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— Der russische Consul stellte der bulgarischen Regierung eine Note zu, worin verlangt wird, den Proceß gegen die wegen der Theilnahme am Staatsstreich vom 21. August verhafteten Officiere und anderen Personen nicht eher stattfinden zu lassen, als bis eine größere Beruhigung der Gemüther eingetreten ist.
Sofia, 20. September. Deutschland gab zu erkennen, daß bei der gegenwärtigen Sachlage ein Aufschub der gerichtlichen Verhandlung gegen die am Staatsstreich vom 21. August Betheiligten angezeigt erscheine. Es heißt, die bulgarische Regierung werde sich dahin erklären, daß sie zwar die Untersuchung nicht einstellen könne, daß aber die Eröffnung der Verhandlung nicht vor mehreren Wochen stattfinden werde.
London, 20. September. [Unterhaus.] Parnell beantragt eine zweite Lesung der irischen Bodengesetzbill und erklärt, die Annahme derselben trüge bessere Früchte für den Frieden Irlands, als die Sendung einer Anzahl Generale mit Truppen. Fitzgerald beantragt Verwerfung derselben.
Reichstag.
E. R. Berlin, 20. September 1886.
In der um 121/« Uhr begonnenen Sitzung stand lediglich die dritte Lesung des spanischen Handelsvertrags auf der Tagesordnung.
Eine Diskussion erhob sich bei derselben nicht, der Vertrag wurde genehmigt.
Die Tagesordnung war damit erschöpft und unter Heiterkeit des Hauses con- statirte der Präsident, daß dasselbe ihn von der üblichen Uebersicht über die Ge« schäftsthätigkeit dispensire.
Abg. Dr. Windthorst sprach dem Präsidenten unter dem Beifall des Hauses den Dank desselben für die umsichtige und unparteiische Leitung der Geschäfte aus, den
der Präsident unter der Erklärung, ihn nicht verdient zu haben, auf die Dicepräsidenten und Schriftführer ausdehnte.
Staatssecretär v. Bötticher verlas darauf die Allerhöchste Botschaft, durch welche er ermächtigt wird, den Reichstag im Namen des Kaisers und der verbündeten Regierungen zu schließen.
In Folge dieser Ermächtigung erklärte er die gegenwärtige Session des Reichstags für geschlossen.
Mit einem vom Präsidenten v. Wedell-Piesdorf ausgebrachten dreifachen Hoch auf Seine Majestät den Kaiser und König trennte sich das Haus um 12Va Ilhr.
Lokale-.
Gießen, 21. Septbr. Tagesordnung für die Stadtverordnetm-Sitzung am Donnerstag den 23. September 1886, Nachmittags 4 Uhr.
1. Gesuch der Firma Heyligenstädt & Comp. um Erlaubniß zur Anlegung einer Eisengießerei.
2. Gesuch des Wilhelm Reiber um Erlaubniß zur Aufstellung einer Dampfmaschine.
3. Gesuch des Pumpenmachers Jakob Helfenbein um Bauerlaubniß.
4. Gesuch des Zugführers Franz Gerhards um käufliche Ueberlassung städtischen Geländes.
5. Desgleichen des Maurermeisters Wilhelm Steinbach.
6. Desgleichen des Weißbindermeisters Wilhelm Seipp.
7. Ausbau der Schillerstraße.
8. Anschaffung von Schulbänken für die neue Stadtmädchenschule.
9. Erhöhung Der städtischen Trottoirs.
Universität- - Chronik.
— Der ordentliche Professor in der philosophischen Fakultät zu Kiel, Dr. Las- peyres, ist in gleicher Eigenschaft nach Bonn versetzt worden.
— Prioatdocent Dr. Nöthling zu Berlin ist von der indischen Regierung als Paläontologe an das geologische Institut nach Kalkutta berufen worden und wird diesem ehrenvollen Rufe demnächst Folge leisten.
