Politische Rundschau
Gießen, 7. October.
Das letzthin im Anschlüsse an die amtliche Kundgabe betreffs des Wtederzusammen- trittes des Reichstages von osfictöser Seite veröffentlichte Arbeitsprogramm der kommenden ReichStagSsesfion ist inzwischen noch um eine Nummer vermehrt worden. Wie die „Post" meldet, wird dem Reichstage auch eine Vorlage über die Errichtung einer aus Retchsmttteln unterstützten Dampferlinie nach Ost-Afrika zugehen und hat man demnach regierungsseitig den bisherigen Widerstand gegen diesen von den Freunden der deutschen Colontalpolitik schon längst angeregten Plan aufgegeben. Ob die Reichsregterung sich zu der ostafrikanischen Dampfer-Vorlage mehr aus politischen oder mehr aus wirthschaftlichen Gründen entschlossen hat, wird man ja bet Einbringung des Entwurfes erfahren, aber das Eine läßt sich schon jetzt sagen, daß die Behauptung des deutsch-ostafrikanischen Gebietes durch eine dasselbe mit dem Mutterlande verbindende directe'Dampferlinie wesentlich erleichtert werden wird.
Kaum ein Tag vergeht jetzt, der nicht die Kunde von einem Eisenbahnunglück brachte. Das jüngste Glied in dieser traurigen Kette bildet die Nachricht von dem Eisenbahnunglück bet Liffa in Posen, bei welchem durch Zusammenstoß zweier Züge vier Beamte des Zugpersonals getödtet wurden, während unter den Reisenden zahlreiche Verletzungen vorkamen. Heber die Ursache des Zusammenstoßes dürfte die sofort eingeleitete Untersuchung inzwischen Aufklärung gegeben haben. Was das vorangegangene noch größere Eisenbahnunglück bei Stuttgart anbelangt, so ist weder die dienstliche noch die gerichtliche Untersuchung hierüber bereits abgeschlossen, doch steht soviel schon fest, daß die Hauptschuld an dem Zusammenstoß bei Station Wildpark die Nichtbeachtung einer Signaloorschrtft seitens eines Wärters trägt, während außerdem hierbei auch telegraphische Mißverständnisse einiger Bahnbeamten anscheinend etngewirkt haben. Der Ministerpräsident v. Mittnacht besichtigte am Donnerstag in Begleitung mehrerer höheren Beamten die Unglücksstätte und reiste alsdann nach Friedrichshafen, um dem König Karl über die Ursache der Katastrophe und über das Befinden der hierbei verletzten Personen Bericht zu erstatten. Der König ließ mehreren derselben seine Theilnahme und seine Wünsche auf baldige Wiederherstellung telegraphisch aussprechen.
Das englische Canalgeschwader weilt seit voriger Woche in den dänischen Gewässern und wurde am Freitag das Admiralsschiff in Helsingör durch den Besuch der dänischen Königsfamilie und ihrer fürstlichen Gäste ausgezeichnet. Die allerhöchsten Herrschaften frühstückten an Bord des Schiffes. Am Freitag Abend veranstaltete der dänische Sec-Offiziersoerein zu Ehren der britischen Osfiziere ein Ballfest in Kopenhagen, welches einen glänzenden Verlauf nahm. Das englische Geschwader wird von Dänemark aus auch Kiel besuchen. — Der Prinz von Wales wird mit seiner Familie am 14. October Kopenhagen verlassen und nach Athen zur Theilnahme an den Hochzeitsfeterlrchketten an dortigem Hofe abreisen. Der officiöse Telegraph fügt dieser Meldung die fernere Mittheilung hinzu, daß der König von Dänemark und wahrscheinlich auch die Königin die englischen Herrschaften begleiten werden und dies gestattet den Schluß, daß zu dem angegebenen Zeitpunkte auch der Czar den dänischen Hof verlassen wird.
In Frankreich haben am Sonntag die Stichwahlen zur Deputtrtenkammer stattgefunden und deren Ergebnisse werden zur Stunde im Großen und Ganzen wohl schon vorliegen. In nicht weniger als 180 Wahlkreisen waren engere Entscheidungen vorzunehmen und vervollständigen demnach erst die Ergebnisse des 6. October das Bild der diesmaligen Kammerwahlen in Frankreich. Die Republikaner rechneten bei den Stichwahlen auf mindestens 120 bis 130 Mandate, wozu sie auch nach Lage der Verhältnisse berechtigt waren und es würde demnach auch die neue französische Volksvertretung eine republikanische Mehrheit aufweisen. Nach dem in Frankreich Üblichen Brauch gedenkt das Ministerium Tirard bald nach dem Zusammentritte des jetzt gewählten Parlaments seine Enttassung einzureichen und bezeichnet man allseitig Herrn Constans, den' bisherigen Minister des Innern, als den künftigen Ministerpräsidenten
In London sind neue Briefe von Stanley eingegangen, in denen Stanley dem Vernehmen nach mittheilt, daß er Emin Pascha für die britischen Interessen gewonnen habe. Emin gedenkt nach diesen Mitthetlungen auf seinem Posten zu verbleiben, während Stanley, wie es schon früher hieß, gegen Ende October in Mombassa an der ostafrikanischen Küste einzutreffen gedenkt. Emin wie Stanley erfreuen sich vollständigen Wohlbefindens.
