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Die Einnahmen und Ausgaben der

Gemeinde Gießen

betragen: Ordentliche

Einnahme 493,765 JL 64 H, außerordentliche Einnahme (darunter 136,418 JL 20 neu aufzunehmende Kapitalien) 175,563 JL 10 H, Umlagen 275,718 jl 6, Haupt-

summe aller Einnahmen 945,046 JL 80 H.

Die ordentliche Ausgabe beträgt 696,913 JL 2 die außerordentliche

Ausgabe

160,991 JL 83 H, Hauptsumme aller Ausgaben 857,904 JL 85 H.

An Miethe von Markt- und anderen öffentlichen Plätzen

im Berichtsjahre

1884/85 erzielte die Stadt 3736 JL 85 H.

An Octroi in 1884/85 erzielte die Stadt eine Einnahme

von

97,598 JL 37 &

gegen 97,267 JL 80 $ in 1883/84. Wir lassen nachstehend die Zusammenstellung der

Octroieinnahme folgen:

SDctroitanf

Einnahme

JL

'V?

JL

Ochsen ......

das Stück 6

86

9178

68

Fasselochsen.....

if H *1

58 /

664

10

Kühe......

H 1/ 4:

58 (

Rinder.......

if if 2

75

2785

75

^toppelkälber.....

it u 2

15

4

30

Saugkälber und Hämmel

ft H

58

3294

98

Schweine ......

1

72

12418

40

Spanferkel.....

If II

12

15

60

zerlegtes Wildpret ....

PV. Kgr.

3

3

06

geräuchertes und gedörrtes Fleisch .

ff ff

5

1487

65

Hirsche, Spießer, Schmalthiere

das Stück 1

72

12

04

Wildkälber unter 20 Kgr.

ff if

58

1

74

Rehe......

43

96

75

Wildschweine.....

,f u 1

29

5

16

Hasen......

if i

6

157

44

Backwaaren.....

pr."li/r Kil.

1

193

38

Mehl, geschälter Hafer, Grütze, Hirse

pr. Hectol.

28

22005

27

Malz......

18

Mehl unter 9 Kilo ....

Posten

6

72

78

Hafer.....

Hectol.

8

2101

22

Laub-, Scheit-, Prügel- und Klotzholz Nadel-, Scheit-, Prügel- und Klotzholz

Rmtr.

24

763

56

16

568

Stockholz jeder Gattung .

Laubholzwellen, 1 Wagen mit 2 Pferden

ft H

12

113

19

61

26

oder 2 Ochsen bespannt

ä

18

Laubholzwellen, 1 Wagen mit 2 Kühen

52

bespannt.....

Nadelholzmellen, 1 Wagen m. 2 Pferden

12

5

20

52

und 2 Ochsen bespannt

12

Nadelholzwellen, l Wagen mit 2Kühen

bespannt .....

9

5

22

Steinkohlen .....

pr. Ctr.

4

14058

37

Braunkohlen.....

U ,/ ----

2

901

13

Wein in Fässern ....

Liter

3

5990

37

Wein in Flaschen ....

Flasche -

6

1253

73

Obstwein.....

Liter

1

828

88

Bier, von auswärts bezogen .

Hectol.

18

1340

96

Bier, in loco gebraut

pr. Ctr. Malz

25

5864

06

Branntwein.....

Branntwein, von den Großhändlern eingeführt und zwar für Ver­

pr. Liter

3

2145

60

waltungskosten: a. von Branntwein

pr. Hectol.

12

317

28

b. Rum und Arrac in Fässern

18

1

80

<j. Spiritus .... d. Rum, Arrac, Cognac in

H ff

23

1056

52

Flaschen . . .

ä

2

52

Von den Großhändlern für an hiesige

Einwohner abgesetzten Brannt­wein bis zu 50pCt. .

pr. Hectol. 2

6

4347

96

Aversnm von den Eisenbahnen und

der Margarethenhütte für be­zogene Steinkohlen u. s. w.

3497

20

Für Straßenbeleuchtung verausgabte

die Stadt im Jahre 1884/85

: für die

Gaslaternen 16029 JL 87 X für die Petroleumlaternen 790 JL

56 H,

zusammen

18820 JL 43 H.

Gießen, 3. Februar. Unser Marktplatz dürfte demnächst eine nur zu begrüßende Verschönerung erleiden. Herr C. A. Faber hat nämlich das Buchbinder Hoos'sche Haus um die Summe von 18 250 JL zwecks Niederlegung erworben, um vereint mit seiner daranstoßenden Hofraithe, welche gleichfalls niedergelegt werden soll, auf dieser Baustelle einen großen Neubau zu errichten. Herr Buchbinder Hoos hat eine Hof­raithe des Herrn Architecten Stein in der Bahnhofstraße käuflich erworben.

