Ausgabe 
7.12.1889
 
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Abg. <5 tu ihm (Rp.): Commissionsberathung über die Frage, ob eine Enquete stattfinden soll, ist entbehrlich- diese hat hinlänglich stattgefunden durch die Erörterungen im Landes­eisenbahnrath.

Abg. Richter: Wenn dieser Reichstag nicht Lust hat, sich mit der Frage der Kohlenverbilligung zu beschäftigen, so werden wir an den nächsten Reichstag appelliren.

Abg. Grad (Els.) hält Commissionsberathung des An­trages für überflüssig.

Der Antrag Richter wird an eine Commission von 14 Mitgliedern zur Vorberathung verwiesen.

Der Etat des Reichseisenbahnamtes wird ohne weitere Debatte bewilligt.

Beim Special-Etat der Verwaltung der Eisen­bahnen wünscht der Abg. Dr. Lingens (Ctr.) eine bessere Fürsorge für Sonntagsruhe der Beamten, die jetzt vielfach nur gewährt zu werden scheine an Beamte, welche während der Nacht vom Samstag zum Sonntag Dienst hatten. Das sei nicht zu billigen.

Der Etat der Eisenbahnverwaltungen wird genehmigt. Damit ist die Tagesordnung erschöpft.

Nächste Sitzung Freitag 12 Uhr. Tagesordnung: Bank­gesetz und Etat.

Schluß 4i/2 Uhr.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 5. December. Der Kaiser richtete das folgende Schreiben an die Berliner Stadtbehörden:Die herz­lichen Glückwünsche, welche mir von dem Magistrat und den Stadtverordneten anläßlich der Vermählung meiner Schwester, Prinzessin Sophie, dargebracht sind, haben mich erneut von der innigen Theilnahme der Haupt- und Residenzstadt an den Erlebnissen meines Hauses überzeugt. Freudig bewegt durch dieses Bewußtsein, gebe ich dem Magistrat und den Stadt­verordneten für den Ausdruck treuer Gesinnung und An­hänglichkeit gern meinen aufrichtigen Dank zu erkennen."

Berlin, 5. December. Bezüglich der Nachricht, daß die Meldung über die angebliche Einführung der Goliath- schienen auf den preußischen Staatsbahnen der thatfächlichen Unterlage entbehre, sind dieB. P. N." in der Lage, diese Mittheilung dahin zu ergänzen, daß das Ergebniß der tech­nischen Prüfung ein durchaus negatives gewesen sei. Auf den mit Schnellzügen befahrenen Bahnstrecken besaßen die zur Zeit dort benutzten Schienen völlig die ausreichende Tragkraft selbst für die schnellfahrendsten Züge. Die vorhandenen Uebelstände entsprängen daraus, daß die Schienen nicht hinreichend fest lägen. Es werde deßhalb die Vermehrung der Schwellen, die Verstärkung und die Abmessung derselben, sowie die An­wendung der vollkommensten Art der Schienenbesestigung baldigst in Anwendung kommen.

Berlin, 5. December. Der Bundesrath stimmte in seiner heutigen Sitzung dem Gesetzentwürfe wegen Errichtung einer Postdampsschiffverbindnng mit Ostafrika zu.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht die nach den amtlichen Erhebungen ausgestellte Nachweisung in den haupt­sächlichsten Bergbau bezirken Preußens während der ersten drei Vierteljahre 1889 verdienten Bergarbeiter­löhne.

Der Kaiser sandte dem Reichsbankpräsidenten Dechend anläßlich der heutigen Jubelfeier folgendes Tele­gramm:Zu dem heutigen Tage, an welchem Sie auf eine fünfundzwanzigjährige, an Erfolgen und Ehre reichen Thätig- keit als Leiter des Bankdirectoriums zurückblicken, kann ich mir nicht versagen, Ihnen meine besten Glück- und Segens­wünsche auszusprechen." Nach den Gratulationen der Be­amten der Bank überreichte der Centralansschuß als Jubel­gabe 30,000 Mk. als Dechendstiftung zur Unterstützung hilfs­bedürftiger Reichsbankbeamten und deren Hinterbliebenen.

