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Thee und den Kaffee und deren Wirkungen auf den Lebensproceß zu sprechen. Bei dem großen Einflüsse, welche diese Nahrungs- und Genußmittel einestheils aus unseren Körper, anderntheils auf unseren Haushalt ausüben, indem ja bekannilich der Kaffee zu unseren täglichen und somit unentbehrlichen Nahrungsmitteln gehört, und auch der Thee, dem seine nützlichen und angenehmen Eigenschaften bei uns Geltung verschaffen, immer mehr Eingang in unseren Familien findet, dürfte es nicht uninteressant sein, wenn wir in Kürze die Ansicht des großen Chemikers über diese Getränke und ihre Wirkungen mittheilen. Wenn man in Erwägung zieht, sagt Liebig, daß in Europa und Amerika über 80 Millionen Pfund Thee und im Zollverein über 60 Millionen Pfund Kaffee jährlich verbraucht werden, daß in England und Amerika der Thee einen Bestandtheil der täglichen Lcbensordnung des geringsten Mannes, sowie des reichsten Grundadels ausmacht, daß in Deutschland das Volk auf dem Lande und in den Städten um so hartnäckiger am Kaffeegenuß hängt, je mehr die Armuih die Fülle der Auswahl der Lebensmittel beschränkr, und daß der allerschmalste Tagelohn immer noch in einen Bruchthcil für Kaffee und in einen anderen für Brot und Kartoffel gespalten wird — im Angesichte solcher Thatsachen läßt sich schwerlich die Behauptung rechtfertigen, es sei der Genuß von Kaffee und Thee eine Sache der bloßen Angewöhnung. Wir halten es im Gegentheil für höchst wahrscheinlich, um nicht zu sagen gewiß, daß der Jnstinct der Menschen in dem Gefühl gewisser Lücken oder gewisser Bedürfnisse des gesteigerten Lebens in unserer Zeit, welche durch Quantität nicht befriedigt werden können, eben in diesen Erzeugnissen des Pflanzenlebens das wahre Mittel aufgefunden hat, um seiner täglichen Nahrung die erforderliche und vermißte Beschaffenheit zu geben. Eine jede Substanz, insofern sie Antheil an den Lcbensprocessen nimmt, wirkt in einer gewissen Weise auf unser Nervensystem, auf die sinnlichen Neigungen und den Willen des Menschen ein. Es gibt keine Getränke, welche in ihrer Zusammengesetztheit und in gewissen Bcstandtheilen mehr Aehnlichkeit mit Fleischbrühen haben, als Thee und Kaffee, und es ist sehr wahrscheinlich, daß ihr Gebrauch als Bestandtheil der Nahrung auf der erregenden und belebenden Wirkung beruht, welche diese Getränke mit der Fleischbrühe gemein haben. Das Getränk Thee unterscheidet sich von dem Getränk Kaffee durch seinen Eisen- und Mangangehalt. Wir genießen demnach in dem Thee (von manchen Theesorten, insbesondere Pecco und Souchong) ein Getränk, welches den wirkenden Bestandtheil der wirksamsten Mineralquellen enthält und so gering auch die Menge Eisen sein mag, die man täglich darin zu sich nimmt, so kann dieselbe auf die vitalen Vorgänge nicht ohne Einfluß sein. Nach der darauf folgenden Analyse enthalten die Aschcnbestandtheile des Theeaufgusses (Souchongthee) Eisenoxyd 3,29, Manganoxyd 0,71, des Kaffeeabsudes (Javakaffee) Eisenoxyd 0,25, Manganoxyd 0,00 und ist weiter bemerkt, daß ein Theeaufguß von 70 Gramm Pecco- thee 0,104 Gr. Eisenoxyd und 0.20 Gr. Manganoxyd enthielt. Hiernach ist leicht ersichtlich, welche günstige Wirkung der tägliche Genuß von Thee, namentlich für Blutarme und Bleichsüchtige haben muß, da er dem Blute Eisen zuführt, und dürfte daraus auch vielleicht der Umstand zu erklären sein, daß in England, wo der Thee zu den täglichen Nahrungsmitteln gehört, die Bleichsucht der jungen Mädchen weit seltener als bei uns vorkommt.
