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so leichter dem casiilianischen Stolze das gebieterisch geforderte Opfer bringen zu können; die Klügsten endlich sehen die Schwäche der spanischen Beweisgründe ein, und da der Papst trotz seiner erklärlichen Sympathieen für dos katholische Spanien nur nach Recht und Billigkeit entscheiden wird, so empfehlen sie, die Verhandlungen auf directem Wege sortzusetzen. Der letztere Standpunkt ist der natürlichste und erklärlichste; da aber die spanische Regierung unter Verständi« gung in diesem Falle die vollständige Verzichtleistung Deutschlands aus seine Ansprüche zu verstehen scheint, so wird schließlich nur die Vermittelung des Papstes übrig bleiben.

Rußland.

Kronstadt, 17. October. Die KorvetteVitiaz" und die Fregatte Olaf" fuhren heute der königlichen DachtDershawa" entgegen.Vitiaz" hat den Marineminister Schestakow an Bord, welcher unterwegs die baltische Flotte inspiciren wird.

ZLulgarien.

Sofia, 17. October. (Havas-Telegramm.) Die Regierung stimmte dem ihr von den Mächten ertheilten Ralhe im Principe zu und beschloß ferner, in Erwägung der Haltung Serbiens den größten Theil der bulgarischen Truppen aus Ost-Rumelien zurückzuziehen und nur so lange eine schwache Garnison zu- rückzulasien, bis die Mächte über bas Schicksal Ost-Rumeliens definitiv sich aus­gesprochen haben werden,

Türkei.

Konstantinopel, 17. October. Dem Vernehmen nach setzte Drummond Wolff seine Abreise nach Egyvten aus Montag fest.

Der Adjutant des Sultans überbringt demnächst dem Khedive den demselben verliehenen Jmtiaz-Orden nach Kairo.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Correspondenz - Bureau.

Rom, 18. October. In der Provinz Palermo sind gestern 42 Personen, davon in der Stadt Palermo 30 Personen an der Cholera gestorben.

Kopenhagen, 18. October. Der Kaiser und die Kaiserin von Rußland nebst Kindern sind heute Nachmittag auf der DachtDershawa" nach Petersburg abgcreist. Gleichzeitig begaben sich die Königin, der Kronprinz und die Kronprinzessin von Dänemarck, sowie die Prinzessin von Wales mit ihren Kindern auf demDanebrog" nach Lübeck.

A b t - § e i e r.

Gießen, 18. October 1885.

Das in Leipzig erscheinendeMusikalische Wochenblatt" sagt anläßlich des zweiten Concerts zum Besten des Abt-Denkmal-Fonds in Braunschweig unter anderem Folgendes:

Wer war denn Abt? und was hat er gewirkt und geschaffen? Daß sein langes Wirken für das Braunschweiger Musikleben segensreich, daß er menschlich gut gewesen sei, wird nicht behauptet, sonst ließe sich darüber wohl ein Wörtchen reden. Der Aufruf behauptet aber, er sei eingottbegnadeter Sänger melodienreicher und tief zu Herzen gehender Volksweisen", einSchöpfer herrlicher Männerchöre", er sei derMeister des deutschen Liedes" gewesen.

Und nun fängt das genannte Blatt an, sich in hämischen Bemerkungen und albernen Vergleichen zu ergehen, daß es eine wahre Schande pardon eine wahre Lust ist!

Wenn das bewußte Blatt nicht weiß, iver Abt gewesen, so wundert uns das nicht, denn ein so eingefleischter Wagnerianer, wie der Herausgeber desselben, kennt natürlich einen Volkscomponisten nicht und der SpruchLeben und leben lassen" scheint ihm auch fremd zu sein, sonst würde er sich nicht darüber moquiren, daß die Braunschweiger ihrem Liebling ein Denkmal setzen.

Wir schätzen Richard Wagner auch hoch, aber eine solche Schwärmerei, wie das Musikalische Wochenblatt" sie zu Tage fördert, scheint uns denn doch lächerlich.

Du lieber Gott, das Volk will doch auch singen, folglich müssen auch volks- thümliche Lieder vorhanden sein und wir glauben sicher, daß Abt den Ton für solche recht gut getroffen hat und deshalb ebenso gut ein Denkmal verdient, wie viele andere.

Der Schreiber des Artikels in dem qu. Blatte sollte sich schämen, einen Todten noch im Grabe zu beschimpfen.

Wir haben nun auch unsere Abt-Feier gehabt und zwar zum Besten eines Grab-Denkmals in Wiesbaden und wenn dieselbe auch keine allgemeine war (die Vereine sind bei uns nicht zu bewegen, einmal zusammen aufzutreten), so ist cs um so höher anzuerkennen, daß Herr Franz Bauer das Wagniß unternommen hat, auf eigene Faust die Sache zum Austrag zu bringen.

