Berlin, 10. November. Der französische Botschafter Courcel ist heute Mittag in Urlaub nach Paris abgereist.
Stuttgart, 10. November. Das Königspaar reist heute nach Nizza ab. Betreffs der Besorgung der Staatsgeschäfte während der Abwesenheit des Königs ist dem „Staatsonzeiger" zufolge verfügt, daß Gegenstände von größerer Wichtigkeit au dem Aufenthaltsorte des Königs nachgesandt, die übrigen Angelegenheiten auf Grund einer Vollmacht des Königs auf Vortrag der Minister von dem Prinzen Wilhelm erledigt werden.
Braunschweig, 10. November. Der Prinzregent verlieh das Großkreuz des braunschweigischen Ordens Heinrichs des Löwen dem Oberlandesgerichtspräsidenten Schmid, das Commandeurkreuz 1. Cl. desselben Ordens dem Minister Geheimrath Otto, dem Kreisdirector und stellvertretenden Landtagspräsidenten Lerche und dem Oberbürgermeister Pockels, das Ritterkreuz 1. Cl. desselben Ordens dem Abgeordneten Justizrath Häusler, das Ritterkreuz 2. Cl. desselben Ordens dem Abgeordneten Rosenthal und dem Lanosyndikus Rhamm.
Paris, 10. November. Die Deputirtenkammer trat heute Nachmittag 2 Uhr zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Der Alterspräsident Blanc hielt eine Ansprache, in welcher er heroorhob, daß Einigkeit nothwendig sei, um die Republik zu befestigen und die schwebenden Fragen und Angelegenheiten zu erledigen. Der Redner gab unter dem Beifall der Linken und des Centrums eine Uebersicht über die nothwendigsten Reformen, durch welche ein ftiedlicher, unaufhörlicher Fortschritt herbeigeführt werden würde. Die Zugänge zur Kammer waren von einem zahlreichen Publikum besetzt, d/)ch fand keinerlei Zwischenfall statt.
Im Senat gedachte Leroyer der seit dem Schluß der Session verstorbenen vier Senatoren, worauf der Senat sich bis Montag vertagte.
Paris, 10. November. Gomot wurde zum Ackerbauminister uud Dantresme zmn Handelsminister ernannt.
Rom, 10. November. Die heute Abend später als sonst erschienenen katholischen Journale veröffentlichten eine päpstliche Encyklika.vom 1. November de civitatum constitutione christiana.
London, 10. November. Gladstone betonte gestern in einer Rede zu Edinburgh die dringende Nothwendigkeit einer Einigung der liberalen Partei, namentlich angesichts der voreiligen, auf Trennung Irlands von Großbritannien gerichteten Forderung der irischen Nationalisten. Der Redner führte aus, daß jeder Vorschlag, welcher dahin gehe, die Integrität des Reiches zu schwächen, zurückzuweisen sei, daß man aber zu gleicher Zeit in Irland liberal und verständig bandeln müsse. — Auf dem Lord-Mayors-Bankett in der Guidhall erklärte Lord Salisbury, die afghanischen Grenzschwierigkeiten seien beigelegt; gegenwärtig bestehe ein durchaus freundschaftliches Zusammenwirken zwischen Rußland und England und er könne nur die Worte Lord Beaconsfield's wiederholen, daß in Asien für Rußland und England Raum genug sei. Salisbury hoffte, das gegenwärtige Vorgehen in Birma, welches einen Weg für einen civilisatorischen Handelsverkehr schaffen solle, werde keine Veränderung Hervorrufen, welche nicht mit den Interessen der Bevölkerung und den Bedürfnissen des Reiches verttäglich seien; die Regierung handle im freundschaftlichen Einverständnisse mit China. Bezüglich Egyptens meinte Lord Salisbury, es werde mit Sorgfalt und Geduld gelingen, Egypten in einigen Jahren der Prosperität wiederzugeben, welche Egypten vor fünf Jahren besessen habe. Bei Besprechung der Vorgänge in Bulgarien äußerte sich Lord Salisbury dahin, England habe kein directes Interesse an dieser Frage, daher sei kein Grund vorhanden, die Nothwendigkeit einer materiellen Jnter- ventton Englands zu fürchten. Das Haupthinderniß für die Vereinigung Ostrmneliens mit Bulgarien entspringe nicht der Action fremder Mächte oder der Pforte, sondern dem von Griechenland und Serbien aufgestellten Grundsätze, daß ihre Gebiete vergrößert werden müßten, wenn die Union aufrechterhalten werde. Lord Salisbury ist der bestimmten Ansicht, daß ein politisches Gebäude, welches gegen den Willen der in- teressirten Bevölkerung aufgerichtet werde, nicht lange bestehen könne. Er meint, wenn die Union nicht anerkannt werde, würden die Bulgaren sich mit den Serben und Griechen verbinden; die nächste Bewegung gegen die Türkei würde demnach eine Bewegung dreier kleinen Staaten anstatt eines sein. Die englische Regierung erwarte zunächtt, daß die Kraft des türkischen Reiches unvermindert erhalten werde, sodann daß jedes Arrangement Europas so beschaffen sein werde, daß es die interessirte Bevölkerung befriedige und von jedem Eingriff in die Integrität der Türkei, welche England als wesentlich für Europa erachte, abschrecke.