Herr Theaterdirektor Hermann, aus der Saison 1884/85 wohl noch bei vielen in gutem Andenken, gedenkt vom 28. Febr. an einen Cyklus von Vorstellungen im Saale des Caf4 Leib zu geben. Hoffen wir, daß das Unternehmen Unterstützung von Seiten des Publikums findet, welch' letzteres durch die Rheinberger'sche Direktion so gründlich getäuscht worden.

Vermischte».

xx Csblenz, 30. Jan. In meinem vorigen Briefe wies ich, wie erinnerlich sein wird, darauf hin, daß daS seit Jahrhunderten allzu eingeengte Coblcnz für den Handel mit Lothringen eine große Bedeutung habe und daß es hohe Zeit sei, diesem für die engere Verknüpfung des Reichslandes mit Deutschland, wie für das Festhalten von Luxemburg sebr wichtigen Posten endlich den richtigen Aufschwung zu geben. Der Gedanke hat offenoar schon gezündet, denn selbst in militärischen Kreisen wird die Dringlichkeit dieser so bedeutungsvollen Festungserweiterung jetzt besprochen. Bei Köln kam lediglich die innere Beengtheit der Stadt in Frage, aber es mündete dort keine Verkehrsader wie die Mosel, die bis weit nach Frankreich hinein dem Handel die Wege zeigt und die nach ihrer geplanten Canalisirung die weitaus wichtigste Wasser­straße jenseits des Rheins sein wird. Wohl schlägt man die Kosten dieser Fluß- correctur, je nachdem die vielen Krümmungen durch neue Canäle zum Theil umgangen oder nur vertieft werden, auf 15 oder 25 Millionen Mark an, aber der Gedanke ist ernst und hat bereits zu Versammlungen in Köln geführt. Hierselbst haben sich zwar die Ortsbehörden noch nicht geregt, weil nach landläufiger Annahme hohe Personen in Berlin gegen die baldige Umgestaltung sein sollen, dagegen heißt es auch wieder, Se. K. Hoheit der Kronprinz stehe dem Plan sympathisch gegenüber und ganz neuer­dings verlautet sogar, die Ausdehnung der Stadt jenseits der Mosel sei sehr nahe bevorstehend, da dort bei unbedeutenderen Abtragungskosten dem Flusse auch sofort die

richtige Bedeutung für den Handel gegeben werden könne. Damit würde Cobtenx wieder werden, was es eigentlich von jeder gewesen, eine Mosel- und keine Rheinstadtt aber statt der jetzigen ca. 30 000 Einwohner würde Raum für das drei- und vierfache geschaffen. Während andere Gegenden rheinabwärts sich gegenwärtig z. B. beschweren, daß Holland in einem Jahre über l'/io Millionen Kohlköpfe einführe und den rheinischen Gemüsehandel ruinire, hätte dann das Rheinland auch einmal einen billigeren Einfuhr­weg für den gleichen Artikel aus Deutsch-Lothringen selbst. Wie gesagt, die An­gelegenheit wird allem Anschein nach wohl bald die große Oeffentlichkeit beschäftigen und so hielt ich diese Behandlung derselben zur Information Ihrer Leser für geboten, denn, abgesehen von drohenden Ueberschwemmungen durch den Vater Rhein, von ganzen Wolfshorden aus der Eifel, auffallend viel wilden Schweinen und vom Ueberhand- 1161)111 en des Carneval bis in die Dörfer ist eigentlich für heute nichts Wesemliches zu melden.

Handel und Verkehr.

Rl. fZur Börsen-Situation.j Man schreibt uns aus Frankfurt a. M., 2. Febr.: Gerade zufriedenstellend ist der Monat Januar für die Börse nicht verlaufen, die Speculation hatte füglich keine allzu großen Erwartungen an den Jahreseröffner ge­stellt, denn sie hofft und harrt schon lange genug, um erfahren zu haben, daß sich die Verhältnisse nicht über Nacht zum Besseren wenden, darum weiß sie auch sich um so leichter in ihre versumpfte Lage zu schicken und wir sind schon damit zufrieden, con- statiren zu können, daß der gute Wille, das Geschäft wieder in lebhaftere Bahnen zu lenken, sichtlich mehr und mehr an Terrain gewinnt. Dem Monat Februar muß es somit vorbehalten bleiben, auf dieser steilen Straße weitere Etappen zu errichten.

Der Februar debütirte bei seinem gestrigen Beginn nicht schlecht, die gesteigerte Lebhaftigkeit der letzten Tage fachte die Speculation zu regerer Thätigkeit an und zwar geschah diese in der Richtung nach oben, denn die zuversichtlichen Friedensargumente, sowie die zur Ausführung gelangenden Emissionsprojecte veranlaßten selbst die hart­näckigste Eonttemine, ihre Baisse-Position successive zu decken.

