Telegraphische Depeschen.
Wolff s telegr. Correspondenz»Bureau.
Berlin, 17. Juni. Der „Reichsanzeiger" schreibt anläßlich des Ablebens des Feldmarschalls Manteuffel: Die Armee und das Vaterland haben wiederum den Verlust eines hochgestellten Heerführers zu betrauern. Seine strenge Auffassung der Berufspflichten, seine selbstlose Hingebung an den Heeresdienst und den Staatsdienst, sein mit Milde und Wohlwollen gepaartes Wesen machten den Verewigten zum leuchtenden Vorbild für die Untergebenen, zu einem erprobten und bewährten Diener von Kaiser und Reich. Wie er in treuer, nie rastender Arbeit das Ansehen und die Tüchtigkeit preußischen Wesens und preußischer Art mehren half, ebenso war er ein zu vielseitiger Verwendung befähigter Staatsmann und General, ein für die Macht und Größe seines Vaterlandes warm begeisterter Patriot. Sein Andenken wird in den Annalen der vaterländischen Geschichte stets einen hohen Ehrenplatz einnehmen.
München, 17. Juni. Prinz Ludwig Ferdinand ist in Vertretung des Königs zur Theiinahme an den Leichenfeierlichkeiten für den Prinzen Friedrich Carl um 51/2 Uhr Nachmittags nach Potsdam abgereist.
— Die Minister v. Lutz und v. Crailsheim stnd heute Abend 7 Uhr nach Kissingen gereist. c
Brünn, 17. Juni. Gestern Abend 6V2 Uhr fcnrd hier aus Anlaß von Differenzen über die Arbeitszeit ein Arbeiterkrawall statt. Die Arbeiter überfielen die Fabrikgebättde mehrerer Firmen und zertrümmerten durch Steinwürse die Fensterscheiben, Thüren rc. In Folge dessen mußte das Militär einschreiten und von der Waffe Gebrauch machen, wobei mehrere Verwundungen vorkamen und zahlreiche Verhaftungen vorgenommen wurden. 2 Officiere und 6 Soldaten wurden durch Steinwürfe verletzt. Um IIV2 Uhr Abends war die Ruhe wieder hergestellt.
Karlsbad, 17. Juni. Der Statthalter Feldmarschall v. Manteuffel erkrankte vor zwei Tagen an einer Lungenentzündung, anscheinend in Folge einer Erkältung, die
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Freitag den 19. Juni
188»
Nr. 139
ießmer Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
7. geeint mit W-e M Montags
Amtlicher dheit.
Betreffend: Maßregeln gegen den Coloradokäfer. Gießen, am 17. Juni 1885.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzherzoglicherr Bürgermeistereien des KreifeS.
Nachdem der Reichskanzler Veranlassung genommen hat, durch die Kaiserlichen Vertreter in den hauptsächlich in Betracht kommenden Ländern Amerikas Erkundigungen über den gegenwärtigen Stand der Verbreitung des Coloradokäfers in diesem Erdtheile einzuziehen und die angestellten Ermittlungen ergeben haben, daß der Coloradokäfer dem Kartoffelbau in den Vereinigten Staaten und in Mexiko noch jetzt bedeutenden Schaden zusügt und daselbst in einer Weise auftritt, welche die Gefahr seiner Verschleppung nach Europa keineswegs als beseittgt erscheinen läßt, empfehlen wir Ihnen, dem Vorkommen des Coloradokäfers fortwährend Ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden.
Dr. Boekmann.___________________
Nr. 22 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 15. d. M., enthält:
(Nr. 1613.) Verordnung wegen Ergänzung der Verordnung vom 16. August 1876, betreffend die Cautionen der bei der Militär- und der Marineverwaltung angestellten Beamten. Vom 4. Juni 1885.
(Nr. 1614.) Verordnung zur Ergänzung der Aussührungsbestimmungen zu dem Gesetze vom 13. Juni 1873 über bie Knegülerstungen, vom 1. April 1876 und 18. April 1882. Vom 6. Juni 1885. c «n-x. m •
(Nr- 1615.) Staatsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und Oesterreich-Ungarn wegen Herstellung der Ersenbahnverbmdungen von Mrttelsteme nach Ottendorf (Braunau), von Hannsdorf über Lindewiese nach Ziegenhals, von Lindewiese über Barzdorf (Heinersdorf) nach Ottmachau und von Ratibor nach Troppau. Vom 14. März 1885.
Gießen, am 17. Juni 1885. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
Aeulfchland.
Darmstadt, 17. Juni. Wegen oes Ablebens Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Friedrich Karl von Preußen ist auf Allerhöchsten Befehl eine Hoftrauer vom Heutigen bis einschließlich den 28. l. Mts. verordnet worden.
Darmstadt, 17. Juni. Se. Königl. Hoheit der Großherzog werden Sich heule Nachmittag 5 Uhr 13 Min. nach Berlin begeben, um den Bei- setzLNgs-Feierlichkeiten des Prinzen Friedrich Karl von Preußen, Königl. Hoheit, beizuwohnen. Der Großherzog wird im Königl. Schloß absteigen und von dem Genreraladjutanten, Generalmajor v. Westerweller, sowie dem FlügeladManten Major Wernher begleitet sein.
