Ausgabe 
1.1.1885 Erstes Blatt
 
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Nr. 1

Erstes Blatt.

Donnerstag den 1. Januar

1885

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

. .. Qr _ , v = cm » a Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Buren«: Schulstraße 7. Ertchemt tSglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljäbrlich 2 Mark ÖO

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Amtlicher Hheit.

Betr essend: Die Aufnahme einer Armenstatistik. Gießen, am 23. December 1884.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

au die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Mit Bezug aus unseren Erlaß in obigem Betreff vom 22. September 1. I. (Anzeiger Nr. 224) und die von Ihnen daraus erstatteten Berichte übersenden wir Ihnen durch die Post den für Sie erforderlichen Bedarf an Formularen und zwar der Formulare A, C und D mit dem Anfügen, daß bte angeforderten Zählkarten (Formular B) in der Kürze nachfolgen werden- . . f .. M , r r .

Indern wir voraussetzen, daß Sie sich mittlerweile mit dem Inhalte der Ihnen zugesandten Anleitung vollständig bekannt gemacht haben, sprechen wir gleichzeitig die Erwartung aus, daß Sie sich angelegen sein lassen werden, die Ihnen hiernach obliegenden Einträge, Aufzeichnungen u. s. w. auf das Pünktlichste zu vollziehen. Der Einsendung des betreffenden Materials sehen wir zu der vorgeschriebenen Zett entgegen.

Dr. Boekmann..

Bekanntmachung.

Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat genehmigt, daß mit dem nächstjährigen Friedberger Frühjahrs- und Herbst-Pferdemarkt je eine Verloosung von Pferden und sonstigen Gegenständen verbunden wird. Bei dem Frühjahr-rnarkte dürfen höchstens 8,000 Loose a l JL 50 H aus­geben und müssen 7320 Jt zum Ankauf von Gewinngegenständen verwendet werden; bei dem Herbstmarkte darf die Zahl von 12,000 Loosen (a 1 50

nicht überschritten werden und sind 11,000 für den Ankauf von Gewinngegenständen zu verausgaben. , . .

Es ist der Verkauf der Loose im Großherzogthum gestattet worden, was mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird, daß insowett die Loose nicht vollständig abgesetzt werden sollten, eine verhältnißmäßige Verminderung der Ausgaben für Gewinngegenstände eintreten kann.

Gießen, am 23. December 1884. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann. ______________-________________________

ZUM neuen Zahre.

Nach alter Sitte beendet am Sylvester-Abende das alte Jahr unter Sang und Klang seinen Laus und das junge Jahr mit frohen Stimmen, Trompeten- schall und Glockenklang begrüßt, hält seinen Einzug. Ernste Stunden der Sammlung, der Einkehr und der Selbstprüsung treten in diesem Zeitpunkte des Jahreswechsels an uns heran. Denn wenn im Leben der Menschen und Völker ein Jahr auch oft wenig zu bedeuten hat und im Allgemeinen Niemanden die Hoffnung geraubt werden darf, daß dasjenige,was er in einem Jahre versäumte, er im andern Jahre nachholen kann, so ist ein Jahr mit seinen dreihundert­fünfundsechzig Tagen doch immerhin ein größerer Abschnitt sowohl im Dasein der einzelnen Menschen, als auch in demjenigen der Völker und wie nahe muß es dann für alle Strebsamen liegen, zu sagen, was habt ihr im vergangenen Jahre erreicht und was könnt ihr hoffen, im neuen Jahre zu erstreben. Noch einmal durchleben wir am Jahreswechsel auch Die Stunden schwerer Sorgen, Die uns im verflossenen Jahre bedrückten, erinnern uns aber auch dankbar der glücklicheren Tage, die uns Gott beschieden. Doch wenn nun eine solche weihe­volle Einkehr in unserem Herzen am Jahreswechsel stattgefunden hat, dann gilt es auch hinsichtlich des neuen Jahres einige segenbringende Entschlüsse zu fassen, denn Jeder, Der da am Neujahrstage einen gewissenhaften Blick aus fein eigenes Leben, auf seinen Beruf, seine Familie und den Staat wirft, dessen Bürger er ist, wird finden, daß ihm vielfach Gelegenheit und Ursache gegeben ist, im neuen Jahre nicht mit einer behäbigen Selbstgenügsamkeit sich zu bescheiden, sondern mit Energie und Ausdauer Hand anzulegen für Den Fortschritt unD das Wohl­ergehen feiner selbst, wie seiner Angehörigen und Mitmenschen, Denn wir sinD ja alle Glieder an der großen gemeinsamen Kette der menschlichen Gesellschaft und das Zurückbleiben eines Gliedes in seinem Thun und Lassen bewirkt Die Schattenseiten für Das Gemeinwohl.

Zweierlei Mahnungen sinD es besonDers, Die wir am Jahreswechsel mit Flammenschrift unserem Geinüthe einprägen sollen. Unsere Religion und unsere weisen Männer lehren uns mit unwiderlegbaren Beweisen, daß jeder Mensch fein Glück, zumal das innere, durch Pflichterfüllung zu erwerbende Glück, in Den eigenen Händen trägt und Daß es kein herrlicheres Memento für Den freien Menschen giebt als Dasjenige: Hilf Dir selbst, so hilft Dir Gott! Auch stehen wir nicht unter Dem beengenden Zwange einer äußeren Gewalt, Denn kein Krieg, keine Anarchie, keine furchtbare Noch beDroht unser Schaffen, wir befinden uns inmitten eines wohlgeordneten Staatswesens, Das uns Die nöthigen Bedingungen unserer Wohlfahrt verleiht, wenn in diesem Staatswesen den Umständen entsprechend ohne Zweifel auch noch Manches Der Verbesserung bedarf. Aber möge nur, wie unser größter Dichter sagt, Der Mensch eDel, hüls­reich und gut sein, und mit diesen ihm erreichbaren Eigenschaften wird ihm das neue Jahr nur Segen bringen.