Die eigentliche Feier ward durch Festouvcrtüre, Prolog und ein anschließendes Liedlieber den Sternen" von Abt abgehalten. Der Prolog mies auf die Verdienste des Componisten um das Volkslied hin und stellte allegorisch die Entstehung des Liedes dar, und das anschließende Lied gab dem Ganzen eine besondere Weihe. Darauf folgte das Concert, welches von eifrigstem Studium das beste Zeugniß ablegte.

Eine gewisse Aengstlichkeit, welche Anfangs den Chor beeinflußte, schwand bald und so leisteten die Chöre recht beachtenswerthes. Besonders hervorhebcnswerth waren Blümchen auf der Haide" von Abt,Der Schmetterling" von Solle undStill ruht der See" von Pfeil.

Das Publikum war äußerst zahlreich erschienen und der Beifall ein recht reger.

In dem von Herrn Lithograph Loos mit vieler Sauberkeit ausgestatteten und mit dem Portrait Abt's geschmückten Programm ist den Besuchern ein hübsches Er- innerungsblatt zu Theil geworden.

Das wohlgelungene Bild des Componisten, welches über dem Podium, von Lorbeer umrahmt, aufgehängt war, ist eine Zeichnung des Herrn W. Victor Hierselbst. a

UniverfitätS - Chronik.

Professor Dr. W. Dittenberger zu Halle hat die ihm angebotene Pro­fessur in Straßburg ausgeschlagen.

t - D-r bisherige Prioatdocent vr. P. Joers zu Bonn ist als ordentlicher Professor des Pandektenrechts nach Kiel berufen morden, Dr. Joers, ein noch in ganz jugendlichem Lebensalter stehender Gelehrter, gehört erst seit drei Jahren dem aka­demischen Lehrfache an.

Der ordentliche Professor in der medicinischen Fakultät der Universität zu Königsberg, Dr. Raunyn, ist zum Medicinalrath und Mitgliede des Medicinal- Collegiums der Provinz Ostpreußen ernannt morden.

Vermischtes.

Darmstadt. sGründung eines hessischen Zweigvereins gegen Mißbrauch geistiger Getränke.) In Frankfurt a. M. in der Restaurationzur Rosenau" (Reuter­weg, in der Nähe der neuen Oper) soll Mittwoch den 21. October, Nachmittags um 3 Uhr, die definitive Constituirung eines hessischen Zweigvereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke vorgenommen werden. Diejenigen, welche bereits ihre Mitgliedschaft erklärt und Alle, welche sich für diese so hochwichtige Sache interessiren, sind zur Be- themgusg emgeladen. Die Einladung geht von den nachbenannten Herren aus' Geb Medicinalrath Or. Eigenbrodt, Pfarrer Fuchs (Beerfelden), Pfarrer Grosch (Castel) Pralat Dr. Habicht, Ministerialsecretär Dr. Linß, Rechtsanwalt Lucius (Mainz) Pro-

vmzmldlrector v. Marquard, Kaufmann C. F. Nohl (Bessungen), Oberbürgermeister- Ohly, Dr. rned. Pfannmüller (Marienschloß), Spenglermeister Rockel, Pfarrer Schlosser (Gießen), Amtsrichter Wahl (Alsfeld), Buchhändler Waitz, Fabrikant H. Wecker (Offen­bach). Dcr Geschäftsführer des Gesammtvereins, Herr A. Lammers aus Bremen, hat seine Betheiligung zrlgesagt. Es soll ein Statut festgesetzt und die Wahl des Vor­standes vorgenommen iverden.

An dem gleichen Tage findet in Frankfurt unter dem Vorsitze des Vereins-Vice- prasidenten, Geh. Sanitütsrath Dr. Märklin in Wiesbaden, eine Berathung des Vor­standes des Gesammtsvereins über die von Seiten des Vereins zunächst zu entfaltende Thätigkeit statt. Die letztere ist durch die Generalversammlung, welche am 28. Mai in Dresden tagte, vorgezeichnet. Es handelt sich nämlich vorerst darum, die Eingabe an den Bundesrath und Reichstag wegen einer grürrdlichen Schankrechtsreform, die ungeachtet des von der Petitions-Commission zeitig erstatteten, sehr günstigen Berichts des Abg. Struckmann (Hildesheim) nicht mehr zur Berathung kam, zu wiederholen. Ferner sollen Schritte zur Erhöhung der Branntweinsteuer, zur Strafbarmachung der Trunkenheit und zur Unschädlichmachung gemeingefährlicher Säufer geschehen.

