— Lord Jddcsleigh (einst Sir Stafford Northcote) ist zum Minister des Auswärtigen, Londonderry zum Vicekonig von Irland, Hicks-Beach zum Staatssecretär für Irland und Lord R. Churchill zum Schatzkanzler ernannt.
Madrid, 28. Juli. Die Kammer beschloß, die noch zu ihren früheren Herren in Abhängigkeit stehenden 26,000 Neger Cubas in vollständige Freiheit zu setzen
Konstantinopel, 28. Juli. Gestern wurde ein Theil der Verbindungsbahn zwischen Uskub und Vranja probeweise mit einer Locomotive und einer Geschwindigkeit non 40 Kilometer per Stunde befahren.
Universität»»Chronik.
Gießen. Dem praktischen Arzte Herrn Dr. med. Ferd. Fuhr dahier ist die venia legendi bei der medicinischcn Fakultät speciell für das Lehrfach der Chirurgie ertheilt worden.
Berlin, 28.Juli. Gestern Abend fand in der Philharmonie der Festcommcrs der Berliner Studentenschaft anläßlich des bevorstehenden 70. Geburtstags von Professor Gneist statt, gleichzeitig mit der Weihe der neuen Fahne der Universität. Der Saal war festlich geschmückt, die Büste Gneist's von Fahnen der verschiedenen Verbindungen umgeben; vor der Büste war die einzuwcihende Fahne aufgestellt. Gneist und Rektor Kleinert wurden bei ihrer Ankunft von Chargirten unter Tusch in den Saal geleitet. Anwesend waren zahlreiche Professoren, darunter Beseler, Curtius, Dernburg, Bellermann. Rektor Kleinert brachte ein enthusiastisch aufgenommenes Hoch auf den Kaiser aus. Der Vorsitzende des Ausschusses der Studentenschaft hielt die Festrede auf Gneist, worauf Letzterer, umgeben von einer Chargirtenschaar, vor das neue Banner trat, dasselbe unter Hinweis auf die Aufgaben der jetzigen akademischen Jugend weihte, mit dem Wunsche, daß die Fahne bei jedem Auftreten der akademischen Körperschaften als Ganzem voranglänzen möge. Gneist schloß mit einem Hoch auf die akademische Jugend; nach weiteren Toasten Dernburg's auf dm Ausschuß, Hoffmann's auf Gneist re. begann die allgemeine Fidelitas.
Lokale».
V Gießen, 29. Juli. sAbonnement-Concert.] Da der diesjährige Sommer an Frische und Feuchtigkeit nichts zu wünschen übrig läßt, so darf sich auch Niemand wundern, wenn von den 6 Abonnement-Concerten des Herrn Musikdirectors Krauße nur ein und ein halbes im Freien stattfinden konnte und der Rest in den Saal verbannt werden mußte, uni dem Schnupfen re. die Ernte zu entziehen.
Die Sommer-Abonnement-Coneerte fanden aber trotzalledem am Mittwoch einen würdigen Abschluß und wer nicht dazu ausersehen ist, die Bayreuther Festspiele zu genießen, der konnte sich als Wagner-Verehrer wenigstens einigermaßen in des Meisters Schöpfungen hineinleben, indem Herr Krauße den 2. Theil des Concerts einigen Werken Richard Wagner's zur Verfügung gestellt hatte. Die Pflege des Wagnerthums bat in Gießen erfreuliche Fortschritte gemacht, einestheils durch den in's Leben getretenen Zweigoerein und anderntheils durch die Bestrebungen unserer Regimentsmusik, welche derselben hoch anzurechnen sind.
Obgleich es nun der Character der Instrumente bedingt, daß die Ausführung von Militär-Orchester nicht einen so günstigen Eindruck macht, als dieselbe von Streich- Orchester, so wurde uns doch ein großer Genuß bereitet, mit der Richard Wagner- Abtheilung und vor allen Dingen war es die Wiedergabe von Walthers Traumlied <ms „Die Meistersinger" und der gigantische Trauermarsch aus „Götterdämmerung", welche beiden Nummern einen erhabenen Eindruck machten und von dem zahlreichen Publikum, welches diesmal übrigens recht aufmerksam zuhörte, stürmisch und begeistert applaudirt wnrde.
Im letzten Theil intcressirte uns besonders ein Chor von Lur ans der Oper: „Der Schmied von Ruhla". Recht hübsch ist derselbe in seiner Art, aber wenig originell und stark an Weber anlehnend.
