Aorist auch für ihre Person denken möchten, wollten sie nicht einfach von dieser Strömung fortgeschmemmt werden. Dieser Artikel des genannten ungarischen Blattes, das bekanntlich zu der ungarischen Regierung in engster Fühlung steht, hat an leitender Stelle in Wien einen sehr peinlichen Eindruck gemacht und ist man daselbst eifrigst bemüht, den Ausjührungen des „Pesther Lloyd" jede offi- ciöse Inspiration abzusprechen. Man wird sich indessen schließlich in Ungarn wie in Oesterreich beruhigen und einsehen, daß dem deutsch-österreichischen Bünd- mffe aus der von einem Theil für nothwendig erachteten zollpolitijchen Maßregel keine ernstliche Gefahr erwachsen kann.
Die äußerste Linke der französischen Deputirtenkammer hat mit ihrem Anträge, eine allgemeine Amnestie für alle politisch Verurtheilten zu gewähren, entschieden Fiasco gemacht, denn derselbe wurde am Samstag mit mehr als 100 Stimmen Majorität abgelehnt. Der Vertreter der Regierung hatte sich bestimmt gegen den Antrag der Radikalen ausgesprochen und es bedeutet demnach die Ablehnung desielben einen nicht zu unterschätzenden parlamentarischen Triumph des Cabinets Freycinet-Brisson, da die Abstimmung über den Amnestie-Vertrag gewiflermaßen als ein Fühler zu betrachten war, ob die republikanische Majorität der Kammer geneigt sei, das neue Ministerium zu unterstützen. Die radikalen Organe speien natürlich Feuer und Flamme gegen die Regierung und daß dieselbe hat erklären laffen, es stehe den Verurtheilten die Gnade des Präsidenten in Aussicht, ruft nur den Spott der radikalen Preffe heraus. Den Männern der äußersten Linken muß es freilich sehr unangenehm sein, daß das Cabinet Brisson durchaus nicht nach ihrer Pfeife tanzen will, indessen, vorläufig wollen eben die radikalen Bäume selbst in Frankreich noch nicht in den Himmel wachsen.
Zwischen Petersburg und London weht wieder ein etwas kühlerer Wind. Wenigstens sind neuerdings Differenzen aujgetaucht, welche eine definitive Verständigung verzögern. Rußland erhebt Einwendungen gegen das vorbehaltlich der Genehmigung des Petersburger Cabinets in London entworfene Abkommen, aber die „Daily News" vertrösten die Freunde des Friedens mit der Versicherung, daß diese Einwendungen das Wesen des Abkommens nicht berühren. Die osficielle russische Aeußerung auf die jüngsten englischen Vorschläge ist zwar bis zur Stunde noch immer nicht in London eingetroffen, aber Mr. Thornton, der englische Botschafter in Petersburg, hat durch einen außerdent- lichen Cabinets-Courier seiner Regierung den Inhalt der russischen Antwort bereits gemeldet. Jedenfalls sind die zwischen Rußland und England wegen der afghanischen Frage obwaltenden Differenzen nicht bedrohlicher Natur und wiffen denn auch die „Daily News" zu melden, daß dieselben nur untergeordneter Natur seien und in keiner Weise die Wahrscheinlichkeit einer befriedigenden Lösung afficirten.
Die von Mr. Gladstone dem englischen Unterhause angekündigte Vorlegung des diplomatischen Schriftwechsels zwischen den Cabineten von London und Petersburg wegen der afghanischen Frage ist nun erfolgt. Die bezüglichen Depeschen, deren letzte vom 4. April er. datirt, tragen zur Klärung der Situation gerade nicht viel bei. Hervorzuheben ist aus ihnen hauptsächlich nur eine vom 13. März datirte Depesche Lord Granville's, in welcher die vom russischen Botschafter v. Staal unter dem 16. Januar vorgeschlagene Grenzlinie abgelehnt, jedoch die Bereitwilligkeit Englands ertheilt wird, daß die von deU beiden Regierungen vorgeschlagenen Grenzlinien als die Grenzen der Zone acceptirt würden, auf welche sich die Arbeiten der Grenzregulirungs- Commission zu beschränken hätten. In der schon erwähnten Depesche vom 4. April giebt Lord Granville seiner Enttäuschung darüber Ausdruck, daß die englischen Vorschläge abgelehnt worden seien, ohne daß Rußland neue Gegenvorschläge gemacht habe und erklärt es zugleich für unmöglich für England, auf einer Basis zu verhandeln, welcher der Boden der Gleichheit beider Mächte fehle. Inzwischen haben eben die Verhandlungen derartige Fortschritte gemacht, daß selbst die noch schwebenden Differenzen eine endgültige Verständigung nicht hindern werden.
