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Arbeiten beendigt. Durch Acclamation wurde die Adresse die Antwort auf die Eröffnungsrede Stambuloff's angenommen, die namentlich die Bestrafung Der Urheber des Staatsstreiches von Sofia verlangt und der Bewunderung der bulgarischen Nation für die patriotische Selbstverleugnung des Fürsten Alexan­der Ausdruck verleiht. Außerdem wurden die Gesetzentwürfe, betr. Ankauf der Immobilien des Fürsten Alexander und Ausnahme einer Anleihe, genehmigt.

Die rumänische Hauptstadt steht noch unter dem Eindrücke des Attentats, das ein ehemaliger Feldwebel auf den Mtnisterpräfidenten Bratiano versucht hat. (Nach einer neuerlichen Meldung ist der Attentäter ein Schänk- wirth, Namens Hoica Alexandrescu.) Das Attentat, bei dem Bratiano unver­letzt blieb, rief enthufiastische Kundgebungen der Menge für den Ministerpräsi­denten, zugleich aber auch Ausschreitungen gegen die Bureaux mehrerer oppositioneller Journale und deren Leiter hervor, sodaß die Polizei mehrere Verhaftungen vornehmen mußte.

Deutschland.

Straßburg, 20. September. Der Kaiser erließ an den General Heuduck nachstehende Cabinets-Ordre:

Ich wiederhole Ihnen heute beim Schluß der diesjährigen großen Herbst­übungen des 15. Armee-Corps gerne den Ausdruck Meiner vollen und ganzen Zufriedenheit, die Ich Ihnen schon nach der vortresflichen großen Parade und dem CorpS-Manöver zu erkennen gab. Es ist in dem Armee-Corps in der That viel geleistet worden, die Truppentheile aller Contingente stehen auf gleicher Ausbildungsstuse, die Commanvoverbände sind überall sicher gefestigt und es ist sichtlich und mit dem besten Erfolg auf dem Wege wettergearbeitet und gestrebt worden, dem Ich schon bei den letzten Herbstübungen des 15. Armee- Corps volle Anerkennung zu Thetl werden ließ. Ich konnte das Armee-Corps damals schon ein würdiges Bild der Vereinigung des deutschen Vaterlandes nennen, und dasselbe als der hohen Aufgabe der Wacht an der Grenze durch- aus gewachsen bezeichnen. Das kann Ich heute nur noch mit größerer Be­stimmtheit und größerer Befriedigung wiederholen. Ich bin Mir wohl bewußt, daß an diesem vortresflichen Zustande des Armee-Corps Ihr persönliches Ver­dienst sehr großen Antheil hat, spreche Ihnen dafür Meinen Dank und Meine Anerkennung aus wärmsten Herzen aus und ersuche Sie zugleich auch unter Gewährung der in den Anlagen enthaltenen speciellen Gnadenbeweise, unter welchen sich auch die Verleihung des Rothen Adler-Ordens 1. Klaffe mit Eichen­laub, den Schwertern am Ringe und mit dem Ematlbande des Kronen-Ordens für Sie befindet, lämmtlichen Generalen, Regiments-Commandeuren und Offi- deren des Armee-Corps und der hierher commandirten Truppentheile Meinen Dank für die hingebende und erfolgreiche Thätigkeit zu erkennen zu geben, auch den Mannschaften Meine volle Anerkennung für ihre Leistungen unter theilweise recht fchwierigen Verhältniffen bekannt machen zu laffen. Ich scheide von dem 15. Armee» Corps mit dem Gefühl der vollsten Befriedigung und der festen Zu­versicht, daß das Armee-Corps für alle Zeiten der Welt zeigen wird, wie fest die deutschen Stämme zusammenstehen, wie Alle ein Sinn und ein Streben beseelt."

Metz, 20. September. sDer deutsche Kronprinz in Metz.^ Der Kronprinz ist um 11 Uhr per Extrazug hier angekommen und hat, begleitet von dem Statthalter Fürsten Hohenlohe, dem Großherzog von Baden, dem Prinzen Wilhelm, dem Grasen Perponcher, Generalltcutenant von Heuduck und kleinem Gefolge in Metz seinen Einzug gehalten. Am Bahnhofe fand Empfang nur von den Spitzen der Militär- und Eivilbehörden statt; der Bezirkspräsident war dem Kronprinzen bis Saarburg entgegengefahren.

