-des Reichstags und Landtags. Staatssecretär Stephan, welcher zwischen dem österreichischen Bevollmächtigten und dem Minister Maybach Platz genommen hatte, hieß sämmtliche Delegirte willkommen und brachte sodann einen Toast auf sämmtliche Souveräne und Chefs der vertretenen Staaten aus. Alsdann toastete der österreichische Bevollmächtigte Brunner auf den Kaiser Wilhelm. Der Saal war mit den Fahnen aller Conferenzstaaten auf das Reichste und Geschmackvollste geschmückt.
Salzburg, 12. August. Zum heutigen Diner bei Sr. Majestät dem Kaiser Wilhelm war Graf Thun geladen. Die Abreise Sr. Majestät erfolgt um 4 Uhr 30 Minuten.
— Se. Majestät der Kaiser ist heute Nachmittag 43/< Uhr im besten Wohlbefinden nach Babelsberg abgereist.
— Gestern Nachmittag brach kurz vor Lend ein kaiserlicher Packwagen, wobei ein Cabinetscourier das Unglück hatte, ein Bein zu brechen. Als Se. Majestät der Kaiser einige Stunden später die betreffende Stelle passirte, ließ Allerhöchstderselbe halten und beehrte den verunglückten Beamten mit seinem Besuche.
Wien, 12. August. Nach der „Pol. Corr." wird der Fürst von Bulgarien, der bei seiner jüngsten Anwesenheit in Wien persönlich zu den Manövern in Böhmen geladen wurde, der Einladung folgen. Die Nachricht, daß der König der Belgier den Manövern beiwohnen wird, ist unbegründet.
Paris, 12. August. Der „Temps" schreibt anläßlich der Niedermetzelung der Christen in Annam, sowohl die Pflicht wie das Interesse Frankreichs forderten gebieterisch ein exemplarisches Einschreiten gegen die Verbrecher, die nur durch die seit 1883 gewährte Straflosigkeit ermutigt seien.
— Der Ministerrath berieth heute Vormittag lange über die Organisation von Annam und Tongking. Die gefaßten Beschlüsse werden streng geheim gehalten. Brisson und Campenon vertreten die Regierung bei der am Sonntag stattfindenden Enthüllung des Denkmals des Generals Chanzy.
— General Courcy telegraphirt von heute, daß er in Haiphong eingetroffen sei und daselbst während der Cholera-Epidemie sein Hauptquartier nehmen werde. Im Laufe des Tages sind 66 Personen an der Cholera erkrankt und 17 gestorben.
Marseille, 12. August. Bis heute Mitternacht wurden 12 Todesfälle an der Cholera gemeldet.
London, 12. August. Das Unterhaus nahm in dritter Lesung die Bill, bett'. Verbesserung der Arbeiterwohnungen, an.
— Das Oberhaus und Unterhaus nahmen einstimmig das beantragte Dankes- votum für die im Sudan-Feldzuge verwendeten englischen Truppen an.
— Die „Times" schreibt bezüglich Zanzibars, wenn auch England nicht wünschen könne, die Unabhängigkeit Zanzibars bedroht oder die Civilisation dieses Landes vernichtet zu sehen, so liege es doch andererseits weder im Interesse Englands noch and) in dessen Wünschen, neue Civilisationsprojecte zu hindern oder gar den Sultan von Zanzibar aufzuwiegeln und vage Ansprüche desselben auf fernliegende Thcile seiner nominellen Besitzungen aufrecht zu erhalten.
Brüssel, 12. August. Die Kammer der Repräsentanten nahm das Wahlgesetz im Ganzen mit 73 gegen 41 Stimmen an.
— Ein Telegramm der „Jndependanee Belge" aus Madeira meldet, der Dampfer „Stadt Antwerpen", zwischen Boma und Vivi zurückkehrend, und, zur Flottille der internationalen Association gebärend, sei bei Divi gescheitert und vollständig verloren.
— Die Afrikaforscher Marquis Buonfanti und Casman, Vorsteher der Aequa- torstation, sind am oberen Congo gestorben.