Von der spanischen Deputirtenkammer brachte noch in voriger Woche der Minister des Auswärtigen einen Gesetzentwurf zur Verlesung, durch welchen er ermächtigt wird, die Abänderung des deutsch-spanifchen Handelsvertrages in Bezug auf den Roggenzoll zu ratificiren.
Deutschland.
Berlin, 17. Mai. Die ersten amtlichen Nachrichten über den Tod Nachtigal's sind, wie der „Post" mitgetheilt wird, gestern hier eingetroffen. Der Commandant der „Möwe", Corvetten-Capitän Hofmann, schreibt: „Am 11. April verließ Nachtigal, bereits schwer an der Malaria erkrankt, Kamerun. Schon vor der Ankunft auf der Rhede von Lagos nahm die Krankheit eine ungünstige Wendung, deshalb genehmigte Admiral Knorr, welcher ebenfalls vor Lagos anlangte, daß die „Möwe" sogleich die Reise fortsetzte, um die hohe See zu gewinnen. Das Wetter war gleichmäßig schön und trocken, man konnte deshalb den Kranken unter einem luftigen Zelt auf Deck lagern, gleichwohl verschlimmerte sich fein Zustand. Am 19. April erkannte er selbst die Gewißheit seines nahen Todes und bictirte seinen letzten Willen. Am nächsten Morgen früh 4Vs Uhr verschied er im Beisein des Commandanten und des Arztes, das Fahrzeug befand sich gerade 100 Seemeilen von Kap Palmas entfernt, deshalb beschloß der Commandant, die Leiche nicht in das Meer zu versenken, sondern ihr die letzte Ruhestätte auf Kap Palmas zu geben. Dort sand am Nachmittag des 21. April die Beerdigung statt unter Betheiligung der Osficiere und Mannschaften."
Irankreich.
s$ariS, 18. Mai. Die Deputirtenkammer begann die Berathung des Gesetzentwurfes, betr. die Colonial-Armee; der Kriegsminister veranschlagt die Kosten für dieselbe auf 8 Millionen. Die Berathung wird morgen fortgesetzt.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Correspondenz - Burea«.
Berlin, 19. Mai. Der Kaiser wohnte der heutigen Truppcubesichtigung nicht bei, da er durch leichte Erkältung und Heiserkeit an's Zimmer gefesselt ist.
— Der Kaiser empfing '.Nachmittags den Besuch des Kronprinzen und nahm später mehrere Vorträge entgegen.
Tecklenburg, 19. Mai. Amtliches Ergebnis; der Neichstagswahl. Von 11,843 abgegebenen Stimmen erhielt Fabrikant Timmerinann (Eeutrum) 10,982.
London, 19. Mai. Unterhaus. Bartlet fragt an, ob die Regierung der inter- ^lationalen Eontrole am Suezeanal beigestimmt habe. Fitzmaurice erklärt, während die
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Unterhandlungen schweben, sei es unmöglich, betreffend des Verfahrens der Eonferen; eine Erklärung abzugeben, hofft aber, datz die Verweigerung einer Antwort nicht als Zustimmung zu irgend welchen Schlüssen, die aus dem Wortlaute der Frage gefolgert werden könnten, angesehen werde.
Im Fortgänge der Sitzung wurde die Bill, betreffend die Pachtgüter der Kleinbauern in Schottland, berathen und in erster Lesung angenommen. Der Lord- Advocat für Schottland, Balfour, hob bei der Berathung hervor, daß durch die Bill eine größere Sicherheit des Pachtverhältnisses herbeigeführt, die Feststellung billiger Pachtpreise gefördert und für die von den Pächtern am Pachtobjecte vorgenommenen Verbesserungen eine freigebigere Entschädigung gewährt werde, als dies nach dem Pachtgesetze vom Jahre 1883 möglich gewesen sei. Behufs etwaiger Vergrößerung der Pachtgüter sollen Staatsvorschüsse zu 3Vz Procent verzinslich, gewährt werden, die Vorschüsse dürfen aber den 5jährigen Pachtzins der Vergrößerung nicht übersteigen.
