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Politische «eberficht.
Gießen, 28. September.
n,.M e.r ^^br,?rfreut sich auch in Baden-Baden ungeachtet der nun emgetrttenen kuhl-ren Witterung fortgesetzt des besten Wohlbefindens und hat er die Nachwirkungen bet Anstrengungen, welche der Aufenthalt im Reichs, tanbe mit sich brachte, längst rollig überwunden. Die Rückkehr des Kaisers nach der Retchshauplstadt erfolgt in der ersten Octoberwoche und alsdann wird stH am kaiserlichen Hose wieder regeres Leben entfalten. Es wird zu dieser Z-tt auch dem Etatreffen mehrerer Fürstlichkeiten entgegengesehen und u.,A. der besuch des Pmiz-Regenten Luitpold von Bayern erwartet. Prinz Luitpold war fest etner Rche von Jahren nicht in Berlin und nach den Vorbereitungen zu schließen, welche daselbst zu seinem Empfange schon sitzt getroffen werden, wird man am deulichen Kaiserhofe Alles ausbieten, um dem herzlichen Einver. nehmen zwischen den Hisien von Berlin und München abermals den greifbarsten Ausdruck zu geben,, nachdem dasselbe erst kürzlich durch die Verleihung des in Straßburg garnisomrenden zweiten schlestschcn Jafanterie-Regiments Nr. 47 an ben $n"3en Ludwig, den präsumptioen bayerischen Thronfolger wiederum klar constatllt worden ist.
König Karl von Württemberg ist in Begleitung seiner erlauchten Gemahlm am Samstag von dem Sommerausenthalte in Friedrichshafen nach ^.^stdenz Stuttgart zurückgekehrt. Hierselbst werden die Majestäten bis Mitte November wetlen, um alsdann abermals eine Reise nach dem Süden an- ru^eten, da die Aerzte auch in diesem Winter einen Aufenthalt im Süden für Könrg Karl als dringend notwendig erachten.
Auf nne^rpolttifchem Gebiets ist nach Schluß der außerordent. Uchen Retchslags-Sesston wieder eine gewisse Windstille eingetreten, da auqm- btckuch wenigstens sogenannte brennende Fragen nicht vorhanden sind. Immer- M i|t es mit der idyllischen Sommerruhe nunmehr vorbei, da die Vorberei' tungen für die bevorstehende parlamentarische Winter-Campagne doch schon jetzt in Angriff genommen werden müssen, wenngleich, wie osfieiös versichert wird, der Reichstag erst Mitte November und der preußische Landtag in der ersten Januar-Hälfte Zusammentritt. Zur Zeit finden sowohl für das Reich, als auch für Preußen die üblichen eommiffarischen Vorberathungen über die Feststellung der Emz? tats des Reichs-, resp. des preußischen Etats statt; über andere Vor- lagen verlaute! noch nichts Bestimmtes. Doch wird bezüglich des preußischen Landtages versichert, daß denselben jedenfalls die Kreis- und Prosinzial-Ordnuna für Rheinland mit in erster Linie beschäftigen werde und was den Reichstag anbelangt, w sollen für denselben belangreiche Vorlagen hinsichtlich sehr bedeu- tungsvoller Neuordnungen im Reichsheere in Aussicht stehen.
r, bulgarische Angelegenheit beherrscht noch fortwährend die hohe Pontik und wie sie zwischen den europäischen Cabineten noch immer ein Bi. • eln9^enber Verhandlungen ist, so hallt sie auch in der öffentlichen
H?3®,mmerr ™,,eber Speeiell in Ungarn zeigt sich dieselbe sebr erregt, t“ »°u Interpellationen über die bulgarische Frage im unga- $el\ z ^?°use beweist und denen dar Mißtrauen gegen die Wiederbefesti-
1 @u^ufIeS !n Bulgarien ebenso offen zum Ausdrucke gelangt, als das Mißtrauen gegen den deutschen Bundesgenossen. Wahrscheinlich ist zur ^T?srab,|iAnn^Ä1'1',8 3f"terPe,aati.onen durch den Ministerpräsidenten
oi 'X'?3 ^0N erfolgt und nach den bereits bekannt gewordenen bezüglichen ^^^rungen der ungarischen Regrerungs-Organe kann nicht bezweifelt werden, ? n-^antwortung t« Sinne der stritten Aufrechterhaltung des deutsch, österreichischen Bundn-sses Nch vollzogen hat. Auch aus England bringt noch I-der Tag Kundgebungen zur bulgarischen Affaire, die aber nur, wie namentlich her inngste Artikel des „Standaid", beweisen, daß England durchaus nicht ge- sonnen ist, der russtschen Machtentwickeluug auf der Balkan-Halbinsel hindernd m den Weg zu treten, so lange nicht hierdurch augenscheinliche englische Lebens- Interessen verletzt werden. Fast scheint cs aber, als ob man in London zu der lleberzeugung gelangt sei, daß eS für England jenseits des Balkan gar keine Lebens-Jnletessen gäbe, denn unumwunden spricht es der erwähnte „Standard". Artikel aus, England müsse an Indien denken und könne deshalb in Europa reine Schlachten schlagen. Es bedeutet die« einen vollständigen Bruch mit der
englischen Überlieferung, daß Indien am Balkan und Bosporus vertheidigt werden müsse eine Wendung, die England vielleicht noch theuer zu stehen kommen rotrb, wenn auch der „Standard" noch so prahlerisch ausrust, daß das englische Reich gegen jeden Angriff thatsächlich unverwundbar sei (!!) Jnzwi« ?en- Leitet bte bei den bulgarischen Dingen am meisten betheiligte Macht — q geiehen von der Türkei — Rußland, ruhig an der Wiederbefestigung seines Lmtlu))t8 in Bulgarien weiter, unbekümmert um alle Kundgebungen Europas. Ende voriger Woche ist der neue russische diplomatische Agent, General v. Kaul- vars, in Sofia emgetroffen und von seinem Auftreten wird es zunächst abhängen, wie fich die Dinge in Bulgarien weiter entwickeln werden.