— Wie wir hören, werden Sich Se. Großh. Hoheit der Prinz Heinrich in Begleitung seines persönlichen Adjutanten, Rittmeister Frhrn. Schenk zu Lchweinsberg, ebenfalls nach Berlin zu den Beisetzungs-Feierlichkeiten begeben.
Darmstadt, 16. Juni. Das Grobherzogliche Regierungsblatt (Beilage Nr. 9) enthält:
1. Bekanntmachung Großh. Ober-Rechnungskammer, die Vergütung für die im Etatsjahr 1885/86 in Geld zu berichtigenden Pensions-Naturalien betr.
2. Uebersicht der für das Jahr 1885/86 von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal- Aedürsnissen in den Landgemeinden des Kreises Offenbach.
3. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Lauterbach, die Umlagen zur Be- ßreitung der Bedürfnisse für die israelitische Religions - Gemeinde Crainfeld, im Greife Lauterbach, für 1885/86 betreffend.
4. Uebersicht der für das Jahr 1885/86 zur Bestreitung der Communal- Mürfnisse der Gemeinden des Kreises Lauterbach von Großh. Ministeriuln Innern und der Justiz genehmigten Umlagen.
5. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse der israelitischen Reli- gims-Gemeinden des Kreises Oppenheim für 1885/86.
6. Ordensverleihungen.
7. Namensveränderung.
8. Dienstnachrichten:
Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am i. April dem evang. Pfarrer Karl Orth zu Ebertsheim in der Rheinpfalz die mng. Pfarrstelle zu Jugenheim, im Dekanate Mainz, zu übertragen.
9. Concurrenzeröffnungen:
Erledigt sind: Die evang. Pfarrstelle zu Wieseck. Die evang. Pfarrstelle ist Bruchenbrücken; das Präsentationsrecht zu derselben steht dem Herrn Fürsten M Uendurg-Büdingen in Wächtersbach zu. Eine Lehrerstelle an der evang. f$We zu Nierstein mit einem nach dem Dienstalter des betr. Lehrers sich be- Ussenden jährlichen Gehalt von 1OOO bis 1350 .X; mit der Stelle ist Orga- 'Hmdierist verbunden. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an tzer Gemeindeschule zu Langen mit einem nach dem Dienstalter des betr. .Lrhr ers sich bemessenden jährlichen Gehalt von 1000 bis 1600 JL. Die .•mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu MemMumbach mit einem jährlichen Gehalt von 900 <M. Eine (die erste) 3it einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu -Lbea-Mörlen mit einem nach dem Dienstalter des betr. Lehrers sich bemessenden Wlichen Gehalt von 1000 bis 1400 <M.\ mit der Stelle ist Organistendienst AibMden; dem kath. Pfarrer zu Ober-Mörlen steht das PräsentationSrecht Zu dserselben zu. Eine mit einer kath. Lehrerin zu besetzende Stelle an der Ge- Minideschule zu Viernheim mit einem jährlichen Gehalt von 1000 JC.
Mainz, 16. Juni. Der Reichstags-Abgeordnete Mohr, welcher sich hier zu einem Besuch aufhielt, ist nach kurzem Unwohlsein gestorben.
Aefterreich.
. Wien, 17. Juni. Das Ministerium des Innern hat den ihm unter* stehenden Behörden unter Hinweis aus die in Spanien herrschende Cholera die genaueste Beobachtung des Gesundheitszustandes und die Sorge für alle vorbeugenden Maßregeln aufgegeben.
— Der König von Serbien empfing gestern den Besuch des deutschen Botschaftecs, Prinzen Reuß.
Rußland.
Petersburg, 17. Juni. Das „Journal de St. Pötersbourg" sagt anläßlich des Todes des Prinzen Friedrich Karl: Eingedenk der intimen verwandtschaftlichen und freundschaftlichen Beziehungen, welche die russische Kaiser- samilie mit der deutschen verbinden, wird der durch das Ableben des Prinzen Friedrich Karl entstandene Verlust in Rußland, namentlich in der russischen Armee, deren Verbände der Verstorbene angehörte, ebenso tief empfunden, wie in Deutschland. Auch andere Blätter widmen dem Prinzen Friedrich Karl gleiche sympathische Nachrufe.
— Das Gesetzblatt veröffentlicht die unter dem 16. April a. St. ergangene kaiserliche Verordnung, wonach in Kriegsfällen aus denjenigen Reserve- Kadre-Bataillons, welche im permanenten Festungs-Garnisons'Verbande stehen, Jnsanterie.Regimenter von 5 Bataillons sormirt werden sollen.
Ostindien.
Simla, 16. Juni. (Telegramm des „Reuter'jchen Bureaus.") Nach eingegangenen Nachrichten haben sich die Erderschütterungen in Kaschmir mit größerer Heftigkeit wiederholt. Im Districte von Muzafarabad sollen über 2000 Personen in Folge davon umgekommen sein.


