StLdteordnung ist in diesem Falle die Entscheidung den Stadtverordneten | überlassen.
Hesterreich.
Wien, 26. September. Der Erzherzog Karl ßubroig ist mit seiner Gemahlin, der Erzherzogin Maria Theresia, heute Abend nach Dresden abgereist, um der Vermählung seines Sohnes, des Erzherzogs Otto, mit der Prinzessin Maria Josepha beizuwohnen.
Imnkreich.
Paris, 25. September. Auf Befehl des Kriegsministers Boulanger wird die Kavallerie im Osten Frankreichs, von Belfort bis nach Sedan, bedeutend verstärkt werden, sodaß bi« Ende dieses Monats in Luneville, Troyes, Vitri-le-Franyois, Nancy, Pont-a-Mousson, Sesanne, Sedan, Saint-Menehould, Vouziers, Reuns, Verdun, Bar-le-duc, Commercy, Gray, Belfort, Spinal und Vesoul zusammen 90 Schwadronen zusammengezogen sind. Dieselben vertheilen sich auf die verschiedenen Waffengattungen wie folgt: 12 Kuirassiere, 24 Dragoner, 20 Jäger zu Pferde, 22 Husaren und 18 vom Depot. Der Kavallerie sind sieben Batterien reitender Artillerie zu je 6 Kanonen zugetheilt, die in Sedan, Verdun, Saint-Menehould, Luneville (zwei), Nancy und Spinal liegen. Außerdem werden, abgerechnet von den Truppen des 6. und 7. Corps, zu ihrer Stütze 10 Jäger-Regimenter zu Fuß in die Garnisonen von Luneville, Saint-Diö, Sedan, Rambervilliers, Verdun, Saint-Nicolaus-du-Fort, Mont- m6dy, Longwy, Rocroy und MontbEard gelegt werden. Hinter diesem ersten Gürtel werden in Meaux, Prooins, Joigny und Cyalons noch mehrere Brigaden Reiterei in Bereitschast gehalten.
Italien.
Neapel, 26. September. Bei der Feier zur Erinnerung an den Einzug der italienischen Truppen in die Stadt Rom kam es zwischen den liberalen Vereinen, biß mit ihren Fahnen die Toledostraße entlang zogen, und mehreren klerikalen Vereinen, die unter dem Ruse: „Es lebe der Papst-König! aus einer Seitenstraße kamen und den Zug der liberalen Vereine wiederholt störten, zu Tätlichkeiten. Es wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen, worauf sich die Angehörigen der liberalen und klerikalen Vereine zerstreuten.
.....*--- '■'—==
TMmMW Depeschen.
Berlin, 27. September. Dem Bankpräsidenten v. Dechend gingen anläßlich seines heutigen Jubiläums sehr huldvolle Handschreiben des Kaisers und der Kaiserin zu. Die Mitglieder des Reichsbankdirectoriums und gegen 50 auswärtige Bankdirectoren überreichten eine Glückwunschadresse und eine prachtvolle Ehrengabe, in einem Tafelaufsatz bestehend. Adressen und Ehrengaben gingen ferner ein von der Deputation des Centralausschusses der Reichsbank, von den Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft, von der Deputation des deutschen Handelstags, vom Herrnhause, dem Präsidium des Centralverbandes deutscher Industrieller, vom König-Wilhelmsoerein, den Industriellen der Lausitz, aus Hamburg, von zahlreichen Handelskammern und Bezirksausschüssen. Der Kaiser verlieh dem Jubilar den Rothen Adlerorden erster Klasse mit Eichenlaub und das Emailleband des Krouenordens, der Prinzregent von Bayern das Großkreuz des Michaelordens, der Großherzog von Baden das Großkreuz des Zähringer Löwenordens.
