Ausgabe 
31.1.1886 Zweites Blatt
 
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ihre entschiedene Mißbilligung bezüglich des herausfordernden Auftretens dieses Staates zu erkennen gegeben haben, hat nunmehr die Pforte selbst von Griechenland Ausklärungen verlangt und sogar ein Ultimatum angedroht. Von der türkischen Negierung ist hierbei speciell auf das Gerücht von einer Re­volution aus Kreta hingemiesen worden, womit doch die Absendung dreier griechischer Panzerschiffe in Verbindung zu bringen sei. Das Athener Cabinet hat sich nun beeilt, hierauf zu erwidern, daß ihm von einer Erhebung auf Kreta nichts bekannt sei; außerdem läßt es die Nachricht dementirön, daß drei griechische Panzerschiffe nach Kreta entsendet worden seien. Ueber die sonstigen Entschließungen der griechischen Negierung ist zur Stunde Definitives noch nicht bekannt.

Darmstadt, 28.Januar. fZweite Kammer der Stände.) Der Abg. Theobald erstattete Namens deS ersten (Finanz-) Ausschusses Bericht über den Antrag des Abg. Ellenberger,die Großh. Negierung zu ersuchen, die ärmeren, mitCommunallasten allzu stark belasteten Gemeinden bei Aufbringung der Mittel z. V. für Schulhaus­bauten, Lehrerbesoldungen rc. noch mehr, als das bisher geschehen, zu unterstützen und im nächsten Budget dem entsprechende Vorkehrung zu treffen."

Das Großh. Staatsministerium hat sich auf bez. Anfrage dahin geäußert, daß die Großh. Negierung bereit sei, bei Aufstellung des nächsten Staatsbudgets in nähere Erwägung zu ziehen, ob es thunlich erscheint, ärmeren Gemeinden noch reichlichere Unterstützungen als seither zu den angeführten Zwecken aus Staatsmitteln zu gewähren und die dazu nöthige Vorkehrung im Staatsbudget zu treffen, unter Hinweis darauf, daß die bezüglichen Unterstützungen jetzt schon im Verhältniß zu den entsprechenden Leistungen aus Staatsmitteln in anderen deutschen Staaten sehr ansehnliche seien. Der Ausschuß hielt ebenfalls vorerst eine reiflichere Erwägung «ller einschlägigen Ver­hältnisse erforderlich und beantragt deshalb: 1) Großh. Negierung zu ersuchen, bei Ausstellung des nächsten Staatsbudgets in nähere Erwägung zu ziehen, ob es thunlich erscheint, ärmeren Gemeinden noch reichlichere Unterstützungen in der in dem Antrag angedeuteten Richtung als seither aus Staatsmitteln zu gewähren und event. die dazu nöthige Vorkehrung im nächsten Staatsbudget zu treffen; 2) den Antrag des Abg. Ellenberger jur erledigt zu erklären.

Im Staatsbudget betragen die Zuschüsse an bedürftige Gemeinden zur Auf­bringung der Lehrergehalte 175 652.97 jt, die Remunerationen der Katecheten 6124.76 JL, die Dienstalterszulagen 194 556.50 A, zusammen über 376 000 JL (Die Staatszuschüsse zu den Lehrergehalten betragen in Starkenburg zusammen an 164 Gemeinden 75 036.71 in Oberhessen an 240 Gemeinden 83 943.12 <A, in Rheinhessen an 57 Gemeinden 16 633.14 J4) Dazu kommen noch Zuschüsse für Schul­hausbauten u. s. w.