Hannover, 5. December. Der 23. Provinzial la nd- tag wurde heute durch den Oberpräsidenten v. Bennigsen eröffnet. In seiner Eröffnungsrede betonte derselbe, daß während der Anwesenheit des Kaisers die Ergebenheit der Bewohner der Provinz besonders glänzend hervorgetreten sei. Neue Regierungsvorlagen würden nicht gemacht werden; die weitere Entwickelung der Cultur und Colonisation im Moore westlich vom Ems seien von besonderem Interesse für die Regierung. Zum Präsidenten des Landtages wurde wiederum der deutsche Botschafter in Paris, Gras Münster, zum stellvertretenden Präsidenten der Stadtdirector Haltenhoss gewählt.

Dessau, 5. December. Der Kaiser nahm heute Vor­mittag im Vockeroder Revier an der Hochwildjagd und am Nachmittag an der Saujagd in der Mosigkauer Heide Theil und kehrte Abends 5 Uhr in die prächtig illuminirte Stadt zurück. Gegen 6 Uhr sand im Schlosse Tafel statt, welcher eine musikalische Soiree beim Erbprinzen folgte. Abends 11 Uhr erfolgte die Abreise des Kaisers nach Darmstadt.

Wien, 5. December. Der Erlaß des Ministers des Innern gegen das Treiben der Auswanderungsagenten, welchen dasWiener Tageblatt" am 3. December besprach, ist bereits, wie jetzt amtlich sestgestcllt wird, im September 1888 er­gangen.

Paris, 5. December. Nach hier eingegangener Meldung ist der Asrikareisendc Capitän Tri vier, welcher von Loango aus Afrika durchkreuzte, in Mozambique ange­kommen.

Brüffel, 5. December. In der heutigen Kammer­sitzung verlas der Justizminister das Protocoll über die Vernehmung Pourbaix durch die Sicherheitsbehörde. Nach demselben hat der Minister Devolder an der nächtlichen Unterredung Pourbaix mit dem Mjnistec Beernaert nicht theilgenommen. Der Minister erklärte, daß der Dirigent der Sicherheitspolizei das gerichttiche Vorgehen gegen die Soca- listen hätte aufhalten können, wenn er die betreffenden That- sachen zur Sprache gebracht, statt Stillschweigen zu beobachten. Abgeordneter Janson erwartet, daß der König nach Kennt-

nißnahmc der Kammerverhandlungeu die Minister nicht auf ihrem Posten belassen werde. Der Justizminister fährt dann fort, Bara zu widerlegen und sucht zu beweisen, daß es die Administration der Sicherheitspolizei gewesen sei, von welcher Pourbaix seine Functionen erhalten habe. Zahlreiche Mit­glieder der Linken rufen:Nein?" Es entsteht ein lebhafter Wortwechsel. Bara ruft:Der Minister lügt?" Ein hef­tiger Tumult erhebt sich, Bara wird zur Ordnung gerufen und der Ordnungsruf nach der Erklärung des Abgeordneten wieder zurückgezogen. Der Justizminister erwidert alsdann, daß das Ministerium alle Protocolle besitze, welche bewiesen, daß die Sicherheitspolizei wußte, wer Pourbaix sei und was zu gewärtigen sei, wenn man ihn gebrauche. Aus den Menschenmassen, die sich vor dem Kammergebäude an­sammelten, ertönte wiederholt der Nus:Demission?" Nach der Sitzung durchzogen kleine Gruppen die Straßen und wurden leicht von der Polizei zerstreut.

Liffabon, 5. December. Dom Pedro, der Exkaiser von Brasilien, wird bei seiner Ankunft am Marinearsenal landen und vom Könige und den Ministern empfangen werden.

Belgrad, 5. December. DerNarodni Dnewik" ver­sichert, daß die Ausschreitungen gewisser serbischer Blätter gegen Oesterreich-Ungarn nicht der in Serbien herr­schenden nationalen Stimmung entsprächen. Sie seien ohne jeden praktischen Nutzen und bereiteten dem Staate und der Regierung nur Verlegenheiten.