Dimlo, 12. August. sTelegramm des Reuter'schen Bureaus.^ Wie verlautet, soll behufs Ausbildung der Truppen ein zur Unterbringung von etwa 50,000 Mann geeignetes Lager, voraussichtlich gegen Ende December, bei Lahore gebildet werden. Die englische Armee in Indien soll um etwa 6000 Mann verstärkt werden. Die Regierung beschäftigt sich überhaupt eifrig mit der Frage der Reorganisation der ein- geborenen Truppen.
Universität- - Chronik.
— Der bisherige Privatdocent in Berlin und 1. Assistent am physikalischen Institut daselbst, Dr. H. Kayser, ist zum ordentlichen Professor an der technischen Hochschule in Hannover ernannt.
— Bei der Universitätsfeier in Berlin wurden auch die üblichen Preisarbeiten gekrönt. Ein Doppelpreis (königlicher Preis) der juristischen Fakultät wurde dem stud. zur. Reimann aus Berlin zuerkannt, ein überaus selten vorkommendes Er- eigniß. Der bei der Verkündigung in der Aula anwesende glückliche Bewerber war nach Schluß der Feierlichkeit Gegenstand herzlichster Gratulationen auch Seitens der Professoren. Den königlichen Preis der theologischen Fakultät erhielt Studiosus v. d. Heydt, den städtischen Preis Stud. Reck und eine lobende Erwähnung Stud. Landwehr. Für den königlichen Preis der medicinischen Fakulät waren 2 Preisarbeiten eingegangen, von denen die eine des stud. med. Rebing aus Stettin eine ehrenvolle Belobung, dagegen die zweite von G. Lämmermann aus Bromberg mit dem sonderbaren Motto: „Nur ein großer Mann kann ein großer Arzt sein", deit Preis erhielt. Von der philosophischen Fakultät waren 4 Preisaufgaben für den kgl. Preis gestellt worden, doch konnte nur der einen Arbeit des Stud. Siedel aus Küstrin eine ehrenvolle Erwähnung zu Theil werden. Eine Bearbeitung der natur- wiffenschaftlichen Aufgabe erwies sich sogar als eine wörtliche Abschrift eines 1847 in Stuttgart erschienenen Werkes „und ist somit ein unwürdiges Plagiat". Die drei städtischen Preise derselben Fakultät konnten wegen ungenügender Lösungen nicht vergeben werden, doch wurde dem Stud. v. Kostanecki eine ehrenvolle Erwähnung zu Theil.
— Privatdocent Dr. O. Brenner in München ist zum außerordentlichen Pro- seffor in der philosophischen Fakultät daselbst ernannt worden. Derselbe wird Vorlesungen über deutsche Grammatik rc. halten.
— Der kgl. Universitäts-Senat Würzburg veröffentlicht folgende Erklärung: In der „Nationalzeitung" ist die Behauptung enthalten, daß eine große Anzahl der preußischen Theologen in Eichstätt gleichzeitig an der hiesigen Universität als Theologen immalritulirt sei. Im Auftrage des k. Staatsminiftcriums des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten haben wir hierüber die eingehendsten Erhebungen gepflogen, als deren Resultat wir conftatiren, daß von den 105 hier studirenden, in der Stadt wohnenden Theologen aus Preußen vier Candidaten zu Anfang des Sommersemesters 1885, nachdem sie Die Immatrikulation und Collegien-Jnscription für dieses Semester bethätigt hatten, und zwar drei hiervon auf Weisung der Diöcesanbehörde in Paderborn, nach Eichstätt gegangen sind. Weiter hat sich herausgestellt, daß ein fünfter Studirender der Theologie nach betätigter Jnscription vor etwa zwei Monaten von hier abgereist ist, während bei drei anderen, welche ihre bisherige Wohnung verlassen haben, ihr dermaliger Verbleib bis jetzt nicht ermittelt werden konnte. Da die erwähnten Studirenden die Vorschriften der Universitätssatzungen verletzt haben, so wird der akademische Senat, welcher von diesen Ungehörigkeiten erst durch die angestellte Untersuchung Kenntniß erhalten hat, die geeignete disciplinäre Einschreitung eintreten lassen. Würzburg, den 5. August 1885. Königlicher Universitätssenat, gez. Professor Dr. Kihn.