Möge- Herr Musikdirector Krauße fortfahren, durch eracte Vorführung gediegener musikalischer Werke sich den Dank der Musikfreunde zu erwerben. — a—
Gießen, 29. Juli. Der neu gebildete landwirthschaftliche Localoerein in Hungen wird Sonntag den 8. August, Nachmittags seine erste Sitzung in Hüngfti abhalten und hat hierzu den landwirthschaftlichen Localoerein Gießen eingeladen. Letzterer wird dieser Einladung nicht nur entsprechen, sondern es hat auch der Begründer desselben, Herr Professor 0--. Th aer von hier, in dankenswerther Weise einen Vortrag über die künstlichen Dünger in der Landwirthschaft zugesagt.
Gießen, 29. Juli. Gestern Nachmittag brach in dem benachbarten Königsberg Feuer aus, welches mehrere Gebäude in Asche legte. Es gelang nur den größten Anstrengungen, des Feuers Herr zu werden.
Vermischte».
Mainz, 26. Juli. Der gestrige Tag, der uns einen so ungeheuren Zufluß von Fremden brachte, ist glücklicher Weise ohne einen ernsten Unfall abgelaufen; abgesehen davon, daß einige Damen während des Gedränges am Abend den Verlust ihrer Börsen zu beklagen hatten, ist uns nur bekannt, daß einem Herrn die Uhr entwendet worden ist und bei der Illumination einige Gardinenbrande vorgekommen sind. Auf der Hessischen Ludwigsbahn wurden außer den verstärkten Courszügen 12 Extrazüge mit über 200 Wagen befördert. Mit den ersten Zügen Morgens kamen mindestens zwölftausend Personen hier an. Trotz dieses enormen Verkehrs wäre alles glücklich abgelaufen, wenn nicht heute Nacht in Worms zwischen 1 und 2 Uhr der Bahnwärter Jansen von einer Maschine des ersten Extrazuges todtgefahren und vollständig verstümmelt worden wäre. Die Straßenbahn beförderte am gestrigen Tage zwischen 11 000 trotzdem am Vormittag und Abends beim Fackelzug der Verkehr längere Beit unter' broeben werden mußte. Tas Banket in der „Stadthalle" war wohl das giößtc in Deutschland in einem geschlossenen Speisesaal gegebene Festessen. An 1600 Personen haben gegessen und zwar nicht wie man es bei Turn- und Schützensesten gewöhnt ist sondern vollständig table d’hote mit 8 Gängen. Auf 10 Personen kam ein Kellner so Aß bei jebem Gang 160 Kellner aufmarschirt sind. Trotz dieser riesigen Buffetgesellschaft ftnb alle Teilnehmer des Lobes voll über den Verlauf des Festmahles. n . ^orms, 23. Juli. (Mittelrheinisches Turnfest.j Im Laufe dieser Woche iiaa ^Meldungen der auswärtigen Vereine zahlreich ein, so daß bis heute nahezu Ja 3£T-nCrr .^gemeldet sind, wahrend noch viele größere Vereine, namentlich ans dem Gau Rhemhesien rm Rückstand sind. Ganz besonders stark ist der Gau Frankfurt vertreten, die Stadt Franksurt selbst mit 400 Turnern und eigenem Musikeorps, ebenso Essenbach, welches nnt über 200 Turnern und ebenfalls eigenem Musikeorps auf;
Erkauf der personellen Eintrittskarten hat die Höhe von 2000 Stuck berei s, erreicht undje mehr die Tage des Festes herannahen, desto größer wird die Sympathie, die man denuelben entgegenbringt; unser Worms wird den alten behaupten. Preisturner sind bis jetzt 100, Preisfechter
JWuftemcgen -3 au§ -19 seinen angemeldet und zwar aus folgenden Städten' Wiesbaden, Maimer-Turnverein: Barren und Reck. Coblenz, Turngesellschaft: Barren' Osthofen, Turngemeinde: Pferd. Sachsenhausen, Turnges ll- 'idjait: Mrd Frankfurt Turn- und Fechtclub: Barren; Turngemeinde: Barren- Turnverein: Barren und Pferd Afchaffenburg, Turnverein: Reck. Wetzlar, Turn- gemeinde: Barren. Be sungen, Turngemeinde: Barren. Offenbach, Tumgesellschaft- Barren;.Zog lngsnege: Barren. Darmstadt, Turngemeinde: Pferd, ©ie&en Mnn r-: l^rem-Barrem Hanau, Tiirngemeinde: Barren. Bockenheim, Turnverein Vor- warts : Pferd Offenbach Turnverein: Barren und Reck. Worms, Turngemeinde- L°ppelpserd und Karren. Die Zahl der Musterriegen hat sich seit Wiesbaden b s jetzt schon mehr als verdoppelt, dagegen wird die Zahl der Wettturner, in Folge der er homen Anforderungen, etwas gegen früher zurückbleiben. Möge günstiges Wetter die chwer zu bewältigende turnerische Arbeit fördern Helsen. M W X D
ii . ~ lDie Heidelberger Karzer.j Anläßlich des bevorstehenden Jubiläums der Universität Heidelberg bringt die „Gartenlaube" nicht nur einen ernsten, aber durchaus populär geschriebenen Artikel über die ruhmreiche Geschichte dieser Hochschule sondern bumoi010(06 Plauderei über die Heidelberger Studentenkarzer. Drei originelle Illustrationen schmucken dieselbe. Aus der reichen Fülle der in jener Plauderei mied er - ?«5^tCnen Anschriften und Reime, welche die Wände des Heidelberger Karzers schmücken «En ^^^nbe Proben auch unseren Lesern vorführen: Am Eingänge zu'diesem „fidelen Gefangniß der Musensohne ist der berühmte Zecher und Wächter am fteibpl- ^mC9r^"C eU r ' Perkeo, abgebildet. Darunter lesen wir den Vers welcher
dem Ankömmling als tröstender Gruß entgegenwinkt: ' roeld?cr
Lite t a risch es.
