Ausgabe 
27.1.1885
 
Einzelbild herunterladen

Dienstag den 27. Januar

Erscheint täglich mit Ausnahme dev VontagS.

Vmreaur Echulstraße 7.

, Sämmtliche Scheiben der Front der Westminster-Hall finb zerbrochen. Zwei Polizisten sind unerheblich verletzt.

Die Explosion im Parlaments * Gebäude, richtete bedeutenden Schaden in den Räumen des Hauses der Gemeinen und Den Vorzimmern nächst dem Stuhle des Sprechers an. Die Centralhalle, wo die Couloirs der beiden Kammern auslaufen, ist stark beschädigt. Ein Besucher der Westminster-Halle

Deutschland.

Darmstadt, 24. Januar. Das Grobherzogliche Regierungsblatt (Bei- läge Nr.JmQ$unö Grobh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Bestätigung von Stiftungen und Vermächtnissen betreffend.

2. Bekanntmachung deffelben Ministeriums, die von dem gerichtlichen Per­sonal zu tragende AmlStracht betreffend. r.J

3, Bekanntmachung Grobherzoglicher General-AdMantur, bie Frecherruch

PreiS vicrteljührlich 2 Mart 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch bic Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 lL

». Weyherl'iche Eleonoren-Stiftung betreffend.

4 . Bekanntmachung Großh. Kreiramts Erbach, die Umlagen der G-m-mde Ober.Ftnkenbach für 1854/85 betreffend.

5 Bekanntmachung Grobh. KrevsamU Heppenheim, bie Vergütung, der Brandschäden in Affolterbach, Hammelebach, Mürlenbach und Sternbach betreffend.

Aus Veranlassung der häufigen, in neuerer Zeit in Affolterbach, Ham­melsbach , Mörlenbach und Steinbach zum Ausbruch gekommenen Brande und in Berücksichtigung der dieselben begleitenden Umstände, welche die Vermuthung rechffertiaen daß in diesen Orten entweder vorsätzliche Brandstiftungen m der Absicht durch die für den Brandschaden nach gesetzlicher Bestimmung au« der Brandverstchcrungikaffe zu zahlend- Entschädigung Vortheil zu ziehen, ftattfinben oder doch, vast daselbst eine mit den Interessen der Brandverächerungr-Anstalt unverträgliche Mrläsffgkeit in Bezug aus Feu-rig-fahr obwalle, hat Grotzh. Ministerium bce Innern unb bei Justiz durch Verfügung vom 26. November 1884 ,u Nr. M. I. 27,682 auf Grund de« Art. 23 pos. 1 und 2 be6 Ge-> setzc« vom 6. Juni 1853, bett, bie Versicherung ber Gebäude gegen Feuer«. gesahr und bie Vergütung ber Brandschäden, angeordnet, daß die vom Augenblick dieser Bekanntmachung an in Affolterbach, Hammelsbach, Mörlenbach und Steinbach entstehenden Brandschäden nur nach «erhältniß de« wahren W-rthe« der betroffenen Gebäude unmittelbar vor bem Brande vergütet, und bei den jährlichen Ausschlägen 5 Jahre lang die Verstcherungr-Kapitalien ber oben be> zeichneten Gemeinden in einem um ein Funslheil erhöhten Betrag in Rechnung gebracht werden sollen.

G. Promotionen an Her Großh. LandeS-Uruversität Gießen.

7. Ordensverleihungen.

8. Namensveränderungen.

9. Aufgabe der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft.

10. Militärdienstnachricht. (Schluß folgt).

Darmstadt, 24. Jan. Bei der im Wahlbezirke ButzbachBad Nau­heim stattgehabten Abgeordnetenwahl mußte der Stimmengleichheit wegen das Loos entscheiden und ging hiernach Dr. Vogt in Butzbach als Abgeordneter hervor. Da aber wesentliche Gesetzesverletzungen stattgehabt, insbesondere in Hoch-Weisel und Holzhausen Nichtwählbare zu Wahlmännern gewählt worden, ber Wahlmann von Nieder-Weisel gar nicht einmal hessischer Staatsbürger ge­wesen, sondern es erst jüngst geworden, in Butzbach die Wahlmännerwahl ver- fpätet bekannt gemacht worden, so beantragt der Ausschuß, die Wahl für ungiltig zu erklären, in den betr. Gemeinden neue Wahlmännerwahl anzuordnen und alsdann Die Neuwahl eines Abgeordneten anzuberaumen. Diese, wie noch an­dere Dorkommiffe bei der Wahl (affen so recht deutlich die Mängel der indirecten Wahlen erkennen und kaum begreifen, wie man sich noch für diesen Modus zu begeistern vermag. A- 6- ® ) .