Außerdem will die Generalversammlung alle großen Arbeitgeber, vorab die Staats- und Stadtverwaltungen darum angegangen haben, daß sie ihren Arbeitern die Entwöhnung vom Schnaps während der Arbeit erleichtern, und endlich soll gesucht werden, auch die Frauen zu thätigen Theilnahme an der Vereinsarbcit zu gewinnen.

Wiesbaden, 13.October. Im 92. Lebensjahre ist gestern der letzte Waterloo- Veteran in unferer Stadt, Herr Oberstlieutenant Müller, gestorben. Als Herzoglich nassauischer Officier hat derselbe im dänischen Feldzuge am 5. April 1849 mit feiner Sechspsünderbatterie das dänische KriegsschiffChristian VIII." in Brand geschossen, so daß es in die Luft flog, und sodann das dänische KriegsschiffGefion" durch Zer­störung des Steuerruders kampfunfähig gemacht. Der Herzog Adolf von Nassau, der damals in Holstein eine Infanterie-Division commandirte, hat Herrn Müller für diese glanzende Waffenthat einen Ehrensäbel in vergoldeter Scheide verliehen.

Cassel. sVerurtheilung wegen Fälschung der Wahllisten.^ Der Bürgermeister Rlebelrng aus Wahnhausen an der Fulda hatte das Wahlprotokoll geführt und für Die zu seiner Partei gehörigen Wahlmänner zu wirken gesucht. Um die Wahl eines Gegrrers, des Ackermannes August Heckmann, zu hintertreiben, schrieb er den Namen des Schreiners August Heckmann in die Wahlliste ein, während die Wähler ersteren gewählt wissen wollten. Auf diese Weise erhielt die Partei des Riebeling zwar die Mehrheit, die Wahl wurde aber kassirt. Gegen Riebeling wurde Anklage erhoben und derselbe am 9. dss. Mts. von der hiesigen Strafkammer zu vier Monaten Gefängniß verurtheilt.

TT, aufregende Scene spielte sich kürzlich in dem Bärenzwinger des Zoologischen Gartens zu Leipzig ab. Aus unermittelter Ursache Vielleicht um einen hingemorfenen Brocken Brotes entspann sich zwischen den beiden, den linken Seiten­flügel des Zwingers bewohnenden braunen Bären ein erbitterter Kampf, welcher damit endete, daß der männliche Bär seine etwas jüngere und schwächere Gefährtin, nachdem er dieselbe zu wiederholten Malen durch das im Zwinger befindliche Wasserbassin ge­schleift, durch Hiebe und Bisse in einer Weise zurichtete, daß das verletzte Thier binnen wenigen Minuten dem Tode verfallen war. Um ihre Leiden abzukürzen, sah sich Director Pinkert veranlaßt, dem Leben der Bärin durch einen wohlgezielten Schutz ein $nbe zu machen, auch auf die Gefahr hin, den noch fortwährend mit dem Zerfleischen des verendenden Thieres beschäftigten männlichen Bären zugleich zu treffen. Mit Mühe gelang es, das letztgenannte, im höchsten Grade aufgeregte Thier von der Leiche seiner Gefährtin zu trennen und letztere aus dem Zwinger zil entfernen. Natürlich versammelte der blutige Kampf eine große Zuschauermenge um den Zwinger; leider war eine Schlichtung des Kampfes in keiner Weise möglich und das Ende ebenso tragisch, wie seiner Zeit dasjenige des berühmten Eisbärenkampfes im Kölner Zoologi­schen Garten.

Frankfurt a. M., 15. October. sDie verhängnißvolle Tournüre.j Heute pasfirte einem Frauenzimmer auf der Zeil die Unannehmlichkeit, daß ihr der mächtige Cul de Paris herabrutschte, so daß sie es hinter sich her schleppen mußte. Es gab unter dem Publikum ob dieses Ereignisses eine allgemeine Heiterkeit, welche die Be­treffende mit Resignation unter steter Nachschleppung ihres Anhängsels ertrug.

Berlin, 15. October. Wieder ein Schüler-Selbstmord.j Dem vor kurzer Zeit gemeldeten Selbstmord eines Obertertianers des Friedrich - Werder'schen Gym­nasiums ist der eines Untertertianers der Dorotheenstädtischen Realschule gefolgt. Der 16jährige Sohn des Brauereibesitzers P. hatte sich, da er die völlige Reise nach Ober­tertia nicht erreicht hatte, nach Schluß der Ferien einem Nachexamen zu unterziehen. Dieses fiel für ihn ungünstig aus, und aus Verzweiflung hierüber hat der Knabe sich mit einem Revolver in der Nacht vom Montag zum Dienstag erschossen.

