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3) Zu den von den betheiligten Genossenschaften zu tragenden Kosten ge­hören außer den Kosten für die Beschaffung der Sitzungslokale auch diejenigen für den notwendigen Bureau- uno Expedit,ousvienst. Von der Regierung eines Bundesstaats ist bereits darauf hingewiesen worden, daß es sich empfehle, für sämmtliche an einem Orte befindlichen Schieds­gerichte den Dienst in einer Hand zu vereinigen und die erwachsenden Kosten aus die einzelnen Genossenschaften und Sectionen zu repartiren. Es wird den Genoffenschafts-Organen überlassen, auch in dieser Be­ziehung unter sich und mit den Landes-Centralbehörden, thunlichst im Einvernehmen mit den Schiedsgerichts-Vorfitzenden, in Verhandlung zu treten.

Schließlich theilt das Reichsverficherungsamt den Genossenschafts-Vorständen ergebenst mit, daß es beabsichtigt, wenn möglich in der nächsten Nummer der ^Amtlichen Nachrichten", neben einem alphabetischen Verzeichniß der zu den ein­zelnen BerusSgenoffenschasten gehörenden Gewerbezweige eine Nachweisung zu veröffentlichen, welche die Namen, Sitze und Bezirke der BerusSgenoffenschasten, der Sectionen und Schiedsgerichte, sowie die Namen und Wohnorte der Vor­sitzenden der Genoffenschafts- und Seckionsvorstände, möglichst auch der Schieds­gerichte enthält. Das Reichsverficherungsamt glaubt dadurch nicht nur den Be­hörden, sondern auch den Organen der Berussgenossenschaften und den Betrieb­unternehmern die Erfüllung ihrer Ausgaben (vergl. insbesondere §§ 35 ff. und 191 des Unfallversicherungs-Gesetzes) wesentlich zu erleichtern.

Berlin, den 15. September 1885.

Das Reichsverficherungsamt. Bödiker.

Karlsruhe, 21. September. Der Einzug des Erbgroßherzogs und der Erbgroßherzogin in Karlsruhe wird am 26. d. Mts., Nachmittags 3 Uhr, erfolgen; am gleichen Abend um 6 Uhr ein von den sämmtlichen Männer- Gesangvereinen dargebrachtes Ständchen, um 7 Uhr ein von der Stadt veran­staltetes großes Feuerwerk. Am 27. ds., um 11 Uhr, findet Kirchgang in der Schloßkirche statt, um 3 Uhr das von der Stadt Karlsruhe angeborene Fest (mit Landestrachten) in der Festhalle, um 8 Uhr Abends Gala-Vorstellung im Hoftheater. Am 28. ds., Vormittags, Empfang der Abordnungen, Abends 8 Uhr Defilir-Cour und daran anschließend Hofconcert. Am 29. ds. Abreise nach Baden, daselbst Aufenthalt bis 1. October. An diesem Tage, Abends, Ball im Museum. Am 2. October Ball in der Eintracht. Am 3. October Concert und am 4. Feuerwerk in Baden.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Eorresponderrz - Birrrarr.

Stuttgart, 22. September. Seine Majestät der Kaiser, welcher nach der gestrigen Theatervorstellung noch der Soiree bei dem Prinzen von Weimar beiwohnte, hat sich heute früh nach dem Manöverterrain bei Hemmingen begeben.

Stuttgart, 22. September. Gelegentlich des gestrigen Feldmanövers bei Hemmingen machte Se. Majestät der Kaiser dem Freiherrn v. Barnbüler auf dessen Gute Gemmingen einen Besuch. Nach der Rückkehr hierher fand um 5 Uhr Familientafel im Schlosse statt. Abends wohnten Ihre Majestäten der Kaiser und die Königin, sowie die anderen hier anwesenden Fürstlichkeiten der Vorstellung von Zehn Mädchen und kein Mann" im Hoftheater bei, nach der Theatervorstellung fand eine Soiröe bei dem Prinzen von Sachsen-Weimar statt.

Straßburg, 22. September. In der heutigen zweiten und letzten allgemeinen Sitzung der Naturforscher-Versammlung sprach Virchow über Akklimatisation. Weiß­mann entgegnete Virchow. Peschuel-Loesche (Jena) hielt einen Vortrag über Bewirth- schaftuna tropischer Gebiete. Die Berathung des Antrags der British-Association wegen Veranstaltung eines wissenschaftlichen internationalen Kongresses wird bis zur nächsten Versammlung vertagt. Hierauf schließt Professor Kußmaul die Sitzung. Im Ganzen nahmen gegen 1150 Personen an den Sitzungen Theil.

