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Nr. 288.

Dientag den 10. December

1889.

Der Hietzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag-.

Tie Gießener Aamitieuvtälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeig er

General-Anzeiger.

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Amts- und Anzeigeblatt für den Nreis Gieren.

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Amtlicher Theil.

Bekanntmachung,

den Verein zur Unterstützung und Besserung der au4 den Strafanstalten Entlassenen betreffend.

Die Mitglieder des rubricirten Vereins werden hierdurch zu einer

Hauptversammlung

aus DienStag den 24L December 1889,

Mittags 12 Uhr, in das Regierungsgebäude dahier ergebenst eingeladen.

Gießen, den 7. December 1889.

Die BezirksvereinS'Commission des Vereins, v (Sägern

Gießen, den 7. December 1889.

Betreffend: Wie oben.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.

Der Zweck des rubricirten Vereins ist auf die moralische Besserung der aus dem Zuchthause, den Gefängnissen und dem Arbeitshause entlassenen Angehörigen des Großherzogthums ge* richtet; außerdem sucht derselbe drn aus den Strafanstalten Entlassenen die Möglichkeit eines rechtlichen Erwerbes zu ver­mitteln und dieselben hierdurch vor Rückfällen zu bewahren.

Da viele Gemeinden des Kreises dem Verein als Mitglied noch nicht beigetreten sind, so empfehlen wir Ihnen, dem Ge­meinderath unter Mittheilung der Zwecke des Vereins wegen Beitritts zu demselben Vorlage zu machen. Ein Jahresbeitrag von 2 genügt zur Aufnahme als Mitglied. Sollten Privat« Personen oder eine Gemeinde Mitglied des Vereins werden wollen, so sehen wir Ihrer Anzeige und Angabe entgegen, welchen jährlichen Beitrag die betr. Personen resp. Gemeinden an den Verein entrichten wollen.

v. Gagern.

Die Kaisertage in Darmstadt.

Darmstadt, 7. December. Seine Majestät der Kaiser kehrte heute Nachmittag gegen 3 Uhr mit Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog von dem Jagdausflug nach Groß- Gerau hierher zurück. Um 5 Uhr fand im Kaiscrsaale des Schlosses eine Galatasel von 114 Gedecken statt. Seine Majestät der Kaiser führte die Prinzessin Heinrich von Preußen zur Tasel uud nahm zwischen dieser und dem Großherzog Platz. Während der Tasel brachte der Großherzog das Hoch auf Seine Majestät den Kaiser aus, in welches die Ver­sammlung dreimal enthusiastisch einstimmte. Der Kaiser sprach seinen Dank für den ihm bereiteten schönen Empfang aus und gedachte seines früheren Aufenthalts in Darmstadt, da er in dem Großherzoglichen Hause wie ein Sohn aus­genommen worden sei. Seine Majestät erinnerte sodann an die Mitwirkung des Großherzogs und seiner Hessen im Kriege zum Erringen der deutschen Einheit und Größe und gab der Hoffnung Ausdruck, daß, wenn wieder einmal ein Kampf um die nationalen Güter nothwendig werden sollte, sich der hessische Stahl ebenso hart bewähren würde. Se. Majestät schloß mit einem Hoch auf das hessische Volk, seinen Herrscher und dessen Haus.