Alles, was in letzter Zeit von dieser Seite an flauen Nachrichten erfunden werden konnte, wurde zu dem Zwecke, das Publikum irre zu leiten, ausgesprengt, aber sie blieben meist ohne den erwarteten Erfolg, da sie an der allgemein vorherrschenden günstigeren Meinung ohnmächtig abprallten. Die neueste Meldung dieser Art brachte den Rücktritt des russischen Finanzministers Bunge, durch welchen wahrscheinlich die schwebenden russischen Finanzgeschäfte der Disconto - Gesellschaft in Frage gestellt werden sollten, aber das Dementi folgte diesem vagen Gerüchte auf dem Fuße.

Auch österreichische Staatsbahnaclien blieben von diesen Angriffen nicht un­verschont. Man wollte wissen, daß die Gesellschaft sich mit dem Plane trage, eine Besteuerung einiger ihrer Prioritätengattungen durchzuführen, es liegt auf der Hand, daß die Baissepartei durch eine geschickt verbreitete Broschüre, die sich des Weiteren über diesen Gegenstand ausläßt, die seriösen Besitzer dieser Werthe ängstlich machen wollte, bei näherer Betrachtung aber wird Niemand so leicht auf den Leim gehen. Der ,gestrige rapide Aufschwung der österreichischen Staatsbahnactien von 2IOV2 » 213, ebenso von Elbthal von 131V2 » 1323/i bat gezeigt, wie gefährlich es ist, den Lock­rufen solcher Weltstürmer zu folgen. Die steigende Tendenz behielt nach kurzem Ringen wieder die Oberhand. Die Depeschen aus Süd-Osteuropa lauten in Bezug auf die Fortschritte und Aussichten auf Finalisirung des Balkanstreites anhaltend recht günstig und bewirkte das feste Zusammengehen der Mächte, daß sowohl die Deutschen als westlichen Börsen CourSbesserungen auf ihre Standarte schrieben.

Die serbische Tabakanleihe hat einen überaus großartigen Erfolg erzielt. Das Papier erzielte im offenen Handel an der Börse bis jetzt 4% Agio, auch die 3V8% schwedische Staatsanleihe hatte, obgleich der Zinsgenuß, den^dieselbe dem Capital dar­bietet, ein etwas bescheidener ist, einen durchschlagenden Subscriplions - Erfolg und mußte die Zeichnung bei dem Bankhause M. A. v. Rothschild u. Söhne sofort nach deren Eröffnung wegen größeren Andranges geschlossen werden. Die Steigerung aller Rentenpapiere dauert erfreulicher Weise fort, da das Capital anhaltend Unterkunft namentlich in den höher verzinslichen ausländischen Fonds sucht.

Größere Beachtung verdient die Courserhöhung der meisten Bankactien, be­sonders sind es die Wiener Institute, welche heute durch den Thatendrang, den ihre Directoren neuerdings an den Tag legen, die Aufmerksamkeit des Marktes auf sich zu lenken wissen. Während eine Zeitlang alle Energie erschlafft war, regt es sich in den Kreisen der Wiener Banken jetzt ganz gewaltig und vergrößert sich das Repertoir neuer Geschäfte von Tag zu Tag. Wenn man die Ziffern betrachtet, welche die Er­trägnisse der Dörsensteuer in den ersten drei Monaten seit ihrer Einführung in Deutsch­land, und zwar im Monat October JL 973,166, im Monat November JL 511,063, im Monat December JL 570,554 ergeben haben, so wird man schon heute gewahr, daß das Erträgniß dieser Umsatzsteuer gewaltig hinter dem taxirten Anschläge zu­rückbleibt.

Der Monat October brachte die schwerste Ziffer, was sich indeß dadurch er­klärte, daß die Stempelpflichtigen sich mit dem ersten Markenvorrath versahen, doch ist hierin seitdem eine wesentliche Abnahme, welche mit der abnormen Geschäftsstille des November und December gleichen Schritt hält, zu bemerken.

Die Verhältnisse, von dieser Seite aus beleuchtet, sprechen nur zu deutlich für den Niedergang unseres gesammten Verkehrslebens.

Bei Leiden der Unterleibsorgane, so in dem ganzen großen Gebiet der Frauenkrankheiten, handelt es sich darum, die erregenden Eigenschaften des Kaffee's und Thee's zu vermeiden, dabei aber doch den Magen milde anzuregen, und hier ist, wie es die Erfahrung auf allen großen Frauenkliniken lehrt, der Genuß des reinen entölten Cacao nicht genug zu empfehlen, der einmal jene erregenden Eigenschaften des Kaffee's und Thee's nicht besitzt, andererseits durch seinen Gehalt an Protemstoffen von nicht zu unterschätzendem Nährwerth ist. Der Cacao muß natürlich rein und von feinstem Geschmack sein, und ist Blookers holländischer Cacao besonders zu em­pfehlen. 778

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Gießen, 2. Februar 1886. Großherzogliche Staatsanwaltschaft.

Zimmermann. 773

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