Wien, 22. September. Die beiden Häuser des Reichsraths sind heute Vor­mittag eröffnet worden. Eine Zuschrift des Ministerpräsidenten theilt mit, daß die feierliche Eröffnung des Reichsratbs durch den Kaiser am 26. ds. Mts., Vormittags 11 Uhr, stattfinden wird. Im Abgeordnetenhause leisteten die Abgeordneten bei dem Namensaufruf das vorgeschriebene Gelöbniß.

DerPolit. Corr." wird aus Sofia gemeldet, Fürst Alexander habe an die Berliner Dertragsmächte telegraphisch eine Mittheilung gerichtet, in welcher er sein Vor­gehen beleuchtet.

Aus Philippopel wird derselben Corrcspondenz gemeldet, der Fürst beab­sichtige keineswegs bei der Vereinigung Bulgariens und Ostrumeliens das Abhängig- keitsverhältniß der beiden Länder zu der Türkei aufzuheben.

DerPolit. Corr." wird aus Belgrad telegraphirt: Nach einer Berathung des Ministerraths unter dem Vorsitze des Königs ist ein Ukas erschienen, welcher die Mobilisirung der Armee verfügt und die Skupschtina für den 1. October nach Nisch einberuft. Ferner wird das Preßgesetz und das Versammlungsrecht einstweilen außer Geltung gesetzt.

DiePolit. Corr." meldet ferner, Gavril EhrestovicS Pascha sei nach Sofia gebracht worden.

Wien, 22. September. Das hier in einem kleinen Blatte enthaltene Gerücht von der beabsichtigten Mobilisirung des 13. Armeeeorps ist gutem Vernehmen nach völlig unbegründet.

Rom, 22. September. Gestern sind in der Provinz Palermo 216 Erkrank­ungen und 117 Todesfälle in Folge Cholera vorgekommen. In den übrigen vier inficirten Provinzen sind 16 Personen an der Cholera erkrankt und 8 Personen gestorben.

Rom, 22. September. "Nach einer Meldung des JournalsStampa" sind die SchiffeRapido-Egadi" unbMaria Pia" vorgestern vor Messina eingetroffen und landeten 9 Bataillone Infanterie. Die ^stadt scheint, seitdem die Truppenverstärkung in Sicht ist, ruhiger. Es ist angeordnet worden, die aus Palermo eintreffenden Eisen- bahmüge sollen von Militär eskortirt werden, damit die Bevölkerung das Einfahren in Messina, Catania, Caltanisetta rc. nicht hindere. Vorgestern Abend zerstreute die Polizei trotz Widerstandes die auf dem Bahnhöfe Licata angesammelte Menge, welche das Einfahren des Zuges nicht zulassen wollte. Hierbei wurden 2 Personen getödtet. Vorgestern wurden heftige Erdstöße in Benevent verspürt, welches seit 200 Jahren bereits siebenmal durch Erdbeben zerstört mar. Die Bevölkerung lagert im Freien.

Die Nachrichten über die Stimmung in ©teilten lauten besser; es heißt, daß die Minister Ricotti und Tajani sich dahin begeben iverdeu. Der Verkehr der Eisen­bahnzüge ist wieder hergestellt, insgesammt sind 17 Bataillone Truppen nach Sicilicn bestimmt, indeß wird die überflüssige Mannschaft baldmöglichst zurückberufen. Messina ist ziemlich ruhig. Der Papst sandte 40,000 Frcs. für die von der Seuche Heim- gesuchten. Seit dem 6. August sind in ganz Italien 1339 Personen an Cholera erkrankt und 820 gestorben.

Petersburg, 22. September. Zur Reorganisation der Artillerie veröffentlicht derRussische Invalide" eine weitere Verordnung des Kriegsministers, welche die Um­wandlung von vier Batterien der zweiten Reserveartillerie - Brigabe in ebensoviel Festungs-Ausfallbatterien und die Neuformirung einer fünften derartigen Batterie an­ordnet. In Kriegszeiten sollen aus diesen fünf Ausfall - Festungsbatterien deren 16 sonnirt werden. Die gesammte Reseroe-Arftllerie ist nunmehr mir weittragenden Ge­schützen ausgerüstet.

Moskau, 22. September. DieMoskowSkija Wjedomosti" bezweifeln, daß die

Machte die bulgarische Union als fait aecompll anerkennen werden. Im Prinzipe habe Rußland nichts gegen die Vereinigung, es käme nur darauf an, wie sie erfolge. Das Blatt empfiehlt Rückkehr zu der früheren Idee, die Würde des General­gouverneurs von Ostrumelien und des Fürsten von Bulgarien derselben Person zu übertragen.