Großenlüder, 12. October. Gestern Morgen um V-4 Uhr brach hier Feuer aus, aber mit solcher Gewalt, daß zwei Scheunen sofort in lichterlohem Branoe standen. Bei einigen Scheunen will man, demFuldaer Tageblatt" zufolge, Schüsse gehört haben und stellt die Vermuthung auf, daß mit Pulver ?c. die Immobilien angesteckt worden seien. Im Ganzen sind von V-4 bis gegen 6 Uhr sieben Scheunen und zwei kleine Wohnhäuser abgebrannt. Das Vieh ist, mit Ausnahme von einigen Schweinen, alles gerettet. Vom Futter konnte nichts gerettet werden. Die Betheiligten, darunter drei größere Bauern, sind mit Ausnahme eines einzigen versichert: letzterer ist vor einigen Tagen aus der alten Versicherung ausgetreten und wollte in eine andere Versicherung treten und nun das Unglück! Die Erbitterung hier ist groß. Die Feuerwehren von Salzschlirf, Oberbimbach, Hainzell, Kleinlüder zc. waren alsbald zur Stelle B-i Sturm wäre das ganze Dorf abgebrannt. Es ist dies innerhalb Jahresftist nun bereits der vierte Brand! Und merkwürdig, von keinem weiß man bis zur Stunde seine Entstehungsursache!

r Nachahmenswerth erscheint das Beispiel der Damen in Kulm, welche ihren Muth den Geschmacklosigkeiten der Mode gegenüber bei folgender Gelegenheit bewiesen. Ein dortiger Geschäftsmann hatte von einem auswärtigen Geschästshause ein großes Packet mit Krinolinen erhalten; als er nun dieselben an seinem Schaufenster ange­bracht^ hatte, erschienen sofort mehrere vornehme Damen in dein Laden und baten den Geschäftsmann, die widerlichen und abscheulichenKrinolinen" zu entfernen, da hier doch keine anständige, deutsch denkende und fühlende Dame diese jämmerlichste aller jetzigen französischen Moden nachahmen würde. Daraufhin sind in Wirklichkeit dieKrinolinen" von deni Geschäftsmanne auch sosorr entfernt und dem Her­steller mit dem Bemerken zurückgeschickt worden, daß dafür in Kulm keine Ver­wendung sei.

.. ^,Das Berliner Polizeipräsidium erläßt die folgende für das allgemeine Jn- teresie wichtige Bekanntmachung, betr. die Anwendung giftiger Farben: Obwohles durch ^^ Fortschritte der Chemie gelungen ist, Arsenik- und andere gifthaltige Farben durch unschädliche Farben vollkommen zu ersetzen, so werden jene noch immer häufig fo Derroenbet, bafj dadurch Beschädigung der menschlichen Gesundheit und selbst der Tob h^beigefuhrt wird. Dies ist vorzugsweise der Fall beim Bewohnen von Simmern Deren Wände mit Arsenikfarbe bemalt ober mit arsenikhaltigen Tapeten beklebt ober in benen arsenikhaltige Rouleanx und Fenstervorsetzer vorhanden sind, bei Benutzung bcrartiger Drahtglocken zum Bedecken von Speisen, beim Tragen von Kleidungsstücken künstlichen Blumen und Blättern, auf denen die Arsenikfarben oft so locker aEenen' daß sie fick) beim Gebrauch ablösen, beim Genuß von Zucker- und anderen Eßwaaren' welche nut Arsenikfarben bemalt sind; beim Gebrauch derartigen Spielzeugs u s m' daraus entstehenden Vergiftungen geben sich nicht immer durch die bekannteren plötzlich auftretenden heftigen, oft schnell den Tod herbeiführenden Krankheitserscheiir- ungen zu erkennen, sondern oft auch wie namentlich bei dem Bewohnen arsenik-

Zimmer durch ein lange dauerndes, spät erst tödtlich endendes Sicchthum Das Polizeipräsidium erachtet es für Pflicht, das Publikum wiederholt an die Ge' sahren, welche der Genuß und anderweitige Gebrauch von Gegenständen, die mit ©iftfarben gefärbt sind, für Leben und Gesundheit mit sich führen, zu erinnern Sabnfan en und Händler aber bezüglich des Anfertigens und der Feilhaltung der- art^ger^ Gegenstände aus die Bestimmungen der SS 324326 des Strafgesetzbuches hin- r " sLiebig über Thee- und Kaffeegenuß.) Bei der hcrannahenden Winter- aison finden wir den folgenden Artikel in derD. R.-B." wieder sehr zeitgemäß

Briefen" behandelt Justus v. Liebig auch die animalische und vege- tabilische Nahrung, sowie die Wirkung derselben in Beziehung auf die körperlichen und geistigen Functionen des Menschen und kommt dabei unter Anderem auch auf den.

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