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Freitag den 1. Januar
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Msntckgö.
Bwteaui Schulftraße 7.
gemeinde zu Gießen
Donnerstag den 1£L Januar 1886
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Zum neuen Jahre
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Der Wahlcommissär: Römheld, Regierungsassessor.
Vormittags von 9—12 und Nachmittags von 3-5 Uhr, im Saal des alten Rath Hauses dahier stattfinden.
Sämmtliche nach § 2 der genannten Wahlordnung Stimmberechtigte werden zur Wahl mit dem Bemerken emgeladen, daß die ausscheidenden
lebt noch, und heute noch gilt des Dichters Wort, daß jeder tüchtige und ehr liche Streiter aus Erden
Des Strebens lohnend Ziel erreicht, Der nie vom Psad der Ehre weicht, Und der mit Energie und Fleiß Sein Lebensboot zu steuern weiß!
Vorstandsmitglieder wieder wählbar sind. Gießen, den 30. December 1885.
Aeutschkand.
Darmstadt, 29. December. Die Ausbesserung der Wittwengehalte der Civilstaatsdiener betreffend, ist, wie man dem „Frkstr. Journal" mittheilt, eine mit über 200 Unterschritten bedeckte Adresse, darunter die der Mitglieder des gesummten Oberlandergerichts, zahlreicher Land« und Amtsrichter, Gym- nasicö- und Reallehrer, Finanz» und Administrativ-Beamten, an Se- KSnigl. Hohe"' den Großherzog abgegangen. Da der mit Ausarbeitung der Gesetzes- Vorige -.beauftragte Reserent solche vor Monaten dem Finanzministerium endlich unterbreitet hat, so darf man hoffen, daß der Entwurf den Ständen zur Be- rathung nunmehr vorgelegt werde, und daß auch die Stände demselben bereitwillig entgegenkommen werden, zumal aus der zweiten Kammer die Anregung zur Gesetzes-Vorlage hervorgegangen ist. Wie man vernimmt, wäre für die Pensionen der Wittwen ein Drittel der Pensionen des verstorbenen Mannes bis zu 1600 M. Wittwen-Penfion vorgesehen, und wären auch für die Kinder bis zu ihrer Großjährigkeit Einzelbestimmungen getroffen.
Dabei ist es wohl als selbstverständlich zu betrachten, daß das Gesetz nicht nur für die Zukunft Wirkung erhalten soll, fondern daß von demselben auch die Wittwen der bei der demnächstigen Publikation bereits verstorbenen Civil- staatsdiener mit inbegriffen werden. Es läge kein Grund vor, ja es wäre eine unmotivirte Härte, diese auszuschließen, da ihre Gatten dem Staate die gleichen Dienste geleistet haben und der Rothstand im Lande, wie schon die Petition beweist, ein allgemeiner ist.
— Es kommt sehr häufig vor, daß Personen, weiche dem Kranken-Ver- ficherungszwange unterliegen, aus den freien Hülsskassen, denen sie angehören, aus freiem Entschlüsse wegen Nichtzahlung der Beiträge oder aus andern Gründen ausscheiden. Mit dem Momente dieses Ausscheidens aber werden solche Personen, wenn sie in der bisherigen Befchästigung verbleiben, nach § 19, Absatz 2 des Kranken-Versicherungs-Gesetzes ohne Weiteres Mitglieder der für ihren Erwerbszweig bestimmten Orts-Krankenkasse, und dem bett. Arbeitgeber liegt die Anmeldung des aus der freien Hülfskasse Auszeschiedenen, sowie die Einzahlung der Beiträge an die Ortskrankenkasse ob. Die Arbeitgeber sind daher verpflichtet, zur Vermeidung empfindlicher Nachtheile das Verbleiben ihrer verficherungspflichtigen Arbeiter in den freien Hülsskassen genau zu controliren. Die Vorstände der Orts-Krankenkassen find in der Lage, gegen die Außerachtlassung dieser Controls einzuschreiten.
München, 30. December. Wie die „Allgemeine Zeitung" meldet, wird fich der Generaladjutant, General Freiherr von Horn, im Auftrage des Königs nach Berlin begeben, um dem Kaiser Wilhelm ein Gratulations-Schreiben des Königs zur Feier bes Regierungs-Jubiläums zu überreichen.
Frankreich.