In London droht ein Ausstand der Pferdebahn-Bediensteten, welche eine Herabsetzung der Arbeitszeit fordern. - Bei Manchester fand ein Eisenbahnzusammenstotz statt, bei welchem 3 Personen getödtet und viele verwundet wurden darunter 12 schwer.
Die Insel Carmen im Golf von Mexiko wurde von einem Wirbelsturme heimgesucht. Die Zahl der hierbei gescheiterten Schiffe wird auf 27, bieder zerstörten Häuser auf 125 angegeben; der Verlust an Menschenleben ist noch nicht bekannt.
, Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. Correspondenz-Burean.
Stober. Das hiesige Eisenbahn-Betriebsamt gibt bekannt, baß der worbet stt, Naumburg und Artern heute Vormittag 11 Uhr wieder ausgenommen Paris, 6. October. Die Betheiligung an den Stichwahlen war eine Mr mM- retdje, vollzog sich aber in vollständiger Ordnung und Ruhe, ohne jeden Zwischenfall ' ~ 6- October. Wie die , Agence de Belgrad" meldet, ist die Angelegen-
heit wegen der Begegnung der Königin Natalie und des Königs Alexander noch nirät Ä & R-g'-rnng verharrt andauernd ÄÄtaÄfS
»"Möglich, daß die Frage bei Eröffnung der Skupschtina noch schwebt Fn diesem Falle dürfte, wie allseitig für sicher angenommen wird in her ein Antrag ^hufs Regelung des Verhältnisses zwischen dem Könige Alexander und K555 $orUt?er ^Üellt werden und allem Anscheine nach werde sich die Regierung einem solchen Anträge gegenüber nicht ablehnend verhalten. Regierung einem
“ Die von der „Correspondance de l'Est" gemeldete angebliche
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SÄtÄÄi1 *" «*«Ä-i a x ?.* October. Von den Stichwahlen sind 170 Resultate bekannt hnnnn
fielen 122 auf die Republikaner oder Radikale, 48 auf die Oppositionellen. Außer den Kolonien stehen noch fünfzehn Wahlresultate aus. ^wmuioneuen. nutzer den
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Programm festgestelll. Sür
hing vorn Bundesrath zum Diner eingeladen. ^yeunehmer an der Versamm-
Loyale-.
c. ~ /' October. Der „Kaufmännische Verein" beging am Samstaa
die Feier seines 16fahrigen Stiftungsfestes in seiner, die Richtung des Vereins bcieick^ früher an dieser Stelle erwähnten gemüthlichen Weise. Wenn der Verein' als obersten Grundsatz seines Wirkens, die Belehrung seiner Mitgliederdurck^orN und seine bedeutende Bibliothek pflegt, so trägt er auch den Wünschen seiner Mitglieder wie deren Angehörigen in Bezug auf ein gemüthliches solides Vereinsleben Recknuna blC D0I2 "Kaufmännischen Verein" veranstalteten Festlichkeiten. An den sich so oft geltend machenden Bestrebungen vieler Vereine, die mit Vereinsfestlichkeiten 5Ca r^ ^cnÄ bur$ eigenen Mitglieder ausführen zu
lassen, scheint der „Kaufmännische Verein" keinen Gefallen zu haben, und er thut wobl daran. Ein Verein, der seinen Mitgliedern die Erzeugnisse der Bühnenlitera ur in ansprechender Weise zugänglich machen will, erreicht seinen Zweck am besten, wenn er dies durch dazu berufene Leute - durch Schauspieler - thut, denn gerade am aller- wenigsten mit den Bestrebungen und Aufgaben des Vereins ließe es sich vereinbaren Skraef kpfIc0cn* theatralischen Theil des Festes hatte die
akrgesell^schaft Neiners übernommen, und wenn irgend etwas geeignet erscheint die im D,^" 0r nr hinter hier weilende Gesellschaft wieder gut einzuführen so war Sckönti^Ä^Pich besuchte Festabend des „Kaufmännischen Vereins". Es wurde der "K°"Eus Voß" gespielt. Wenn an dieser Stelle davon ab- u>ird, die Leistungen der einzelnen Mitwirkenden aufzuzählen, so können wir doch nicht umhin, Herrn Director Reiners selbst besonders zu erwähnen, um Denm ^in^Lbier ^m Samstag Abend nicht beiwohnten, zu sagen: Er ist noch der Alte' b Backers war vorzüglich und wohl geeignet, die Anwesenden in der hLf sto^hT1“110 s lcn' A^ir hoffen und wünschen, daß die Stimmung, welche die Mitglieder und Gaste des „Kaufmännischen Vereins" der Gesellschaft Reiners ent- ble Einwohnerschaft Gießens verbreiten und Herrn Director d« erÖffnCtm Th°->t°rf°is°u das Wohlwollen
die ^p^Ähr7;Strecke Coblenz-Gießen wird am 10. October Ujp^» 6 solms für den Personenverkehr eröffnet. Auf der Fahrt von
I» ^nnb 929 9r°hbpnha U” bie,^U0e in Burgsolms um 5« Morgens, 12Mittags, Insa Ä Abeuds, in umgekehrter Richtung 63«, M Morgens, 2« Mittags und Jer ©tQtion *rbCÄ btTAbfahrtszeiten tritt mit Einschaltung
l -j. yÄÄXÄ.CÄS’ss J °imh h *a k a}c?u cinc. Stunde kreiste die einer ungeheuren Wolke gleichende
, Vogelschaar, und das dabei verursachte Geräusch hörte sich an, wie das Brausen eines ; hpr als die Nacht anbrach, ließen sich die Vögel an dem dicht an
der Ruttershäuser Straße gelegenen Waldabhang nieder.