Wie dieFrkftr. Ztg." aus zuverlässiger Quelle erfahrt, habe der hessische Bevollmächtigte beim Bundesrath auf ausdrücklichen Wunsch des Groß- hcrzogs die Instruction erhalten, dahin zu wirken, daß, wofern die Getreidezölle erhöht würden, der Bundesrath ermächtigt werde, in Fällen der Theuerung die Zolle unverzüglich zu ermäßigen, eventuell ganz aufzuheben.

Verlin, 24. Januar. Der Kaiser hörte heute Vormittag Vorträge des Hofmarschalls Perponcher und des Generals Albedyll und empfing den Fürsten Dolgoruki, den Prinzen und die Prinzessin Albrecht.

Die Eisenbahn-Commission des Abgeordnetenhauses hat die Vorlagen über den Erwerb der Schleswig'schen Eisenbahn, der Eisenbahn von Enschede und der Braunschweigischen Bahn angenommen. An den Erwerb der letztge­nannten Buhn knüpfte die Commission jedoch die Bedingung, daß ihr so bald als möglich der Kostenvoranschlag über den Bau der Eisenbahnlinie Braun­schweig Hlldesheim resp. Gifhorn zugehen solle.

In der Budget-Commiffion des Abgeordnetenhauses wurde das Extra - Ordinarium des Domänen-Etats, in welchem 600000 <AL zur Bewilligung von Darlchnen an Domänenpächter behufs Ausführung von Meliorationen gefordert werden, bewilligt. Ebenso wurden auch das Extra - Ordina­rium des Forst-Etats, in welchem 1500000 JL zur Ablösung von Forst-Servi- tuten und 950000 JL zum Ankauf von Grundstücken angesetzt sind, und die Etats für die Staatsschulden-Verwaltung und die Oberrechnungs-Kammer genehmigt. Die Etats für die directen und inoirecten Steuern wurden in den Einnahmen genehmigt, während die Berathung des Etats der dauernden Aus­gaben einstwellen ausgesetzt wurde.

England.

London, 24. Januar. Zwei Explosionen sanden innerhalb weniger Minuten im Parlaments-Gebäude statt, eine in der unterirdischen Kapelle der Westminster-Hall, eine andere in der zur Zuhörer-Tribüne führenden Vorhalle.

ist schwer verletzt worden.

Die Explosion im Tower fand um 2 Uhr in einem Th eile des weiße» Thurmes statt, wo die Gewehrvorräthe aufbewahrt werden. Es waren gerade viele Besucher anwesend. Alle Fenster sind zerbrochen; brach Feuer aus; dasselbe wurde bald gelöscht. Das Gebäude ist äußerlich unbeschädigt. Wie die Untersuchung herauSgestellt hat, muß das Dynamit-Paquet in der zweiten Etage des weißen Thurmes, im sog. Bankttsaale, hinter einem der vielen Gewehr­gestelle niedergelegt worden sein. Mehrere hundert Gewehre find beschädigt, auch ist sonst vielfacher Schaden angerichtet. Samstags ist der Eintritt in dcn Tower frei; derselbe war in Folge dessen viel mehr besucht, als an anderen Tagen. Zur Zeit der Explosion befanden sich etwa 70 Menschen im weißen Thurm, wovon nur vier verletzt wurden. (Ein Telegramm, welches früher als das vorliegende eingegangen ist, giebt die Zahl der Verwundungen auf 16 an, und sollen dieselben meist Kinder betroffen haben). Auch im Parlcmenls- Gebäude wird das Publikum nur Samstags zugelaffen; vermuthlich haben die Uebelthäter sich unter das Publikum gemischt und sind nach Niederlegung des Dynamits eiligst entkommen. Betreffs der Explosion in der Westminster-Hall wird angenommen, daß bie beiden Polizisten das auf der Treppe der Kapelle liegende Packet soeben aufgehoben hatten, als dasselbe explodirte. Der Zustand beider Polizisten ist fast hoffnungslos. Auch mehrere andere in der Nähe be­findliche Personen wurden verletzt. In Folge dieser Explosion eilten viele Leute, welche in den Räumen des Hauses der Gemeinen sich befanden, nach Westminster- Hall, um die Ursache ber Detonation kennen zu lernen, fönst hätte die gleich darauf folgende Explosion im Hause ber Gemeinen zweifellos Vielen das Leben gekostet. Die beiden verhafteten Personen sind wieder freigelaffen worden, unb ist bis jetzt eine weitere Verhaftung nicht erfolgt. (Von einem Leser unseres Blattes in London wird uns noch Folgendes mitgetheilt: Ich befand mich gegen 10 Minuten nach 2 Uhr in der Parlament-Street, nahe dem House of Commons, als plötzlich ein donnerähnlicher Schlag erfolgte. Alles rannte nach ber betr. Gegend unb in den Hof, als auf einmal, ungefähr 3 Minuten nach dem ersten Schlag ein zweiter weniger heftig folgte. Die Zer­störung von Außen ist nicht bedeutend, desto mehr aber im großen Saale, ge­nannt Westminster-Hall. Daß dies wieder ein Werk der genier ist, ist nicht zu bestreiten. Vier Schutzmänner sind verletzt, davon einer sehr bedeutend, fer­ner sollen sich noch mehrere verletzte Personen innerhalb des Raumes befinden. Eine Dame unb einen Herrn sah ich wegsahren, anscheinend verletzt unb schwarz im Gesicht unb an Kleidern. Der Platz ist natürlich polizellich abgesperrt, und kann bis jetzt noch nichts Näheres mitgetheilt werden. Bis zur Stunde ist noch Alles im Unklaren über die Entstehung. D. Red.)

