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Nr. 265

Mittwoch den 13. November

1889

Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gieren.

j Gratisbeilage: Hießener Jamilienölätter.

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erfolgen.

8 Giessen.

Die Anhänger des Mahdi haben bei einem neuerlichen

Fenilleton

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^Nachdruck verbeten ]

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.

der Vorstand der Feinmechamk-Berufsgenossenschaft zu Berlin den Herrn Fabrikanten Louis Wetzell in Nieder - Erlenbach zum Vertrauensmann für das Großherzogthum Hessen und den Herrn Fabrikanten Adam Opel zu Rüffelsheim zu dessen Stellvertreter, der Vorstand der Müllerei - Berufsgenoffenschaft, Section XI, zu Frankfurt a. M. den Herrn Heinrich Zimmer II., Neumühle bei Grünberg, zum Ver­trauensmann für den Kreis Gießen und den Herrn Daniel Christ zu Lollar zu dessen Stellvertreter, der Vorstand der Bekleidungsindubrie-Berufsgenoffen- fchaft den Herrn Georg Leib zu Gießen zum Vertrauensmann für die Provinz Oberheffen und den Herrn Robert Wegener zu Blitzenrod zu dessen Stellvertreter,

in Abyfsinien gemachten Einfall durch den neuen Negus von Abyssinien, Menelik, eine blutige Niederlage erlitten. Dafür bedrohen nun die Mahdistcn Egypten mit einem abermaligen Angriff, denn es heißt, der bekannte Osman Digma sammele in Dongola ein Heer, um mit demselben einen Vorstoß gegen Obercgypten zu unternehmen.

ernannt haben.

Zugleich machen wir Sie darauf aufmerksam, daß nach § 54 des Unfallversicherungsgesetzes dem Vertrauensmann, dezw. dessen Stellvertreter, von der Einleitung einer jeden Untersuchung über einen eingetretenen Unfall Kenntniß zu geben und daß derselbe einzuladen ist, der Untersuchung beizuwohnen, v. G a g e r n.

Vierteljähriger Avonnementsprels: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

Schutstraße Mr.7.

Fernsprecher 51.

Bankgesetz wird der von einem Theile der conservativen Mit­glieder gestellte Antrag auf Verstaatlichung der Reichsbank vermuthlich zu bewegten Erörterungen führen.

Die schlesischen Socialdemokratcn hielten am Sonntag in Breslau einen Parteitag in Hinblick auf die herannahenden Reichstagswahlen ab. Es wurde von der Versammlung be­schlossen, zum ersten Wahlgange in allen Wahlkreisen Schlesiens, in denen überhaupt Aussichten zur Erlangung socialdemo­kratischer Stimmen bestehen, eigene Candidateu aufzustellen. Bei den Sttchwahlen sollen sich die socialdemokratischen Wähler nur da betheiligen, wo Candidaten ihrer eigenen Partei in Frage kommen. Weiter soll jeder Compromiß mit andern Parteien ausgeschlossen sein und speciell der freisinnigen Partei wurde ein förmlicher Absagebrief ertheilt. Ob sich die social- demokratischen Wähler in der Praxis indessen allenthalben an die Breslauer Beschlüsse binden werden, möchte freilich stark zu bezweifeln sein.

Die Ungewißheit über das Schicksal des Dr. Peters hält noch immer an. Wenigstens bezweifeln die in den letzten Tagen in Berlin eingegangenen privaten Nachrichten aus Zanzibar stark die Zuverlässigkeit der Unglückskunde von der angeblichen Ermordung Dr. Peters und seiner Begleiter. Man wird aber nunmehr bald authentischen ausklärenden Meldungen hierüber entgegensetzen dürfen.

