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Die stürmische Coursbewegung nach oben roiib hinter von Neuem durch die Verhältnisse des G.ldmarktes aufgehalten. Es vollzieht sich genau die Entwickelung, welche in den vorhergehenden Berichten angedeutet und unschwer vorauszusehen war. Jede erhöhte speculattve Thätigkeit kann nur dazu beitragen, den bereits bestehend n Geldbedarf zu vergrößern, und es hilft der Speculatton daher wenig, daß sie, wenn durch eine momentane Erleichterung des Marktes die drückendsten Sorgen von ihr genommen sind, alle Vorsicht bei Sette setzt und die Course um P.ocente steigert; die Geldoerhältnisse behaltcn dach ihren Einfluß und zwingen bi nen Kurzem eine Herabminderung der Engagements, die mit entsprechenden Coursermäßtgungen verknüpft ist. Der Montag zeigte noch feste Haltung, obgleich schwache Wiener Meldungen einigermaßen verstimmten. Geld war flüssig, in Berlin kaufte man ostentativ kurze Disconten mit 3% %, sicherlich nicht ohne die Absicht einer günstigen Beeinflussung des Marktes. Ueberhaupt scheint man in Berlin vielfach auf diese Weise den Markt zu unterstützen. Auch heute am Freitag wu.de von dort gemeldet, daß ein erstes Haus Geld bis zum Ultimo fix zu 4% ausleihe. Am Dienstag veranlaßte die Dtsconterhöhung in Wien Veikcrufsneigung, die am Mstiwoch durch Depeschen über größeren Goldausgang aus der Bank von England und die inzwischen etngetretene Erhöhung der Dtscontsätze an den deutschen Märkten noch verstärkt wurde.
Donnerstag und Freitag hat sich der Dtscont noch weiter versteift und unter diesem Druck ist das Geschäft noch stiller geworden. Daß mit den weichenden Coursen beunruhigende Gerüchte über Erhöhung der Börsensteuer in Umlauf kamen, kann nicht verwundern, das sind die Nachwehen der Aeußerungen des Staatssecre- ärs in seiner Rede vom 29. Oclober, die damals im Eifer des G schäftes übersehen wurden und nun im Interesse der Baissepartei ausgenützt werden. Der Privatdisconlsatz ist im offenen Markte bis auf 5% gestiegen, selbst die Privat- notenbanken nehmen unter diesem Satz jetzt Nichts mehr auf. Dabei ist tägliches Geld schwer zu haben, eine Erscheinung, die meines Erachtens nicht allein mit großen Rückzahlungen an die Reichsbank erklärt werden kann. Wie groß dec Rückfluß zur Bank sein wird, bleibt abzuwaiten. Der Ausweis der Frankfurter Bank, welcher einen Tag früher e» scheint und heute schon bekannt ist, läßt einen solchen nicht erkennen, sondern zeigt sogar eine wettere Anspannung. Nach dem letzten Retchsbankauswets war die steuerfreie Notenreserve bis auf wenige 14 Millionen zusammengeschmolzen. Bleibt der j.tzt erwartete Rückfluß aus, so geht die Bank mit dieser minimen Reserve dem December entgegen, und da, neben den AnfcAde- rungen dieses Monats die Steigerung des Piivatdiscontsatzes bis zur vollen Bank- rate, derselben eine große Anzahl derjenigen Wechsel zuführen wird, welche seither au der Börse begeben wurden, so ist wahrscheinlich, daß die Sleuergrenze sehr bald wt.der Übertritten wird, und in diesem Falle wäre eine weitere Dtsconterhöhung kaum mehr zu vcrmetden.
