Ausgabe 
7.2.1886 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Dem Gesuch der Interessenten der Branntwein- und Liqueur-Jndustrie behufs Stellungnahme gegen das geplante Branntweinmonopol wird lebhaft zugestimmt und einer Commission, bestehend aus den Herren M. Homberg er und Commerzien- rath A. Noll der sofortige Entwurf einer Eingabe an Großh. Regierung, ähnlich derjenigen der hiesigen Handelskammer, übertragen; da diese Angelegenheit als dringlich erkannt wird, soll für Samstag, den 6. Februar, Nachmittags 5 Uhr eine außerordent­liche Sitzung berufen werden, in welcher der fertige Entwurf zur definitiven Genehmi­gung vorgelegt wird.

Dem Gesuche des Bäckermeisters Horn um Ueberlassung eines Holz­lagerplatzes wird entsprochen und für den vorgeschriebenen Platz eine jährliche Ab­gabe osn 4.57 JL festgesetzt.

Die Aufstellung eines Brunnens in der Nordanlage hat wegen der schwierigen Platzfrage immer noch keine definitive Erledigung finden können; ein Angebot des Herrn Carl Stückrath, denselben auf seinem Grund und Boden auf­zustellen, wird deshalb berücksichtigt und beschlossen weitere Rücksprache mit demselben zu nehmen.

Erbauung eines Hauses, für die Herberge gjir Heimath. Der Verein für innere^Mission fragt an, ob der Erbauung genannten Gebäudes auf einem von Herrn G. C. Simon zu erwerbenden und direct hinter der neuerbauten Mädchen­schule an der Westanlage gelegenen Gründstücke von Seiten des Stadtoorstandes keine Schwierigkeiten gemacht werden, event. ob demselben ein Zugang von der Westanlage aus, etwa der alte Schoorweg, nebst Beleuchtung ?c. gewährt würde, lieber diesen Gegenstand entspinnt sich eine sehr lebhafte Debatte und wird besonders der Umstand dagegen in die Waagschale fallen, daß die Errichtung eines derartigen Instituts so in'unmittelbarer Nähe einer Schule, besonders einer Mädchenschule, doch nicht rathsam sei; da eine wirkliche Erwerbung des Grundstückes noch nicht stattgefunden hat, ein definitiver Antrag daher auch noch nicht vorgelegt werden kann, so wird beschlossen, .weitere Verhandlungen hierüber vorerst auszusetzen.

Der Versammlung wird mitgetheilt, daß das Baugesuch des Schreiner­meisters Hrn. Emil Müller in der verlängerten Schillerstraße von Seiten der Polizeibehörde auf Grund des § 25 der Bauordnung ohne Bedingungen genehmigt sei.

Dem Gesuch des Stadtgärtners Balser, behufs Ableitung des Wassers aus seinem Garten, hier Unterführung von Drainröhren unter einem städtischen Wege, wird unter den üblichen Bedingungen stattgegeben; dagegen kann dem Gesuche der Bewohner des Sellersberges behufs Eröffnung einer Ver­bi n d u n g s str a ß e m i t d e m B a h n h o fe mit der dabei nöthigen Ueberbrückung des Bahn­körpers wegen zu großer Kostspieligkeit des Projectes vorerst nicht näher getreten werden; es wäre erst abzuwarten, ob allenfalls durch den Kliniksneubau in diesem Stadttheile die Dringlichkeit des Antrages näher rückt. Hierbei beantragt Herr Dr. Gut fleisch, die Erledigung der Angelegenheit des Bahnüberganges an der sing'scheu Wirth- schaft bei Großh. Ministerium in Anregung zu bringen.

Die Fassung des Stadtbaches in eine Steinsohle soll für dieses Jahr, anstatt der vorgesehenen 400 Meter, bis an das Thorhaus am Selterswez d. i. 430 Meter, zur Ausführung kommen. Auf ergangene Anfrage macht Herr Albr. Stein die Mit­theilung, daß er die Ausführungen dieser Arbeiten von der Südanlage abwärts wegen der hier immer, höher werdenden Böschungen und dadurch schwierigeren Transport des Materials, zu keinem billigeren Preise Herstellen, dagegen von der Ostanlage aufwärts den Preis um JL. 2,50 pro laufenden Meter erniedrigen könne, wovon die Versamm­lung zustimmend Kenntniß nimmt.

