* Gießen, 7. October. [£Ijeater."f Wer geneigt ist, diesen oder jenen Umstand als ein gutes Omen für em Unternehmen zu betrachten, der wird in dem Titel der gestrigen Eröffnungsvorstellung „Ehrliche Arbeit" den nöthigen Anhalt finden, der zu der Hoffnung berechtigt, datz die nun begonnene Theatersaison einen das Publikum besonders befriedigenden Verlauf nehmen wird. Denn als ehrliche Arbeit muß man es der Theaterdirection anrechnen, wenn sie bemüht gewesen, einen Spiel- plan auszuarbeiten, dem zufolge die besten Bühnendichtungen zur Aufführung gelangen sollen. Die Hauptrollen des Wtlken'schen Volksstücks „Ehrliche Arbeit" fanden gestern Abend in den Mttwirkenden ihre berufenen Vertreter, denen gegenüber das zahlreich anwesende Publikum mit Betfallsbezeugungen nicht zurückhielt.
Gießen, 7. October. In den nächsten Tagen trifft der vortheilhaft bekannte Hofkünstler R. Meunier hier ein, um eine Soiree (Sensations^Experimente) spiritiftttcher Demonstrationen dem hiesigen Publikum vorzuführen. — Es wäre überflüssig, über die Leistungen des Künstlers noch Weiteres zu berichten, da der Ruf ein viel verbreiteter ist. Herr Meunier hatte noch vor Kurzem die hohe Ehre, vor der Kaiserlich deutschen Familie in Bad Kissingcn eine Separat-Vorstellung auszuführen, worüber der Kissinger Bade-Anzeiger vom 23. Juli d. I. berichtete: „Gestern Nachmittag 5 Uhr hatte Prof. Rud. Meunier die hohe Ehre, auf der oberen Saline vor Ihrer Majestät der deutschen Kaiserin Augusta Victoria, sowie den kaiserlichen Prinzen auf Befehl eine Separatoorstellung zu geben, zu welcher auch Ihre Excellcnz Frau Gräfin Luxburg, Gräfin Dohna, sowie andere hohe Persönlichkeiten zugezogen waren. Die in einer feinen Weise vorgeführten Experimente fanden bei Ihrer Majestät vollste Zufriedenheit und sprachen Allerhöckstdieselben am Schluß der Vorstellung wiederholt dem Künstler ihren Dank aus." Wer sehen somit einem genußreichen Abend entgegen. (Alles Nähere im Annoncentheil.)
* Gießen, 7. October. Nach einer uns gewordenen Mittheilung ereignete sich gestern in Launsbach ein schweres Unglück. In der Nähe dieses Ortes machten sich gestern Nachmittag eine Anzahl Kinder daran, einen Haufen Reisig in Brand zu setzen. Als mehrere Einwohner herbeieilten, um das Fever zu löschen, fanden sie in dem Reiserhaufen einen 5 Jahre alten Knaben liegen, welcher so schreckliche Brandwunden erlitten, daß er, nur noch schwache Lebenszeichen von sich gebend, bald verschied. Dem Jungen sollen Nase und Ohren vollständig weggebrannt, die Brust sehr stark verbrannt sein. Wie der Kleine in den brennenden Haufen gerathen ist, ist nicht bekannt.
Vermischtes.
t Bönstadt, 6. October. Wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit, verübt an einem lchahrigen Mädchen, wurde gestern Elias Müller von hier verhaftet Derselbe machte noch gestern Abend im Hfftlocale zu Altenstadt seinem Leben durch Erhängen em Ende.
△ Mainz, 6. October. Die Einnahmen der Hessischen Ludwigsbahn weisen im abgelaufenen September gegen den gleichen Monat des Vorjahres wiederum eine beträchtliche Mehretnnahme auf. Nach einer vorläufigen Zusammenstellung beträgt das Mehr zwischen 110,000 und 120,000
△ Aus Rheinhessen, 6. October. Am verflossenen Freitag wurde in der Gegend von Diedesheim ein junges Mädchen auf freiem Felde von einem unbekannten Manne niedergeschlagen. Auf die Hilferufe kamen einige Personen herbei, bei deren Annäherung der Altentäler emfloh. Das Mädchen hat einige bedeutende Körver- verletzungen davongetragen.