Vermischtes
8 Von der Lahn, 16. September. sSecundärbahn Lollar-Gladenbachs In der jüngsten Zeit ist ein seit Jahren still gestelltes Eisenwerk in der Nähe von Gladenbach in der Richtung nach Lohra zu wieder in Betrieb gesetzt worden und ist daselbst eine neue Eisengießerei eröffnet. Mit der Arbeit, die geboten wird und mit dein eröffneten Verdienst wächst aber das Verlangen nach leichterer und schnellerer Beschaffung des Materials wie nach bequemerem Transport der vollendeten, zum Verkauf bereit gestellten Waare. So ost dem Flecken Gladenbach sämmt den um denselben liegenden Ortschaften auch die Erfüllung sehnlicher Wünsche in nahe Aussicht gestellt worden, bis dahin ist es zur Inangriffnahme einer Eisenbahn in der Richtung nach Lollar und Gießen nicht gekommen. Die Gründe liegen klar. Das hessische Hinterland hat nach dieser Seite gethan, was immer in seinen Kräften stand.
Auch hinsichtlich der qu. Bahnlinie Gladenbach-Lollar ist es der König!. Regierung gegenüber bis an die äußerste Grenze seiner Leistungsfähigkeit gegangen; ein Weiteres als das Gebotene zu leisten ist es außer Stande.
Wird noch mehr verlangt oder erwartet, so muß einfach der Plan, so sehr die Schnelligkeit seiner Ausführung nach manchen Seiten hin geboten erscheint, bei Seite gelegt werden. Auch hierbei heißt es hinsichtlich der von der Königl. Staatsregierung zu gewährenden Unterstützung mit vollem Rechte: bis dat qui cito dat.
Die Gegend zwischen Lollar und Gladenbach hat, wenn gemeinsame Pläne zu realisiren sind, immer unter dem sehr empfindlichen Nothstand zu leiden, daß in das Thal der Salzböde — und ihr müßte die Eisenbahnlinie sich anschließen — 3 verschiedene landräthliche Verwaltungskreise Biedenkopf, Marburg und Wetzlar hineinreichen. Nun reichen sich zwar auch hier die beiden Kreise Biedenkopf und Wetzlar die Hand; beide halten mit aller Entschiedenheit daran fest, daß die Richtung der Bahnlinie nach Lollar zum Anschluß an die Main-Weser- und die Berlin-Wetzlar-Metzer Bahn die allein naturgemäße ist.
Auf der anderen Seite indeß hat bislang die Stadt und der Kreis Marburg nichts unversucht gelassen, um die geplante Bahn in die Richtung nach Niederwalgern, mithin nach Marburg zu verlegen. Es sind Mittel sehr eigenthümlicher Art in Anwendung gebracht worden, um auch diejenigen kurhessischen Dörfer, welche der Richtung
WDrt/Ä $ Somtr und Gleßen zu durchaus geneigt waren und noch sind, für IAburS ru gewinnen oder doch sie mundtodt zu machen; Mittel, welche an das £ ü£>m bäuerlich beschrankten Unterthanenoerstand gemahnen. Gleichwohl möchten die Manner, welche für die Bahnlinie Gladenbach-Lollar-Gießen eintreten das Vroiect nicpt aufgegeben wissen und sie setzen dabei ihr Vertrauen mit auf die Gemeinve-Ver- waltunaen zu Lollar und Gießen. Gleichgültig kann und darf es unseres Erachtens uicht sein, ob eine neu auszuführende, wenn auch immerhin kleine Bahn ihre Richtung auf sie zu nimmt oder von ihnen abführt. Verkehr bringt Leben- Handels- und Geschäfts-Verkehr macht das Geld flüssig und bringt es unter die Leute.