Lokale-.
Gießen, 13. August. Gestern Nachmittag ertrank beim Schwimmen in der Militär-Schwimmanstalt ein Soldat der 5. Comp. des hiesigen Regiments. Nachdem der Verunglückte kaum 15 Secunden unter Wasser gewesen, wurde er herausgezogen und Wiederbelebungsversuche angestellt, welche leider erfolglos geblieben sind. Ein Schlaganfall muß also wohl die Todesursache gewesen sein.
Verwischtes.
Lauterbach, 8. August. sDrittes Hainigfest.j Das in Gemäßheit der Bestimmungen der Gausatzungen alljährlich abzuhaltende Volksturnfest auf dem Hainig ist für dieses Jahr zufolge Beschlusses des Turntags zu Lich auf Sonntag den 16. August festgesetzt worden. Das bezügliche Programm ist bereits festgestellt und hat die Einladung der Turnvereine des Gaues Hessen und der benachbarten Turnvereine anderer Gauen bereits stattgefunden; außerdem ist der hiesige Kriegerverein nnd die hiesige Section des Vogelsberger Höhenclubs zur Betheiligung eingeladen 3Dorbcn. Die Theilnahme der auswärtigen Turner an dem bevorstehenden Hainigfeste
wird voraussichtlich eine größere sein als in den beiden Vorjahren (außer von Alsfeld und Schlitz ist zahlreicher Besuch von Gießen, Homberg, Schotten, Wieseck rc. in Aussicht gestellt). Der Abmarsch nach dem Hainig erfolgt in diesem Jahre nach Beendigung des Nachmittagsgottesdienstes unb dürste hierdurch dem Publikum mehr Gelegenheit geboten fein, dem Verlauf des Wettturnens zu folgen als in den Vorjahren. Möchte deßhalb die Betheiligung Derjenigen, die der Turnsache noch fremd gegenüberstehen, eine recht zahlreiche fein und besonders die Landbewohner sich zahlreich einfinden, damit sie mit den turnerischen Bestrebungen, die daraus hinausgehen, durch regelmäßige Uebung des Leibes eine harmonische Ausbildung von Körper und Geist zu erzielen, bekannt werden. ,
Wir wissen nichts von arm und reich,
Von Titel, Rang und Stand, Turnbrüder sind in Allem gleich, Ihr Gut heißt Vaterland.
— Die Großh. Direction der Oberhessischen Eisenbahnen hat denjenigen Turnvereins-Mitgliedern, welche sich an dem Sonntag den 16. d. M. auf dem Hainig bei Lauterbach stattfindenden Volksturnfeste betheiligen, eine Fahrpreisermäßigung derart eingeräumt, daß denselben gegen Lösung eines einfachen Billets die Hin- und Rückfahrt gestattet wird, sofern sie sich bei Lösung der Billets mit einer Festkarte, welche mit dem Expeditionsstempel versehen sein muß, zu legitimiren vermögen. — Den Turnvereinen des Gaues Hessen und den benachbarten Turnvereinen anderer Gauen sind Festkarten in entsprechender Anzahl überschickt worden, so daß den resp. Mitgliedern Gelegenheit geboten ist, die oben erwähnte Preisermäßigung zu benutzen. (Alsf. Krsbl.)