Auf ein an Großh. Polizeiamt gerichtetes Baugesuch des Herrn R übsamen sollen die Rivellirungspläne des Hamm, der ja doch von der inneren Stadt vollständig getrennt, für sich fertig gestellt werden.

Verschiedene Kostenrechnungen werden genehmigt.

Ein Vermächtniß der verstorbenen Fräulein Antonie Geßner, Jl. 700, mit der Bestimmung, für die Zinsen ihre Grabstätte, sowie die ihres ver­storbenen Vetters, Professor Leopold Schmidt, zu unterhalten und den Ueberschuß am 2. December, dem Todestage des Letzteren, einem bedürftigen Armen auszuhändigen, wird angenommen.

Einem Gesuch des Weißbindermeisters Hrn. Will). Seipp, Abtragung einer Böschung im alten Feld, wird unter den üblichen Bedingungen zugestimmt.

Ferner wird mitgethe'lt, daß der Stadtgärtner Balser auf den Fcldschutz ver­pflichtet wurde und daß der Druck und die Herstellung von 1600 Stück Obligatiomn zur Anleihe der Stadt, der Druckerei Nau mann in Frankfurt für den offerirten Preis von 590 JL übertragen worden sind, was ebenfalls Zustimmung findet.

Auf die Anfrage des Spenglermcisters Hrn. Carl August Faber, ob er bei event. Erwerbung des Hauses seines Nachbars, Hrn. Jul. Hoos, einen Neubau er­richten könne, ohne an Raum abgeben zu müssen, wurde bejahend erkannt. Mit dieser Zustimmung wurden die von demselben und seinem eben genannten Nachbar abge­schlossene Kaufabschlüsse perfect.

Schluß der öffentlichen Sitzung 6 Uhr.

Das Paradies und die Peri-

Dichtung aus Lalla Rookh von Th. Moore, Musik von R. Schumann.

V.

*** Im Anfang des dritten Theils wird uns durch den Chor der Houris ein Einblick in den Himmel eröffnet, nach Anschauung der Indier. Immer noch ist Peri's Gabe nicht die rechte und fast in Verzweiflung wendet sie sich der Erde wiederum zu. Die Sehnsucht nach dem Paradiese veranlaßt sie, muthig und ohne Rast und Ruh nach dem Kleinod zu suchen.

In Nr. 20 finden wir ein wahres Muster musikalischer Charakteristik für die Peri. Alles erscheint leicht zusammengewoben und doch voll mannhaften Muthes. Ruhig, aber schmerzlich bewegt läßt die Peri den Spott der leichtfertigen Schwestern über sich ergehen, endlich naht sie dem Ort, an dem ihr des heißesten Wunsches Er­füllung werden soll; aus mancherlei Zeichen dämmert ihr ahnungsvolle Gewißheit auf, daß siehier gewahrt, was Eden öffnet den sündigen Wesen" und Schumann faßt den Moment in seiner ganzen großen Bedeutung auf.

Mit hoher Meisterschaft ist die Peri in ihren: weiteren Verlauf zu Ende geführt, was besonders in dem Schlußgesang-.Freud', ewige Freude, mein Werk ist gethan" hervortritt, einem Siegeshymnus gleich, breit und glänzend tritt dieser Satz vor uns hin, nur ein nach Stimmung und Ausdruck gleich bedeutendes Musikstück steht ihm gegenüber, das Duett in Beethovens Fidelio:O namenlose Freude."

Das ganze Werk ist wohl offenbar als der Gipfelpunkt der Entwicklung Schumanns zu betrachten. Die ganze Fülle des zum Theil von ihm geschaffenen, zum Theil umgestalteten musikalischen Ausdruckes faßte er an einem bedeutsamen Ereigniß zusammen, um ihn aus musikalischem Gebiet Gestalt werden zu lassen.