Keulschland.

Darmstadt, 29. December. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 21. December Dem vortragenden Rach im Ministerium der Finanzen, Abtheilung für Forst- und Cameral-Verwaltung, Ober-Domänenrath Friedrich Schenck, den Charakter als Geh. Ober-Domänenrath zu verleihen.

Berlin, 29. December. Der Kaiser hat an Leopold v. Ranke zu dessen 90. Geburtstage folgendes Schreiben gerichtet:

Sie pflegen gegen die sonstige Gewohnheit Ihren Geburtstag zu benutzen' um Andern und insbesondere auch Mir eine Freude zu bereiten, wie Sie Dies gegenwärtig durch Ihr Werk über Die arabische Weltherrschaft und das Reich Karls des Großen gethan haben. Bei jedem neuen Theile Ihrer Weltgeschichte läßt die Rastlosigkeit Ihres Wirkens, die Klarheit Ihres historischen Blickes, die Durchsichtigkeit Ihrer Darstellung vergessen, daß Sie abermals ein Lebens-, jahr zurückgelegt haben. Mit Dem verbindlichsten Dank für Ihre Mir so ange­nehme Spende und den sie begleitenden Ausdruck treuer Gesinnung verbinde Ich Den herzlichen Wunsch, Daß Sie mit Gottes Beistand in ungetrübter Schaffensfreudigkeit das schöne Ziel, das Sie sich vorgenommen, erreichen.

Berlin, 22. December 1884. Wilhelm.

In derMagdeb. Ztg." lesen wir:Der Reisende August Ein- wald aus Heidelberg, welcher schon in früheren Jahren zweimal Südafrika durchreist und in verschiedenen deutschen Städten darüber Vorträge gehalten hatte, reiste im Mai b. Js. nach Pietermaritzburg in Natal, von wo er schon im Juni D. Js. Dem Schriftführer Des Erfurter Vereins für Erdkunde Nach­richt gab, Daß er in das Zululand reisen und dem Könige Dinizululu vorgestellt werden solle. Jetzt schreibt er unterm 15. November an denselben aus Jhlo- mohlomo an Der N.-O.-Grenze Des Zululandes, 272/3 Grad südl. Br., daß er im Lande Der Boers wenig Entgegenkommen, vielmehr Hindernisse gefun­den habe, daß es ihm aber, nachdem er Dem Könige Dinizululu in Emuxati, 28 Grad südl. Br., mancherlei Geschenke gegeben ein großes Musikwerk, Säbel, Gewehr, Decken, Spiegel, Bestecke, Toiletten-Gegenstände, im Ganzen im Werth von 50 Lstrl. und auch Die Häuptlinge beDacht hatte, gelungen sei, die St. Lucia-Bay nebst 60,000 Acres Land für Lüderitz zu erwerben. Er beab­sichtigt, nachdem die deutsche Flagge gehißt ist, seinen Weg weiter durch Ama- tonga zu verfolgen und nicht zu ruhen, bis Die Handelsroute eröffnet ist bis nach Angra Pequena. Seine Gesundheit habe sehr gelitten und er fei sehr abgezehrt. Auch stellt er die Absendung eines Berichts über sein Zusammentreffen mit Dinizululu und seinen Häuptlingen in Aussicht und will Photographien beilegen. Er hat Karten mit kurzer Mittheilung über Die FreuDenbotschaft an Pros. Kirch- hoff. Dr. Suppan in Gotha unD an Den Präsidenten Der Berliner Gesellschaft für ErDkunDe, ADmiral v. Schleinitz, beigelegt. Gleichzeitig meldet dieTimes" aus Emuyati (Zululand), die englische Flagge sei in St. Lucia aufgehißt und Der Gouverneur von Natal habe Die Genehmigung Dazu bei Der englischen Re­gierung nachgesucht. Nach Den bisher vorliegenDen, noch sehr Dürftigen Nach­richten macht es Den Eindruck, als ob Herr Einwald mit seinen Erwerbungen zuerst kam. Der englische Gouverneur in Natal schickte Dann Hals über Kopf ein Kriegsschiff nach St. Lucia, um das Deutsche Vorgehen zu Durchkreuzen und zwischen London und Berlin werden sodann Die Besitzansprüche weiter verhan­delt. Der Sturm, welcher jüngst gegen Den Colonialminister Lord Derby in der englischen Presse, auch in der theilweise ofsiciösen, wegen der Lucia- und Delagoa-Bay tobte, läßt vermuthen, daß das englische Cabinet bereits bemerkt wie es auch mit Den britischen Ansprüchen in Südost-Afrika auf schwachen Füßen steht."

Arankreich.

Paris, 28. December. In dem Saale Levis im Stadtviertel Batign beute Nachmittag wieder eine Versammlung beschäftigungsloser Arbeiter \ Polizei hatte große Vorsichtsmaßregeln ergriffen, da man stürmische Austritte Diese Voraussicht traf im höchsten Grade ein. Schon vor der Eröffnung sammlung entspann sich eine förmliche Schlacht zwischen den Blanquisten, Einberufung erlassen hatten, und den Anarchisten, welche mit Pistolen, Do Knitteln bewaffn«t waren; es setzte bedenkliche Verwundungen ab. Um dem

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