— lieber die Arbeiter - Colonie Neu-Ulrichstein wird der „Darmst. Zig." gefdjrieben: Seit dem 1. Juli sind bis jetzt 13 Colonisten aufgenommen worden. Nach dem Geburtsorte war 1 aus Westfalen, 2 aus Bayern, 2 aus Württemberg, 1 aus Baden, 4 aus dem Großherzogthum, 1 aus Frankfurt, 1 aus Elsaß, 1 aus Kurhessen. Nach dem Gewerbe 2 landwirthschastliche Arbeiter, 1 Bäcker, 1 Buchbinder, 1 Gärtner, 1 Hutmacher, 2 Schneider, 1 Schreiber, 1 Schlosser, 1 Töpfer, 1 Handelsmann. Nach dem Alter unter 20 Jahren 2, bis 30 Jahre 4, bis 40 Jahre 6, bis 50 Jahre 1. Nach der Confession, resp. Religion: Evangelische 8, Katholische 4, Israeliten 1. Ein Colonist, der am 2. August „irrtümlich" ein Paar Stiefel und 1 Mütze bei seiner heimlichen Entfernung mitnahm, wird gerichtlich wegen Diebstahls verfolgt. Das ist die Praxis aller Colonien. — Nach Familienverhältnissen waren ledig 11, verheirathet 1, verwittwet 1. — Mit der Zunahme der Colonisten mehren sich die Bureauarbeiten sehr. Zur Zeit ist wegen der Bauarbeiten ein Umziehen von einer Stube in die andere erforderlich. Es ist Aussicht vorhanden, daß das Wohnhaus, in dem sich das Bureau befindet, bald fertiggestellt sein wird. — In den Colonien Domahof und Auckenbeck werden getragene Kleider gesunder Personen den in abgerissenem Gewände ankommenden Arbeitsuchenden von der Colonie geliehen, damit sie in Wind und Wetter arbeiten und die durch Arbeit selbst zu verdienenden Kleider schonen können. Es scheint das eine praktische Einrichtung zu sein und veranlaßt diese Bemerkung vielleicht den einen oder anderen Freund der Sache, sich der eigenen abgetragenen Kleider zum Besten her Colonisten zu entledigen. Herr Jnspector Schmidt in Neu-Ulrichstetn bei Homberg a. d. O. wird voraussichtlich Packete solchen Inhalts nicht zurückschicken.
Darmstadt, 11. August. Ein überaus frecher Einbruchsdiebstahl war gestern in der Steinstraße in dem Bureau der Rechtsanwälte Dr. Osann und Dr. E. E. Hoffmann verübt. Herr Dr. Osann ist von seiner Ferienreise noch nicht zurückgekehrt und benutzte der mit den Localitäten und überhaupt den Verhältnissen offenbar genau bekannte Dieb die Mittagszeit, als auf dem Bureau Niemand anwesend war und die Familie Osann beim Mittagessen sich befand, um in das Bureau sich einzuschleichen. Dort öffnete er gewaltsam mit einem Meisei den verschlossenen Pult, in dem die Kasse sich befindet und nahm von dem Geld, das nach einzelnen Geldsorten gesondert aufbewahrt wurde, das Papiergeld, das Gold und das große Silbergeld, nämlich Zwei-, Drei- und Fünfmarkstücke, zusammen einen Betrag von etwa 1600 Zwei Goldstücke konnte er in der Eile nicht greifen und ebenso ließ er ca. 200 JL in Markstücken und die kleineren Scheidemünzen zurück. Der Polizei wurde sofort Anzeige gemacht und ist nach dem Stand der Untersuchung zu erwarten, daß es gelingen wird, den Dieb zu greifen. Immerhin wäre es aber dringend zu wünschen, daß Jeder von etwaigen Wahrnehmungen bezüglich des Diebstahls alsbald der Polizei oder den Betheiligten Mittheilung machen und so zu seinem Theil dazu beitragen würde, den hoffnungsvollen Dieb der Bestrafung zuzuführen und für weitere Thaten unschädlich zu machen.