Den Bericht des ersten Ausschusses zweiter Kammer über die Mittheilung der ersten Kammer bezüglich des Antrags des Fürsten zu Jsenburg-Birstein Durchlaucht und des Freiherrn Ludwig Riedesel zu Eisenbach auf Vorlage eines Gesetzentwurfs wegen Ueberweisung eines Theiles der auf das Großherzogthum entfallenden Reineinnahme aus indirecten Reicbssteucrn (Zöllen) an die Gemeinden zur Bestreitung ihrer Lasten, ins­besondere Schullasten, erstattete der Abg. Möllinger. Dieser Antrag beabsichtigt, den Ueberschuß der Zölle über die Matrikularbeiträge, welchen das Reich an die Einzel­staaten abgiebt, nicht in die Staatskasse fließen zu lassen, sondern den Gemeinden vor­nehmlich zur Tragung der Schullasten ju überweisen. Dieser Ueberschuß beläuft sich durchschnittlich jährlich auf ca. 500,000 JL In der Erwägung, daß es vom finanziellen Standpunkt aus nicht zuträglich sei, diesen Weg, der ein Verlassen unserer traditionellen guten Finanzwirthschaft bedeute, zu betreten und ferner, daß die Beiträge zu den Be­soldungen der Volksschullehrer re. sich auf 580 000 «X, diejenigen für Unterstützung für Schulhausbauten sich auf über 33 000 JL, der Beitrag zum Neubau von Kreisstraßen sich auf 60,000 jl. belaufe u. s. w., also ein sehr erheblicher Theil der Kosten des Dolksunterrichts in Hessen bereits vom Staate getragen wird, beantragt der Ausschuß: 1) Den Antrag des Fürsten zu Jsenburg-Birstein Durchlaucht und des Freiherrn Ludwig Riedesel zu Eisenbach abzulehnen; 2) dem aus Veranlassung dieses Antrags gefaßten Beschluß der Ersten Kammer, dahingehend:Der Großh. Negierung zur Er­wägung anheimzugeben, inwiefern der auf das Großherzogthum Hessen entfallende Antheil der indirecten Rcichssteuern (Zölle), nachdem der von dem Großherzogthum an das Reich zu zahlende Matrikularbeitrag in Abzug gebracht worden, den Kreisen zur Bestreitung ihrer Lasten, insbesondere der Schullasten zu überweisen", nicht bcizutreten.

Ueber den Antrag des Abg. Schade:Großh. Regierung zu ersuchen, den Ver­bänden der Hessischen landwirthschaftlichen Consumvereine, sowie der Hessischen land- wirthschaftlichen Kreditgenossenschaften behufs allgemeiner Förderung des landwirth­schaftlichen Genossenschaftswesens Staatszuschüsse von 3000 JL bezw. 1500 JL zu gewähren", hat Herr Abg. Theobald Namens deS ersten Ausschusses Bericht erstattet. Zum Theil im Einvcrständniß mit Aeußerung der Großh. Regierung hierüber beantragt der Ausschuß:Die Kammer wolle dem Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für den Rest der laufenden Finanzperiode den Betrag von 5000 JL zur Ver­fügung stellen, um mit demselben die Bildung, Organisation und technische Unter- weisung neuer Darlehnskassen oder Eonsumvcretne, jedoch ausdrücklich unter Ausschluß von Beihilfen an einzelne derartige Vereine zur Bestreitung von Kosten in deren Sonderinteressen, darunter namentlich von Kosten der Revision der Geschäfts- und Kasseführung der Vereine, zu unterstützen."

Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz richtet an die Stände des Großherzogthums und zwar zunächst an die zweite Kammer das Ansinnen:dieselben möchten zur Bestreitung der Kosten der Mobiliarausstattung des Sitzungssaales des Kretsamtsgebäudes in Offenbach im Betrage von 1160 aus den bet dem Neubau gedachten Gebäudes erzielten Ersparnissen die verfassungsmäßige Zustimmung ertheilen." Der erste Ausschuß beantragt Bewilligung dieser Summe. (D. Z.)

Universität- - Chronik.

Professor vr. Schanz in Würzburg hat einen ehrenvollen Ruf an die Universität Freiburg abgelchnt, aus welchem Anlaß ihm am 4. k. M. ein großer Fackel- zug seitens der Studentenschaft dargebracht werden soll.

In dem Befinden des vor Kurzem fälschlich todtgesagten Augenarztes Pro­fessor Horner zu Zürich, dessen gefährliche Krankheit eine allgemeine Theilnahme erweckt hatte, ist eine erfreuliche Besserung eingetreten,

