Generalseldmarschall Statthalter v- Manteuffel. -b
Der Tod hält reiche Ernte unter den preußischen Heerführern; heute haben wir nur noch zwei Feldmarschälle. Der Generalfeldmarschall Edwin Freiherr v. Manteuffel ist Dienstag Morgen frühe in Karlsbad, wo er seit dem 3. Juni zur Eur weilte, gestorben?) Dem Großherzog von Mecklenburg folgte in Jahresfrist Prinz August von Württemberg, dem Prinzen Carl der Sohn Friedrich Carl, und kaum ist dieser zur Leiche gebettet, da streckt der Tod den Freiherrn v. Manteuffel nieder, dem der Feldmarschall Herwarth v. Bittenfeld voriges Jahr voraufgegangen. So hat an der Seite seines glorreichen kaiserlichen Herrn Graf Moltke von elf Feldmarschallen, welche unsere Armee nach dem großen Kriege neben ihm zählte, zehn hinsinken sehen; außer ihm ist der Kronprinz der einzige noch lebende. .
Der Verstorbene bekleidete den höchsten militärischen Rang, den es tn Verdeutschen Armee gibt, den eines Generalfeldmarschalls und zudem die höchste Ehrenstelle als erster und ältester Generaladjutant des Kaisers; er hat seinen Namen in den drei großen Kriegen Preußens in Schleswig 1864, in Böhmen 1866, in Frankreich 1870/71 als Feldherr zu hohem Glanze gebracht und doch ist er — in Preußen eine Seltenheit — in den Tafeln der politischen Geschichte Preußens und Deutschlands ebenso unvergänglich eingetragen, wie in diejenigen der kriegerischen. Die politische Thätigkeit Manteuffels folgte der militärischen stets auf dem Fuße, letztere war sogar oftmals nur die Ausführung der erster» und wurde von ihr für den oberflächlichen Beurtheiler nicht selten beeinträchtigt. Man muß im eigentlichsten Sinne Fachmann sein, um durch diesen Umstand nicht zu einem Urtheil über Manteuffels militärische Verdienste zu gelangen, das den großen Leistungen desselben nur unvollkommen gerecht wird.
Der am 24. Februar 1809 geborene Freiherr v. Manteuffel war bei der Rerter- maffe in die preußische Armee getreten und ziemlich rasch aufgestiegen. Seine erste bezeichnende Stellung erhielt er in der stürmischen Märzzeit 1848 (am 20. März) als Flügeladjutant zu persönlicher Dienstleistung bei König Friedrich Wilhelm IV. Bis zum Tode dieses Königs blieb er in dieser persönlichen Vertrauensstellung, wobei er nebenher verschiedene militärische Commandos bekleidete und zum General befördert wurde. Ihm fiel es in dieser Zeit zu, die abgenutzten Offiziere zur Verabschiedung zu bringen, eine Arbeit, die allerdings gethan werden mußte, aber nothwendigerweise mannigfache persönliche Verstimmungen und Gereiztheiten eintragen mußte. Die politische Strömung, die zu Anfang der sechziger Jahre Berlin und Preußen beherrschte, trug dem General v. Manteuffel ein politisches Duell ein mit dem bekannten späteren Abgeordneten v. Twesten. König Wilhelm ernannte den Generalmajor und Generaladjutanten am 18. October 1861 zum Generallieutenant und in dieser Rangstellung begann er im Jahre 1864 in Schleswig seine Feldherrnlaufbahn.
Aber so unvergessen auch seine Thätigkeit als Truppenführer unter dem Prinzen Friedrich Carl bei Missunde und dem Schleiübergang sein wird, im Gedächtniß der Nachwelt haftet lediglich seine politische Thätigkeit in den Elbherzogthümern nach dem Kriege, da er als Gouverneur von Schleswig die Bevölkerung in Achtung und zugleich in Vertrauen zu Preußen zu bringen suchte. Eine weitere politische That, die wirklich mit der Armee als Werkzeug ausgeführt wurde, war im Jahre 1866 die Hinaus- mauövrirung der österreichischen Armee unter Gablenz aus Holstein, die ihm vortrefflich gelang, ohne daß ein Tropfen Blut vergossen wurde.