Konstantinopel, 5. December. Der frühere Finanzminister Mahmud Djellaledin Pascha ist zum Präsidenten der gesetzgebenden Section der Pforte ernannt. Die Pforte lehnte es ab, bevor sie den Ferman betreffend die Amnestie für Kreta veröffentlicht, den Inhalt den Botschaftern genau bekannt zu geben. Sie werde die Mitglieder der kretensischen Nationalversammlung von 80 auf 60 verringern, die Hälfte der Zolleinnahmen Kretas nicht mehr der Verwaltung der Insel überlassen, welche hieraus den Etat der Gensdamerie bestritt, für den die Pforte nunmehr selbst aufkommen wird. Ferner werde beantragt werden: die Reorganisation und die Verminderung der Zahl der gewöhnlichen Gerichtshöfe, die Auswahl von Civilbeamten unter ehrenwerthen, keiner Partei angehörigen Personen, die Reform der türkischen sowie der christlichen Schulen, der Schutz der einheimischen Industrie, die Vermeidung von überflüssigen Ausgaben, die Zusicherung einer regelmäßigen Localverwaltung, die Verbesserung der Häfen von Rethyno, Candia und Canea, die Errichtung einer Schifferschule, die den Bedürfnissen der Mittelmeerschiffahrt entsprechende Vervollständigung des Sudabai-Arsenals, die Errichtung von Handelskammern in Canea, Rethymno und Candia, die Gründung einer Handelsschule und die Errich­tung einer Musterwirthschaft in der Ebene von Candia, die Verbesserung der Pferdezucht, die Vervollständigung der land- wirthschaftlichen Bank, deren Gewinn der Bevölkerung zuge­sichert wird, endlich der Ausbau des Straßennetzes.

Washington, 5. December. Der gestern dem Kongreß vorgelegte Bericht des Finanzsekretärs Windom macht die Silberfrage zum Gegenstand einer eingehenden Erörterung. Er empfiehlt die Ausgabe von Schatznoten gegen Deponirung von Silberbarren zum Marktpreise des Silbers zur Zeit der Deponirung. Diese Noten sollen auf Verlangen in Silberbarren im gleichen Werthe mit Zahlung im Nennwerthe der Noten zahlbar sein. Die Zahlung soll erfolgen zum Marktpreise von Silber oder in Gold nach Belieben der Regierung oder auf Verlangen des Besitzers in Silberdollars. Der Bericht empfiehlt zugleich die Abschaffung der zwangsweisen Silber­prägung.

Nio de Janeiro, 5. December. Der bisherige Londoner Gesandte P e n e d o ist, weil er kein Anhänger der Republik ist, seines Postens enthoben und zu seinem Nachfolger der bisherige Gesandte in Rom, Stajnba, ernannt worden.

London, 6. December. Eine Neutermeldung aus Zan­zibar berichtet, daß Emin Pascha gestern in Bagamoyo infolge seiner Kurzsichtigkeit von einem 20 Fuß hohen Balcon gestürzt sei und sich schwer verletzt habe; sein Zustand sei höchst bedenklich. Dr. Pirke von der Stanleyexpedition hofft ihn jedoch zu retten.

Cocalcs und provittsiclles.

Gießen, 6. December.

-1. In den Kreisen der Landwirthe bestehen anscheinend vielfach Zweifel wegen der gegen die Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche vor Kurzem erlassenen Bestimmungen. Es kann deshalb Folgendes zur Aufklärung .bemerkt werden: Die scharfe Maßregel, daß der Transport von Rindvieh, Schafen, Ziegen und Schweinen von einer Gemarkung in eine andere nur bei dem Besitz eines thierürztlichen Gesund­heitsscheines zulässig ist, bezieht sich nur auf das Vieh der Händler, da erfahrungsgemäß durch die Händler und das aus ihren Ställen kommende Vieh die Maul- und Klauen seuchc vorwiegend verbreitet wird. Eine thierärztliche Be­scheinigung ist deshalb nicht nöthig, wenn ein Landwirth an einen anderen Landwirth, an einen Metzger oder auch an einen Händler Vieh liefert. Wohl aber muß der Händler, wenn das Vieh auch nicht in seinem Stall war, sondern er dasselbe direct bei dem Landwirth abholt, den betreffenden Schein haben, da Seitens der Polizeibehörde die Abstammung des betr. Thieres nicht controlirt werden kann. Die strengen Bestimmungen sind dadurch wesentlich* erleichtert worden, daß die Bürgermeistereien, wenn sie entsprechende kreisamtliche Ermächtigung eingeholt haben, für den Trans­port von Schlachtvieh selbst Gesundheitsscheine ausstellen können. Diesen Schein bedürfen, sofern er nicht etwa außer­halb des Großherzogthums überhaupt verlangt werden sollte, auch nur die Händler, da ja Landwirthe nach dem Eingangs Bemerkten für Viehtransporte überhaupt keinen Schein nöthig

