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Freitag den 14. August
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Der Vorstand.
Amts- und Anzeigeblatl für den Kreis Gießen.
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. «oirespondenz - Bureau.
Berlin, 12. August. Heute Abend findet im Hotel „Kaiserhof ein Diner der Bevollmächtigten und Telegirten der Telegraphen - Eoniercnz statt , an welchen! laO P°r°°n?n darunter mehre?- Minister und Mitglieder des d.plomatischen (5°rps, thellnehmen^ » ber internationalen Telegraphen - Confcrenz i«.Hotel
Kaiierbof" stattacbabten Diner wohnten 152 Personen bei, darunter die Anmster Maybach und Lucius Bankpräsideut D-chend, Polizeipräfident Madai, General Gras Walderiee, Strubbcrg, Unterstaatssecretar Lucanus, einige Mitglieder des diplomat chen Corps. Vertrete der Universität und der städtischen Behörden und mehrere Mitgltedeu
Politische Ueberficht.
Gießen, 13. August.
Kaiser Wilhelm hat nunmehr seinen Kuraufenthalt aut österreichischem Boden beendigt und am Dienstag Nachmittag Wildbad Gastein wieder verlassen, um über Salzburg, Stegenoburg, Hof, Leipzig und Potsdam nach ferner Som- nur Residenz Bab-lsberg zu reisen, wo der Kaiser am Donnerstag Vormittag in der elften Stunde eingetroffen sein dürste. Die Heilkraft ber (Safteiner Du-Hen hüt sich an dem greifen Monarchen auch diesmal wieder in überraschen- ber Weise bewährt. Während in den ersten Tagen seine« Gasterner Au,ent- Halles sich erkennen lieh, daß der Kaiser sein jüngstes Unwohlsein, welches ihn im veraangenen Frühjahr besallen hatte, trotz der Emser Kur noch immer mcht aänilich überwunden halte, waren nach einer Woche auch d,e letzten Spuren desselben getilgt und jetzt kehrt Kaiser Wilhelm aus Gastein vollständig neu gekräftigt und im besten Wohlsein heim. Mit innigster Genugthuung begrubt hoher dar deutsche Volk seinen Kaiser bei besten Rückkehr auf dem heimathlichen Boden und allen Herzen entsteigt der aufrichtige Wunsch, daß die Wirkung der diesjährigen Badereisen bei dem erhabene» Herrn recht lange nachhalten und ihm auch ferner gestatten möge, sich mit ungeschwächten Kräften den Pflichten seines hohen Amte« zu widmen. Unmittelbar vor seinem kaiserlichen Vater ist auch der deutsche Kronprinz von seiner Schweizer Steife nach Hause zuruckge- f^rt und am Mittwoch in Potsdam wieder eingetroffen, während die Frau Klonprinzefsin mit den Prinzessinnen > Töchtern von Andermatt aus noch eine kurze Steife nach Italien zu unternehmen gedenkt. Kaiserin Augusta wird am Samstag von Homburg v. d. H. in Potsdam zurückerwartet.
Die politische „todte Jahreszeit" trägt gegenwärtig ihren Namen sehr mit Unrecht, denn Monarchen-Begegnungen und Minister-Resten sind ,etzt an der Tagesordnung und haben den politischen Wellenschlag plötzlich wieder zu einem lebhaften gestaltet. Wenig Wochen nach dem traulichen Beisammensein, welches Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Josef in Gastein gepflogen, wird letzterer den russischen Herrscher auf österreichischem Boden begrüßen und zwar, wie chon von Wien aus bekannt gegeben worden ist, ui dem mahrischen^Slädt- Öen Kremsier, das somit durch die in seinen Mauern demnächst staltsindenoe Zusammenkunst gekrönter Häupter ebenfalls bestimmt ist, einen historischen Namen zu erhalten. Die Kaiserinnen von Oesterreich und Rußland werden in Kremsier mit anwesend sein, ebenso wahrscheinlich der österreichische Thronerbe, Kronprinz Nudols; außerdem werden aber der Zusammenkunft in Kremster auch die beider« fettigen Minister des Auswärtigen und wohl auch die Ministerpräsidenten von Oesterreich und Ungarn beiwohnen, definitiv fest scheint Letzteres allerdings noch nicht zu stehen. Die Anwesenheit des Grasen Kalnoky unv des Herrn v. Giers in Kremsier verleiht der Zusammenkunst des österreichischen mit dem rufftschen Monarchen ihren eigentlichen politischen Charakter und derselbe äußert sich dadurch, daß in Kremsier die Annäherung zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland, welche stch zuerst in Skierniewice aller Welt zeigte, nunmehr perfect werden wird. Der Ausgleich in den zwischen den beiden Staaten bislang bestandenen Gegensätzen ist aber eine neue Bürgschaft für bie Weiterdauer der gegenwärtigen Friedensepoche und so darf man denn auch die Begegnung zwi« scheu Kaiser Franz Josef und Kaiser Alexander HL in dem angedeuteten Sinne begrüben, zumal sich dieselbe der vollkommensten Billigung und Unterstützung von deutscher Seite erfreut. Letzteres geht aber auch aus dem Umstande hervor, baß Graf Kalnoky, der Leiter der auswärtigen Angelegenheiten Oesterreich- Ungarns, sich noch vor der Entreoue von Kremsier nach Varzin zum-Fürsten Bismarck begeben hat, wo seine Ankunft bereits für Mittwoch Abend erwartet wurde. Dies, sowie der weitere Umstand, daß Graf Kalnoky, ehe er sich nach Wien zurückbegiebt, dem Kaiser Wilhelm auf Schloß Babelsberg noch seine Aufwartung zu machen gedenkt, sind ein sicherer Beweis dafür, daß sich die Mo- irarchm-Entrevne von Kremsier unter ber vollsten Zustimmung Deutschlands vollzieht und daß sie somit als ein neues Zeichen des deutsch-österreichisch-russi« Ichen Einvernehmens auszusasien ist, obwohl der deutsche Kaiser der Zusamnwn- kunst des österreichischen Souverains mit dem Czaren aus leicht erklärlichen Gründen nicht beiwohnen wird. .
Bei dem am Montag erfolgten Zusammentritte der mter- nationalen TelegraphewConserenz in Berlin hielt der Staalsiecretär im Reichs« postamte, Dr. von Stephan, die Eröffnungs-Rede. 33 Staaten und 17 Kalxl-Gesellschaften sind vertreten. Zum Präsidenten wurde Staatssecretar Dr. Stephan, zum Vicepräsidenten Dr. Hake im Reichspostamt g^ählt; das Bureau ist aus Herrn Curchod, Director des internationalen Telegraphen- Aureaus in 93a n, und den Schriftführern Herrn Etchbaecher, Secretar des internationalen Bureaus, sowie den Herren Linz und Neumann, Geheimen expe- direnden Sccretären im Reichspostaml, gebildet. Den Verhandlungen liegt oie Geschäftsordnung der Londoner Conserenz zu Grunde und werden dieselben einen Zeitraum von mindestens 4 bis 6 Wochen in Anspruch nehmen, da ein Material zu bewältigen ist, das sich über einen Zeitraum von 6 Jahren erstreckt, denn die letzte internationale Telegraphen «Conferenz hat bekanntlich in -ondon im Jahre 1879 stattgesunden. „ _
Die bevorstehenden Landtagswahlen in Preußen beginnen Qllmälia aus das Parielleben ihre Wirkung zu äußern. Am ersten sind die Nationalliberalen auf dem Plane; dieselben haben dem Parteitage in Hagen bereits einen zweiten in Thale (Provinz Sachsen) folgen laffen; von Versammlungen anderer Parteien hört man dagegen noch nichts.
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In den Kreisen des Marine-Ministerium« ist man nicht ohne Besorgniß wegen des Schicksal« der Kreuzer-Corvette „Augusta" Dieselbe, mit den Ablösung« - Commando« für bie australische Station an Boid, hat in ber Nacht vom i. zum 2. Juni die Insel Perim im Rothen Meere vertat,en, um nach Albany in Mst-Australien zu gehen. Seitdem sind von dem Schiffe keine Nachrichten in Berlin eingelaufen und ba zu der genannten ^eit in jenen Gewässern ein Cyclone wüthete, so befürchtet man, baß die „Augusta mit bem Wirbelsturm in Berührung gekommen ist.
Das österreichische Bundesschießen in Innsbruck hat mit dem am Sonntag stattgefundenen glanzvollen Festzuge seinen Höhepunkt erreicht. Der Kaiser, welcher nebst den in Innsbruck eingetroffenen Erzherzogen den Festzug vom Balcon der Hofburg aus ansah, wurde von den vorbeivefllirenden Schutzen mit stürmischen Zurufen'begrüßt. Nachmittag« erschien der Monarch nut Den Erzherzögen, dem Ministerpräsidenten Grasen Taaffe und anderen hervonagei- den Persönlichkeiten auf dem Festplatze, wo ihm ebenfalls glänzende Loationen bereitet wurden. Vor seiner am Sonntag Abend erfolgten Wiederabreife bau der Kaiser in einem Schreiben an den Statthalter von Tyrol warm für bie ihm in Innsbruck zu Theil gewordene Aufnahme gedankt.