Paris, 29. December. In der? französischen Republik vollzieht sich der Uebergang vom alten zum neuen Jahre unter bemerkenswerthen politischen Erscheinungen. Noch im alten Jahre ist die Wiederwahl des bisherigen Präsidenten der Republik, des Herrn Grövy, auf weitere 7 Jahre von dem zu diesem Zwecke am Montag in Versailles versammelt gewesenen Congresse vollzogen worden. Der wichtige Act erfolgte allerdings erst nach stürmischen Debatten, in denen namentlich die Mitglieder der Rechten sich in heftigen Angriffen auf die Republik Überboten. Bei der Wahl selbst wurden im Ganzen 589 (Stimmen abgegeben, von denen Grövy 457 Stimmen erhielt, während sich die Übrigen Stimmen zersplitterten. Der Cabinetspräsident Brisson erhielt 67 Stimmen, welche ihm von den Opportunisten gegeben wurden, denen Herr Grövy wenig genehm ist. Im Allgemeinen sind also die sranzöfischen Republikaner darüber einig, daß es unter den obwaltenden Umständen am besten sei, an dem bisherigen Präsidenten der Republik, welcher in der That in dem Parteigetriebe Frank-
Im allen deutschen Volkslieds knüpft sich „ans fröhliche Ende der fröhliche Anfang an." Wir Deutsche können zwar auch dem alten Jahre 1885 keine Censur „summa cum laude“ ertheile«, aber es zeigte sich doch in der Reihe der vielen schlechten Jahre, über welche feit einem Dutzend von Jahren die ganze Welt, nicht Deutschland allein, sich beklagt, nicht als das schlechteste. Ein Jahr, was ist's? Eine Spanne Zeit im ewigen Strom der Zeiten, ein Begriff, den wir uns selbst geschaffen, wesenlos und unergründlich gleich dem Begriffe des Raumes. Ist es nicht überhaupt überhebend und anmaßend, daß der Mensch die Zeiten kritisirt, anstatt sich selbst zu fragen, wie und durch welche Mittel er an seinem bescheidenen Theil beitragen könnte, sich selbst und damit Die Zeiten zu ändern und zu bessern. Ob wir die Zeit segnen oder ihr zürnen, ob wir sie tadeln oder loben, es ist eitel menschlich Thun, das gleich unserem Wissen Stückwerk ist. Aber es liegt nun einmal im menschlichen Denken, daß wir die Zeiten oder die allgemeinen Verhältnisse zum Sündenbock zu machen geneigt sind, und so sprechen wir heute wie vor Jahrtausenden noch unser llrtheil über ein verstossenes Jahr.
In diesem Sinne gedenken wir gerecht d-s „Charakters" des Jahres 1885, das wir mit neuen Hoffnungen begrüßten und das wir ohne Groll scheiden sahen. Das verflossene Jahr verdient schon deshalb unser Lob, weil es die Kriegssurie nicht entsesselt hat. Wohl sahen wir ein Wetterleuchten im fernen Asten, wo die ermüdeten Streitkräfte Frankreichs und Chinas Frieden schloffen in einem Kriege „ohne Kriegserklärung", wohl stieg ein unheilschwangeres Gewitter in Afghanistan auf, das jeden Augenblick nicht allein Rußland und England schwer schädigen, fondern die ganze Welt in Mitleidenschaft ziehen konnte, wohl schien der politische Horizont für Deutschland und England, welches sich als eifersüchtiger Rivale in unsere Kolonialpolitik mischte, zwischen Deutschland und Spanien, welche um die ferne Inselgruppe stritten, bedroht und es zeigte sich der Kriegsschrecken den Balkanstaaten, als bereit Hüter Rußland, Frankreich und England in Conflicte gerathen schienen. Roch immer bedroht den europäischen Conlinent jene große unheilschwangere orientalische Frage, die so ost schon zu großem Blutvergießen Anlaß gab. Klar wie 1884 der Tag von Skierniewice erwies stch 1885, die Kremsierer Zusammenkunft von friedlicher Wirkung. Das verflossene Jahr hat das starke Bündniß zwischen Oesterreich, Rußland und Deutschland besestigt. Es hat uns auch, Dank dem Schöpfer, bewahrt vor einer weiteren Verbreitung der Cholera, obwohl sie abermals Italien, Spanien und das südliche Frankreich hart schädigte. Eine mittelgute Ernte ward uns zu Theil, und in den meisten Gebieten des Handels und der Industrie, aus dem Markte der Arbeit und der vielseitigen Erwerbsihätigkeit zeigten sich kräftige Spuren einer allmäligen Besserung, aus welche wir wenigstens neue Hoffnungen bauen können. Die Verlustliste durch elementare Ereignisse ist, wie alle Jahre, groß, aber doch nicht so schrecklich, wie in früheren Jahren, wie alle Jahre schieden eine große Zahl um das Vaterland und um die Menschheit verdiente Männer im Zuge des Todes von bannen, aber unser Kaiser wurde uns gesund erhalten und noch leben und wirken seine besten Rathgeber und mit ihnen die hervorragenden Männer des Volkes.
Ist auch die frohe Lust des Neujahrsfestes nicht ungetrübt, so begrüßen wir doch das neue Jahr 1886 mit neuen Hoffnungen und mit frischem Muth. Wir schauen nicht zaghaft zurück, sondern vorwärts mit dem alten Gottvertrauen und der alten Zuversicht. Dieselbe Hand, welche dem alten Jahre den Abschiedsgruß zuwinkt, hält den Willkommens-Becher für 1886 in fester Hand. Der Glockenklang oerrätb uns nicht, was das neue Jahr bringen wird, still verrauscht ihr eherner Nachtgesang. Aber die Gläser klingen in froher Hoffnung zusammen! — und Hoffnung läßt nicht zu Schanden werden! Mag all' der Sang und Klang nicht nur Segen künden, sondern auch Glück bringen! Geht's auch zuweilen stell bergan, der alte Gott, der keinen Deutschen verläßt,
Einladung
zur Wahl des Vorstandes der Israel. Religionsgemeinde zu Gießen
Es wird zur Kenntniß der Interessenten gebracht, daß die Dienstzeit der Vorstandsmitglieder Herren Mayer Hornberger und Sigmund Heichelheim abgelaufen ist, sowie daß das Vorstandsmitglied Herr Aron Stern auf seinen Antrag vom Großh. Krersamt Gießen entlassen wurde. Es soll deßhalb gemäß den Vorschriften der Wahlordnung vom 4. August 1871 die Neuwahl dreier Vorstandsmitglieder der israelitischen Religrons-
ichener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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