__ , — Bei den gegenwärtig stattfindenden Gemeinderaths - Ersatzwahlen ereignete sich in Bubenheim ein nettes Curiosum. Von 120 Stimmberechtigten übten nur fünf ihr Wahlrecht aus. Einer der ausscheidenden Gemeinderäthe erhielt 3 Stimmen zwei andere Candidaten je eine Stimme.
m , Frankfurt a. M., 5. October. (Feuer im Palmengarten.] Gestern Nachmittag kurz vor 4 Uhr — der große Saal des Palmengartens war bereits dicht besetzt und die Mitglieder der Eapelle nahmen ihre Plätze ein, das Concert sollte beginnen, der Orchesterdiener zündete gerade den kleinen Lüster des Orchesters an — entstand auf bis jetzt noch nicht völlig geklärte Weise Feuer im Orchesterraum, welches sich schneller als man sagen kann, über die ganze Draperie ausdehnte und von oben na? unten lief. Dank dem energischen und umsichtigen Eingreifen des Personals des Palmengartens und der zufällig anwesenden Handwerksleute gelang es binnen 12 Minuten des Feuers H^rr zu werden und dasselbe zu löschen. Die prompt auf das
gegebene Aviso erschienene Feuerwehr brauchte nicht mehr einzugreifen. Staunenswerth war das Vertrauen, welches die anwesenden Damen und Herren zu der nunmehrigen Feuersicherheit des Palmengartens zeigten, denn nur ganz Wenige verließen den Saal, während das Gros mit aller Ruhe dem Brande und den Löschungsarbeiten zuschaute. Die Capelle konnte 4^/r Uhr das Concert im Freien wieder beginnen. — Der Brandschaden an Immobilien wird auf 10—15000 JL, der an Mobiliar auf 4—5000 JL geschätzt.
Feldkrücken, 3. October. Mit Eintritt des Monats October wurde das sog. Clubhaus auf dem Hoyenrothskopf, welches von dem Volgelsberger Höhen-Club vor einigen Jahren errichtet wurde, geschlossen. Dasselbe wurde in diesem Sommer fleißig in Anspruch genommen, sämmtliche Touristen, welche den Hohenrothskopf und den Tausstein besuchten, fanden hier bei annehmbaren Preise eine angenehme Erfrischung. Auch von den im Hause aufgeschlagenen 4 Feldbetten wurde öfters Gebrauch gemacht, man kann in einem solchen für 80 $ Nachtlager haben. Mit der Schließung des Clubhauses hat jedoch der Besuch der beiden genannten Höhen fein Ende noch lenge nicht erreicht, ja selbst mitten im Winter werden dieselben aufgesucht, so kann man z. B. an der Außenseite der Thüre des Clubhauses lesen, daß Herr Oberbürgermeister Ohly aus Darmstadt und Herr Amtmann Braun am 3. Januar d. I. eine Hohenrothskopf-Tour unternommen hatten.
— DaS Geheimnitz der Zubereitung einer schmackhaften Sauce für Fleischspeisen — viele Hausfrauen kennen es nicht und doch ist es einfacher Art. Nur eine kräftige Sauce schmeckt und nur eine solche kann das Mittel gewähren, verschiedene noch gute, aber unansehnlich gewordene Fleischreste in Form von Ragouts u. bgl. m. wieder aufzutischen. Es war in der Thal früher eine Art Küchengeheimniß gelernter Koche, Fleischabfälle zu einer concentrirten Flettchessenz (stock-pot englisch, jus dejnande französisch) einzukochen, welche dann zur Aufbesserung des Geschmacks aller Saucen, Fleischspeisen 2C. beste Dienste that. Die etwas mühsame Zubereitung einer derartigen Essenz kann man sich jetzt ersparen. Liebigs Fleischextr act, nicht von Abfällen, sondern vom besten reinsten Fleische zubereitet, ist im Uebrigen ganz der gleichen Zusammensetzung wie der stock-pot, Hal aber den Vorzug vor diesem, datz es sich im heißesten Wetter, ja in allen Klimaten jahrelang unverändert erhält. Seine Anwendung verleiht jeder Sauce sofort Kraft und Geschmack.
Den grössten Reichthmn besitzt nur Der, der gesund ist. Gesundheit wird aber bei Erkrankung der Schleimhäute durch die Anwendung der Fays ächten Sodener Mineral-Pastillen, gewonnen aus den Salzen der zur Kur gebrauchten berühmten Gemeindequellen No. III. und XVIII., am schnellsten und sichersten erzielt; dieselben reizen nickt zu stark und sind bei Kind, Mann und Greis anwendbar. In allen Apotheken käuflich L 85 Pfg.