— Die leidige Gepflogenheit eines Theiles unseres reisenden Publikums, den Anordnungen ber Eisenbahnverwaltung und deren Beamten keine Folgen zu leisten oder sich denselben sogar zu widersetzen, wozu sich viele Reisende der Eisenbahn gegenüber gewissermaßen für berechtigt halten, hat am Samstag auf Bahnhof Plaue ein beklagenswerthes Opfer gefordert. Kurz vor Abfahrt des Nachmittagszuges nach Ilmenau befand sich ein Mitreisender, beschäftigungsloser Kellner von dort, noch auf der Plattform eines Wagens 4. Elasse, was einen Schaffner veranlaßte, den Mann in das Innere des Wagens zu verweisen. Er ging auch bis zur Eingangsthür zurück, kam aber sogleich, nachdem inzwischen der Schaffner sich entfernt und der Zug sich in Bewegung gesetzt hatte, mit hoch erhobenem Bierseidel wieder- vor, um seinen zahlreich auf dem Perron anwesenden Begleitern noch einmal zuzutrinken. Hierbei stürzte er so unglücklich von der Plattform zwischen den Wagen, daß die Räder mitten über ihn hingingen. Der Verunglückte, der sofort getödtet wurde, hinterläßt eine Familie von st Kindern. Dieser Unglücksfall lehrt auf's Reue, wie sehr das reisende Publikum im Interesse der eigenen Sicherheit handelt, wenn es die Anordnungen der Eisenbahn- Verwaltung und deren Beamten anstandslos befolgt.
— sAmerikanisch.j Ein Prediger in einem kleinen Orte in Michigan hat kürzlich, wie amerikanische Blätter schreiben, in folgenden Worten von seiner Gemeinde Abschied genommen: „Meine Vielgeliebten! Unsere Trennung von einander schmerzt mich nicht besonders und zwar aus drei Gründen: Ihr liebt mich nicht, Ihr liebt einander nicht, und der Herr liebt Euch nicht. Wenn Ihr mich liebtet, würdet Ihr mein Gehalt für die letzten zwei Jahre bezahlt haben. Ihr liebt einander nicht, sonst würde ich mehr Trauungen zu vollziehen gehabt haben, und der Herr liebt Euch nicht, sonst würde er noch mehr von Euch zu sich rufen, und ich würde mehr Leichenbegängnisse und Trauer-Gottesdienste gehabt haben." Die Gemeinde nöthigt ihn nicht, zu bleiben.
— Die Sucht, Feste zu feiern, welche unserer Zeit eigen ist, characterisirt der in Solingen geplante „Conimers aller ehemaligen als Handwerksburschen gereister Handwerker", für den man dort lebhaft Stimmung zu machen sucht. Das ist jedenfalls das Neueste auf dem Gebiete des Commerswesens. Der Berliner „Ulk" bemerkt dazu ganz treffend: „Um dem Commers einen möglichst burschikosen Character zu geben, werden, wie wir hören, mit demselben größere Fechtübungen Hand in Hand gehen, die gleichzeitig den Festtheilnehmern eine angenehme Reminiscenz an ihre Wander- jahre bieten dürften."___________________
Eingesandt.
Gießen, 19. October.