Darmstadt, 8. December. Die von der Gesammtheit der Rcsidenzbevölkerung des Hesseulandes dem Deutschen Kaiser gestern Abend gewidmete Ovation verlief in geradezu glänzender Weise. Hatte die prächtige Ausschmückung der Stadt auf den hohen Gast unseres Landesfürsten am Tage des Einzuges schon sichtlichen Eindruck gemacht, so wurde derselbe durch den Fackelzug, an dem etwa 56000 Per­sonen sich betheiligten, noch wesentlich erhöht. Alle Vereine, die Innungen, die höheren Lehranstalten, im Ganzen gegen 70 CorporationeuP betheiligten sich; den Vogel aber haben die Studirendcn der Technischen Hochschule abgeschossen, deren Corps und sonstige Verbindungen, die in dem von früheren Anlässen her bekannten studentischen Pomp mit Coller und Kanonen, vorauf die Präsidien, erschienen waren. Sehr vor- theilhast präsentirren sich auch die Metzger-Innung, der Gärtner-VereinFeronia" und zahlreiche andere Vereinig­ungen. Es herrschte nur eine Stimme des Lobes. Die im Schloßhof von etwa 450500 Sängern unter Leitung des Musidirectors Senfft dargebrachte Serenade, welche der Kaiser nach Schluß der Festvorstellung im Hoftheater mit der Großh. Familie an einem Fenster des sogen. Glockenhoses rm Residenzschlosse in Uniform des Garde-Husaren-Regiments entgegennahm, verlief ebenfalls entsprechend dem Programm. Der Leiter desselben, Herr Senfft, wurde zum Kaiser be-

I fohlen, der sich in herzlichster Weise bedankte. Nachdem auf ! dem Paradeplatze die sämmtlichen Musikcorps noch einige Stücke executirt hatten, löste sich der Zug auf, nach dessen Schluß noch in verschiedenen Localen der Stadt gesellige Veranstaltungen statthatten.

Der Kaiser besuchte heute Morgen 9i/2 Uhr in De- gleitung des Großherzogs das Mausoleum der verstorbenen Großherzogin Alice aus der Rosenhöhe.

Der Kaiser in Worms.

A Worms, 8. December 1889.