So hatte Manteuffel durch sein Wirken die Ereignisse des Jahres 1864 unmittelbar mit denen des Jahres 1866 verknüpft. Aus Schleswig rückte er nach Nord- hcmnover und focht zuerst unter dem Oberbefehl des Generals Vogel v. Falckenstein. Nach dessen Abberufung nach Böhmen trat er zum ersten Male auf dem Schlachtfelde als selbstständiger Oberbefehlshaber auf und schlug mit der preußischen Mainarmee die süddeutschen Reichstruppen auf der ganzen Linie von Helmstädt bis Würzburg. Seine militärischen Thaten hier wurden alsbald in den Augen der Mitlebenden vor den politischen zurückgedrängt und letztere erwiesen sich für die ersteren als beeinträchtigend, umsomehr, als man die Abberufung des Generals nur mit den letztern, namentlich seinem gewaltsamen Auftreten in den besetzten Ländern, besonders gegen die Stadt Frankfurt in Verbindung brachte. Kaum war der Friede geschlossen, so sah man den General, der das persönliche Vertrauen des Königs Wilhelm nicht minder besaß, wie früher das Friedrich Wilhelms IV., in polnischer Sendung am Hofe des Kaisers von Rußland in Petersburg.
Am 8. August 1868 wurde Manteuffel commandirender General des 1. Armee- corps. An der Spitze dieses Corps rückte er unter dem Prinzen Friedrich Carl im Jahre 1870 nach Frankreich ein und focht glänzend mit in den Kämpfen von Colombay und Noisseoille, half Metz einschließen und festhalten, und nachdem die Festung gefallen, als Commandeur der Nordarmee durch die Siege bei Amiens, Vapaume und Rouen die deutsche Belagerungsarmee vor Paris schützen. Als der Norden Frankreichs gesichert war, eilte Manteuffel nach dem Süden, um dem bei Belfort hart bedrängten General v. Werder Hülfe zu bringen.
An der siegreichen Beendigung dieses letzten Theils des Feldzugs hat er ruhmvollen Antheil, die strategische Vernichtung des Bom'bakischen Heeres, das der wirklichen Vernichtung nur durch den Uebertritt in die Schweiz entging, ist eine glänzende Leistung, sie war die letzte militärische Ruhmesthat des Freiherrn v. Manteuffel, der alsbald nach dem Frankfurter Frieden die nunmehr politische Aufgabe des Oberbefehls über die deutsche Besetzungsarmee übernahm. Zur Anerkennung ebenso der vorzüglichen Haltung der Besetzungsarmee während des Verweilens in Frankreich rote der im Felde geleisteten Siegesthaten ernannte der Kaiser den General am Schlüsse dieser seiner Thätigkeit am 19. September 1873 zum General-Feldmarschall. Das ehemalige Fort St. Julien bei Metz erhielt aus dem gleichen Grunde Manteuffels Namen.
cr sich bei einem ausgedehnten Spaziergange in eutlegeueren Waldparthten zugezogen hatte. Auf den Erkrankten wirkte die Nachricht von dem Tode des Prinzen Frtedrtch Carl erschütternd, die Entzündung nahnt mrgeachtet der fürsorglichen Behandlung des Geh. Sanitätsraths Preis einen gefährlichen Verlauf. Heute Morgen 8V2 Uhr ist der Feldmarschall sanft entschlafen. Die sterbliche Hülle ruht in der vom Feldmarschall innegehabten Wohnung im Hotel „Erzherzog von Oesterreich". Fretm Isabella v Manteuffel, welche ihren Vater nach Karlsbald begleitet hatte, meldete dre Trauerkunde alsbald an des Kaisers Majestät nach Berlin, sowie an die Famlllenmrtglreder. Die Söhne des Feldmarschalls werden heute hier erwartet. Unter den anwesenden deutschen Kurgästen rief die Todesnachricht große Bewegung hervor, von vielen anwesenden hohen Persönlichkeiten erfolgten sofort Beileidskundgebungen. Zahlreiche Con- dolcnzkarten wurden im Trauerhause abgegeben. Die Ueberführung der Lerche nach Berlin, bezw. Topper findet voraussichtlich morgen statt.
