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erheblichen Schwierigkeiten begegnete. Bei der Reichsbank sammelte sich von diesen Münzen eine für den Verkehr nicht verwendbare Reserve von erheblichem Betrage an und auch bei den öffentlichen Kaffen zeigte sich ein Anwachsen der Bestände in dieser Münzsorte. Demzufolge wurde durch Bundesraths-Beschlüsse vom 23. October 1879 und 11. Mai 1883 ein Gesammtbetrag von 8 Mill. JL in Zwanzigpfennigstücken zur Einziehung gebracht und demnächst in andere mehr gangbare Silbermünzsorten umgeprägt. In Folge dieser Umprägung und des Abgangs der als nicht mehr umlaufssähig eingezogenen Stücke hat sich der Um­lauf an Zwanzigpfennigstücken aus rund 273/4 Mill. Jb. vermindert. Trotzdem hat der Rückfluß dieser Münzen zu den öffentlichen Kaffen nicht nachgelassen, vielmehr hat auf's Neue ein Theil der Bestände der Reichsbank, als unverwend­bar, in Reserve gelegt werden müssen. Auch die Umwechselung von Zwanzig- Pfennigstücken gegen Reichsgoldmünzen bei den laut der Bekanntmachung vom 19. December 1875 bestimmten Einwechslungsstellen hat im Vergleich zu der­jenigen anderer Silbermünzen einen besonders starken Umfang gewonnen, worüber die Motive des Gesetzentwurfs den näheren Ausweis in Ziffern gewähren. Diese Umstände bestätigen die auch anderweit gemachte Wahrnehmung, daß die Abneigung gegen das jetzt geltende silberne Zwanzigpfennigstück wegen seiner Kleinheit und Unhandlichkeit namentlich in den Kreisen der kleinen Gewerbe­treibenden und der Handarbeiter, welche in ihrem Verkehr hauptsächlich auf das Kleingeld angewiesen sind, stark und nachhaltig verbreitet ist. Wenn die Unbe­liebtheit dieser Münze in Süddeutschland weniger in Erscheinung tritt als in Norddeutschland, so mag dies seinen Grund hauptsächlich darin haben, daß in Süddeutschland das Bedürsniß nach einer Zmischenmünze zwischen dem Zehn- pfennis- und dem Fünfzigpfennigstück ein noch größeres als in Norddeutschland ist, und daher dort größere Geneigtheit vorhanden ist, die unhandliche Prägung der Münze in den Kauf zu nehmen. Die Lücke, welche durch den Mangel einer brauchbaren Zwanzigpsennigmünze im Kleinverkehr besteht, wird durch das Zehn­pfennigstück nicht ausgefüllt. Es ist vielmehr trotz der in letzter Zeit erfolgten umfangreichen Vermehrung des Umlaufs an Zehnpfennigstücken besonders auf dem Lande der Mangel an Kleingeld, und namentlich an einer brauchbaren Zwischenmünze zwischen dem Zehn- und Fünszigpsennigstück stellenweise derartig, daß bei der Einwechselung größerer Beträge Aufgeld gezahlt werden muß. Unter diesen Umständen erfordert das Bedürsniß des Verkehrs dringend die Ausprägung einer handlichen Zwanzigpfennigmünze in Nickellegierung, zu welchem Zweck eine entsprechende Ergänzung des Münzgesetzes ncthwendig ist. Daneben wird auch die silberne Zwanzigpfennigmünze bis auf Weiteres im Verkehr zu belassen sein, um nicht den Mangel an solchem Kleingeld zu erhöhen. Die neue Nickelmünze wird in Bezug aus Gewicht, Durchmesser und Gepräge derart zu gestalten fein, daß sie sich thunlichst leicht von den Silbermünzen und den an­deren Nickelmünzen, also namentlich von den Einmarkstücken, Fünfzig- und Zehn­pfennigstücken, unterscheiden läßt. Im Uebrigen finden ans dieselbe die hinsicht­lich der Nickelmünze bestehenden Bestimmungen des Münzgesetzes, insbesondere die Vorschriften der Art. 5 und 9 des letzteren, gleichmäßige Anwendung.

IrankreiH.