Wir schätzen das Oratorium als das hervorragendste Werk, welches der Componift geschaffen und mit ihm hat er auch sicherlich seinen größten Gedankenreichthuiu nieder­gelegt in herrlichen unvergänglichen Tönen.

Wenn auch das Studium Mühen und Arbeit erfordert, so sind wir überzeugt, daß Jeder, der die Musik als eine ernste Kunst auffaßt, mit Lust und Liebe sich den Anforderungen unterwirft und, somit sein Bestes einsetzen wird, um dem Namen Schumann" Ehre zu machen und auf diese Weise wird die Aufführung, unterstützt durch namhafte Solisten ihre Wirkung nicht verfehlen. a

Handel und Verkehr.

Gießen, 6. Februar. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund A 0.800 95, Hühnereier pr. Stck. 70 Enteneier St- 00 Käse pr. St. 58 Kasematte 30 Erbsen pr- Liter 22 H, Linsen 30 H, Tauben per Paar 0,80 bis 1,00 H, Hühner per Stück JL 1.301.70, Hahnen pr. Stück JL 1.501.80, Enten per Stück JL 1.702.20, Ochsenfleisch per Pfund 6264 H, Kuh- und Rindfleisch 5456 H, Schweinefleisch 5060 X Hammelfleisch 5066 H, Kalbfleisch 4850 Kartoffeln per 100 Kilo JL 3.500.00, Milch per Liter 1218 Zwiebeln per Centner

JL 7.00-0.00.

Auszug aus den Standesamtsregistern des Staudesamts Gießen.

Aufgebote.

_ Februar: 1. Kellner Ludwig Feldhaus mit Magdalene Luzius, Tochter des Schneidermeisters Georg Luzius von Assenheim. 4. Kaufmann Otto Ewald Spannagel von Lennep mit Marie Wilhelmine Fischer, Tochter des Rentners Johann Fischer von Gießen.

Eheschließungen.

Februar: 3. Kellner Johannes Schieferstein mit Lina Appel von Einartshausen. 3. Bäcker Jacob Horn mit Anna Jakobine Hubeler, Tochter des verstorbenen Bahn­wärters Peter Hubeler von Gießen.

Geborene.

Februar: 22. Dem Fuhrmann Philipp Böcher eine Tochter. 24. Dem Hülfs- breinser Heinrich Schneider eine Tochter, Elisabethe. 25. Dem Bäckermeister Karl Lenz eine Tochter. 25. Dem Taglöhner Ludwig Schneider ein Sohn, Johann Wilhelm. 25. Dem Schuhmacher Wilhelm Schmidt ein Sohn. 26. Dem Zimmermeister Heinrich Ruckstuhl II. eine Tochter. 27. Dem Schuhmacher Heinrich Lepper ein Sohn. 27. Dem Gepäckträger Georg Lesch Zwillinge, Lina und Emma. 31. Dem Schlosser- Wilhelm Giesler ein Sohn. Februar: 1. Dem Fabrikarbeiter Karl Drescher ein Sohn.

Gestorbene.

Januar: 30. Susanne Hilgardt, geb. Bernbeck, 64 Jahre alt, Ehefrau des Spenglermeisters Ludwig Hilgardt. 30. Rentner Ludwig Vogt, 56 Jahre alt. 30. Bäcker- Julius Kulb, 32 Jahre alt, von Großkarben. 31. Friedrich, 7 Monate alt, Sohn des Zimmermanns Jacob Best I. von Waldgirmes. 31. Karl Lich, 17 Jahre alt. 31. Louis, 6 Jahre alt, Sohn des Rangirers Ludwig Schneller. Februar: 1. Gertrude Merkel, geb. Röder, 35 Jahre alt, Ehefrau des Taglöhners Peter Merkel. 1. Tag­löhner Philipp Becker, 45 Jahre alt, von Annerod. 1. Lehrer Wilhelm Göbel, 21 Jahre alt, von Braunfels. 2. Küfer Franz Jordan, 44 Jahre alt, von Steinweg.