In Frankreich ist gegenwärtig die Zeit der eigentlichen Wahlreben gekommen. Der ehemalige Ministerpräsident Ferry hat eine solche am Sams.og in Lyon gehalten, in welcher er insbesondere heroorhob, daß nach feiner Meinung eine sociale Gefahr zwar sür Frankreich nicht existire, daß er aber darüber doch nicht ohne Sorge fei, die Agitation bet focialistifchen Hetzer bei den bevor- stehenden Dahlen könne die Bildung einer Reglerungs-Majotität fraglich machen. Im fiebrigen sollen die Berichte über die feindselige Ausnahme, welche Ferry in Lyon Seitens der Radikalen zu Theil -geworben ist, bedeutend über- triebenj.iu$^lsra-Bulletins aus Marseille lasten bi« jetzt allerdings noch keine bedeutende Ausbreitung der Cholera in dieser Stadt erkennen; man wirb aber vorläufig doch gut thun, nicht gerade ben Optimisten zu (pulen.
2u« Osiasien sind in Paris wieder einmal beunruhigenbe Nachrich.en eingelaufen. Zwar meldet General Courcy, daß die Schwarz-Flaggen rn Tong- kmg augenblicklich zerstreut seien, dagegen muß er die Kunde von neuen Christen- massacrer übermitteln, da in den Provinzen Binbmh und Phnyen viele Christen niedergemetzelt worden find; 8000 Christen hätten sich nach Qmnhon unter französischen Schutz geflüchtet. Außerdem ist im Hospital zu Haiphong tue Cholera abgebrochen. Noch bedrohlicher klingt, was Privatmeldungen von der Insel Formosa besagen. Bald nach der am 22. Juni erfolgten Räumung Kee- lungä durch bie Franzosen besetzten die Chinesen die Stadt und plünderten so,ort die europäischen Niederlaffungen und die Baracken der französischen Truppen. Die englischen Kaufleute verlangen von den Chinesen Schadenersatz. Es deuten diese Ereignisse darauf hin, daß bie Ruhe in Osiasien trotz bei franzofiscy- chinesischen FriedenLvertrages noch lange nicht hergestellt ist. 4 , .
'?m Civil-Hospikal zu Gibraltar ist ein Todesfall unter cholera- artigen Symptomen vorgekommen. Die spanischen Behörden haben einen Sorben aus der Landseite gezogen. „„„
Die Befestigung und Verproviantrrnng von Herat rotrb oon Seiten der Afghanen mit einem Eifer fortgesetzt, als stunde em Vorstoß der Russen unmittelbar bevor. So besagen Briefe aus Herat vom 30). ol Jlt«., daß die Befestigungs-Arbeiten eifrigst fortgesetzt wurden, 2000 Arbeiter feun daran befchäftizt. Auch Getreidevorräthe würoen angefammelt. Die englische Grenzcommifsion befindet sich 9 Meilen von Herat.
Den sterblichen Ueberreften General Arants find am Sams tag in New-York die letzten Ehren erwiesen worden. Die Betyeiligung an der Leichenfeier war eine allgemeine, großartige und der Union durchaus würdige^ Alle Geschäfte von New-Dork waren am Begrabnißtage geschlossen, was bei dem bekannten Gefchäftsg-iste der Yankee's sehr viel sagen will.
Darmstadt, Ill. August. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst g^ruhN @eriM4teiber beim Amtsgericht Altenstadt, Wilhelm Orth, tum Gerichtsschreiber beim Amtsgericht Butzbach,
qu demf. Tage den Gerichtsfchreiber-Afpiranten Konrad Koch aus Ober- Gleen lum Gerichtsfchreiber bei dem Amtsgericht Altenstadt zu ernennen.
Darmstadt, 12. August. Durch Entschließung Großh. Mlmstermms des Innern und der Justiz vom 8. August l. Js. wurde der.^nchtsfchreiber. Aspirant Theodor Waas in Bad Nauheim zum Hülssgerrchtsschreiber am Großh. Amtsgericht Fürth bestellt.