Deutschland.
cn c 5. October. In der am 3. ds. Mts. abgehaltenen Plenarsitzung des
Bundesraths brachte der Vorsitzende, Vicepräsident des Staatsministeriums, Staats- secretär des Innern vr. v. Bötticher, die durch Kaiserlichen Erlaß erfolgten Ernennungen für die Ausschüsse für das Landheer und die Festungen und für das Seewesen rur Kenntniß der Versammlung. Die Neubildung der Ausschüsse für Zoll- und Steuer- wesen, für Handel und Verkehr, für Eisenbahnen, Post und Telegraphen, für Justiz- A wr Rechnungswesen, für auswärtige Angelegenheiten, für Elsaß-Lothringen, für iTic(.2S?rÄun0a?,?5 die Geschäftsordnung fand durch Akklamationswahl statt. Die Uebersicht der Reichs-Ausgaben und -Einnahmen für das Etatsjahr 1888-89 wurde dem. Ausschuß sür Rechnungswesen überwiesen. Mit der Vorbereitung der Seiner Mafestät dem Kaiser wegm Wiederbesetzung dreier erledigter Rathsstellen beim Reichs- «ericht zu unterbreitenden Vorschläge wurde der Ausschuß für Justizwesen beauftragt.
"Den „Berl. Poltt. Nachr." zufolge besteht die Absicht, in Berlin eine katholische Garnisonkirche von ca. 1500 Plätzen zu erbauen.
. K. Berlin, 5. October. Heute Nachmittag 1 Uhr fand eine Sitzung des Staats- Ministeriums zum ersten Male im neuen Gebäude am Leipziger Platz- statt
... iw»«811?"1“ dbnM-lduugen, nach welchen mehlcrc hundert Millionen Mark ru -"/Uitarzweckcn vom Retchstage verlang, werden würden, erfährt die Nationalzeituna LLeLünEnM ik Aussicht W°rderung°n derartiger oder überhaupt schwerwiegender - Wie amtlich gemeldet wird, ist bei dem am 3. d. Mts. Abends bei
der Station Laßwitz stattgehabten Eisenbahnunfall ein Postschaffner getödtet. sieben beschädigt. Sechs Wagen, darunter der Postwagen, sind entgleist und thellweise zertrümmert.
A k Gestern Abend 10 Uhr passirte ein russischer Hofzug, uus 15 Waggons bestehend, in der Richtung Berlin den hiesigen Bahnhof.
Weimar, 5. October. Die Gesandtschaft des Sultans von Zanzibar ist heute Morgen nach Dresden abgereift, von wo sich dieselbe nach Wien begibt
5. October. Die 50jährige Jubelfeier des Königlichen Stenographischen Ä»a k!8 tourte Heute Vormittag in der Aula des Polytechnikums durch einen Fest- Lr°s-ss°7°L^an7^^ »erf.®^umral6 53pe biE Begrüßungs-Nfprach- und der -proTenor Uppermann die Festrede hielt.
October. Die Gesandtschaft des Sultans von Zanzibar ist in «nn b !, ^bert kunb des Generalconsuls Mtchahelles heute Nachmittag -c"0d!-^n, vom preußischen Gesandten Graf von Dönhoff und dem ab?pstkapn^e0ationssecretar vr.gv. Stieglitz empfangen worden und im Victoria-Hotel
5c October. In der heutigen Kammersitzung legte Minister von Crailsheim die Forderung eines Credites in Höhe von 50 716 200 jü für Neu- Crgän3ung35 und Erweiterungsbauten der bayrischen Bahnen vor, darunter 21540000 Nr Anlage von Doppelgeletsen. Die Gesetzesvorlage wurde dem Finanzausschüsse


