersten Lebensjahres, bot die Provinz Ober- Hessen mit außerordentlich geringer Zahl von Sterbefällen durch epidemische Krankheiten, namentlich der sonst auch in dieser Jahreszeit noch heftigen Diphtherie und ferner der sehr geringen Sterblichkeit durch acute entzündliche Krankheiten der Athmungsorgane, bei welchen kaum die Hälfte der sonst auf das zweite Jahresquartal entfallenden Zahl von Sterbefällen verzeichnet wurde- in den Monaten April nnd Juni hatte deren Zahl sogar nur ein Drittel des Durchschnittes erreicht. Darmcatarrh und Brechdurchfall waren wie immer viel seltener als in den beiden anderen Provinzen Todesursache.
vermischtes.
Marburg, 9. November. Eine unliebsame Ucberraschung wurde dieser Tage einem hiesigen Ehemanns zu Theil. Derselbe lustwandelte in traulicher Dämmerstunde mit seiner i früheren Geliebten den Pilgrimstein entlang. Plötzlich trat ihm seine Gattin entgegen und da bekanntlich an ein Ausweichen auf dieser, schon für ihren Hauptzweck zu engen Straße nicht zu denken, so war ein Zusammenstoß unvermeidlich. Muthig fielen sich die beiden Frauen in die Haare, während der Gegenstand ihrer Liebe dies ruhig nut ansah nnd erst als die Sache zu arg wurde, sich bewogen fühlte, die Streitenden zu trennen. Ein Nachspiel in der Wohnung des Mannes soll den Schluß deö kleinen Romans gebildet haben.
Wiesbaden, 10. November. Das „Amtsblatt veröffentlicht die mit Zustimmung deö Bezirks - Ausschusses für den ganzen Umfang des Regierungsbezirks Wiesbaden zwecks Vermeidung ungebührlicher Thierquälereien beim Schlachten 1 nach jüdischer Methode (Schächten) erlassene Polizeiverordnung.