haben. Die erlassenen Bestimmungen erscheinen hiernach wenigstens für den Landwirth dock nicht so drückend, als dies im Anfang den Anschein hatte.

* Gewisse Forderungen verjähren am 31. December des dritten Jahres, in welchem sie zahlbar bezw. klagbar waren- also am 31. December 1889 Forderungen aus Geschäften, welche im Jahre 1886 abgeschlossen. Den Bestimmungen unterliegen: 1) Forderungen der Fabrikanten, Kauf- und Handelsleute, Apotheker, Krämer und Händler jeder Art, der Künstler und Handwerker für Maaren und Arbeiten ihres Geschäfts- 2) die Forderungen der Wirthe und Kost­reicher für Beherbergung, für abgegebene Speisen und Ge­tränke und sonstige für ihre Gäste bestrittene Bedürfnisse und Auslagen- 3) Forderungen der Dienstboten, Fabrik­arbeiter, Handwerksgesellen, Tagelöhner und anderer Hand­arbeiter, desgleichen der Haus- und Wirthschastsbeamten, der Handlungsgehülfen und überhaupt aller in Privatverhält­nissen stehenden oder gestandenen Personen wegen ihrer Emolumente und etwaiger Auslagen für die Dienstherrschaft und die Forderungen der Dienstherren wegen der an die in Ziffer 3 genannten Personen geleisteten Vorschüsse- 4) Post­porto, Briefträgerlohn, Frachtgeld, Fuhrlohn, Pferdemiethe und Botenlohn- 5) die Forderungen der öffentlichen und Privat-Lehr-, Erziehungs- oder Verpflegungs-Anstalten für Unterricht und Unterhalt, Lehrgeld, Vorschüsse und Auslagen für Zöglinge und Lehrlinge- 6) Gebühren und Auslage­forderungen der öffentlichen Anwälte und Notare, Aerzte, Wundärzte, Hebammen, Müller, Feldmesser u. s. w. - 7) Hono­rarforderungen für Beiträge in Zeitschriften und Zeitungen- 8) rückständige Mieth- und Pachtgelder und bedungene Zinsen.