Sofia, 22. September. Durch einen Ukas des Fürsten ist die Eröffnung der Kammer auf den 24. d. Mts. verschoben worden, da der größte Theil der Deputirten noch nicht eingetroffen ist.

Sofia, 22. September. Ein Ukas des Fürsten vertagt di- Eröffnung der Kammern auf den 24. September. Der größte Theil der Deputirten ist noch nicht eingetroffen.

Philippopel, 22. September. Der Fürst von Bulgarien ist beute Vormittag um 10 Uhr hier eingezogen. Derselbe begibt sich nach einem feierlichen Tedeum in der Kathedrale nach dem Konak, wo er die provisorische Regierung und den hohen Clerus empfangen wird.

Dem Fürsten Alexander gehen aus allen Theilcn Bulgariens und Ru- meliens Glückwünsche zu, welche zugleich das dringende Ersuchen aussprechen, der Fürst möge endgültig und entschlossen die Verwirklichung der Union verfolgen. Das Volk sei bereit, Gut und Blut dafür einzusetzen.

Konstantinopel, 22. September. DieTurquie" konstatirt, daß der Ernst der Ereignisse in Ost-Rumelien die Pforte zur Intervention nöthigen werde, die Pforte werde ihre Pflicht mit ebenso viel Festiakeit wie Mäßigung erfüllen.

Simla, 22. September. (Meldung der Reuter'schen Bureaus.) Die Ver­ordnung, welche die Einreihung ausgedienter Soldaten in die Reserve suspendirte, ist aufgehoben.

Athen, 22. September. Anläßlich einer gestern stattgehabten öffentlichen Kund­gebung, welche bezweckte, die Regierung zur Wahrung der Rechte des Hellenismus zu veranlassen, erklärte der Ministerpräsident Telyannis, er hoffe, die Mächte würden den statas quo aufrechterhalten; geschehe dies nicht, so werde Griechenland genöthigt sein, der öffentlichen Meinung zu folgen, falls das Gleichgewicht im Orient zum Nachrbeil des Hellenismus gestört werden sollte. Jede Reduktion der Armee und des Kriegs­materials ist von der Regierung verschoben worden. In den Straßen fanden erneut öffentliche Kundgebungen statt.

Berlin, 23. September. (Privat-Depesche desGießener Anzeiger".) Pariser officielle Depeschen aus Konstantinopel melden den Abmarsch türkischer Truppen unter Mukhtar Pascha's Oberbefehl nach Rumelien.

Die Revolution in Ostrumelien.

Aus Sofia kommt eine verblüffende Nachricht und mit einem Schlage ist der romantische Nebel zerstreut, welcher seit den Tagen von Skiernicwice die Höhenzüge der großen Politik umlagert hat. In Ostrumelien ist die Revolution ausgebrochen und sie hat sich für den Augenblick sieghaft bewährt.

Das Ereigniß, um das es sich handelt, kennen unsere Leser bereits in den all­gemeinen Umrissen aus den Telegrammen aus Sofia. Die vertragsmäßig legitime Regierung von Ost-Rumelien wurde gestürzt und durch eine revolutionäre provisorische Regierung ersetzt. Diese provisorische Regierung oder das provisorische Comit^, wie es sich nennt, proklamirte die Union von Ost-Rumelien mit dem Fürstcnthum Bulgarien und rief den Fürsten Alexander Battenberg von Bulgarien zu Hilfe.

Diese Revolution vollzog sich am vergangenen Samstag; sie war so gut im ganzen Lande vorbereitet und derart von einem einheitlichen Commando geleitet, daß thatsächlich zur selben Stunde der Sturz der Regierung, die Absetzung des vom Sul­tan ernannten General - Gouverneurs Gavril Pascha in allen größeren Städten der Provinz proclamirt wurde und ohne Zwischenpause die Vertreter der neuen provi­sorischen Regierung ihre Posten einnahmen. Der gestürzte General - Gouverneur Gavril Pascha war erst vor wenige» Tagen aus Konstantinopel nach Philppopel zurück­gekehrt ; scheinbar herrschte im ganzen Lande die tiefste Ruhe und man scheint in den unteren diplomatischen Kreisen keine Katastrophe im Anzuge geglaubt zu haben, da die meisten Vertreter der europäischen Staaten abwesend waren. Die Griechen allerdings, die von dem Ereignisse zunächst und am empfindlichsten betroffen werden, verspürten den Brandgeruch Lange bevor die Lohe über dem Dachfirst zusammenschlug.