General Wolseley telegraphirt aus Korti von heute Nachmittag, daß die mit Geschützen, der Kavallerie und einem Kameel-Corps versehene Kolonne unter General Earl heute früh von Handab via Abudhemed nach Berber aus- gebrochen sei. Neuere Nachrichten vorn Obersten Stewart sind nicht eingelaufen.

Berlin, 23. Januar. (Reichstag.) ES standen heute einige wettere EtaiS- pofitlonen zur Berathung, die ohne Debatte erledigt wurden; eine längere knüpfte sich «um Schluß der Sitzung an das Retchsetsenbahnamt, daS von dem Redner deS Cev- trumS, Aba. Rocke, in Bezug auf seine generelle Nothwendtgkett unb auf die Hand­habung der Geschäfte, wie bisher in jedem Jahre, so auch diesmal, scharf angegriffen wurde Auch Abg. Schrader (ehemaliger Eisenbahnbirector) thetlte diese Bedenken, die zu beseitigen der intertmistlsche Präsident bitter Adthetlung, Geh. Rath Körke, große Anstrengung machte. Es war habet auffällig, baß außer bem Grafen Udo Stol­berg kein einziger Redner der Conservativen ihn in diesem Bemühen unterstützte.

Der größte Theil ber Verhanblungen würbe burch bie Berathung beS EkatS- tttels: 150,000 JL als Beihülfe zur Förderung ber auf die Erschließung Eentral- Asrikas unb anderer LSabertheile gerichteten wissenschaftlichen Bestrebungen verwendet. Die Budgetcomm'sfion hat bie Bewilligung btcser Summen gegen bie St.mme» de» Centrums ausgesprochen und dieses stimmte auch heute dagegen. Der Sprecher dieser Partei betonte, batz neue Ausklärungen nicht gegeben seien unb baß namentlich die oon ihm gestellte Frage unbeantwortet geblieben ist, welche Summen die afrikanische Ge­sellschaft unb welche die Regierung aufgewendet hätte. Er habe w'sien wollen, was die Jntertssenten zu diesem Unternehmen beitragen. Gespart müsse angesichts unserer Finanzlage werden; daS Reich habe zwar kein Deficit. aber doch nur durch Erhöhung ber Zuschüsse ber Einzelstaaten könne ber Fehlbetrag aufgebracht werben.

Abg. Singer (Socialdemokrat) erklärte eine Geneigtheit fehler Partei, die Forderung zu bewilligen, mit ber Motiotrgng. daß feine poltttschen Freunde einer Er­forschung Central-Afrikas um so lieber zustiwmen, weil si- .^"rugtsind daß ba6 Resultat dieser Forschungen am schnellsten dazu beitragen würde^allzuwet.sehende oder gar übereilte Colontsnungen unter einem zu großen Engagement des Reichsinteresses JU DerTbaCn Malbabn vlaidirt gleichfalls für die Bewilligung und ersuchte, die ©e* deutung der Bewegung die sich im Lande angesichts der Abstimmung deS 15 De- clunWtn Habt - auf die Herr o. Huene vorher angespielt hatte - doch nicht zu ul'terschStzen Mesdorf, ber mit Recht eine unliebsame Erörterung

dieses MaK mo^t?,° suchte, auf daS Votum vom 15. December 01(61 *D?m Ab?°v*Luene (Centrum) wurde es leicht, diesen Wunsch zu befolgen; «da R^k?t?nb-ssen war von dim ErvlosionSstoff, der in die Debatte geworfen war,

23 ^lenoiag och *< «juimui 188Ä

Gießener Anzeiger

Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.