Vermischte

Darmstadt, 26. Januar. sZur Volkszählung vom 1. Deccmber 1885.1 Die am 1. December 1885 im Deutschen Reich stattgefnndene Volkszählung ergab, nach Ausweis von Nr. 19, 2. Blatt derDarmstädter Zeitung" vom 19. l. M. für das Großherzogthum Hessen 956 170 Einwohner oder 19 830 mehr, wie die zunächst voraus- gegangenc, am 1. December 1880 stattgefundene Zählung, während letztere gegen die am 1. December 1875 ftattgefundene einen Zuwachs von 52 122 ergeben hatte. Es waren mithin in den 5 Jahren vom 1. Deccmber 1880. bis zum 1. December 1885 52122 19 830 32 292 Einwohner weniger zugewachsen, wie in den 5 Jahren vom 1. December 1875 bis zum 1. December 1880. Die Veranlassung der so erheblich geringeren Zunahme der Einwohnerzahl in den Jahren 1881 bis 1885 gegen die Jahre 1876 bis 1880 läßt sich, zum größten Theil. bis zu beiläufig zwei Driltthcil, nach­weisen. In den Jahren 1881 bis 1885 sind mehr Menschen aus Hessen ausgewandert und weniger Menschen dort geboren worden, wie in den Jahren 1876 bis 1880. Es sind nämlich nach überseeischen, außereuropäischen Ländern aus Hessen in de» Jahren 1876 bis 1880 nur 5621, aber in den Jahren 1881 bis 1885 17 959 ausgewandert, wobei das noch nicht bekannt gemachte Ergebniß des Jahres 1885 dem Durchschnitt der Ergebnisse der Jahre 1881 bis 1884 gleich gesetzt morden ist. Es übertraf die Aus- -wandernng nach überseeischen außereuropäischen Ländern in den Jahren 1881 bis 1885 die­jenige in den Jahren 1876 bis 1880 um 17 959 5621 12 338. Geboren wurden in Hessen einschl. der Todtgeborenen in den Jahren 1876 bis 1880 170 314 und in den Jahren 1881 bis 1885 nur 158 836 Menschen, wobei das noch nicht bekannt gemachte Ergebniß des Jahres 1885 dem Durchschnitt der Ergebnisse der Jahre 1881 bis 1884 gleich gesetzt worden ist. Uebrigens sind in den Jahren 1876 bis 1880 auch mehr