Paris, 1. Februar. Deputirtenkammer. Gaudin (Rechte) richtete eine Anfrage an den Kriegsminister Boulanger wegen der Verlegung der Caoalleriebrigade von Tours nach Pontray und wirft dem Minister vor, hierbei politischen Einflüsterungen gefolgt zu sein. Boulanger erwiderte, der Kriegsminister habe über derartige Maß­regeln allein zu entscheiden, er wolle die Achtung vor den republikanischen Institutionen sichern und werde keine politischen Koterien in die Armee hineinbringen laffen,' welche glaubten, es gehöre zum guten Ton, der Republik Opposition zu machen. (Beifall auf der Linken, Proteste der Rechten.) Der Minister verlas sodann ein an den Corps- commandanten gerichtetes Circular, in welchem es heißt, die Armee habe die strengste Pflicht, der Politik fern zu bleiben und diese Enthaltung müsse allgemein für die ganze Armee gelten. Gaudin erklärte, er überlasse der Armee das Urtheil über die Antwort des Ministers. Boulanger mutierte, die Armee habe nicht zu urtheilen, sondern zu gehorchen. (Lebhafter Beifall der Linken.) Ballue beantragt hierauf eine Tagesordnung, dahin gehend, die Haltung des Ministers zu billigen und ihn aufzufordern, in derselben Weise fortzufahren. , Admiral Dompierre proteffirt gegen gewisse Aeußerungen Boulanger's, welche einen Unterschied zwischen adligen und nichtadligen Offizieren zn machen scheinen. Boulanger erklärte sich mit der von Ballue vorgeschlagenen Tages­ordnung einverstanden. Raoul Duval bekämpfte diese Tagesordnung und hielt die Debatte für bedauerlich. Ohne Zweifel würde Niemand zulassen, daß Offiziere eine seindselige Haltung gegen Institutionen des Landes zeigen und dürfe die Armee nicht den politischen Leidenschaften überliefert werden. Bisher seien aber derartige, die Armee verdächtigende Aeußerungen niemals von der Rednerbühne gethan worden. In Mitten der politischen Spaltungen sei der Gedanke tröstlich gewesen, daß die Armee geeinigt bliebe. Jetzt theile man auch die Armee. Die Kammer nahm schließlich mit 357 gegen 174 Stimmen eine Tagesordnung an, welche die Erklärung des Ministers billigt und dem Vertrauen zu seiner Energie und seiner Ergebenheit für die Republik Ausdruck giebt.

England.

London, 1. Februar. WieReuker's Bureau" erfährt, hätte Glad­stone der Königin folgende Ministerliste vorgelegt: Gladstone, erster Lord des Schatzes und Kanzler der Schatzkammer, Sir Farrer Herschell Lordkanzler, Harcourt Inneres, Granville Lordpräsident des Geheimen Raths, Chitders Krieg, Lord Spencer, Lord Roseberry und Lord Kimberley würden die Mini­sterien des Auswärtigen, der Kolonien und für Indien unter sich zu theilen haben. Trevelyan und Murdella sollen die Posten des Vorsitzenden des Handelsamtes und des Präsidenten des Local Government Board übernehmen, doch sei die genaue Vertheilung dieser Aemter noch nicht bestimmt. Wie es ferner heißt, werde Chamberlain zum Marineminister und Morley zum Staatösecretär für Irland ernannt werden.

Telegraphische Depeschen.

Wolffs telegr. Eorrrspondenz - Bureau.

Berlin, 2. Februar. DieNordd. Allg. Zeitung" meldet: Zur wissenschaft- Lichen Erforschung der noch unbekannten Theile des Kaiser-Wilhelmslandes rüstete die Neuguinea-Compagnie" eine Expedition unter der Leitung des Astronomen und Geo­graphen Schrader aus Hamburg aus, welcher außerdem der Botatliker Hollrung aus Dresden und der Geologe Schneider aus Breslau, sowie ein in Laiser-Wilhelmsland hinzutrelender Beamter der Compagnie angehören. Schrader, Hollrung und Schneider, begleitet von dem Kaufmann Elias, find am Sonnabend nach London abgereist, von wo sic sich mit dem Dampfer Luetta über Batavia nach Cocktowr begeben. Von dort erfolgt die Ueberführung nach dem Finschhafen auf einem Danipfer der Compagnie. Die Dauer der Expedition ist auf zwei Jahre berechnet.

Dresden, 2. Februar. Die zweite Kammer genehmigte das in der Thronrede «ngekündigte Gesetz, betreffend die Verschärfung des polizeilichen Ausweisungsrechts gegenüber bestrafter Personen.

Weimar, 2. Februar. Der Landtag hat zu dem Bail einer Eisenbahn von hier nach Bad Berka und Blankenhain seine Zustimmung ertheilt.

Wien, 2. Februar. Eine Mittheilung desFremdenblatt" aus München dementirt die Nachricht über Unterhandlungen mit der Wiener Anglobank und der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank wegen eines Arrangements der Cabinetskasse König Ludwigs.