Worms, die alte Reichsstadt, hat heute bethätigt, daß sie die ihr widerfahrene Ehre eines Kaiserbesuches voll­auf zu würdigen versteht. Sie hat dies bethätigt sowohl durch ihren äußerlichen Schmuck und ihre wahrhaft glanzvolle Beleuchtung, wie auch durch die patriotische Stimmung, die sich bei der ganzen Bevölkerung kundgab. In allen Straßen und Gäßchen, bis in die entlegendsten Winkel der Stadt, trug Haus für Haus seinen Fahnen- und Laubschmuck, und gerade diese vielfach ungezwungene Zierde gab der Stadt das Gepräge eines von dem Herzen kommenden Patriotis­mus und der wirklichen Verehrung für den Kaiser. Natürlich waren die Straßen, durch welche der Kaiser seinen Einzug hielt, die Rheinstraße, Ludwigsstraße, Hagenstraße, Kämmer­straße, Kaiserstraße, am reichsten geschmückt. Insbesondere die nächste Umgebung des neuen Festhauses und die langge­streckte Rheinallee boten in ihrer reichen Decoration einen prachtvollen Anblick. Am Ende der Rheinallee, wo der eigentliche Eingang in die Stad' Worms ist, war ein mäch­tiger Triumphbogen mit ucr Büste des Kaisers errichtet. Desgleichen waren reich gezierte Triumphbogen in der Ma- thildenstraße, Kämmergasse und Festhausstraße. Vou dem frühen Morgen an wogten in den Straßen Tausende von Menschen, dazwischen ein Nennen und Laufen von Personen in geschäftlicher Eile. Alle ankommenden Züge waren zum Erdrücken besetzt. Neben den Bewohnern von Rheinhessen und der nahen bayerischen Pfalz waren diejenigen von den nächstgelegenen jenseitigen Ortschaften zu Tausenden nach Worms gekommen. Allein 4000 Mitglieder von Kriegerver­eimgungen waren gekommen, um dem Kaiser ihre Huldigung darzubringcn. Punkt 3/2 Uhr traf der kaiserliche Extrazug unter Böllerschüssen und Glockengeläute in dem Rosengarten ein, wo der Empfang durch die Spitzen der Behörden statt- saud. Nach einer Besichtigung der auf dem Bahnhof auf­gestellten Ehrencompagnie fuhr der Kaiser mit dem Groß­herzog in einem offenen Viererzug über die Rheinbrücke, durch die oben angedeutctcn Straßen nach dem Festhaus. Rauschender Jubel begleitete die beiden Fürsten auf dem ganzen Wege zu dem Festhaus. Vor dem kaiserlichen Wagen fuhr der Oberbürgermeister mit dem Gründer des Festspiel­hauses. Hinter dem kaiserlichen Wagen folgte zunächst der Erbgroßherzog und Prinz Heinrich. Zu dem Festhaus wur­den der Kaiser und der Großherzog sowie das Gefolge in das Innere geleitet. Beim Eintritt in das Vestibül des Festhauses hielt der Oberbürgermeister Küchler eine Ansprache an Se. Majestät den Kaiser, in welcher er seinen Dank aus­sprach, daß Allerhöchstderselbe die Stadt Worms als Gast des Landesherrn mit Allerhöchstseinem Besuche ausgezeichnet habe. Der Redner gedachte sodann der Anwesenheit des Kaisers Wilhelm I. und des Kaisers Friedrich in Worms bei der Enthüllung des Lutherdenkmals am 25. Juni 1868 und hieß Se. Majestät den Kaiser willkommen, der als erster deutscher Kaiser seit 300 Jahren die Stadt betrete. Die Schicksale des Reichs seien mit der alten Kaiserstadt eng ver­bunden, ihre Bürger, von Kaiser Heinrich IV. einst die treuesten genannt. Heute schlügen dem Kaiser überall die treuesten Herzen entgegen, doch treuer wie hier, nirgends. Das, Ew. Majestät, ist unser höchster Stolz und ganz er­füllt von solcher Gesinnung darf ich hoffen, daß Ew. Majestät geruhen mögen, die herzlichsten Willkommgrüße von dem alten Worms entgegenzunehmen." Se. Majestät der Kaiser dankte huldvollst in längerer Rede der Stadt für den herz­lichen Empfang. Er freue sich, nach dem alten Worms ge­kommen zu sein, das durch Sage und Geschichte bekannt sei. Von hier sei die moralische und religiöse Stärke ausgegangen, welche die Welt in Staunen setzte. Von dem neuesten Werke, das hier geschaffen und ihn sehr interessire zu sehen, hoffe er weitere Fortschritte für Moral und Sitte." Nach dem ersten Theil der Festvorstellung empfing der Kaiser in dem Foyer eine Deputation Wormser Arbeiter, die dem Kaiser eine Begrüßungsadresse mit einem prachtvollen Album über­reichte. Nach der Vorstellung der Behörden erfolgte zunächst eine Besichtigung des durch Reflectoren beleuchteten Luther- denkmals und dann die Rückfahrt nach der Station Rosen­

garten, von wo ein Sonderzug die hohen Gäste direct nach Darmstadt führte. Mit das Großartigste, was dem Kaiser­haus geboten wurde, war die Illumination und die Beleuch tung der Kirchen und des Thurms des neuen Wasserwerks. Besonders großartig wirkte die Beleuchtung der in Hellen Flammen erscheinenden Liebfrauenkirche, deren Thürme sich im Rheine wiederspiegelten. Auch die Beleuchtung deS Domes mit seinem alten Thurme machte einen überwältigenden Eindruck.

Deutsche» Neich.

Darmstadt, 7. December. DieDarmst. Ztg." ver­öffentlichte heute folgendes an Seine Majestät den Deutschen Kaiser nach Kranichstein gelangtes Telegramm:

Telegraphie des Deutschen Reiches. Aufgcgeben in Zanzibar.

1889. 6. December. 1.15 Nachm. Imperator Rex, Darmstadt.