— Die Abreise von Lord Roseberry nach Berlin zu einem Besuche des Grafen Herbert Bismarck erfolgt am Donnerstag.
— Die „Pall-Mall-Gazette" bezeichnet die Nachricht, daß Rußland verlangt habe, einen Agenten in Kabul zu haben, sowie das Gerücht, daß Schwierigkeiten in den Unterhandlungen mit Rußland eingetreten seien, als unbegründet.
— Dem „Standard" zufolge bezöge sich die Schwierigkeit bei den Verhandlungen über die afghanische Grenze auf den Besitz von Zulfikar, indem der Emir von Afghanistan verlange, daß Zulfikar zu Afghanistan gehören solle, während die mili- tärischen Autoritäten Rußlands ein Verbleiben der Position von Zulfikar bei Rußland wünschten. Es verlaute ferner, daß die russische Regierung die Anwesenheit englischer Officiere in Herat beanstande, dagegen die Zulassung eines russischen politischen Agenten in Kabul verlange.
— Aus Dongola wird gemeldet: Die Räumung des Sudans durch die englischen Truppen beginnt im Laufe dieser Woche.
Neapel, 19. Mai. Gestern spät Abends fand eine stärkere Eruption des Vesuvs auf der Seite nach Pompeji zu statt.
Suakim, 19. Mai. General Wolseley reifte heute früh mit seinem Stabe ab. General Greaves übernahm gestern Hierselbst das Kommando.
Berlin, 20. Mai. sPrivat-Depesche.) Im Schloß Monbijou, woselbst sich das Hohenzollern-Museum befindet, brach vergangene Nacht gegen 1 Uhr ein größeres Feuer aus, welcher den Dachstuhl in Asche legte. Die Kunstschätze sind sämmtlich gerettet und nur theilweise durch Wasser beschädigt.
Universität- - Chronik.
—- Zur Besetzung der Frerich'schen Professur an der Universität Berlin hat die medicinische Fakultät dem Ministerium vorgeschlagen: An erster Stelle Geh. Rath Prof. Gerhardt-Würzburg, an zweiter Prof. Leube-Tübingen, an dritter Profi Senator-Berlin.
— Die Rostocker Universität hat seit ihrem Bestehen noch niemals eine solche Frequenz gehabt, wie jetzt, indem bei ihr über 300 Studenten immatriku- lirt sind.
— Die Budapester Universität beging am Mittwoch den 13. Mai die 250. Jahreswende ihrer Gründung und die 105. Jahreswende ihrer Reorganisation in feierlicher Weise.
— In Göttingen starb am Mittwoch der Geh. Obermedicinalrath Professor Dr. Henle, 76 Jahre alt.
Lokale-.
G. Gießen, 20. Mai. sSterblichkcit in Gießen.) Die Sterblichkeit war während der Woche vom 10. bis 16. Mai eine geringe, es ereigneten sich im Ganzen nur 5 Todesfälle und zwar nur bei erwachsenen Personen. Todesursache war: Lungenschwindsucht zweimal, Lungenödem, Gehirnentzündung je einmal. Außerdem starb ein von auswärts hierher gebrachter junger Mensch, der durch Sturz von einem Gerüste schwere Verletzungen erlitten hatte.
A Gießen, 20. Mai. Auch der zweite dramatische Abend von Fräulein Pläh n war ebenso genußreich als leider mangelhaft besucht. Den Glanzpunkt bildeten einige Scenen aus Halms Griseldis, die mit vollendeter Meisterschaft vorgetragen wurden und in denen das wunderbare Organ unb die ausgezeichnete Technik der Künstlerin zur vollsten Entfaltung zu gelangen vermochten. Recht anziehend waren einige tiefempfundene Gedichte der Königin von Rumänien und reicher Beifall, welcher dem Vortrage einiger humoristischer Stücke zu Theil wurde, zeigte, daß auch die heitere Seite des Lebens oiesem Talente ebenso leicht erreichbar ist, als^der dralnatische Ernst und die tragische Leidenschaft. Hoffen wir, daß die letzte e>oir6c besseren Besuch erhält als die 2 ersten und daß Fräulein Plähn damit eine wirkungsvollere Anerkennung ihrer Bestrebungen und Leistungen zu Theil werde, als allein der Beifall der kleinen Zuhörerschaft und der ihr gestern überreichte Kranz.
Vermischte-.