Menschen gestorben, wie in den Jahren 1881 bis 1885, nämlich 114 096 gegen 111174, wobei wiederum das Ergebniß des Jahres 1885 dem Durchschnitt der Ergebnisse der 4 oorausgegangenen Jahre gleich gesetzt worden ist. EL haben übrigens hier die Zahlen der mehr Geborenen als Gestorbenen zur Anwendung zu kommen. Es betrugen die mehr Geborenen als Gestorbenen 1876 bis 1880 170 314 114096 56 218 und 1881 bis 1885 nur 158 836 111 174 47 662, mithin 1881 bis 1885 56 218 47 662 8556 weniger wie in den Jahren 1876 bis 1880. In den Jahren 1881 bis 1885 sind hiernach mehr ausgewandert 12 338 und betrug der Ueberschuß der Geborenen über die Gestorbenen 8556 weniger wie 1876 bis 1880, zusammen 20 894. Hiermit sind von der Wenigerzunahme von 32 292 20 894 aufgeklärt, bleiben daher 11 398 un­aufgeklärt. Diese dürften durch weitere Auswanderung zu erklären sein. Die Ver­öffentlichung der überseeischen außereuropäischen Auswanderungen, welchen die vor­stehenden Zahlen in diesem Betreff entnommen sind, geben nur die Zahlen der Aus­wanderungen über Bremen, Hamburg und Antwerpen und in nicht gehörig geordnetem Zustand auch diejenigen der Auswanderungen über Havre. Es fehlen die Angaben der über holländische und englische Häfen vorgekommenen Auswanderungen gänzlich. Auch sind hier die Auswanderungen nach deutschen Staaten, wie nach anderen Staaten in Europa außer Acht gelassen. Es mag hiernach zu den in Rechnung gezogenen Auswanderungen noch eine größere Anzahl hinzukommen. Freilich sind dagegen die in umgekehrter Richtung wirkenden Einwanderungen in das Großherzogthum gänzlich außer Acht geblieben. Die in den Jahren 1881 bis 1885 vorgekommene erhebliche Abnahme der Anzahl von Geborenen gegen die in den Jahren 1876 bis 1880 dürfte in der Abnahme der Eheschließungen, vielleicht zum großen Theil, Erklärung finden. Es haben nämlich und zwar in Uebercinstimmung mit anderen deutschen und nicht­deutschen Staaten seit einer Reihe von Jahren in Hessen die Eheschließungen abgc- nommen. In Hessen war die Abnahme vom Jahre 1872 (8343 Eheschließungen) bis zum Jahre 1880 (6318 Eheschließungen) eine stetige von Jahr zu Jahr. In den Jahren 1881 und 1882 haben Steigerungen auf 6423 und 6501 stattgefunden. Im Jahre 1883 kam dagegen ein Rückgang auf 6285, im Jahre 1884 jedoch wieder ein Aufschwung auf 6723 vor. Die Zahl der unehelich Geborenen hat seit 1868, dem Jahr des Erscheinens der die Eheschließungen erleichternden Gesetze, im Großherzogthum gleichfalls und zwar von beiläufig 17 von 100 Geborenen auf.beiläufig nur 7 ab­genommen. In den Jahren 1876 bis 1880 hatte und zwar übereinstimmend mit dem Deutschen Reich, im Großherzogthum eine jährliche Zunahme der Bevölkerung um 1,18, dagegen in den Jahren 1881 bis 1885 nur um 0,42 Procent stattgefunden. Das Ergebniß des Reiches für letztere Jahre ist noch abzuwarten. Von den 6 Kreisen in Oberhessen ist eine Zunahme der Bevölkerung nur in einem einzigen, dem Kreise Gießen, nachgewiesen. Wird die Stadt Gießen, mit erheblicher Zunahme, ausgeschieden, dann ergiebt sich für den Rest des Kreises Gießen gleichfalls nicht nur eine Zunahme, sondern eine Abnahme. Außerdem kommen Abnahmen in den zu der Provinz Starkenburg gehörenden Kreisen Dieburg und Erbach vor. Die Abnahme in dem Kreise Dieburg ist unerheblich, dagegen die in dem Streife Erbach recht bedeutend. Die bedeutende Abnahme im Kreise Erbach erklärt sich wohl dadurch, daß zur Zeit der Volkszählung im Jahre 1880 eine große Anzahl Angehöriger anderer deutscher Staaten, auch Italiener und Tyroler, bei dem Eisenbahnbau Erbach-Eberbach beschäftigt war, daher mitgezählt wurden, aber bei der letzten Volkszählung dort fehlte. Auch die im Jahre 1880 bei dem Bau der Eisenbahnen Friedberg-Hanau und Babenhausen-Seligen­stadt beschäftigten Ausländer mögen in ähnlicher Weise, wenn auch nicht in so be­deutendem Maße mitgewirkt haben. Alle 5 Kreise der Provinz Rheinhessen weisen eine Zunahme der Bevölkerung nach. (D. Ztg.)

sDer neue Jobs.) Eine heitere Prüfungsepisode macht gegenwärtig' in Wiener medicinischen Kreisen die Runde. Ein bereits zweimal durchgefallener Eandidat stand zum dritten Male vor seinen Richtern und wurde zunächst befragt, auf welche Art er Hämorrhoiden zu heilen gedenke. Seine Antwort, daß er dies durchRind­fleisch mit gemischter Sauce" bewerkstelligen wollte, verblüffte den Professor dermaßen, daß er blos die Gegenfrage an Jenen richtete:Was verstehen Sie untergemischter Sauce?"Sauce mit Erdäpfeln", erwiderte der Eandidat, heilfroh, etwas zu wissen, was der Professor nicht zu wissen schien.Nun, lassen wir die Hämorrhoiden", dehnte der Professor,und mögen Sie nie in die^Lage kommen, gemischte Sauce als Heil­mittel genießen zu müssen. Sagen Sie mir lieber, wo kommen typhöse Geschwüre am häufigsten vor?"Im Krankenhause auf der pathologischen Abtheilung", war die sicher abgegebene Antwort des Eandidaten. Der Professor faßte ihn nun immer schärfer in's Auge.Welchem Specialfache wollen Sie sich denn eigentlich widmen?" Der Zahnheilkunde."Also sagen Sie mir, unter welchen Erscheinungen geht das Zahnen der Säuglinge vor sich?" Der Eandidat sann eine Weile nach, bann sagte er mit wissenschaftlichem Nachdruck:Das Zahnen der Säuglinge geht unter heftigen Konvulsionen vor sich; namentlich macht sich ein Knirschen der Zähne deutlich vernehmbar." Auf diese letzte Antwort des Eandidaten Jobsis erfolgte eilt allgemeines Schütteln des Kopfes . . . Man hörte ein lautes Hem hem! und wieder secundum ordinem!