In einer Zeitepoche wie die unsrige, wo alle Ansprüche und Anforderungen an die Leistungsfäylgkeil eines Jeden, ob hoch oder gering, auf das Aeutzerste gestiegen sind, erlahmen auch die Kräfte des Stärksten zeitweise, und er bedarf eines Stärkungsmittels, um das erwünschte Ziel erreichen zu können. Wie nahe liegt dann die Gefahr, sich eines unzweckmäßigen Reizmittels zu bedienen, welches trotz des augenblicklichen Vorthcils durch die nachfolgende Reaction den Körper auf das Empfindlichste schädigt. Welch ausgezeichnetes Genußmittel bietet dagegen Kemmerichs Fleisch-Pepton! Dieses Präparat, welches im Wesentlichen aus gelösten oder künstlich verdauten Eiweiß- stoffen besteht, wird birect in den Säftestrom des Körpers übergeführt und äußert sofort seine belebende Wirkung. 8121
Handel und Verkehr.
Grünberg, 5. October. (Fruchtpreise). Weizens 19,10, Korn JL 16,10. Gerste JL 14,50, Hafer 13,80, Erbsen 00,00, Samen JL 00,00, Wicken 00,00, Kartoffeln JL 0,00, Linsen 3L 00.00.
Frankfurt, 5. Oktober. Erbsen ganze per Pfd. 12—18 H, do. geschalte 14—18 Linsen 18—28 H, weiße Bohnen 16—18 H, gelbe Kartoffeln per Gescheit» 14—16 4/ rothe Kartoffeln per Gescheid 12—14 H, Butter per Pfd. JL 1,10—1,20, Eier das Stück 5—6, Blumenkohl 20—60 H, Weißkraut das Stück 10—20 H, Roth- fraut 15-25 Wirsing 10-15 H. *
SderhMchk Eiftubahneu.
Die Lieferung von 9000 Stück mit Zinkchlorid zu imprägnirenden Buchenschwellen für das Jahr 1890 ist zu vergeben. Bedingungen können durch unser Sekretariat gegen frankirte Einsendung von 20 H bezogen werden. Angebote sind bis zum 15. dieses Monats dahier einzureichen.
Gießen, den 5. October 1889.
8113 Großherzogliche Direktion.
Montag den 18. November,
Nachmittags 2ya Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die dem Georg Franz dritter in Gießen gehörigen Immobilien:
Flur 17 Nr 27«/ioo - 378 Meter Grabgarten am Hamm am Neustädter Thor,
Flur 17 Nr. 27M/100 - 170 Meter Hos- raithe daselbst,
Flur 17 Nr 27*7103 - 293 Meter Grabgarten daselbst,
Flur 17 Nr. 28Vio - 323 Meter Hof- raithe daselbst,
Flur 17 Nr. 283/10 - 373 Meter Grabgarten daselbst und am Mühl- wegsgarten
öffentlich meistbietend versteigert werden- Gießen, 7. Oktober 1889.
Großh. Ortsgericht Gießen.
I- A.:
Vogt. 8114
Mittwoch den 9, Dctober,
Nachmittags 2 Uhr, werden in der Restauration Klingenberg — früher Bramm — gegen Baar- zahlung versteigert:
1 Pianino, goldene Herren- und Damenuhren, Ringe, Ketten, Regula- teure u. a-
Geißler,
8117 Gerichtsvollzieher.
la. Sardellen, Holl. Häringe 8095 empfiehlt Carl Hoffmann.
Allgemeiner Anzeiger.
iW" Giessen. — Vorläufige Anzeige! >6 Zn den nächsten Tagen
Pros. Rud. Meunier Spiritistische Demonstrationen. Nur Sensation erregende Experimente.
Alles Nähere die Affichen und Annoncen. 8122
zu sehen bekommt.
M.
Vorläufige Anzeige.
Chr. Berga große weltberühmte
trifft dieser Tage in Gießen per Extrazug ein und wird ein über 200 Fuß langes, elegantes Zelt errichten. Die Menagerie repräsentirt Thiere aus allen Welttheilen, darunter Specialitäten, die man selten in Menagerien
Mache das geehrte Publikum auf Bergs Menagerie aufmerksam. Das Nähere duvch weitere Annoncen und Plakate.
8111
Hochachtungsvoll
Chr, Berg,
Strickwolle in größter Auswahl, sowie [8094 Rockwolle empfiehlt__Carl Hoffmann.
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