Mainz, 16. Mai. Die Tagesordnung für die am 13. Juni, Nachmittags 3 Uhr, hier stattfindende Delegirtenversammlung des allgemeinen Hessischen Feuerwehrtages ist nunmehr wie folgt festgestellt: 1) Begrüßung. 2) Bericht über die Thätig- keit des Landesausschusfts; Referent Justus (Darmstadt). 3) Rechnungsablage der Verbandsunterstützungskasse; Referent Vogel (Darmstadt). 4) Antrag Darmstadt: Jede dem hessischen Verbände angehörige Feuerwehr muß gleichzeitig dessen Unterstützungskasse beitreten. Referent Fischer (Darmstadt). 5) Bericht über den gegenwärtigen Stand des Feuerlöschwesens der Stadt Mainz; Berichterstatter Branddirector Pricken (Mainz). 6) Besprechung über Rauchapparate, unter Vorzeigung eines für die Mainzer Feuerwehr angeschafften Apparates. 7) Ist das Anbringen von Schlauchhaspeln auf Spritzen zu empfehlend 8) Welche Art von Helmen, Filz, Metall ober Leder verdienen den größten Vorzug? 9) Eignen sich Uniformsröcke oder Blouscn besser für den wirklichen Dienst der Feuerwehr? 10) Wie muß eine Allem entsprechende Steigerlaterne sein? 11) Bis zu welcher Entfernung hat eine freiwillige Feuerwehr bei einem ausbrechenden Brande auf Anrufen Hülfe zu leisten oder kann eine solche alsbald beim Erblicken einer Feuerröthe oder sonstiger Anzeichen eines größeren Feuerschadens mit Geräthen abrücken? 12) Vorzeigen einer Normalschlauchverbindung (System StorzN bezw. Vortrag darüber, und 13) Wahl derjenigen Feuerwehr, welche den nächsten Feucrwehrtag abhalten wird.
Marburg, 18. Mai. Im Dorfe Lohra unseres Kreises verunglückte am Samstag Mittag die 70 Jahre alte Elisabeth Schleenbecker dadurch, daß ihr beim Feueranmachen, wahrscheinlich durch Unvorsichtigkeit, die Kleider in Brand geriethen. Da dieselbe zu schwach war, um sich selbst zu helfen, so lief sie auf die Straße hinaus und stand dort bald in Hellen Flammen, bis es herbeigeeilten Nachbarn gelang, dieselben zu löschen. Die Schleenbecker ist am ganzen Körper stark verbrannt und wird an deren Aufkommen gezweifelt.
— sDas Alter des Glases.) Das älteste Beispiel reinen Glases, welches irgend ein Merkmal des Datums seines Ursprungs trägt, ist ein kleiner Löwenkopf, der den Namen eines egyptischen Königs aus der 11. Dynastie trägt und in der Slabe- Eollection des britischen Museums zu finden ist. Es folgt hieraus, daß zu einer Zeir, die mehr als 2000 Jahre vor Ehristi Geburt liegt, nicht nur Glas gemacht, sondern auch schon mit einer Geschicklichkeit verarbeitet wurde, welche beweist, daß zu dieser Zeit diese Industrie nicht mehr neu sein konnte.
Die Erfindung, die Töpferwaaren mit einem glasartigen Ueberzuge zu versehen, d. h. sie zu glasiren, ist so alt, daß unter den Fragmenten, welche Einzeichmingeii der egyptischen Monarchie aufweisen, sich die Stammliste von vielleicht der ersten jener Dynastien findet.
Von späteren Gegenständen aus Glas sind noch zahlreiche Beispiele vorhanden wie z. B. ein Stammbaum, der in Theben gefunden wurde und den Namen der Königin Hatasoo oder Hashep von der 18. Dynastie trägt. Aus derselben Periode existiren noch Vasen, Krüge und viele Fragmente. -- Es unterliegt keinem Zweifel, daß die von Plinius herrührende Mittheilung, nach der die Erfindung des Glases bei! Phöniciern zuzuschreiben wäre, nur insoweit zutrifft, als diese unternehmenden Jtaur leute gläserne Gegenstände von Egypten nach anderen Ländern verkauften. Dr. e>a)uc mann fand Glasscheiben bei den Ausgrabungen von Mykenae, obgleich Homer ferner derartigen, ihm bekannten Substanz Erwähnung thut. Daß die gegenwärtige Glas- bläserei sehr alt ist, beweisen bildliche Darstellungen an den Wänden des Grabmal.
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