Paris, 17. Juni. Der Handelsminister roirb eine Commrffron unter Leitung des Dr. Brouardel zum Studium der Cholera nach Spanien entsenden.
London, 17. Juni. Der Herzog und die Herzogin von Connaught find gestern Abend nach Potsdam abgereist, um der Begräbnißfeier des Prinzen Friedrich Carl von Preußen beizuwohnen. ~
— Die Königin hat Gladstone anläßlich seines Rücktritts vom Amte tn Anerkennung seiner dem Lande geleisteten Dienste die Grafenwürde angeboten; Gladstone hat diese Auszeichnung jedoch abgelehnt. ,
— Der „Standard" erfährt, Salisbury werde tn dem neuen Cabmet neben dem Posten des Premiers das Portefeuille des Auswärtigen und Churchill das Portefeuille für Indien übernehmen. , .. , ... ,
— Salisbury ist heute Nachmittag 3 Uhr nach Wmbsor abgererst, um der Königin die Namen der neuen Minister zu unterbreiten.
Windsor, 17. Juni. Die Königin ist heute Vormittag von Balmoral hier eingetroffen. — Dem Vernehmen nach wird Salisbury morgen von der Königin
Rom, 17. Juni. Die Kammer genehmigte das Budget des Aeußeren mit 163 gegen 159 Stimmen. , . , ..
— Der „Ovinione" und der „Tribuna" zufolge geht tn Parlamentskrersen das Gerücht, das Cabinet werde in Folge des heutigen Kammervotunrs demrssromren.
Madrid, 17. Juni. In Folge einer Überschwemmung ertranken vierztg Arbeiter, welche in dem Tunnel der Eisenbahn von (Salamanca nach Portugal arbeiteten.
*) In einem Th eil der Auflage unseres gestrigen Blattes bereits mitgetheilt.
D. Red.
Irdischen geschieden; seinen Sarg schmückt verdienter Lorbeerkranz.
(K. 3.)
Der Vertraute des Kaisers Wilhelm, ging er im Jabre 1876 an den Hof des Kaisers von Rußland nach Warschau, woselbst er zur Verständigung der beiden Ke.iicr wegen der russisch-türkischen Frage gewiß wesentlich beigetragen hat'
Aber noch war dem Feldmarschall eine große Ausgabe bcschieden, zu deren Lösung ihn das unbegrenzte Vertrauen des Kaisers und die Zustimmung dec. deutschen Reichskanzlers berief. Er sollte als unmittelbarer Stellvertreter des Kaisers die Regierung der roiedererrvorbenen Reichslande Elsaß-Lothringen als kaiserlicher Statthalter leiten. Das Reichsgesetz vom 4. Juli 1879, das die Selbstständigkeit Elsaß-Lothringens als deutschen Reichsstaates unter einem Statthalter rind eigenem Ministerium feststelll, hat unter dem Feldmarschall v. Manteuffel seine erste Probe zu machen gehabt. Diese Zeit des fünfjährigen Wirkens des Verstorbenen als Statthalter in den Reichslaudcn liegt zu nahe hinter uns, als daß ein allgemeines Urtheil über sie anders abgegeben werden dürfte, als unter dem Vorbehalt des Jrrthums, den die Zukunft vielleicht ans Licht bringen könnte. Was heute gefnat werden kann und muß, ist die Thatsache, daß die Leute in den Reichslanden, welche nichts, was in ihrer Macht steht, rrnterlasseN würden, um die Reichslande wieder an Frankreich zu bringen, sich durch den Eintritt des Verewigten schwerer getroffen fühlen, als diejenigen, welche all ihre Kraft darausctzen, Deutschland in den Reichslanden geachtet und als Herrn des Landes für immer angesehen zu wissen. Was aber dem Andenken des Verstorbenen in dieser Hinsicht für alle Zeit zum glänzenden Ruhmeszeichen gereichen wird, ist die Thatsache, daß die Fehler seiner politischen Verwaltung der übergroßen Milde seines Herzens entsprangen, das — wenn schon Härte nicht zu vermeiden war — lieber hart und vielleicht ungerecht sein wollte gegen die, welche in den Jahren 1870/71 unvergänglichen Ruhm und Stolz geerntet haben, als gegen diejenigen, welche, wenn auch irrigerweise, meinen, daß jene Jahre für sie ein Unglück gewesen seien imd ein Unglück gebracht hätten, dessen Tragung ihnen selbst durch ein Unrecht gegen Andere, Glücklichere, leicht gemacht werden müsse. Was an Mißgriffen gemacht rourbe, ehrt in gewissem Sinne beit Urheber der Mißgriffe und kann immer wieder gut gemacht werden. Auch das ist ein Gewinn, daß Deutschlands Widersacher in den Reichslanden einem ruhmvollen und sonst nicht als weichmüthig bekannten preußischen Feldmarschall nachsagen werden, er habe ein gutes, ein edles, ein weiches Herz, er habe gegen sie ein Mutterherz gehabt — bas sie nicht immer oerbienten.