Bei denKrönungsdebatten" im böhmischen Rumpfland- tage haben die Jungczechen ihrem Hasse gegen das deutsche Reich wieder einmal voll die Zügel schließen lassen. Der jungczechische Redner Vaschati, der überhaupt ein ganz be­sonderer Deutschensresser ist, hielt eine donnernde Philippika gegen das deutsch-österreichische Bündniß und cntblödete er sich nicht, Deutschland als den Erzfeind (!) Oesterreichs zu bezeichnen. Auch erging er sich in düsteren Prophezeihungen über das Schicksal, welches die österreichischen Truppen treffen würde, wenn sie je einmal in die russischen Tiefebenen cin- marschiren sollten. Und solche politischen Hansnarren gehörten bislang mit zu demeisernen Ringe" der Parlamentsmehrheit, auf welchen der Ministerpräsident Gras Taaffe seinSystem" zu stützen sucht!

Der russische Thronfolger hat seine Abreise von Athen wiederum verschoben und soll dieselbe nun am 17. November

Worte wird eine Saire angeschlagen, die im Gemüthe des Lesers unwillkürlich weiterklingen muß. In diesem Finale zeigt sich Schwabs Talent, mit wenigen StrichenStimmung" zu machen. Wir setzen es unverkürzt hierher:

Vom Germanen Erk sagt das Denkmal nichts. Wie noch viele seiner Stammesgenossen, die ihr Leben für fremdes Gut und Wohl hingegeben haben, blieb auch er unerwähnt. Aber dennoch wurde uns Kunde von ihm. Die junge Eiche, die sein edles Herzblut getrunken, hat sie wohl bewahrt. Und sie erzählte es den Sprößlingen, die unter ihrem Schutze aufkeimten, und diese wieder dem nachsproßenden Geschlechte - nun singt und sagt es der ganze Wald. Wollt ihr's selbst einmal dort vernehmen? Geht nur hinaus, besonders ihr, die ihr nichts mehr wißt von Schmach und Elend unter fremder Gewaltherrschaft! Geht nur hinaus und hört, wie das rauscht und mahnt von deutschem Opfermuth und Heldentod frei­lich müßt ihr die Sprache der Bäume verstehen."

_ Ein Dichter, der schon seit einer Reihe von Jahren Hessen, namentlich in der Dramendichtung, auf dem Lireratur- markt vertritt, ist Emil Pirazzi, geboren zu Offenbach 1832.

Das Talent Pirazzis muß ein vielseitiges genannt wer­den, wenn man in Erwägung zieht, daß, außer der großen Zahl von Dramen, die er geschaffen, seine Feder sich auch in Reiseschilderungen, politischen Aussätzen, kulturgeschichtlichen Studien rc. versucht hat.

Die TragödieRienzi der Tribun" ist auch schon an der Darmstädter Bühne in Scene gegangen mit schönem Erfolge, und es wäre zu wünschen, daß das Stück auf's Neue dem Schauspielrepertoire einverleibt würde. Die hervorstechenden Züge in Nienzis Character, der durchaus nicht frei von tiefen Schatten ist, hat Pirazzi zum einheitlichen dramatischen Bilde zu sammeln vermocht. Ebenso ist es ihm gelungen, den Zwist in den Geschlechtern Noms durch theatralisch wirksame Scenen und Figuren bühnenfähig zu machen. Man hat sich vielfach daran gestoßen, daß im Pirazzi'schenRienzi" der Held die Berechtigung seiner Mission und das Vertrauen in seine Sache aus dem Glauben schöpft, er sei ein natürlicher Sohn Kaiser

88 50 93.60 7310 W

334-5° 191$ iS 37-60 196-00 78-10

Desfische Dichter der Gegenwart

Von Dr. Ella Mensch.

'khelbel, J6&-M ' l j. 8. Bach, Iß5-1750.

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politische Nebersieht.

Gießen, 12. November.