In Stuttgart besorgt ein Briefträger die Leerung der Briefkasten auf einem Dreirad, ohne abzusteigen.

sZeitungswesen.) Nach Mittheilungen des Generalprstmeisters v. Stephan in der Budgetcommisfion des Reichstags erfcheinen zur Zeit auf dem gesammten Erdenrund etwa 34,700 Zeitungen in 10,592,000,000 Exemplaren, also pro Kopf der lebenden Menschen etwa 61/» Exemplare. Von diesen Zeitungen erscheinen in Europa 19,540, in Nordamerika 12,400, in Asien 750, in Südamerika 609. In englischer Sprache erscheinen 16,500, in deutscher 7800, in französischer 3850, in spanischer Sprache 1000 Zeitungen. Etwa 4020 Zeitungen erscheinen täglich, 20,000 zwei- und dreimal wöchentlich, der Rest msnatlich bezw. jährlich einmal.

Literarisches.

Meyer'A ConversationS-Lexikon. Vierte, vollständig umgearbeitete Auflage. In 16 Bänden gebunden L 10 Mark 256 Lieferungen k 50 Pfennig. Leipzig, Bibliographisches Institut, 1886.

Im Streit über den Werth der verschiedenen Conversations-Lexika ist das Meyer'sche oft und von den verschiedensten Seiten als die inhaltreichste und zuver­lässigste aller Encyklopädien. die wir besitzen, bezeichnet worden. Wir wollen nur hinzufügen, daß es jedenfalls auch die neueste ist, denn soeben ist von der im Erscheinen begriffenen vierten Auflage der dritte Band, vonBlattkäfer" bisEhimbote" reichend, zur Ausgabe gelangt, in dem wir die Daten und Ereignisse bis auf die aller­jüngste Zeit herab registrirt finden. Auch dieser Band zeigt die ebenso elegante als gediegene Ausstattung wie die vorhergehenden beiden Bände. Der Einband ist dauer­haft und geschmackvoll, der Druck scharf, das Papier fest und holzfrei und die zahl­reichen Abbildungen im Text (245), sowie die Karten, Tafeln und Pläne (25) zeigen eine ebenso sorgfältige und geschickte Auswahl wie musterhafte Ausführung. Das dem ArtikelBuchdruckerkunst" beigegebene Facsimile eines Blattes der 42zeiligen Gutenberg- Bibel von 1455, des schönsten je gedruckten Werkes, ist z. B. von einer Vollendung, an welche die Versuche gleicher Art in ähnlichen Werken nicht heranreichen. Wichtiger ist aber schließlich immer der innere Gehalt einer solchen Encyklopädie, die Art der Bearbeitung des Textes durch die 160 Mitarbeiter und die über diesen stehenden 6 Fachredactionen. Wie einsichtsvoll, schreibt dieWeserzeitung", die Verlagshandlung in der Wahl dieser Fachmänner gewesen ist, das zeigen uns die bereits vorliegenden Bände der neuen Auflage noch deutlicher als die entsprechenden Bände der dritten Auflage. Auch hierin wie in der Behandlung der Artikel wird der Fachmann die voll­ständige Sachkenntniß erblicken. Eben die vollkommen sachgemäße Dertheilnng des Stoffs ist unseres Erachtens ein wesentliches Moment, worin die in der That be- wundernswerthe räumliche Abrundung jedes einzelnen Faches und ebendamit auch die vollkommene Gleichmäßigkeit in der Organisation des ganzen Werkes besteht. ES bringt kein Wort zu wenig, kein Wort zu viel und jedes Wort am rechten Ort, aber nicht nur in lexikalischer Nüchternheit und Trockenheit, sondern da, wo es sich um die Schilderung großer Eharaktere von nationaler Bedeutung handelt, mit einer wohl- thuenden Wärme und Begeisterung, z. B. in den Artikeln der Componisten Sebastian Dach, Beethoven und anderer. Das Gesagte möge für heute genügen, um auf die Trefflichkeit des umfassendsten literarischen Muster- und Meisterwerkes der deutschen Nation Hinzumeisen. Seinem weiteren raschen Fortschreiten sehen wir mit der besten Zuversicht entgegen.