Trotz der offenbar großen Zurückhaltung, welche sich die Speculatton Angesichts dieser Verhältnisse auferlegen mußte, hat man doch verstanden, auf Neben- g-chletm Bewegungen hervorzurufen, die den Markt günstig beeinflußten und tiefere Verstimmung nicht auskommen ließen. Was hier geleistet wird, ist außerordentlich. El.ctricitätsactien wurden von Montag aut Dienstag ca. 18% hinauf geschnellt, La Veloce 5%, Zellstoff Waldhof und 1860er Loose gleichfalls um Procente. In Berlin kamen dann neben Kohlenactien Cennntwerke und Zinkacti-.n an die Reihe, so daß man über der Mannigfaltigkeit und der Intensität dieser Bewegungen die i matte Haltung des Bahnen- und Bankenmarktes leicht vergessen konnte, lieber 'Kohlenactien ist kaum noch etwas zu sagen. Es ist vollkommen unverständlich, wie ein Blatt wie der „B. B. C." nach allem, was über dieses Thema seit Monaten geschrieben worden ist, jetzt noch in einem langen Artikel, worin er angeblich aus der besten Quelle schöpft, ausführen kann, der Steigerung der Kohlenactien sei noch nicht genug gethan, denn der procentuelle Pretsaufschlag der Kohle sei größer als der dec Actien. Das Publikum ist gewarnt und hat vollauf Gelegenheit gehabt, sich ein eigenes Urtheil über die Bewegung zu bilden. Wenn es derartigen Artikeln jetzt noch Glauben schenkt, dann ist ihm nicht mehr zu helfen. Harpener sind wieder 20 % höher, allen Mahnungen und der außerordentlichen Schwierigkeit, diese Werthe zu repartiren, zum Trotz. Ein gewisser Heroismus läßt sich dieser Bewegung nicht absprechen. Der ganze Verlauf der Woche läßt aber erkennen, daß die Speculatton nicht gewillt ist, die Segel zu streichen und wahrscheinlich auch eine nochmalige Erhöhung der Bankrate willig ertragen würde, ohne von ihrer vorgefaßten Meinung abzugehen.
Sp.culative Bankactien sind mit alleiniger Ausnahme der Dresdener Bank, welche 2% gewonnen hat, durchgängig schwächer. Den Anlaß zu dieser Cours- steigerung gab die nahe bevorstehende Entscheidung über die Verschmelzung des Harpener Bergwerks mit dem Bergwerksverein Herne-Bochum, welch letzterer bekanntlich von der Darmstädter und Dresdener Bank erworben wurde.
Disconto-Eommandit- und Handelsgesellschaft-Antheile verloren je 2%, Cre btt, Wiener Unionbank und Bankverein je2fl, Darmstädter Bank 1,50%, Deutsche Bank 1,20%. Reichsbankantheile steigerte man am vergangenen Samstag bis auf 138, weil sich dec Bundesrath für einfache Verlängerung des Bankgesetzes ausgesprochen hatte. Heute am Freitag stehen dieselben wieder 2,60 % unter dieser Notiz. Deutsche Bahnen lagen schwach, da die mit so großer Bestimmtheit angekündigten Berstaatltchungsgerüchte auf sich warten lassen. Von österreichischen Bahnen lagen nur Staatsbahnen und Lombarden fesff erstere auf die Meldung, daß sich Baron Hirsch behufs blrechr Verhandlung wegen der Orientbahnen nach Paris begeben habe, letztere auf gitt.stige Dividendenschätzungen und die Nachricht, daß die Frage der Priorttätenconversionen im Schooße der Verwaltung wieder ernstlich in Erwägung gezogen würde. Schweizer Bahnen sind durchgängig schwächer, besonders Gotthard und Bem-Iura. Am besten haben sich Nordost-Bahn gehalten, welche anscheinend viel gegen Gotthardbahn getauscht werden. Bemerkenswerth ist bei dem allgemeinen Geldmangel die Festigkeit des Rentenmarktes. Zwar sind deutsche Fonds, besonders Z%o/oige Consols wieder erheblich niedriger, aber ausländische Renten haben sich sehr gut gehalten und zeigen nur vereinzelt Coursabschwäckungen,
z. B. Russen und 4 %tge Ungarn. Italiener scheinen officiös begünstigt werden zu sollen, der Beginn ist in der „N. Allg. Ztg." gemacht worden. Nehmen auch andere Blätter die Empfehlung auf, so ist eine Courssteigerung derselben sehr wahrscheinlich. Türken erfreuen sich besonderer Beliebtheit.
Das Hauptinteresse concentrlrte sich auf den Jndustrieactienmarkt. Allgemeine Electricitäts Acnen verzeichnen 30% Wochengewinn und erzielten diese hohe Steigerung lediglich auf das Erscheinen des Geschäftsberichtes, der die Betheiligung des Unternehmens an den Berliner Werken, sowie einer ganzen Reihe anderer Gesellschaften wieder in Erinnerung brachte.