Von den Commissionen des Reichstages sind jetzt neben der schon in flotter Arbeit befindlichen Budgetcommission auch diejenigen für die Socialistenvorlage und für das Bankgesetz zusammeugctretcn. Die Verhandlungen des Budgetausschusses sind bis jetzt im Allgemeinen sachlich und glatt verlaufen, um so lebhafter dürften sich die Erörterungen über den Mi­litäretat gestalten, in welche die Commission zur Stunde ein­getreten sein dürfte. Auch im Ausschüsse für das Socialisten- gcsetz sind sehr lebhaste Debatten zu erwarten und werden sich dieselben in Anbetracht der schwierigen Natur des Gegen­standes und der cingebrachten Abänderungsanträge wohl wochenlang hinziehen. In der Commission für das neue

Gießen, den 9. November 1889.

Betreffend: Die Ernennung von Vertrauensmännern für Berussgenossenschasten.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an daS Großh. Polizeiamt Gießen und die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden deS Kreise-.

Wir benachrichtigen Sie, daß

Deutscher Reichstag.

12. Plenarsitzung. Montag den 11. November 1889, 1 Uhr.

Haus und Tribünen sind schwach besetzt.

Am Bundesrathstische Niemand.

Das Haus tritt in die Tagesordnung ein.

I. Antrag Rickert (dfr.) auf Abänderung der Militär­strafgerichtsordnung. Der Antrag bezweckt, die verabschiedeten Offiziere der Militärstrafgerichtsbarkeit zu entziehen und sie der Civilgerichtsbarkcir zu unterstellen. Zur Begründung des Antrages verweist der Antragsteller auf frühere Aus­führungen des Kriegsministers Bronsart v. Schellendorff, welcher den Antrag als nöthig anerkannt habe. Dieser An­trag war auch bereits in voriger Session vom Hause ge­nehmigt, gelangte aber, wegen der vorgerückten Session, nicht mehr zur Verabschiedung- dies sei der Anlaß der nochmaligen Einbringung des Antrages.

Abg. Gröber (Ctr.) stellt für die zweite Lesung einen Antrag in Aussicht, den er für formell nöthig hält mit Rück­sicht auf die Bestimmungen der bayerischen und württember- gischen Militärftrasproceßordnung.

Abg. Betel (nl.) äußert sich im Sinne des Abg. Gröber.

Abg. Singer (Soc.) spricht sich unter Bezugnahme auf einen speciellen Fall, in welchem ein Berliner Droschken­kutscher einem Major a. D. gegenüber wegen dessen Militär Eigenschaft nicht zu seinem Rechte kommen konnte, für den Antrag Rickert aus.

Die Vorlage wird hierauf mit einer vom Abg. Gröber (Ctr.) beantragten formellen Aenderung in erster und zweiter Lesung angenommen.

Es folgt die Berathung des Antrages Rickert (dfr.): Die verbündeten Negierungen zu ersuchen, mit thunlichster Beschleunigung eine Militärstrafproceßordnung vorzulegen, in welcher das Militärstrasverfahren mit den wesentlichsten Formen des bürgerlichen Strafverfahrens umgeben und die Zuständigkeit der Militärgerichte im Frieden auf Dienstver­gehen der Militärpersonen beschränkt wird.

Abg. Rickert (dfr.) begründet den Antrag. Trotz eines bereits vor 80 Jahren gegebenen Versprechens Fried-

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Der fcUUtner Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener AamitieuStälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigesegt.

Heinrichs, und daß er, sobald diesem Glauben aller Grund entzogen wird, den inneren Halt verliert und an seiner poli­tischen Aufgabe verzweifelt. 'Mir will es scheinen, als wenn diese Schwäche, die der historische Rienzi ja in der That be­sessen haben soll, der Dramendichter sehr wohl verwerthen durfte, weil sie vor allen anderen Zügen die phantastisch- schwärmerische Natur des Tribunen in ein helles Licht setzt. Eben weil Rienzi kein besonnener, praktischer Politiker, son­dern ein Ideologe war, taugt er zum tragischen Helden, er­scheint sein Fall innerlich und äußerlich begründet.