Ein begeisterter Diener seines Königs, ein glühenber Anhänger seines engeren Vaterlanbes Preußen unb des unter feiner Mitthat geschaffenen Reiches, ein tapferer Soldat, ein von manchen Schwächen nicht freier , aber an echtem Edelsinn reicher Mensch, der beredte Zeuge und verdienstreiche Mitarbeiter einer großen Zeit ist in der Person des General-Feldmarschalls und Statthalters Edwin v. Manteuffel aus dem
UniverfitätS- Chronik.
Ai ar bürg, 17. Juni. Der Dekan der hiesigen medicinischen Fakultät, A?err Professor Dr. Ahlfeldt, erläßt nachfolgende, die Stiftung der Gräfin LouiseJ^oU, geborene Gräfin von Reichenbach - Lessomtz , betreffende Bekanntmachung: Die am 3. Oetober 1883 zu Baden-Baden verstorbene, in Frankfurt a. M. wohnhaft gewesene Gräfin Louise Bose, geborene Gräfin von Reichenbach-Lessonitz, hat in der hochherzigen Absicht, die Wissenschaft zu fördern, laut letztwilligen Verfügung der Universität bürg ein Legat von 800,000 JC vermacht mit der Bestimmung, daß ein wesenlltchet Theil der Erträgnisse dieser Stiftung zur Sicherung medicinischer Studien zr^ver- roenden sei, insbesondere auch zu Reisestudien im In- und Auslande. Nachdem ^crne Majestät der Kaiser und König der Universität Marburg zur Annahme dieses Legats die landesherrliche Genehmigung zu ertheilen geruht haben, kommen dieses 5<u)r o,f Erträgnisse der Stiftung zum ersten Male zur Verwendung. Nach den Statuten sollen a. dreißig Procent der zu stiftungsmäßigen Zwecken verwendbaren Erträgnisse an Studirende der Medicin der Universität Marburg als Stipendien ä 400 JL verliehen werden; b. zwanzig Procent sollen verwendet werden zu Stipendien für gut iiufliu fickte Aerzte, welche in Marburg das Staatsexamen bestanden haben,_.;u nner weiteren Ausbildung; c. dreißig Procent können zur Verwendung kommen zu Stipenoln für Aerzte ober Docenten ber medicinischen Wissenschaften als Unterstützung zu tüt’iei • schriftlichen Reisen im In- nnd Auslände ober zu wissenschaftlichen Specialarbeucn. d. zwanzig Procent zu allen sonstigen Zwecken, welche die Sicherung ber meduumau Studien im Auge haben. Aus dieser Summe können auch Stipendien an Vcevlrn verliehen werden, welche der einschränkenden Bestimmungen halber aus voi. • nicht bedacht werden können. Dem Wunsche der Erblasserin entsprechend, Publikation dieses Statutenauszugs in medicinischen Zeitschriften, sowie 111 Zeitungen Nord- und Süddeutschlands zu erfolgen. Gesuche, welche lrch am Vor -
und d. beziehen, sind an den Decan der medicinischen Fakultät zu nchren. 'r „ tuten der Stiftung der Gräfin Louise Bose sind gegen Einsendung umt -0 ^7- oder in Briefmarken, durch die Elwcrt'schc Universitäts-Buchhandlung in '-v“i franco zu beziehen.