~ haben der Herzog von Edinburgh, der zweite
Sohn der Königin Vrctoria, und sein Neffe, Prinz Georg, ältester Sohn des eng!:' Vn Thronfolgers, fich Seitens des Sultans eines auszeichnenden Empfanges zu erfreuen gehabt. Falls man aber in London hieraus schließen sollte, daß nunmehr wieder der englische Einfluß in Konstantinopel ausschließlich dominiren werde, wäre das eine arge Selbsttäuschung, denn die Zeiten, wo England r” Entschließungen der Pforte eine durchaus maßgebende Rolle einnahm, b^^orbel. Der Sultan hat eben die englischen Prinzen mit besonderer ^omchkert behandelt, das liegt in der Natur der Sache und ketnenfalls haben ihn hierzu schwerwiegende politische Rücksichten bestimmt.
Die Session des englischen Parlaments, die erste unter dem neuen conseroatwen Cabinet Salisbury, ist am'Samstag geschloffen worden. In den Verhandlungen spielte die irische Frage wiederum die Hauptrolle und wenngleich das Cabinet Salisbury mit seiner irischen Politik durch die Ablehnung dcr Parnell'kchen Bodengesetzbill einen entschiedenen parlamentarischen Sieg zu verzeichnen hat, so find doch die Dinge in Irland selbst hierdurch um nichts gevestert. Dag für Tag werden von der grünen Insel neue Ruhestörungen gemeldet und wahrscheinlich bedeuten dieselben nur das Vorspiel zu einer ernsteren Bewegung.
, . 3"!, südlichen und südwestliichen Serbien haben bis jetzt Räuber- banden ihr Wesen getrieben, wie man jetzt erst aus amtlichen Belgrader Depeschen erfährt, die über die vollständige Unterdrückung des Brigantenthums m den be.r Bezirken berichten. Vielleicht hat man es hiermit den letzten Resten der aufständischen Bataillone der bulgarischen Armee zu thun, die fich bekanntlich nach der serbischen Grenze hin wandten.
Deutschland.
Allergn?Eg?rchf- 5o§eit ber ^»ßherzog haben
Sim 16. September den Ministerialsecretär bei dem Ministerium des Jn- . ber Iust^ Ferdinand Schaum, auf sein Nachsuchen bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit,
0. ^23. September den Lehrer an dem Gymnasium zu Gießen, Dr. Chri- u aur s^n Nachsuchen bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit
nnt Wirkung vom 1. Oclober d. Js. an, in den Ruhestand zu versetzen.
Generalen der Infanterie, bezw. der Kavallerie sind ernannt: die » SmVrf/ £ieutenant v- 3® u I f f en, Gouverneur des Jnvalidenhauses zu Berlin;
ci^wwand. General des 6. Armeekorps; v. Voigts-Rhetz, General- ^!rll^eXle! Diedrich Wilhelm Prinz zu Hohenlohe-Ingelfingen, General-Adjutant des Kaisers; Freiherr v. Los, General-Adjutant des Kaisers und kommandirender General des 8. Armeekorps; Heinrich Prinz von Hessen und bei Nhern, Commandeur der Großherzogl. Hessischen (25.) Division; Leopold Fürst von Hohenzollern, Chef des hohenzoll. Füsilier-Regiments Nr. 40; v. Albedyll, General - Adiutant des Kaisers, Chef des Militärcabinets. Graf v. Warte ns le den, kommandirender General des 3. Armeekorps; v. Kleist, kommandirender General des 1. Armeekorps; Carl Günther Fürst von Schwarzburg-Sondershausen, ä .. ®uit? $e.r. Armee, und v. Alve ns leben, kommandirender General des 13. (Kgl. Württemberg:sch en) Armeekorps; Ludwig Prinz von Bayern wurde zum Chef des ernannt C1 ^CH ^"lanterie - Regiments Nr. 47 (Garnison Straßburg im Elsaß)
Mainz, 25. September. Wie man hört, soll Herr Bürgermeister, Dr. Oechsner gesonnen fein, in der Stadtverordneten-Versammlung den Antrag zu stellen, von der Erhöhung der Zahl der Stadtverordneten von 36 auf 42 abzusehen und es bei der seitherigen Zahl bewenden zu laffen. Nach der
Nr. 226
Mittwoch den 29. September
1886.
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Dreis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit
Durch die Poft beroaen vierteliäbrlitti 2 <n
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
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bringen find fonftl9e Erklärungen und Anträge bei unseren Gerichtsschreibereien
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au allen Wochentagen nur Vormittags zwischen 10 und 12 Uhr vorzu-
”?rQ9o?ben äu fem' spachen will, muß sich Mittwochs Dormittaas einfinden Gteßen, den 27. September 1886. Großherzogliches Amtsgericht
______________ Langsdorfs.
fsnY 4RQ7-X .rv , ^r'^2 Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 24. d. M., enthält'
Vertrages vom 12 Juli 1883"'Vom ^August lÄ?" 6panie"' betuffenb bie Verlängerung des deutsch-spanischen Handels- und Schifffahrts^ Gießen, am 27. September 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
------------------------------------------- vr. Boekmann.
Bttteant Schulstraße 7.