aber DelU'ntebtStiflun^UtfffiineUn* , ,auS über von ihr erhalten-, mäßig beanlaatcn Dienscken ne.med ju nacOßiebige Erziehung läßt einen öS unb .um wart V 8er;8elten Verhältnissen aufwächst, zum Mutzig- ganger und schUetz ch »m Mordn der eigenen, ihn überaus liebenden Mutter werdeu.
„Ihr naht Euch wieder, schwankende Gestalten Wie traurig auch herauf Ihr steigt,
Ich bitt' Euch, thut die Köpfe aufrecht halten, Auch hüjus looi (dieses Ortes) genine ist feucht."
In einem der Karzerzimmer, welches den Namen „Solitude" führt, steht>n der Wand folgender, an Ulrich von Hutten erinnernder Ausruf:
„0 temporal o mores I In diesem schrecklichen Kerker seufzte ein Opfer moderner Barbarei bei Bordeaux und Sekt. O, XIXtcs Jahrhundert, es ist eine Luft, in dir zu leben!"
Die Aufzeichnung dieser Wandpoesicn schließt mit folgendem Abschied vom Karzer, der vor einem anderen Zimmer, es heißt „Palais royal", zu lesen ist:
„Auf dem Karzer lebt sich's herrlich, Auf dem Karzer lebt sich's schön.
O, wie schrecklich, ach, nun soll ich Von dem lieben Karzer geh'n.
Hält' ich doch statt fünf Laternen Fünfundzwanzig ausgemacht, Hätte bann statt zwei der Tage Zehne wohl hier zugebracht."
— Mißbrauch der Electricität zu Heilzwecken^ Die Heilschwindler, welche ein nicht zu bekämpfendes Uebel unserer Zett bilden, haben sich neuerdings auch die Electricität zu Nutz gemacht. Das große Publikum ist leider nicht genügend davon unterrichtet, daß diese wunderbare Kraft, welcher wir so viele neue Errungenschaften verdanken, in unwissenden Händen den größten Schaden stiften kann. Es ist darum anerkennend heroorzuheden, daß die weit verbreitete „Gartenlaube" in Nr. 29 dieses Jahrgangs in einem populären, mit belehrenden Abbildungen versehenen Artikel vor diesem Unfuge warnt. Wir verweisen unsere Leser auf die betreffende Publikation.
Offenbach, 28. Juli. Die „O.Z." berichtet: Gestern in später Nachmittagsstunde wurde in unserer Stadt eine Nachricht verbreitet, die wohl Manchem recht überraschend kam, von Manchem aber auch vorhergesehen fein mochte. Das „Offenbacher Tageblatt" ist verboten worden, so lautete die überraschende Meldung und wenn schon Viele dieselbe mit großem Zweifel aufnahmen, so steht die Thatsache darum doch fest. Um 7 Uhr gestern Abend wurde denn auch bereits folgendes Extrablatt colportirt:
„An die Leser des „Offenbacher Tageblattes". Offenbach a. M., den 27. Juli, Abends 6 Uhr. Wir theilen unseren Lesern hierdurch mit, daß das „Offenbacher Tageblatt" soeben auf Grund des Socialistengesetzes verboten wurde. Gegen das Verbot ist Beschwerde eingereicht. Mar Jahn, Redacteur."