Hstr sind der Meinung, wenn die Einwohner einer dem Verkehr durch eine Ersenbahn noch nicht erschlossenen Gegend den lebhaften Wunsch hegen, mit einer benachbarten Stadt in regeren und lebhafteren Geschäfts- und Handels-Verkehr zu treten, daß alsdann auch den Städten und betheiligten Flecken im vorliegenden Falle mithin der Prooinzialhauptstadt Gießen, sowie dem Flecken Lollar die Pflicht erwächst, die Hand freundlich zu bieten und in zuvorkommender Weise auch Mittel zu reichen öarantiren, Geldmittel, deren Zinsen ihnen doch selber wieder in der Regel reichlich zu Gute kommen. Unser Appell richtet sich darum an die eben genannten Orte, an Stadt wie Land, sie möchten in klarer Erkenntniß wahrscheinlicher Vortheile ur ste selber und in bestimmter Wahrnehmung eigener Interessen gegenüber den so scharf betonten und gut vertretenen Interessen der Stadt Marburg sich in Einvernehmen mit dem Gladenbacher Comit6, mit den Herren Hüttenbesitzern Schulz, Wehrend old und dem. Herrn Kaufmann Theis in Gladenbach setzen und in Vereinigung mit denselben in Berathung ziehen, welche Schritte zu thun und welche Garantien zu leisten sein, damit die Secundärbahn Gladenbach-Lollar thunlichst rasch ihrer Vollendung entgegengeführt werde.
- sEntlassung zur Reserve.] Im Interesse der Betheiligten machen wir Darauf aufmerksam, daß die diesjährige Entlassung der zur Reserve zu beurlaubenden Mannschaften von den vorjährigen etwas abweicht. Die diesjährige Entlassung erfolgt bei denjenigen Truppen, die an den Herbstübungen theilnehmen, am ersten ober zweiten Tage nach Beendigung derselben oder nach dem Wiedereintreffen in den Garnisonen. Für die Fußartillerie-Regimenter Nr. 2 und 9 ist der 31. August, für alle übrigen Truppeiitheile der 30. September der späteste Entlassungstermin. Das Nähere bestimmen die betreffenden Geperalcommandos, für die Fußartillerie die Generalinspection der Artillerie. Die zu halbjähriger activer Dienstzeit eingestellten Trainsoldaten werden am 30. October oder am 30. April 1887, die Oeconomie - Handwerker am 30. September entlassen. Die Beurlaubungen der Mannschaften zur Disposition der Truppen- theile werden en den Terminen zur Entlassung der zur Reserve zu beurlaubenden Mannschaften stattfinden. Die Zahl der zur Disposition zu Beurlaubenden kann nicht jeder Truppenbefehlshaber nach Belieben festsetzen; dieselbe muß vielmehr genau der sich aus den Festsetzungen über die Rekrutirung ergebenden Zahl entsprechen. Beurlaubungen zur Disposition dürfen weder stattfinden, falls sich Freiwillige melden, durch die Vakanzen gedeckt werden können, noch auch als Mittel zur Anwendung kommen, um Vacanzen für den Eintritt Freiwilliger zu schaffen. — Die Einstellung der Rekruten zum Dienste mit der Waffe wird bei iämmtlichen Truppentheilen nach näherer Anordnung der diesen vorgesetzten Generalcommandos in der Zeit vom 4. bis 6. November erfolgen; nut beim Garde- und dem 15. Armeekorps findet die Einstellung in der Zeit vom 2. bis 6. November und für die obengedachten beiden Artillerie-Truppenheile, für die Unterofficierschulen und Oeconomiehandwerkstätten am
Handel und Verkehr.
Gießen, 20. September. Auf dem am 14. und 15. d. M. dahier abgehaltenen Viehmarkte waren aufgetrieben: 1774 Stück Rindvieh und 760 Stück Schweine. Der Handel bei ersteren war lebhaft, bei Schweinen war der Handel etwas gedrückt.
Nächster Markt Dienstag den 5. und Mittwoch den 6. October d. I., am letzten Tage auch Krämermarkt (Michaelimarkt). Die Krämerstände werden Morgens 8 Uhr verlesen.