r. Theater.Er muß aus's Land." Was wir nicht für möglich gehalten haben, ist eingetreten. Auch die zweite Gastvorstellung des Herrn Wilhelm v. Hoxar vom Königlichen Schauspiel in Berlin ist vor gähnend leerem Hause von Statten gegangen. Jeden, der unsere Theater­verhältnisse etwas näher kennt, muß eine solche Erscheinung mit dem schmerzlichsten Bedauern erfüllen. Einmal ist es wahrhaftig kein schmeichelhaftes Gefühl, denken zu müssen, daß unsere Stadt mit ihren 2U000 Einwohnern nicht mehr als vierzig bis fünfzig Leute besitzt, die so viel Kunstinteresse haben, um sich den ungemein hohen Genuß, einen so hervor­ragenden Künstler, wie Herrn v. Hoxar spielen zu sehen, verschaffen zu mögen. Wir leben in einer Universitätsstadt, die fast 600 Studenten, außerdem eine stattliche Garnison, ein Gymnasium und Realgymnasium und vor allem eine reiche und angesehene Kaufmannschaft besitzt, und gleichwohl findet ein Mann, wie Hoxar, kaum eine Handvoll Zuhörer. So groß das Gesühl der Beschämung in diesem Falle auch bei uns ist, es wird noch von dem Gedanken überholt, daß in dem Verhalten der Gießener Bürgerschaft ein rechter Undank liegt. Als Herr Director Reiners dieses Jahr vor fein Gießener Publikum trat, hatte er keine Kosten gescheut, um die neuesten und besten Sachen für sein Repertoir zu kaufen. Als nach anfänglich freundlichem Entgegenkommen selbst Stücke wieDie beiden Leonorcn" undMadame Bonivard" nicht mehr zogen, sagte man ihm, die Gießener wünschten etwas Neues, Anderes. Daraufhin ließ sich Herr Director Reiners bereit finden, mit Herrn v. Hoxar einen Vertrag aus viermaliges Gastspiel abzuschließen und dem Gaste, wie wir aus zuverlässigster Quelle wissen, die Summe von sage und schreibe achthundert (800) Mark zu garanüren und nun lassen ihn die Gießener stecken, bringen ihck in eine Situation, in der er vermuthlich den ganzen Gewinn der ersten Wochen wird opfern müssen. Auch nächstes Jahr wollte Herr Reiners hierher kommen. Wir könnten es ihm nicht verargen, wenn er sich nach den jetzt gemachten Erfahrungen den Fall noch vier Mal überlegte und schließlich seinen Plan ganz ausgäb'e. Dann werden die Theaterzustände wieder ein­treten, die seiner Zeit unter Rheinberger bestanden, und dann wird die vernichtende Ironie, die darin liegt, oaß man in Gießen zwar Saalbau und Theater errichten will, aber nicht einmal ein tüchtiges Theaterunternehmen zu stützen vermag, noch ganz anders wirken. Diele Möglichkeit zu verhindern, muß Jedem, der an dem geistigen Niveau seiner Vaterstadt und ihrem Ruf daran, daß sie keine Banausenstadt heißen soll etwas Interesse hat, sehr am Herzen liegen. Noch bietet sich am Sonntag Gelegenheit dazu. Dabei handelt es sich doch um keine zweifelhafte Sache, sondern um ein künst­lerisches Unternehmen ersten Ranges. Selbst Diejenigen, die in Bezug aus das Theater verwöhnt sind, werden an dem ganz hervorragenden Spiel des Gastes eine ungetrübte Freude haben. Seine unerreichte Sicherheit und Gewandt­heit, sein völliges Aufgehen in seiner Rolle, seine unvergleich­liche Kunst, den Gestalten, die er verkörpert, in nicht genug zu bewundernder Weise Fleisch und Blut zu geben, machen ihn zu einem der allerersten Vertreter seines Faches. Seine außerordentliche Vielseitigkeit zeigt er in verblüffendem Maße dadurch, daß er nach der alle Tiefen des menschlichen Herzens erschöpfenden Rolle des Kean jetzt eine weltmännisch leichte elegante Bonvivautpartie mit der vollcudetsten Meisterschaft spielte und das vor einem so lächerlich kleinen Publikum, wie es Herr v. Hoxar, der schon von Fürsten und Herrn, und in den größten, in Bezug aus Theater blasirtesten Städten Deutschlands reichen Beifall geerntet hat, wohl noch nie erlebt hat. Wir wiederholen: Es betrügt sich jeder selber, der die Gelegenheit, einen so vollendeten Künstler zu sehen, unbenutzt vorüber läßt.

T Drei jugendliche Diebe, Heinrich Nuhn von Treis au der Lumda, Heinrich Rühl von Garbenteich und Andreas Faulhaber von Sandbach, sämmtlich in Gießen, welche die im Lause dieses Sommers in hiesiger Dampfmolkerei, bei Kaufmann Bachrach und aus Textors Terrasse begangenen Einbruchsdiebstähle in Gemeinschaft ausgeführt haben, standen heute vor der Strafkammer des Landgerichts. Nuhn, als der Meistbelastete, wurde in eine Gefängnißstrase von 2 Jahren 6 Monaten, der bereits vorbestrafte Rühl in eine solche von 1 Jahr 9 Monaten und Faulhaber in eine solche von 4 Mo-