Metz hat sich trotz der kurz bemessenen Zeit auf das Festlichste geschmückt. Die via triumphalia macht in den engen Straßen einen prächtigen Eindruck. Die

Buldigung der Stadt Metz, welche heute der Kronprinz entgegennimmt, gilt dem aiser, das zeigen die vielen Inschriften an den Ehrenpforten, öffentlichen Gebäuden und Privathäusern.

Langsam durchfuhr der Kronprinz im vierspännigen Wagen die Straßen zum Bezirkspräsidium. Krieger-, Schützen-, Gesang- und andere Vereine, die Kinder der Elementarschulen mit Blumensträußen und schwarz-weiß-rothen Fähnchen, die Töchter­schulen und höheren Lehranstalten, die Feuerwehr, die Arbeiter der Eisenbahnwerkstätte Montigny und Soldaten bildeten Spalier bis zum Bezirkspräsidium. An dem Triumphbogen an der Esplanade fand ein kurzer Empfang statt. Die Tochter des ersten Beigeordneten überreichte ein Bouquet. Während des Einzuges läuteten die Glocken, auch die uralte Glocke der Kathedrale, welche la muette genannt wird und nur bei ganz besonderen Ereignissen den ehernen Mund öffnet, stimmte mit ein. Vor dem Bezirkspräsidium war zunächst militärischer Empfang. Die aus Braunschweigern gebildete Ehrencompagnie defilirte. Im Hofe des Bezirkspräsidiums hatten sich die Spitzen der kirchlichen, der Negierungs- und städtischen Behörden im Kreise aufgestellt. Der Bezirkspräsident stellte vor und der Kronprinz unterhielt sich mit jedem der An­wesenden. Zunächst sprach er längere Zeit mit Bischof Fleck und zwar französisch. Das Presbyterium der evangelischen Gemeinde redete er deutsch an. Dem Ober­rabbiner Weil gegenüber äußerte er den Wunsch, auch die Synagoge zu besuchen; auf dem officiellen Programm war nämlich nur der Besuch der Kathedrale und der Garnisonskirche vorgesehen. Während der Kronprinz längere Zeit mit den Mitgliedern des Gemeinderathes sprach, unterhielten sich der Großherzog von Baden und Prinz Wilhelm unausgesetzt mit dem Bischof von Metz. Oeffentliche Ansprachen wurden nickt gehalten. Der ganze Empfang dauerte eine Stunde. Im Gebäude des Bezirks- präsidiums wurde der Kronprinz von der Gemahlin des Präsidenten begrüßt; zwei Kinder desselben überreichten Bouquets. Später fuhr der Kronprinz zur Kathedrale, zur Garnisonkirche und zur Synagoge; überall wurde er von der Geist­lichkeit empfangen. (Fr. Z.)

Hesterreich.

Wien, 19. September. Der Kaiser, welcher am 22. d. M. wieder hier ein- trifft, wird Ende des Monats der Trauung des Erzherzogs Otto mit der Prinzessin Maria Josefa in Dresden beiwohnen. An den Hochwildjagden in dem Neuberg- Eisenerzer Revier, welche in den ersten Tagen des October stattfinden, werden auch der König von Sachsen und Prinz Leopold von Bayern theilnehmen.

An der Cholera sind erkrankt, resp. gestorben in Pesth 4/3, in Raab 5/2, in Fiume 1/1, in Triest 5/1 Personen.

Stallen.

Rom, 19. September. Ihre K. und K. Hoheit die Frau Kronprin­zessin ist mit Prinzessinnen Töchtern heute Abend 6V2 Uhr in Genua einge­troffen, um sich demnächst nach Santa Margherita zu begeben.

Der preußische Gesandte v. Schlözer ist hier angekommen.

Rußland.

Warschau, 19. September. In Granica und Sosnovica sind sani­täre Vorsichtsmaßregeln betreffs der Reisenden aus Oesterreich getroffen worden. Der Verkehr von Krakau nach Miechow und Olkuß ist gesperrt.

XekgraWschs Depeschen.

WolU's SSsritsporr-ery. Vmeea«.

Berlin, 20. September. Nach der heutigen Beschlußfassung des Bundesraths wird der Vertrag wegen Verlängerung des deutsch - spanischen Handelsvertrags sofort zur Ratification gelangen.