Gießen, 21. September. Auf dem heuttgen Markt kostete Butter per Pfand 1.00-110, Hühnereier pr. St. 6-0 H, Enteneier St. 6-7 Käse pr. St. 5-9 4, KSsematte 3—0 H, Erbsen pr. Liter 18 4, Linsen 26 4, Tauben per Paar 0,50 bis 0,60 4, Hühner per Stück 085—1.00, Hahnen pr. Stück JL 0.40-0.70, Enten per Stück JL 1.30—1.70, Ochsenfleisch per Wund 62—64 4, Kuh- und Rindfleisch 54—56 4, Schweinefleisch 56—60 4, Hammelfletich 50—66 4, Kalbfleisch 46—50 4, Kartoffeln per 100 Kilo JL 4.00—6.00, Milch per Liter 12—18 4, Zwiebeln per Centner JL 4.00—6.00.
Frankfurt, 20. September. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger u. Wetterauer 17,00-17,25, fremder JL 16,50-19,75, Roggen eff. hies. «4L 13,25—13,75, fremder JL 14,00—14,25, Gerste effectiv hiesige und Wetterauer JL 00,00—00,00, fremde ** 16,00—19,50, Hafer eff. hief. JL 11,50—12,50, fremder JL 11,50—12,50.
Frankfurt, 20. September. Der heutige Viehmarkt war stark befahren. Ange- ttieben waren 335 Ochsen, ca. 26 Bullen, ca. 456 Kühe und Rinder, ca. 285 Kälber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. QuaL 67—69, 2. Qual. JL 54—60, Kühe und Rinder 1. Qual. 54—56, 2. Qual. JL 42—50 per 100 Pfund Schlachtgewicht, Kalber 1. Qual. 60—65 4> 2. Qual. 50—55 4 per 1 Pfund Schlachtgewicht.
Repertoir der vereinigten LtaöttlMter zu Frankfurt a. M.
Opernhaus.
Mittwoch den 22. September: Fidelio. Außer Abonnement. Große Preise.
Donnerstag den 23. September: Maskenball. Große Preise.
Freitag den 24. September: Carmen. Große Preise. Außer Abonnement.
Samstag den 25. September: Lucia. Hierauf Ballet. Große Preise.
Sonntag den 26. September: Prophet. Große Preise.
Schauspielhaus.
Mittwoch den 22. September: Reif-Reislingen. Große Preise.
Donnerstag den 23. September geschlossen.
Freitag den 24. September: Geier-Wally. Große Preise.
Samstag den 25. September: Zmn ersten Male: Fromont jun. und
Risler een. Drama in 5 Akten von Alf. Daudet und Ad. Belot. Große Preise.
Sonntag den 26. September: Zum ersten Male wiederholt: Fromont jun' und Risler sen.
Verdingung der Ausführung von 2211 qm Pappdacheindeckung auf dem zu erbauenden Locomotivschuppen zu Gießen. Termin
Mittwoch d. 28. September,
Vormittags 111/2 Nhr, im Amtszimmer des Unterzeichneten zu Marburg. Bedingungen können daselbst eingesehen und die Verdingungsunterlagen gegen kostenfreie Einsendung von 0,50 J4 von dort bezogen werden. Zuschlagsfrist 4 Wochen.
Marburg, 15. September 1886. Königliche Eisenbahn-Bau-Jnspection.
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Mittwoch den 22. September
Nachmittags 2 Uhr, werden in meinem Bureau gegen Baar- zahlung versteigert:
Sopha's, Kommoden, Kleiderschranke, 1 Glasschrank, 2 Betten, 1 Kassaschrank, 30 silberne Taschenuhren, 1 Weckeruhr, 2 Stoßkarren u. 3 Pferde.
Geißler, 6614 Gerichtsvollzieher.
Aeikgeöotenes.
Kieler Sprotten, Bücklinge, Flundern in frischer Waare eingetroffen bei 6633
A. Koch Nachfolger,
Hamburger Fisch- u. DelicateffenhaM.