Einsender dieses hat mit Bedauern bemerkt, daß die Einleger zur Pfennig- Sparkasse am letzten Samstag wieder nicht einlegen konnten. Die Herren, welche sich der Annahme von Einlagen früher unterzogen, dachten, da die Uebernahme der Pfennig- Sparkasse bei dem Vorstande der Sparkasse schon lange angeregt war, daß bei Ablauf des letzten Quartals die Sparkasse soforr das Geld der Einleger in Empfang nehmen würde. Ein so nützliches Institut, welches die Kinder und durch diese selbst viele Eltern zum Sparen bewegt, so daß dieselben bei vorkommenden unvorhergesehenen Fällen nicht auf anderer Leute Mildthätigkeit angewiesen sind, sondern sich selbst helfen können, sollte man nicht fallen lassen und so bedarf es hoffentlich nur dieser Anregung und Bitte au die betreffenden Herren der Sparkasse, daß sie den Einlegern der Pfennig- Sparkasse bis Samstag ihr Geld abnehmen, indem sonst doch einige vom Sparen abkommen möchten. c. V.
Schiffsnachrichten.
or Bremen, 17. October. sPer transatlantischen Telegraph.] Der Postdampfer ^Unenta, Capt. G. Meyer, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am öu. September oon Bremen abgegangen war, ist am 15. October wohlbehalten in Batunore angekommen.
Bremen, 17. October. sPer transatlantischen Telegraph.] Der Postdampfer «V Bohle, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am r^"ooer von Bremen und am 1. October von Southampton abgegangen war, heute 1 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekonimen.
Handel unk Verkrhr.
<Fruchtpreisc0 Weizen M. 16.90, Korn JL 14.10, ©erfte M. 13 80 Hafer 12.40, Erbsen M. 15.80, Linsen M. 00.00, Lein 00.00, Samen JL 00.00, Kartoffeln 3L 3.50, Wicken 00.00.
Nach Ausspruch
lliiiversitäts-Professors wären bei künftigen Generationen wenig schädlichen öÄ Ädn au"schUchlichd7s W °°" ««f M der
«Haarwassers v. C. Netter, München bedienen wurde, welches allein Alles enthält, was einer rationellen Haar- und Kopf- hautpflege dienlich ist. Zu haben um 40 Pfg. u. Mk. 1,10 bei I. H. Fuhr. 584
Kepertnir der vereinigten Stadttheater zu Frankfurt a. W.
Opernhaus.
Dienstag den 20 Qctober: Das Nachtlager in Granada. Hierauf: Carncvalsfest lDioertistement).
,nn Mittwoch den 21. October: Vorstellung bei ermäßigten Preisen. Zum 400. Male: Don Juan. Auger Abonnement.
Donnerstag den 22. October: Carmen.
. r± Freitag den 23. October: Erstes Gastspiel der Frau Marie Geistinger. Neu emstudirt: her ei e Krones. (Krones: Frau Geistinger.) Außer Abonnement Samstag den 24. October: Silvana.
Sonntag den 25. October: Zweites Gastspiel der Frau Marie Geistinger.
Madam Favart. (Madam Favart: Frau Geistinger.) Außer Abonnement. Schauspielhaus.
Dienstag den 20. October: Anna Lise. Vorher: Das Tagebuch.
Mittwoch den 21. October: Donna Diana.
Donnerstag den 22. October: Abonnement-Vorstellung (für einen ausgefallenen Freitag). Fedora.
Freitag den 23. October geschlossen.
Samstag den 24. October: Abonnement-Vorstellung (für einen ausgefallenen Mittwoch). Reif-Reiflingen. Vorher: Ein Wort an den Minister.
Sonntag den 25. October: Abonnement-Vorstellung (für einen ausgefallenen Freitag). Die große Glocke.
Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts Gießen.
Aufgebote.
October: 15. Ziegelbrenncr Heinrich Konrad Schweitzer mit Katharine Henriette Hofmann, Tochter des Taglöhners August Hofmann in Gießen. 15. Der Schlosser an der Main - Weser - Bahn Eugen Müller mit Margarethe Espich, Tochter des Sattlermeisters Friedrich Espich in Lollar.
Eheschließungen.