Unsere Expedition hat heute ihr Ende ereicht. Ich habe die Ehre gehabt durch Major Wißmann und seine Offiziere gastfreundlich ausgenommen zu werden, seitdem ich in Mwapwa angekommen bin. Unsere Bahnen haben einen erfreulichen Abschluß gefunden. Von Bagamajo nach Zanzibar hat uns Sperber und Schwalbe übergeführt mit Erweisung aller Ehren, gepaart mit großer Liebenswürdigkeit. Dankbar erinnere ich mich der Gastfreundschaft und der fürstlichen Liebenswürdigkeit, die mir 1885 in Potsdam erzeigt wurde und jetzt bin ich tiefinnig durchdrungen von Ew. Majestät Herablassung, Güte und gnädigem Willkommen bei meiner Rückkehr aus Afrika. Mit aufrichtigem Herzen rufe ich: Lang lebe der edle Kaiser Wilhelm II.

Stanley.

Darmstadt, 8. December. Se. Majestät der Kaiser hat Herrn Oberbürgermeister Ohly den Kroneuorden zweiter Klasse, den Herren Beigeordneten Ri e d li ng er und Bau­rath Braden den Kronenorden vierter Klasse verliehen. Herr Polizeirath Morneweg erhielt ebenfalls eine Aus­zeichnung , dem Vernehmen nach den Rothen Adlerorden 4. Klasse.

Seine Majestät der Kaiser wohnte heute morgen dem Vormittagsgottesdienst in der Stadtkirche bei. Die Predigt hatte auf Allerhöchsten Befehl Herr Superintendent Dr. Sell übernommeü.

Berlin, 7. Deeember. DerReichsanzeiger" veröffentlicht das Telegramm des Kaisers an Emin vom 4. Deeember. Dasselbe lautet:Bei der endlichen Rückkehr von Ihrem Posten, welchen Sie über 11 Jahre mit echt deutscher Treue und Pflichterfüllung heldcnmüthig behauptet haben, begrüße ich Sie gerne mit meinem Glückwunsch und meiner kaiserlichen Anerkennung. Es hat mir zur besonderen Freude gereicht, daß die Truppe des deutschen Reichscommissars Ihnen den Weg an die Küste gerade durch unser Schutzgebiet bahnen konnte." Das Telegramm vom 4. December an Stanley lautet:Dank Ihrer Ausdauer und Ihres unbeugsamen Muthes haben Sie jetzt nach wiederholter Durchquerung des dunklen Welttheiles eine neue lange Reihe voll schrecklicher Gefahren und fast unerträglicher Beschwerden vollendet.. Daß Sie sie alle überwunden haben und Ihr Heimweg durch Länder unter meiner Flagge führt, gewährt mir eine große Be­friedigung und ich bewillkommene Sie herzlich zu Ihrer Rückkehr in die Civilisation und Sicherheit."

Der Magistrat unterbreitete der Stadtverordneten­versammlung eine Vorlage betr. Niederlegung der Schloßfreiheit und ersucht um nachstehenden Beschluß: Unter Voraussetzung, daß dem Comite für die Niederlegung der Schloßfreihcit die staatliche Genehmigung zur geplanten Lotterie crtheilt, ferner, daß dem Magistrat durch die Er­klärung der competenten Behörden der Nachweis erbracht werde, daß, falls es zur Niederlegung der Privathäuser an der Schloßfreihcit kommt, auch das an der Ecke der Straße belegenc fiskalische Grundstück ohne Inanspruchnahme einer Entschädigung freigelegt werde unter dieser Voraussetzung ermächtigt die Versammlung den Magistrat, über die Mit­wirkung der Stadtgemetnde mit dem Comite eine Verein­barung zu treffen. Der Abbruch erfolgt auf Kosten des Comites spätestens im dritten Quartal des Jahres 1892; die Stadt übernimmt das freigelegte Terrain als öffentlichen Platz.

Beim Abbruch des 25 Meter hohen cifernen Schornsteins der Unfallversicherungs-Ausstellung stürzte das Holzgerüst ein und riß den oberen Theil deS colossalen 40 Cm. breiten Schornsteins mit. Derselbe rollte über das Dach der. Maschinenhalle weiter über den Zaun hinweg und blieb im Straßendamm stecken.

Berlin, 7. December. DieNationalzeitung" schreibt: Der Consul begibt sich am Montag über Marseille nach