Berlin, 27. September. Die „Nordd. Allg. Ztg." wirft die Frage aus, welche Gründe den Fürsten von Bulgarien eigentlich zur schließlichen Abdikation bewogen hätten; es sei klar, daß derselbe, wenn er in Bulgarien geblieben wäre, auf eine an Einstimmigkeit grenzende Majorität der Volksvertretung, noch sicherer aber auf die Begeisterung der bulgarischen Armee sich hätte stützen können. Die Zeitungen verbreiteten die Unwahrheit, daß die Großmächte ihn verdrängt hätten. Das Gegentheil sei wahr. Mehrere Großmächte, auch die Pforte, so lange sie an seine Aufrichtigkeit glaubte, hätten ihn ostensibel oder schweigend unterstützt; von keiner, auch nicht von Rußland, sei irgend ein Schritt geschehen, der dem Fürsten von Bulgarien das Verbleiben in Sofia erschwert hätte. Als einziges von den Anhängern des Fürsten angeführtes Motiv figurire die Abneigung Rußlands gegen den Fürsten; dieselbe war aber kein novum, der Fürst habe schon fünf bis sechs Jahre den Zorn Rußlands ohne Schädigung der Interessen seines Adoptivvaterlandes ertragen zu können geglaubt. Wir erwarten danach von den die Sache der Bulgaren und des Hauses Battenberg vertretenden Blättern, daß sie die Frage nach den Gründen, welche den Fürsten zur Abdikation zwangen, beantworten. Todt- schweigen wird sich die Frage nicht lassen, sie wird, wenn nicht durch die Presse und durch die Verhandlungen des österreichisch-ungarischen Parlaments, so doch durch den deutschen Reichstag ihre Beantwortung finden.
Leipzig, 27. September. In der Anklagesache gegen die Redacteure des „Dresdener Anzeiger" und der „Dresdener Zeitung" und den Journalisten Meyer in Berlin wegen vorzeitiger Veröffentlichung des Inhalts der Anklageakte gegen Sarauw und Röttger verwarf das Reichsgericht die von den Angeklagten eingelegte Revision. Das freisprechende Urtheil des Landgerichts Halle gegen den Redacteur der „Saalezeitung" wegen desselben Vergehens wurde aufgehoben und der Proceß zu nochmaliger Verhandlung in die erste Instanz zurückverwiesen.
Wien, 27. September. Der Orientalisten-Congreß' wurde eröffnet. Der Pro- lector Erzherzog Rainer begrüßte die Versammlung mit dem Wunsche, daß auch dieser Congreß der Wissenschaft zur Bereicherung diene. Namens der Negierung begrüßte der Unterrichtsminister Gautsch in längerer Rede, worin er die Geschichte der Entstehung und des Wirkens der orientalischen Akademie in Wien gab, die Versammlung.
Pefth, 27. September. sCholerabulletin.j In Pesth fanden 44 Erkrankungen und 15 Todesfälle, in Raab eine Erkrankung und in Fiume gleichfalls eine Erkrankung statt.
Triest, 27. September. In den letzten 24 Stunden sind hier 4 Cholera- Erkrankungen und in dem Landgebiete eine Cholera - Erkrankung und ein Cholera- Todesfall vorgekommen.
Paris, 28. September. Die „Agence Havas" dementirt die Mittheilung der „Liberte", man solle sich im Falle eines Bruches mit Madagaskar lediglich auf eine Blokade beschränken und keine Expedition in das Innere des Landes unternehmen. Uebrigens sei noch kein diesbezüglicher Beschluß gefaßt. Die „Lanterne" will wissen, die Regierung habe Maßregeln zur eventuellen Absendung von Verstärkungen nach Madagaskar getroffen, die Schiffe dazu seien bereit und die Truppen bereits bezeichnet.
Paris, 27. September. Freycinet ist heute Abend nach Toulouse abgercist. — Der Wiederzusammentritt der Kammern ist definitiv auf den 10. October festgesetzt worden.
— Den Abendblättern zufolge ging dem Minister des Innern eine Depesche zu, die das Erscheinen von Carlisten-Banden an der spanisch-französischen Grenze meldet.
Lüttich, 27. September. Der katholische Congreß für sociale Reform ist am Sonntag Abend eröffnet worden. Der hiesige Bischof sprach sich dahin aus, daß die leitenden Gesellschaftsklassen sich mehr mit den öffentlichen und politischen Angelegenheiten befassen müßten und daß man dem Luxus entsagen solle, um den Armen ihr Loos zu erleichtern.
London, 27. September. Die „Times" interpretirt den Bulgarien betreffenden Passus der Thronrede dahin, daß keine Macht interoeniren werde, um jetzt die rasch
und friedlich sich vollziehende neue Russificirung Bulgariens zu verhindern; wenn es Rußland gelinge, sich südlich der Donau festzusetzen, würde die Türkei dies sich selbst, nicht aber irgend einer anderen Macht zuzuschreiben haben; die Türkei habe sich beständig geweigert, die Rolle des Hauptorganisators der Balkanstaaten zu übernehmen und diese Aufgabe habe jetzt Rußland übernommen, natürlich im eigenen Interesse; es sei äußerst schwierig für andere Nationen, sich einzumischen, selbst wenn sie es wünschten; Europa könne nicht anders handeln im Hinblick auf die Thatsache, daß das ottomanische Reich sich nicht aufrichten lasse, um als schranke gegen russische Aggression zu dienen.