October: 11. Fuhrmann Peter Trechsler mit Elisabethe Schmitt, Tochter des verstorbenen Bauaufsehers Johannes Schmitt in Langgöns. 12. Der Großh. Reallehrer Karl Ludwig Theodor Knöpfel in Oppenheim a. Rh. mit Marie Anna Johanna Thekla Kreuter, Tochter des Großb. Majors i. P. Franz Jakob Knitter in Gießen. 14. Der Hilfsheizer an der Main-Weser-Bahn Georg Heinrich Menke mit Margarethe Blank, Tochter des Heizers an der Main-Weser-Bahn Philipp Mank in Gießen. 14. Bürstenbinder Heinrich Kuhl mit Marie Nöll, Tochter des verstorbenen Sandgießers Georg Konrad Röll zu Hirzenhain. 14. Der Bureaugehilfe an der Main- Weser-Bahn Karl Friedrich Max Weller mit Wilhelmine Margarethe Stephany Tochter des Stationsassistenten Jakob Stephany in Gießen. 14. Kaufmann Isidor Katz in Steinbach mit Sophie Strauß, Tochter des Handelsmanns Marcus Strauß in Crainfeld.
Geborene.
October: 2. Dem Rangirer an der Main-Weser-Bahn Johs. Weber ein Sohn, Karl Emil. 3. Dem Schreinermeister Franz Wigandt ein Sohn. 6. Dem Bremser an der Köln-rechtsrheinischen Eisenbahn Johann Georg ©paar eine Tochter, Marie Katbarine. 7. Dem Steinhauer Heinrich Lerch ein Sohn, Heinrich. 7. Dem Borsten- händler Israel Rothschild eine Tochter, Toni. 9. Dem Mechaniker Karl Hatz eine Tochter, Minna. 12. Dem Fabrikdirector Dr. Karl Eickemeyer ein Sohn, August Karl Rudolf. 13. Dem Fuhrmann Johann Adam Velte eine Tochter.
Gestorbene.
October: 13. Der Bauer Georg Bürbach, 77 Jahre alt, von Bürbach. 14. Der Nentner Wernhard Dietz, 84 Jahre alt. 15. Karl Franz Georg Friedrich, 8 Wochen alt, Sohn des Bremsers Georg Heim. 16. Marie Josefine Katharine Elise, 6 Monate alt, Tochter des Fabrikarbeiters Wilhelm Bergen.
Für die Hinterbliebenen der mit S. M. Schiff Augusta Ertrunkenen gingen bei uns ein: R. 2 JL
Weitere Gaben nimmt die Exped. d. Bl. gerne entgegen.
Kirchliche Anzeigen der evangel. Gemeinde.
Heute, Montag, Abend 8 Uhr, Bibelstunde in der Kleinkinderschule, Joh. Kap. 16, von Vers 16 an, Pfarrer Dr. Naumann.
Allgemeiner Anzeiger.
Stamm, unö Hrubenholz-tterkanf.
Aus den Waldungen der Freiherrn von Nordeck zur Rabenau sollen pro 1886
ca. 700 — 800 Festmeter Kiefern - und Fichtenstammholz und ca. 300 — 400 Festmeter Kiefern-Grubenholz
auf dem Submissionswege zum Verkauf gelangen.
Angebote hierauf wollen längsten- 13. November L I. bei der unterzeichneten Oberförsterei, welche jede gewünschte Auskunft ertheilt, eingereicht werden. *
Papiermühle, Post Londorf, am 17. October 1885.
Freiherrliche Oberförsterei Rabenau.
Ebel. 7513
7477] Gründ!. Nachhülfesturiden werden Schülern d. unt. Kl. von einem Gymnasiasten billig ertheilt. Zu erfragen
Rheinischer Hof, Hl. Stock links.
7496 Don der höheren Töchterschule nach der Alicenftraße wurde am Freitag ein Kindermäntelcherr verloren. Gegen Belohnung abzugeben Aliceustraße 26.
Anlehen -er israelitischen Neligions- gemeinde Gieften.
Die neuen Zinscoupons können gegen Rückgabe der betr. Anweisungen bei unserer Gemetndekasse in Empfang genommen werden.
Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde Gießen. M. Homberger. __________________7493.
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