Paris, 2. Februar. Der griechische Gesandte Nikolaus Delyannis überreichte gestern Grevy sein Beglaubigungsschreiben und erklärte, er werde alles thun, was in seinen Kräften stehe, um die Bande der Freundschaft zwischen beiden Ländern aufrecht zu erhalten. Grevy erwiderte, der Gesandte werde mit demselben Vertrauen aus­genommen, welches seiner Regierung entgegengebracht werde.

Der Ministerrath beschloß, dem General Schmitz sein Commando zu ent­gehen, weil er die Verlegung der Cavallerieregimenter von Tours nach Nantes und Pontivy indirect getadelt habe.

Paris, 2. Februar. Das heute vertheilte Gelbbuch über Madagaskar^ enthält ein Rundschreiben Freycinet's vom 27. Decbr., worin es heißt: Der Vertrag ändere nichts an den zwischen der Regierung der Hovas und anderen Staaten bestehenden Verträgen. Frankreich dachte niemals daran, durch die getroffenen Arrangements der freien Entwickelung der privaten Interessen auf Madagaskar, gleichviel welcher Nation sie angehören, Hindernisse zu bereiten. Eine Depesche Patrimonio's meldet, das in der Umgegend der Bai von Diego Suarez an Frankreich abgetretene Gebiet erstrecke sich anderthalb Meilen südlich und westlich und vier Meilen nach Nordosten; es ent­halte eine schöne Rhede, deren strategische Lage für den Fall einer Unterbrechung des Verkehrs auf dem Suezkanal sehr wichtig sei.

Im Louorehotel wurde heute aus einen reichen Grundbesitzer, Namens Mon- tauzan, ein Mordversuch gemacht. Der Thüter nennt sich Baron Artaud und will ein Neffe des früheren Seinepräsekten Hausmann fein. Der Hergang bei der That ist noch nicht genügend festgestellt. Der Geisteszustand des Thäters ist zweifelhaft.

London, 2. Februar. Nach einer von denDaily News" veröffentlichteir Ministerliste würde Kimberley das Staatssekretariat des Auswärtigen, Lord Rosebery dasjenige der Kolonien, Lord Spencer dasjenige für Indien übernehmen, Trevelyan würde zum Präsidenten des Local Government Board, Mundella zum Präsidenten des Handelsamtes, Lord Hampden zum Lord-Geheim-Siegelbewahrer ernannt, die übrigen Posten würden, wie bereits gemeldet, besetzt werden. DerTimes" zufolge würde Lord Rosebery das Staatssekretariat des Auswärtigen erhalten, weil durch diese Ernennung das Kabinet Gladstone an seiner schwächsten Stelle gestärkt werden würde. DieTimes" erfährt, die.Verhandlungen zwischen England und China wegen Birmas würden in London geführt. China nehme das Recht auf eine Tributzahlung in Anspruch und verlange außer Bbamo auch die Grenzdistricte bis zum Shewleysluß. Von der englischen Regierung würden diese Forderungen beanstandet.

Madrid, 2. Februar. Gestern fand abermals eine Arbeiterkundgebung statt. Etwa 100 Arbeiter zogen vor das Ministerium des Innern und forderten Beschäftigung. Der Minister hielt eine Ansprache und forderte zum Auseinandergehen auf. Etwa 12 Personen wurden verhaftet.

Athen, 2. Februar. Officiell wird mitgetheilt, daß Gennadius zum Ge­sandten in London und Paparigopulo zum Gesandten in Rom ernannt worden ist.

Bukarest, 2. Februar. Madjid Pascha und Geschow sind hier eingetrnffen.

Belgrad, 2. Februar. Der König ist in Nisch zu mehrtägigem Aufenthalte aus Belgrad eingetroffen.

Konstantinopel, 3. Februar. (Privatdepesche.) Ein Jrade des Sultans wurde veröffentlicht, welches das Abkommen der Pforte mit Bulgarien zur Beilegung der zwischen beiden entstandenen Schwierigkeiten genehmigt. Ein Rundschreiben der Pforte benachrichtigt die europäischen Mächte hiervon.

Uuiverfitäts - Chronik.

Aus Erlangen, 30. Januar, wird derFranks. Ztg." geschrieben: Der ordentliche Professor der Ophthalmologie, Dr. Sattler, Director der Ophthalmologi- schen Klinik, bat einen Ruf an die k. k. Universität Prag erhalten.