Offenbach, 7. August. sMesser-Affaire.) In unserer Stadt sind in der jüngsten Zeit die Messer - Affairen leider ganz auf die Tagesordnung gekommen und müssen wir über eine neue berichten, welche gestern Abend in der Frankfurter Straße stattfand. Gegen 12 Uhr Nachts hörte man in der Gegend der Krone ein äußerst schrilles Pfeifen der Polizei, dem alsbald ein zweites folgte. Die Befürchtung, daß etwas Außergewöhnliches vorgefallen sei, war nur zu sehr begründet: Hülfsschutzmann Fiedler war ganz riesig in den rechten Oberschenkel gestochen worden, und zwar von einem ziemlich jungen Kerl, angeblich aus Sachsenhausen. Derselbe befand sich in der Wirtschaft des Herrn Pirazzi, bediente sich verschiedener beleidigender Ausdrücke gegen Herrn Pirazzi und wurde dieserhalb an die Luft gesetzt. Ans dem Markte fing er wieder Spektakel an und wurde von Den Schutzleuten zur Ruhe ermahnt. In der Frankfurter Straße machte er noch größeren Scandal, weßhalb ihn zwei Schutzleute aufforderten, mit auf die Wache zu folgen. Während er dieses unter vielem Sträuben thnt, zieht er plötzlich unbemerkt das Messer, fährt um sich und trifft den Hülfsschutzmann Fiedler, während dem andern Schutzmannc das Messer am Kopfe vorbeifährt. Fiedler stürzt zusammen und muß nach der Polizeiwache getragen werden. Der Weg ist vom Geschäftslocal Brupbacher über die Frankfurter Straße durch sehr große Blutspuren bis zur Wache kenntlich. Der Attentäter läuft, verfolgt von Schutzmann Burk- holder, durch die kleine Herrnstraße und Hintergasse in die Geleitstraße, wo er von mehreren beherzten Männern festgehalten und zur Wache gebracht wird. Der Verwundete verlor noch sehr viel Blut, wurde von Herrn Dr. Pullmann und mehrere» Mitgliedern des Tnrner-Sanitätscorps verbunden und um 1 Uhr in seine Wohnung gebracht. Hätte dieser Stich die Weichtheile getroffen, so wäre er unbedingt tödtiich gewesen. Der Uebelthäter, an welchem nahezu Lynchjusttt geübt wurde, sitzt geschlossen in sicherem Gewahrsam, benahm sich ungemein stech uno äußerte dem Herrn Polizei- Commissär gegenüber: „Die Hauptsache ist, daß ich Einen gestochen habe." Das sind in der That schöne Aussichten. — Wie wir erfahren, heißt der Betreffende Stöffel und ist von Oberrad. Seine Eltern wohnen hier. Er ist ein sehr verkommenes Subject, ist schon oft bestraft und hat mit der Polizei schon manchen Conflict gehabt. Das Messer, mit welchem er den Stich führte, wurde heute Morgen in dem Vorgarten der höheren Mädchenschule gefunden, wie man richtig vermuthet hatte; es ist ein großes, scharf geschliffenes Baummesser, wie es die Gärtner und Baumzüchter beim Veredeln und Beschneiden der Bäume benutzen. Die großen Blutspuren wurden heute Vormittag weggewaschen.
Mainz, 10. August. Ein schreckliches Familiendrama hat sich vor einigen Tagen hier zugetragen. Am Donnerstag Mittag zwischen 12 und 1 Uhr passirte ein Weisenauer Lchiffsmami mit seinem Fahrzeug die Eisenbahnbrücke, als er in ziemlicher Entfernung einen menschlichen Körper von der Brücke in das Wasser stürzen sah, die Entfernung war indessen so weit, daß eine Rettung unmöglich, auch kam der Körper nicht mehr an die Oberfläche. Als der Schiffsmann empor nach der Brücke sah, gewahrte er einen schwarzgekleideten Mann, der sich plötzlich auf das Geländer der Brücke schwang und lautlos in den Strom stürzte. Nun versuchte aber der Schiffer, wenigstens dies Leben zu retten; er eilte mit seinem Fahrzeug nach der Stätte, an welcher er den Kopf des Mannes mehrmals auftauchen sah. Die Bemühungen des Schiffers waren aber vergeblich. Die bis jetzt angestellten Nachforschungen haben noch fein definitives Resultat ergeben; der Vorfall steht aber höchstwahrscheinlich mit Nachfolgendem in Verbindung: Der hiesige Trödler M., der schon lange Spuren von Irrsinn zeigte und erst kürzlich aus der Irrenanstalt zu H. entlassen worden war, kam am Donnerstag Vormittag nach Hause, zog feine besseren Kleider an und gebot seinem etwa 11jährigen Knaben, mit ihm zu gehen; seit dieser Zeit sind beide Personen spurlos verschwunden. Nach einer gestern Vormittag hier eingetroffenen Nachricht ist die Leiche des Trödlers gestern in Bodenheim gelänbet worden, von dem Kinde fehlt bis jetzt jede Spur. Die Auffindung dieser Leiche hat der gewiß berech- 1 tigten Vermuthung Raum gegeben, daß M. in einem abermaligen Anfall von Irrsinn