Tübingen, 12. Juni. Die Frequenz unserer Unroeriitat im otojti Sommersemester ist die höchste bis jetzt erreichte und übertrifft init 14L- öiuo — 866 Württemberger und 556 9Uchtwürttemberger - das verflogene vbinmit um 185, die des vorjährigen Sourmersemesters um 5. Es entfallenaus >- Staaten 515, auf außerdeutsche 41. In den einzelnen Fächern itubiren -tnco g • Jurisprudenz 203, Medicin 242, Philosophie 122, Regiminalia, Kamera!- uno Wissenschaft 186, Naturwissenschaften 77. . , Studenten
Straßburg, 12. Juni. Die Gefannntzahl der lmnmttckul Ucn Stm während des Sommersemesters beträgt 800, unter diesen -81 immatim
Lokale-.
Gießen, 18. Juni. Verzeichnis^ der Sitzungen des Schwurgerichts der Provinz Oberhessen vom 2. Quartal 1885:
1. Montag den 22. Juni: Strafsache gegen Anton Schwarz von Vilbel wegen Meineids. Vertheidiger: Rechtsanwalt Weidig.
2. Dienstag den 23. Juni: Strafsache gegen Kaufmann Theodvr Wittlich in Gießen wegen llietrüglichen Bankrutts und Meineids. Vertheidiger: Rechtsamvalk Dr. Schwarz.
3. Mittwoch den 24. Juni: Strafsache gegen Heinrich Heß und Adam Weil von Nieder-Wöllstadt, sowie gegen Heinrich Reifschneider von Nieder Mockstadt wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit. Vertheidiger: Rechtsanwalt Baift und Rechtsanwalt Eurtman.
4. Donnerstag den 25. Juni: Straftache gegen Earl Hepp er von Tber- Mörlen wegen betrüglichen Bankerutts. Vertheidiger: Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch.
Die öffentliche Anklage vertritt in den Fällen unter 1 und 3: Erster Staatsanwalt Zimmermann, unter 2: Staatsanwalt Jöckel, unter 4: StaatsamvallS- vicar Gerichtsassessor Seeger.
Die Sitzung am Montag beginnt um 9, an den übrigen Tagen um 81/« Ui>r Vormittags.
Gießen, 18. Juni. Die Hofraithe des Herrn Louis Möser „Zum kühlm Grund" in den 9ieuenbäuen wurde am gestrigen Tage an Herrn Restaurateur Albold zum Preise von 55,000 JL verkauft. Der Abschluß geschah durch Herrn H. Hof.
— Die heute stattfindende Soiräe der W. Gipner'schen Eoncert-Säiigcr- Gesellschaft wird wegen der augenblicklich ungünstigen Witterung nicht im „Wiener Hof", sondern im „Eafö Leib" abgehalten. Siehe Inserat.
Gießen, 18. Juni. Wie wir vernehmen, wird im Laufe dieser oder nächster Woche die von früheren Jahren bekannte Künstlerfamilie Knie hier eintreffen und sich durch eine Anzahl Vorstellungen in ihren Leistungen auf dem Seil produciren. Ans Offenbach, wo die Gesellschaft augenblicklich spielt, erhalten wir nachstehende Notiz: Die Künstlerfamilie Knie ist hier so bekannt und hat von früher ein so gutes Andenken hinterlassen, daß wir zur Empfehlung kein Wort mehr zu tagen brauchen. Der Ersolg spricht übrigens deutlich genug; eine unabsehbare Menschenmenge Jjatte sich gestern Abend auf besagtem Platze zusammengefunben unb sah den in ber That vortrefflichen Leistungen mit Interesse zu. Herr Knie sen., ein Mann von mehr als 70 Jahren, bewegt sich auf dem Seil mit einer Eleganz und Gewandheit wie ein Jüngling von 20 Jahren unb sein Sohn, Herr Karl Knie, sucht ihn noch zu überbieten. Letzterer glänzt namentlich durch die außerordentliche Schnelligkeit, mit der er über das circa 80 Fuß hohe Seil läuft. Mit einem Wort, die Leistungen der Familie sind sehenswert^