Belfast, 27. September. Gestern fanden wieder Ruhestörungen statt. Die Polizei wurde von großen Volksmassen mit Steinen beworfen, wodurch zahlreich Polizisten Verletzungen erhielten. Die Polizei feuerte, wodurch eine Person schwer verwundet wurde. Nach Heranziehung von Polizei und Truppen wurde die Ruhe wiederhergestellt.
Bukarest, 27. September. Die dem „Petersburger Journal" zugegangene Nachricht, wonach in Rumänien eine Cabinetskrisis bevorstehe und von einer Kandidatur des Königs Carol auf den bulgarischen Thron die Rede sei, wird von unterrichteter Seite als unbegründet bezeichnet.
Konstantinopel, 27. September. Der französische Botschafter vollzog heute in Gegenwart des Bolichaftspersonals und Officieren und Mannschaften des hier stationirten französischen Kriegsschiffes die Einweihung der katholischen Kirche auf der Insel Prinkipo. Der apostolische Delegirte Rotelli vollzog die kirchliche Feier und wies auf die Verdienste Frankreichs um die Cioilisation, sowie auf die römische Kirche im Orient hin und gedachte in anerkennendster Weise der toleranten Gesinnungen des Sultans.
— Gestern früh um V25 Uhr wurde hier eine ziemlich starke Erderschütterung wahrgenommen; kein Schaden wurde verursacht. — Auch in Smyrna wurden Morgens um 43/4 Uhr zwei ziemlich heftige Erdstöße verspürt. Der Schaden ist gering. __________
t—MM « wapiunMMmm n u wi i — innmi■■ iMiMMMmpwa—a——n———mm—mmm—
Das Grubenunglück auf Zeche Consolidation.
Schalke, 25. September. Wie bereits gemeldet wurde, ereignete sich Freitag Vormittag bald nach 10 Uhr auf Schacht II (Wilhelm) der Zeche „Consolidation" eine Entzündung schlagender Wetter, bei welcher 51 brave Bergleute zu Tode gekommen sind. Der „Rheinisch-Westphälischen Zeitung" wird weiter darüber berichtet: 20 Verletzte und Betäubte wurden theils den beiden Krankenhäusern in Gelsenkirchen, theils ihren Behausungen zugeführt. Von den Verletzten sollen, hier eingegangenen Nachrichten zufolge, nach kurzer Anwesenheit im Kranlenhause noch fünf gestorben sein. Ein Mann, von dem gehofft wird, daß er sich gerettet hat, ist noch nicht ermittelt. Es waren zur Morgenschicht auf Schacht II 450 Mann "ungefähren. Die Explosion fand in Folge eines unaufgeklärt gebliebenen Umstandes im Flötz Süden statt und erstreckte sich bis auf das nebenanliegende Flötz 16 Süden, in welchen beiden Flötzen bedeutende Verheerungen angerichtet wurden. In beiden Flötzen waren etwa 100 Bergleute vor Ort. Bald nach Bekanntwerden des Unglücks mar der Assistent des königlichen Revierbeamten von Gelsenkirchen, Herr Bergassessor Randebrock, zur Stelle und leitete persönlich die Rettungsarbeiten, an denen auch die Beamten der beiden anderen Schächte, sowie diejenigen der benachbarten Zeche „Wilhelmine Victoria" hervorragenden Antheil nahmen und durch energisches Einschreiten die Rettungsarbeiten erheblich fördern halfen. Aber die Wirkung der Explosion war zu gewaltig gewesen. Der erste Todte wurde gegen 11 Uhr Vormittags zu Tage gebracht. Von da an hob und senkte sich der Förderkorb, um immer und immer wieder bis Abends nach 9 Uhr Todte und Verletzte zu bringen. Nach dem Aussehen der in der Zechenschreinerei in langer Reihe zusammengelegten Verunglückten läßt sich schließen, daß die größere Zahl derselben im Nachschwaden erstickt ist. Mehrere sind verbrannt, einer bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Die Mehrzahl war verheirathet und zum großen Theil Familienväter. Auch mancher Veteran des Bergbaues befindet sich unter den Todten. Der Bergmann Kohlleppel, ein Greis im Silberhaar, war 71 Jahre alt und der ebenfalls verunglückte Steiger