Berlin, 20. Septbr. DieNorddeutsche" tritt dem Leitartikel des Hamburger Correspondenten vom 16. d. Mts. über die bulgarische Angelegenheit gegenüber. Sie sieht in demselben Verdächtigungen der deutschen Politik und bebt hervor, Rußland habe bisher keinerlei Zugeständnisse verlangt, welche Deutschland hätte gewähren oder versagen können, mithin könne auch von keiner Bürgschaft Deutschlands für die Hal­tung Rußlands in der Orientfrage die Rede sein. Die Behauptungen, Kalnoky hätte bet Bismarck angefiagt, ob er die russische Politik billige und die Antwort Bismarcks, daß die Abdankung des Fürsten das Mittel sei, um die russische Besetzung Bulgariens zu verhindern, seien gänzlich erfunden. Ebenso fingirt sei die Behauptung, Rußland sei durch das Einvernehmen Englands mit Italien an der Besetzung Bulgariens ver­hindert worden. Die Behauptung desHamb. Corr." von einer Ueberantwortung Bulgariens an Rußland sei irrthümlich. Petersburg fasse die heutige Situation Bulgariens keineswegs als Ueberantwortung an Rußland auf: bis vor Jahresfrist waren alle Mächte mit der Situation Bulgariens zufrieden und doch war Bulgarien bis zum Seplemberputsch von Philtppopel den Russen mehr überantwortet, als heute, das bulgarische Heer unter dem Befehle russischer Officiere und die inneren Angelegen- heiten unter vorwiegend russischem Einflüsse, und doch war diese russische Einmischung mit der Sicherheit Europas und der Ehre Deutschlands verträglich, warum also jetzt nicht?

Freiburg i. Br., 20. September. Erzbischof vr. Roos ist Nachmittags 3y< Uhr hier etngetroffen und am Bahnhofe von den Spitzen der Behörden begrüßt worden. Unter feierlichem Geläute und Böllersalven begab sich der Erzbischof als­dann durch die reich geschmückten Straßen vor das Münster, wo die Begrüßung seitens der Geistlichkeit erfolgte. Nach der Procession in das Münster begann die kirchliche Feier, welche mit einer Ansprache des Erzbischofs an die Diöcesanen endete. Heute Abend findet ein Lampionzug und eine Serenade zu Ehren des Erz­bischofs statt.

Metz, 20. September. Der Kronprinz empfing heute Mittag den Bezirks- Präsidenten, die Generalität, die Behörden und die Geistlichkeit, besuchte sodann die Kathedrale, die Synagoge und wohnte der Grundsteinlegung des Waisenhauses vom Mathildenstift bei, wobei er die üblichen Hammerschläge that und die Stiftungsurkunde vollzog. Dann folgte die Besichtigung des Nicolaus-Hospitals, von wo der Kronprinz nach der Esplanade fuhr, wo Vereine, Schulen und Gemeindedeputationen des Land­kreises Metz zur Huldigung anwesend waren. Der Kronprinz dankte für den Empfang und entschuldigte die Abwesenheit des Kaisers. Ueberall herrschte großer Enthusiasmus. Heute Nachmittag fand Galadiner im Bezirkspräsidium statt, wobei der Kronprinz das Wohl der Stadt und des Landkreises Metz ausbrachte.

Haag, 20. Septbr. Die Rede, mit welcher der Minister Heemskerk heute die neue Session der Generalstaaten eröffnete, bezeichnet die Beziehungen zu allen aus­wärtigen Mächten als die freundschaftlichsten. Der Zustand der Finanzen sei, obschon das Darniederliegen des Handels nicht ohne Einfluß auf dieselben gewesen, ein befriedigender, eine Vermehrung der Steuern sei nicht nothwendig. Als Berathungs- gegenstände werden angekündigt Vorlagen über das Vereins- und Versammlungsrecht und über die Erneuerung des Statuts für die niederländische Bank. Ferner sollen Maßregeln vorgeschlagen werden zur Wahrung des allgemeinen Interesses bei der Frage der Zuckerkrise auf Java. In Bezug auf Atchin beabsichtigt die Regierung ihre bisherige Politik fortzusetzen, von welcher sie eine Besserung erwartet.

Wien, 20. September. Cholerabulletin. Es erkrankten resp. starben in Triest 5/0, Pola 2/10, Pest 13/4, Fiume 1/2 Personen.

Paris, 20. September. Der Botschafter Graf Münster ist hier eingetroffen. DerTemps" weist auf den Mißerfolg Englands in Egypten hin, dessen Lage immer schlechter werde und meint, Europa werde nicht zögern, in einer Frage zu intervenirev, deren Entscheidung ihm zukomme.

Paris, 20. September. Nach einer Meldung aus Creuzot ist die dortige Fabrikwerkstatt durch eine Feuersbrunst heimgesucht worden. 300 Arbeiter sind be­schäftigungslos und der Schaden beträgt eine Million.