Der KonstantinopelerNeologos" brachte feit Wochen in jeder Nummer einen Allarmartikel und beschwor die türkische Regierung, ihre Truppen nach Ost-Rumelien zu senden, um einer Revolution zuvorzukommen. Auf der Hohen Pforte scheint man sich aber mehr für das diplomatische Spiel mit Sir H. Drummond Wolff intcressirt zu haben, als um die Wahrung jener Provinz, welche das nächste Hinterland von Stambul bildet und bereit Verlust ein weiterer Schritt der Rückstaunng des Osrnanen- thurns nach seiner asiatischen Heirnath wäre.

Mehr Verständniß fand die pan - bulgarische Bewegung in Sofia. Von dort aus wird derselben die Hand gereicht und dadurch erst gewinnt der Sturz der oft- rurnelischen Regierung ihre so tief einschneidende Bedeutung. Es ist bereits ein fürst- ltcher Ukas erschienen, welcher die Mobilisirung der Armee anordnet und das Sobranje unverwetlt einberuft. Fürst Alexander nimmt die Einladung der provisorischen Re­gierung von Philippopel und der ostrumelischen Armee an und ist bereits in Be­gleitung seines Conseils - Präsidenten nach Philppopel aufgebrochen, um sich an die Spitze der Bewegung zu stellen. Damit ist die vollendete Thatsache des geeinigten Bulgarien geschaffen und die seit Jahren lebhaft betriebene Agitation, welche auf die Vereinigung Ost-Rumeliens mit Bulgarien hinarbeitete, ist nunmehr an's Ziel gelangt wld Fürst Alexander von Bulgarien hat sich mit diesem revolutionären Handstreich tdenttficirt. Nicht leicht ist in so engem Rahmen eine Anhäufung solch schwerwiegender und bedrohlicher Momente denkbar, wie hier, und Conseguenzen, welche sich natur­gemäß an das Ereigniß knüpfen, find so mannigfaltige und weitreichende, daß es vorerst gerathen, bie sich ungestüm aufdrängenden Fakten auseinanderzuhalten.

.. o stt u mell sch e Revolution kehrt sich zunächst gegen die Türkei, deren Suze-

ranitat über dieses Gebiet durch den Berliner Vertrag gewährleistet ist. Sie kehrt sich ferner gegen die europäischen Dtächle, welche sich der Ausdehnung Bulgariens und da­her mittelbar der russischen Macht bis an die Pforten von Konstantinopel aus aller Kraft widersetzt haben und in der Begründung der Hoheitsrechte des Sultans über Ostrumelien ein ^uskunft^mtttel suchten und fanden. Ja, so wichtig wurde die ÄiinS1 ff01! Bulgarien angesehen, baß Lord Beaconsfield eher bereit roar, aue M^stnnttel Englands aufzubieten, als in diesem Punkte den russischen Wünschen nachgeben.

Die Revolution greift also nach zwei Richtungen aus: Gegen die Türkei direct ,ub EU lubirect gegen die Berliner Vertragsmächte. Ist dqs an sich schon bedenk- Omug, wird die Sache dadurch noch verwickelter, daß der Fürst von Bulgarien Revolution stellt. Sticht blos die ostrumelische Bevölkerung, welche s ch schließlich der Rücksichten auf die europäischen Verträge leichter entschlagen mitWnTL' rc bcr. ^U?en fjneS ireugefcbaffeneii Balkanstaates setzt sich mit ocn Machten Europas unb dem Willen derselben in offenbaren Widerspruch.

möglich geworden? Kann man sich das Ereigniß losgelöst denken iäber DuIfnnVfd?prU9rßCa^CU*päkCl)Cr Politik? Ist es so ungeahnt gekommen, wie ein Hffm fu*bru$ oder wurde es systematisch vorbereitet hinter den (Eou^

ßaubeneigen1 aufführteji ? Schaubühne die Gewinne des Friedens ihren

Zufall fürwahr, dieser Zufall erhielt die köstlichste 3üu; Sanchontritn« ^edenstendenz der Begegnung von Kleinster und zu der wiederbolten L-ancttomrung des Status quo aus dem Balkan und zu der Befestiguna des conferva- !lmmntnnfen$' -?cIdlc bi,a-®kUnbIa9C bcr crneutc» Drei-Kaiser-Allianz bilden soll. Empsangt man nicht den Eindruck, als hätten die Segnungen des Bündnisses sich 3U rUi manifestirt, wenn es geschieht, daß kaum vierzehn Tage nach der beh^rÜ6mKtCKatatas <uo auf bem Balkan a,?-mem dcr 9an3Cn Gom<Iet d-r Cricntjrage aus ba5

Suftimmnrm n!eLba^. «bmachungm bestehen, traft deren das Wiener Eabinct feine i^n ad? ha Ä'V°n Ostrumelien und Bulgarien giebl, während ,um

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