Ohligmüller, ein geborener Essener, eine in bergmännischen Kreisen sehr bekannte Persönlichkeit, war 45 Jahre lang als Steiger im Dienste. Die sich schnell verbreitende Unglückskunde rief in allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung und weit darüber hinaus eine tiefe Bewegung hervor. Die Angehörigen der eingefahrenen Bergleute eilten in angstvoller Erle herbei, der Jammer und das Wehklagen der Frauen und Kinder waren herzzerreißend. Die Herren Landrath Dr. Balz und Amtmann Klose bemühten sich, durch tröstenden Zuspruch auf die betrübten Gemüther beruhigend einzuwirken. Auch die hiesigen, sowie die Herren Aerzte von Gelsenkirchen waren schnellstens zur Hilfeleistung erschienen. Die seitens des königlichen Bergrcvier- beamten sofort vorgenommene Untersuchung der Unglücksstätte hat ergeben, daß die Wetterführung sich in der vorzüglichsten Ordnung befunden hat, welcher Umstand es auch ermöglichte, daß die Rettungsmannschaften so schnell vordringen konnten. Leider waren ihre Bemühungen wenig erfolgreich, da der Tod bei ihrem Eintreffen eine reiche Ernte gehalten hatte. Heute Morgen ist mit dem Einlegen der Todten in die Särge begonnen worden. Eine gemeinsame Beerdigung von der Zeche aus wird vorbereitet. Angesichts dieser neuen Katastrophe steht der Mensch trauernd darüber do, daß trotz aller Bemühungen, welche von staatlicher und privater Seite in den letzten Jahren geschehen sind, um dem unheilvollen Walten der unterirdischen Mächte Einhalt zu thun, noch nicht einmal mit Sicherheit die Ursache erkannt morden ist, welche derartige Explosionen erzeugt, geschweige denn das Mittel gefunden worden ist, dieselben zu verhindern. Hier eine Zusammenstellung der Entzündungen schlagender Wetter, soweit dieselben größere Opfer gefordert haben:
Zahl
Datum:
1866 Januar 15.
1869 August 2.
1876 Februar 4.
Juli 4.
1877 Februar 14.
März 28.
October 22.
1878 März 13.
Juni 7.
September 11.
1879 Januar 14.
April 17.
December 1.
1880 Januar 20.
1881 Juni 24.
1882 Mai 10.
1885 März 18.
Ort der Explosion: der
Verunglückten:
Grube Neu-Iserlohn bei Langendreer 101
Grube Gottes Segen und Hoffnung bei
Potschappel 274
St. Etienne, Frankreich 216
Karlingen bei St. Avold, Lothringen 147
Graissesac, franz. Dep. Herault 55
Apedale, North Staffordshire 30
High-Blantyreb, Glasgow 210
Keharnlcy, englische Grafschaft 44
Grube St. Helens, englische Grafschaft
Lancashire 182
Grube Abercarne Old Pitt Monmoutshire 257
Dinas bei Cardiff (Wales) 60
Frameries bei Mons (Belgien) 151
Brückenschacht Zwickau 89
Grube Fairlady (England) 80
Zeche Luise bei Barop 17
Zeche Pluto bei Wanne 65
Grube Camphausen bei Saarbrücken 157
L o k a i e S.
Gießen, 28. September. Das hiesige Amtsgericht hat die Anordnung getroffen, daß die Gerichtsschreibereien dahier für das rechtsuchende Publikum nicht mehr des Nachmittags, sondern an allen Wochentagen nur noch des Vormittags geöffnet sind.
Gießen, 27. September. sSchwurgericht.^f Vor den Schranken dieses Gerichts steht heute die Ehefrau des Heinrich Mäser von Gelnhaar unter der Anklage, am 12. October v. I. und 4. Januar d. I. durch zwei selbstständige Handlungen vor dem Großh. Schöffengerichte Büdingen den vor ihrer Vernehmung geleisteten Eid durch ein falsches Zeugniß verletzt zu haben. Aus den Verhandlungen entnehmen wir das Folgende:
Die Angeklagte wohnte in Bindsachsen im Hause des Konrad Kehm II. mit noch anderen Personen, nämlich der Katharine Faust und Eduard Lotz Ehefrau. Es kam zuweilen vor, daß zwischen den Hausbewohnern Streitigkeiten entstanden und so war dieses auch eines Tags im vorigen Frühjahr zwischen der Katharine Faust und