DieKöln. Ztg." berichtet aus Bonn: Bald nach dem Tode des ver­storbenen langjährigen Curators der hiesigen Universität, Geh. Ober-Regierungsraths Dr. W. H. Beseler, ist der Wunsch laut geworden, dem verdienten Manne hier ein Denkmal zu errichten. Das Comitö, das zur Ausführung des angeregten Gedankens berufen wurde, hat jetzt der Universität eine von Albert Knüppers in carrarischem Marmor vorzüglich ausgeführte Büste zum Geschenk angebotcn und der akademische Senat hat dieselbe mit freudigem Danke angenommen. Ueber die Aufstellung der Büste wird noch nähere Bestimmung getroffen werden.

DerFranks. Ztg" wird aus Greifswald gemeldet: Der Lehrstuhl des Professors der klassischen Philologie, Dr. Kaibel, dessen Berufung nach Straßburg Sie Ihren Lesern bereits mitgetheilt haben, wird aller Wahrscheinlichkeit nach die ministerielle Entscheidung bleibt nach abzuwarten, ist aber so gut wie sicher zunächst aushilfsweise der Privatdocent Dr. Maaß aus Berlin ausfüllen. Es ist Grund zu der Annahme vorhanden und aus guter Quelle wird mir bestätigt, daß der Letztgenannte sobald thunlich ganz an Kaibels Stelle tritt, da er trotz seiner Jugend schon Bedeutendes in seinem Fache geleistet hat und man sich von seiner Thätigkeit in dem von ihm eingeschlagenen Gebiete noch viel verspricht. Anfang nächsten Monats wird sich hier in der Palaecmtologie Herr Dr. Wilhelm Deecke habilitiren, ein Sohn des bekannten Directors des Straßburger Lyceums Deecke. Der Titel seiner Habilitationsschrift ist noch nicht bekannt. Ebenfalls im nächsten Monat habilitirt sich hier auf dem Gebiete der Zoologie Dr. phil. Wilhelm Müller, der mehrere Jahre in überseeischen Ländern zugebracht hat und ein guter Kenner der brasilianischen Zustände und Verhältnisse ist.

Lokale-.

Gießen, 3. Februar. Wie uns ein Telegramm aus Darmstadt meldet, find in der heutigen Kammer-Ver­handlung für das chem. Laboratorium nebst Dienstwohnung, sowie sämmtliche Gebäude für die medicinifche re. Klinik im Betrage von IV2 Millionen für &ie$en bewilligt worden.

Gießen, 3. Februar. Dem Verwaltungsbericht Großh. Bürgermeisterei Gießen pro 1884/85 entnehmen wir ferner:

Das Resultat der, wie in dem Verwaltungsbericht für das Jahr 1883/84 er­wähnt zur Aufschließung neuer Quellen fortgesetzten Arbeiten war ein recht günstiges, indem am Hubertusbrunnen sehr ergiebige weitere Quellen aufgedeckt wurden, welche bereits mit der Hauptleitung verbunden worden sind.

Der Zuschuß der Stadtkasse zu den Kosten der ständigen Einquartierung für die in Bürgerquartieren untergebrachten Mannschaften des dahier garnisonn enden Regiments betrug vom 1. April 1884 bis dahin 1885 8995 30

Auf den im Jahre 1884 abgehaltenen 33 Viehmärkten sind aufgetrieben worden: 25287 Stück Rindvieh gegen 24236 Stück im Jahre 1883, 15968 Stück Schweine gegen 17765 Stück im Jahre 1883, 13 Pferde gegen 6 Pferde im Jahre 1883, 10 Fohlen im Jahre 1883 0.

Geschlachtet wurden im Jahre 1884:

1) 1330 Ochsen, 77 weniger als im Jahre 1883,

2) 178 Fasselochsen und Kühe, 10 weniger als im Jahre 1883,

3) 1028 Rinder und Stiere, 20 weniger als im Jahre 1883,

4) 5837 Stoppelkälber, Saugkälber, Hämmel und Schafe, 37 weniger als im Jahre 1883,

5) 7028 Schweine, 200 mehr als im Jahre 1.883,

6) 132 Spanferkel, 46 mehr als im Jahre 1883.

Im Ganzen kamen im Jahre 1884 16 Brände vor, von welchen zwei durch Blitzschlag verursacht wurden am 14. und 17. Juli. Von Erheblichkeit waren nur drei Brände, nämlich der Brand vom 10. Mai 1884 in der Hofraithe des Gastwirths Jean Weber, der Brand vom 5. August 1884 in der Lackfabrik von Philipp Lotz und derjenige vom 1. November 1884 in der Werkstätte des Tapeziers Wilhelm Reiber. Der umsichtigen Leitung und Thätigkeit der beiden freiwilligen Feuerwehren bei allen Bränden, bei welchen sie einzugreifen genöthigt waren, insbesondere bei den. erwähnten zwei größeren Bränden, sei hier ehrend unb anerkennend gedacht.