Internationale Electricitätswerke profitirten 5.50%, La Veloce 6.50%, Zellstoff Waldhof 6%, Riebeck 3%, Wessel 4%. Gelsenkirchner sind etwas schwächer, ebenso Alpine Montan-Actien. Auch Brauereien sind meist niedriger, Brauerei zur Eiche ausgenommen, bte 12 % gewonnen haben. Werger'sche Brauerei verloren 10 %.
Course der Frankfurter Börse.
Cours vom 1% Hessische Obligation.
„ Bauern ....
„ Baden.....
3% Sächsische Rente. .
3V2% BremerStaatsanl.
„ Hamb.Staatsrente 4% Oestr. Goldrente .
„ GriechischeMonopol- Auleihe . . .
5% Rumänische Rente . 4%% Russische Anl.. .
l./XI. 104.80 106.05 104.40
94.90
101*90 94.10
78.90
96.85
101.75
Staatsanleihen.
8./XI. Cours vom
104.10
105.80
104.45
94.40
102.05
93.90
78.30
96.50
101.20
4%%Portug.-A.88u.89 5% amort. ©erb. Gold- Rente . . . .
5% SerbischeEisenbahn- Hyp.-Obl. L. A. .
4% Schweb. Oblig.l880r 1% Türken cono. .
5o/opriv. Egypter. . .
„ Argent. Gold-Anl. v. 1887 . . .
l./XI. 8./XI.
99.20 99.10
84.40 84.70
85.95 85.95
103.20 103.10
17.30 17.45
104.55 104.55
92.70 92.50
Eisenbahn-Prioritäten.
Diverse Obligationen.
5o/o Buderus-Obligat. . 1104.50 1104.70 I 4%% GrafHenkelv.Don- I I
__________________________I I I nersmark, rückz. L105 | —| ——
4% Pfälz. Ludwigsbahn (Bexbach) . . .
102.80
103.30
5% Südbahn Lombarden
4% do. do.
102.65
96.90
102.20
97.30
„ Hessische Ludwigsb. 68/69 garant. .
102.50
102.70
3o/o do. do.
4% Prag-Duxer Gold .
62.—
101.05
62.35
101.05
„ Elisabethb.fteuersrei Gold ....
101.70
101.25
„ Rudolf Gold (Salzk.) „ Franz-Josef Silber
101.05
83.70
101.15
83.80
50/0 Oestr. Staatsbahn.
4% do. do.
106.60
100.85
106.60
100.50
3% ftaatl. garant. Jral. Eisenbahn . .
58.10
58.20
3% do. do.
I.-VIII.Emiss..
83.40
83.40
3% Lioorneser . . .
4o/o Russ.Südw.-Eisenb.
64 — 90.60
64.05
90.75
3% do. Ergänzungsnetz
80.70
80.30
4% Wladikawkas garnt.
89.70
89.80
5% Nordwestbahn Gold
107.10
—.—
40/o gar. Sardin.Sec.ftfr.
88.10
88.20
Ludwigshafen-Bexbach. Hessische Ludwigsbahn. Pfälzische Nordbahn . Marienburger-Mlawka.
E 237.60 127.— 129.60 66.20
isenbah 238.— 126.25 129.35
65.25
n-Actien.
Lübeck-Büchner . . .
Mecklenburger . . .
Gotthardt.....
Jtal. Mittelmeer . .
199.60 164.—
179.— 117.45
197.25
164.—
176.80
117.—
Deutsche Reichsbank . Berlin. Handelsgesellsch. Deutsche Bank . . . DeutscheGenossenschstsb. v.Soergel,ParrisiusLCo.
136.50 196.—
174.—
139.90
Bank.
135.30
194.15
172.80
138.—
Aktien.
Dresdener Bank. . .
Mitteldeutsche Creditb. .
Wiener Bank-Verein . Württemb. Vereinsbank
168.90
116.80
101.37
127.20
170.50
115.80
995/8
126.90
Binding Brauerei . . Stern- do. (Oberrad) Bad. Anilin- u. Sodafabrik ....
31 170.50 134.30
276.—
ndnstrie
170.30
134.50
275.—
-Papiere.
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Farbwerke,vorm.Meister, Lucius & Brüning.
Riebeck'scheMontanwerke
277.—
259.60
190.—
279.95
260.20
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4% Franks. Hyp.-Pfdbr. v. 86 ab . . .
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