Ein Wink zurBall-Saison". Gegen Hühneraugen und Hornhaut kann man zwar in keiner Jahreszeit genug zu Felde ziehen, wer aber zu den Tänzern der vor der Thür stehendenBall-Saison" gehört, wird doppelt gern an dem Feldzug gegen diesen Plagegeist theilnehmen. Oft genügt ein sogenanntesHausmittel" als wirksame Waffe gegen diese Störenfriede des Pedales, wie z. B. die so störende harte Haut, die sich gern an der Sohle oder unter den Zehen, zum Schmerz des unglücklichen Besitzers, bildet, durch Reiben mit schlichtem Bimstein, an dem eine glatte Fläche geschliffen und welcher wiederholt in heißes Wasser getaucht wird, wirksam sich beseitigen lassen sott. Besonders aber sind die Hühner­augen die enfants terribles aller engen Stiefel und gehlustigen Fußgänger und ein allgemein gefürchtetes Allgemein-Gut der ganzen civilisirten Menschheit. Als sehr einfache und wohl­feile Hühneraugen-Kur, zur Beseitigung laut-ausgestoßener und heimlich-hinuntergeschluckter Schmerzenslaute und Kraft­worte, wird deshalb das folgende Mittel als empfehlenswerth und probat geschildert: zehn bis vierzehn Tage lang Abends vor dem Schlafengehen ein lauwarmes Fußbad, darauf eine Citronenscheibe auf den ominiösen Plagegeist gebunden, und jeden Morgen nach dem Aufstehen ebenfalls ein Fußbad, während der Kur." Nach AblaH dieser Procedur ist der Störenfried verschwunden und der^davon befreite Mensch wandert, wie neugeboren, leichtfüßig den stein- und dornen-- reichen, mühevollen Lebenspfad dahin!

Daß diese Verlängerung des Besuches des Czare- witsch am griechischen Hofe auf's Neue die Gerüchte von seiner bevorstehenden Verlobung mit der Prinzessin Helene von Griechenland hervorrufen wird, kann kaum bezweifelt werden, inwieweit dieselben eine Grundlage besitzen, läßt sich jedoch noch nicht beurtheilen.

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Ohne den Leser durch Häufung des culturhistorischen Materials zu verblüffen und den Stamm der Handlung vom gelehrten Rankenwerk überwuchern zu lassen, weiß Gottfried Schwab den Boden seiner Erzählung doch so gut anzulegen und zu bebauen, daß seine Gestalten nicht in der Luft schwe­ben, sondern feste, bestimmte Grundlage haben und mit ihrem Einzelgeschick zugleich das damalige Weltbild characterisiren. Die Erfindung und Combination in derTisiphone" ist ein­fach, der Ausdruck knapp und edel. Wir begegnen nirgends gesuchten Ausschmückungen oder frivolen Effecten. In dem ganzen Roman ist außerordentlich viel vornehme Haltung, Ernst gepaart mit Characterisirungsvermögen und sprudelnde Erfindungsgabe verbunden mit der Fähigkeit, Lesefrüchte, etwa ein klastisches Citat, eine römische Sitte, einen germanischen Brauch :c. an passender Stelle in den Gang der Handlung einzuflechten.

Die auf den ersten Blick als selbstverständlich erschei­nende Kunst, welche aber dennoch nur zu häufig vernachlässigt wird: Mit dem Anfang wirklich auch anzufangen und mit dem Ende auch aufzuhören handhabt Schwab mit großer Geschicklichkeit. Die erste Seite des Buchs führt uns sofort dem Kern des Ganzen nahe. Mag denn auch gleich im zwei­ten Capitel Schauplatz und Personen wechseln, wir wissen doch: im Einleitungscapitel ist der springende Punkt, zu dem alles Weitere in Beziehung steht, berührt worden.

Nur weniger Personen bedarf Schwab, um sein Roman­bild zusammenzusetzen, doch diese sind mit Sorgfalt und innerer Wahrheit durchgeführt. Obwohl in diesem Roman das tragische-Moment entschieden überwiegt, ist doch der Ein­druck der Lectüre ein wohlthuender und trotz des ernsten Aus­gangs ein befriedigender, ästhetisch befriedigender. Im Schluß-

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Ende 10 Uhr.

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