London, 20. September. Die Morgenblätter veröffentlichen eine amtliche Mittheilung, wonach die Meldung, Prinz Alexander von Battenberg werde die Königin besuchen, unbegründet ist.

DerStandard" sagt, England würde leichtsinnig handeln, wenn es jetzt seine Armee aus Egypten zurückzöge; England würde aus gewissen Gründen Egypten jetzt nicht räumen, selbst wenn seine Aufgabe daselbst gelöst würde, da England von dort mit Vortheil die Bestrebungen der Feinde der Türkei, sich deren Gebietstheile zu bemächtigen, beobachten könne. England verstehe vollkommen die Ziele der russischen Diplomaten, aber es verstehe nicht die Ziele Frankreichs. Es wisse nicht, was Frank­reich dadurch gewinnen wolle, daß es von England verlange, jetzt gerade Egypten zu räumen. Lasse sich die französische Diplomatie, wie die türkische, etwa von einer andern Macht inspiriren? Nichts könnte die Jsoltrung Frankreichs vollkommener machen, als jetzt zu fragen, wann England Egypten räumen werde. Die Antwort auf eine solche Frage sei einleuchtend. England sei bereit, sie zu geben, nicht nur Frankreich, sondern der ganzen Welt.

Madrid, 20. September. Heute Nacht kamen hier tumultuarische Scenen vor^ bei denen der Ruf: Es lebe die Republik! ausgestoßen wurde.

Die aufständische Bewegung greift um sich; sie geht von Truppentheilen der Garnison aus und trägt militärischen Charakter.

Letzte Nacht reooltirten zwei Eskadrons Caoallerie und zweihundert Infanteristen in der Caserne Sangil. Sie schossen auf die Schildwachen und marschirten auf die Straßen mit den Rufen:Es lebe die Republik, es lebe die Armee, es lebe Spanien!" Truppen wurden gegen die Aufrührer geschickt und schossen auf dieselben, worauf die Insurgenten zurückgtngen. Der Belagerungszustand wurde proklamirt.

Die aufständischen beiden Eskadrons und die Jnfanterie-Abtheilung, welche sich ihnen angeschlossen hatte, sind von den gegen sie geschickten Truppen zersprengt aus der Stadt getrieben worden. Eine Anzahl ist gefangen, andere sind geflüchtet, der Rest befindet sich auf dem Wege nach Valencia. Die Kriegsgerichte sind eingesetzt.

Madrid, 20. September. Amtlich wird mitgetheilt: Die zersprengten Reste der aufständischen Truppen, welche sich in die Umgegend der Stadt geflüchtet hatten, sind von Gensdarmen gefangen und befinden sich in Händen der Behörden der um­liegenden Ortschaften, so daß die aufständische Bewegung völlig als beendet an­zusehen ist.

Barcelona, 20. September. Die Gensdarmerie beschlagnahmte in Sindavellas Waffen und Munition angeblich carlistischen Ursprungs und nahm mehrere Ver­haftungen vor.

Genua, 20. September. Ihre K. u. K. Hoheit die Frau Kronprinzessin hat sich beute Vormittag um 11 Uhr auf einer Aacht nach Portofino begeben, woselbst Höchstdieselbe in der Villa Carnarvon Aufenthalt nehmen wird.

Belfast, 20. September. Gestern fanden wiederum ernste Ruhestörungen statt. Eine große Menschenmenge rottete sich vor der Polizeikaserne zusammen und ver­langte die Freilassung der wegen Jnsultirung der Polizei verhafteten Gefangenen. Da dies verweigert wurde, griff der Pöbel die Kaserne an. Die Polizei feuerte, tödtete eine Person und verwundete mehrere schwer. Nachdem die Polizei Verstärkungen er­halten hatte, wurde die Ruhe wieder hergestellt. Es sind mehrere Verhaftungen vor­genommen worden.

Belgrad, 20. September. Zur Verhinderung der Einschleppung und Ver­breitung der Cholera sind entsprechende Maßregeln getroffen und ist eine besondere Sanitätscommission ernannt worden.

Sofia, 20. September. Gestern fand die Vernichtung der Fahne der Kadetten­schule statt. Ein Bataillon bildete Quarrt, inmitten dessen die Zöglinge der Kadetten­schule aufgestellt waren. Major Popow hielt an dieselben eine Ansprache, in welcher er die in der Nacht vom 21. August von den Kadetten begangene Handlung brand­markte. Darauf wurde die Fahne den Flammen übergeben. In Radomir wurde die Fahne des Regiments Strumski in gleicher Weise vernichtet.