Auszug aus dm Kirchenbüchern der Stadt Meße«.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

Den 3. Februar. Johannes Schieferstein, Kellner zu Gießen, und Lina Appel zu Gießen.

Denselben. Jakob Horn, Bäcker zu Gießen, und Anna Jakobine Hubeler, Tochter des verstorbenen Bahnwärters Peter Hubeler zu Gießen.

Getaufte.

Den 31. Januar. Dem Schreinermeister Ferdinand Wilhelm Wiedmeyer ein Sohn, Carl Max Erich Christian, geboren den 27. December 1885.

Denselben. Dem Bäckermeister Fritz Schreiner eine Tochter, Elsa Hermine Henriette, geboren den 10. December 1885.

Denselben. Dem Schaffner Konrad Kaspar Kaus ein Sohn, Wilhelm Heinrich Philipp, geboren den 18. Januar.

Denselben. Dem Kaufniann Philipp Krailing eine Tochter, Wilhelmine Christine Rosa Luise Justine, geboren den 9. Januar.

Denselben. Dem Maurer Friedrich Gümbel ein Sohn, Friedrich, geboren den 24. December 1885.

Denselben. Dem Schuhmacher Balthasar Wacker ein Sohn, Wilhelm Heinrich, geboren den 3. Januar.

Beerdigte.

Den 31. Januar. Heinrich Todt, Club-Diener, lediger Sohn des verstorbenen Postillons Johannes Todt, alt 28 Jahre, starb den 29. Januar.

Denselben. Susanna Hilgardt, geb. Bernbeck, Ehefrau des Spenglers Ludwig Hilgardt, alt 64 Jahre, starb den 30. Januar.

Den 1. Februar. Louis Vogt, Oecononi, ein Wittwer, alt 56 Jahre, starb den 30. Januar.

Den 2. Februar. Carl Lich, lediger Sohn des Taglöhners Wilhelm Lich, alt 17 Jahre, starb den 31. Januar.

Brodpreife

vom 7. bis 21. Februar 188 6.

der Bäcker $

Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod .... 27

(4 Pfd.) Weißbrod .... 54

(2 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 24

(4 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 48

(2 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 21

(4 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 42

(6 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte bei K. Haas, L. Keil, I. Lenz . 63 Gießen, den 6. Februar 1886.

der Brodverkäufer 4

1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod . . . . 27

2 U ) .......54

1 (2 ) Schwarzbrod 1. Sorte 24

2 r (4 ) Schwarzbrod 1. Sorte 48

3 (6 ) Schwarzbrod 1. Sorte 1 lf (2 ) Schwarzbrod 2. Sorte 21

2 (4 ) Schwarzbrod 2. Sorte

3 (6 ) Schwarzbrod 2. Sorte 63

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

All gemeiner Anzeiger.

Herren- u. Damen-Wäsche.

Durch einen günstigen Gelegenheitskauf bin ich in der Lage

Einen Posten prima HerremHemben, Einen Posten prima Damen ^emüen außergewöhnlich billig verkaufen zu können.

,05 iP/te Ettinger.

Iebensverficherungsbank f. D. in Gotha.

Größte Deutsche Lebensversicherungs-Anstalt. Niedrigste Prämimsätze, höchste Dividende, z. Zt. 44pCt. der Jahresprämie, oder nach Wahl steigende Dividende. Dividenden werden von allen Versicherungsjahren gewährt, worauf sehr zu achten. Verwaltungskosten nur 5,09 pCt. der Jahreseinnahme.

Alles Nähere bei Herrn F. Gros, Bahnhofstr. 66. 68

Das Bureau für Stellenvermittelung des Kaufm. Vereins in Frankfurt a. Main (unter Patronat der Handelskammer) besetzte, vermöge seiner ausgedehnten Verbindungen, in den letzten 6 Jahren weit über 6000 Stetten. 4667