Ob die hier angekündigte Beschwerde Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten, ledensatts mochten wir sehr daran zweifeln.
Die kretsamtliche Verfügung, welche das Verbot des Weitererscheinens ausspricht, lautet:
B e t a n n t m a ch u n g.
_ Das überzeichnete Kreisamt hat auf Grund des $ 11 des Reichsgesetzes vom 21. -ctober 1878 gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Socialdemokratie die Nr. 172 von 1886 des „Offenbacher Tageblatts", Organ für öffentliches Leben, locale und provinzielle Angelegenheiten, sowie weiter die Nr. 89 von 1886 desselben Blattes verboten, und zugleich das fernere Erscheinen des gedachten Blattes, welches seither von Max Jahn verlegt wurde, untersagt.
Offenbach, den 27. Juli 1886.
Großherzogliches Kreisamt Offenbach.
I. V.: Fuhr.
Was die nächste Veranlassung zu dem Einschreiten der Behörde gegen das eine Neche von Jahren hier erscheinende Blatt gewesen, entzieht sich zwar unserer Beurthellung, soviel aber halten wir für feststehend, daß die im vorigen Jahre in der hiefigen socialdemokratischen Partei entstandene Spaltung (die freilich im „Tageblatt" in Abrede gestellt wurde), welche durch die Flugblätter, den „Offenbacher Beobachter" und den iilngst ftattgehabten großen Beleidigungsproceß an die Oberfläche trat, mit ZU dem Vorgehen der Regierung beigetragen hat, denn Mancherlei ist dadurch auf- gedeckt worden, das bis dahin unbekannt war. Die Spaltung besteht — mögen die bisherigen Lei er des „Tageblattes es noch so eifrig bestreiten - und die Ereignisse b^s Retzien Halbiahres haben die Position der Führer ohne Zweifel mehr oder minder c? 5 Hauken gebracht. Mit dein Verbot des „Tageblattes" ist ihnen die letzte und Hauptstütze aus der Hand gewunden.
c ^rurtheile gegen Gefängnißvereine.) Wenn das Wesen und Wirken der sogeiiannten Gefangnißvereme allgemeiner bekannt wäre, würden sicherlich bereits mehr in s Leben gerufen fein und die wenigen vorhandenen kräftiger unterstützt werden. Im großen Publikum wurzeln aber noch immer gewisse Vorurtheile, deren Ausrottung Cc Arnw, Kranke, Gebrechliche, Verunglückte zu unter;
' c1 pH sausende von Händen und Herzen, wird aber um Hilfe für
moraliid) Versunkeue geworben, welche doch zweifellos noch weit beklagenswcrther sind, w klopft man in der Regel vergebens an. Viele meinen, das sei lediglich Sache der G-m--nd-beh°id-n «>r l,ch zu helfen fei da nur in den seltensten Fallen.
"Ur "'s °b sie durch Beistand Unrecht thäten, Gesetz-
Widrigkeiten foiderten, an Unwürdige Gaben verschwendeten, die weit besser auf un- chu dlg Hl fsbedurftige verwandt wurden. Sie alle wissen nicht, daß jene Verbindungen sittliche Hebung der Gefangenen wollen - nur die Verzweiflung an sich selbst kann an der Besseiung des gefallenen Mitmenschen verzweifeln — daß sie Milderung der Roth von Entlafsenen und Angehörigen anftreben und, wohl zu bemerken, alles dies keineswegs vergebens anstreben. Gingen sie darauf aus, die Schärfe des Strafgesetzes abzustumpfen, so wäre das em schweres Unrecht. Das wollen sie aber mit Nichten, loiibein nur nach Klaften hindern, daß das Gesetz härter und ausgedehnter trifft, als c§ ^rAbstcht der Gesetzgebung und im Interesse des Gemeinwohls liegt, und endlich gemiffe Surfen im zeitweiligen Strafmittelsystem minder fühlbar machen fdncbcn^mir^ a^Hp^S1^1 kNahrungsmäßig verschiedene Naturen völlig ver-
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ÄS die Klangs ' B and) der Mufikthe Znstruinent immer Men vermen en 2erk§; interrf bir beiden auf den Mrbeiteies, au0" in Mnnenslvest
1 Die Verlag ou5 Äiilaß des He öu feine. Heidelbi 18 mit bloten für gegeben, in denen Äffchen ein Lobli wir viele klangvoll gekrönte Lied von von Lachner) is! sludcntifche und ä Der Preis betragt
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Mit dm 1. Ar Stationen der and Steeden a Oberhessischen für Wagenladui ■ mommen.
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