Brüssel, 10. November. Minister Veernaert empfing heute die belgischen Dele- girten zur Münzconferenz Pirmez und Jamar, Gouverneur der Nationalbank. Die „Etoile belge" glaubt, Belgiens Eintritt in die Münzconferenz sei noch möglich.
Lokales.
G. Gießen, 11. November. ^Sterblichkeit in Gießens Die Zahl der Todesfälle verminderte sich in der Woche vom 1. bis 7. November ganz erheblich im Ver- hältniß zu den vorhergehenden Wochen. Es waren im Ganzen nur 4 Todesfälle zu verzeichnen, davon 2 bei Kindern, 2 bei Erwachsenen. Von diesen letzteren starb eine Person an Rose, eine an Krebs. Von den beiden Kindern starb das eine an Bronchienentzündung, das andere an Darmgeschwüren.
Gießen, 11. November. Gestern feierte die hiesige medicinische Gesellschaft unter zahlreicher Betheiligung hiesiger Aerzte und Professoren das 6. Stiftungsfest in Stein's Garten.
Eröffnet wurde die Sitzung von dem derzeitigen Vorsitzenden, Prof. Dr. Riegel durch einen längeren Vortrag über eine leider kaum beachtete Magenerkrankung, die sogenannte Hyperecretion des Magensaftes.
Sodann folgte der Rechenschaftsbericht und die Neuwahl des Vorstandes; diesem schloß sich ein Festessen an.
Gießen, 11. November. Am verflossenen Montag haben die Mitglieder des Finanz-Ausschusses der II. Kammer die hiesigen klinischen Anstalten und das pathologische Institut einer eingehenden Besichtigung unterzogen und sind sodann nach Marburg gefahren, um auch dort die entsprechenden Anstalten, insbesondere die neu erbaute medicinische Klinik zu inspiciren. Es steht indeß zu erwarten, daß diese Jnspection und insbesondere der Vergleich mit den analogen Instituten der Marburger Hochschule die Ausschußmitglieder überzeugt hat, daß hier Abhülfe dringend nöthig ist und daß die Landesregierung sich nur auf das Nöthigste beschränkt hat, wenn sie den Neubau ttner medicinischen und einer gynäkologischen Klinik, wie eines pathologischen Instituts beantragte. Jedenfalls kann es nur als ein Beweis des hohen Interesses des Finanzausschusses für die Hochschule freudigst begrüßt werden, daß derselbe sich durch den Augenschein von den hier herrschenden Mißständen und den an anderen Hochschulen bestehenden Einrichtungen zu überzeugen gesucht hat.
— Musikalisch es.) Wie aus der Concert-Anzeige zu ersehen, haben wir morgen im 2. Abonnement-Concert ein Manuscript „Frühlings-Ouvertüre" von Alfred Philips zu erwarten. — Unserem jugendlichen Landsmann, welcher sich in dem Dilettanten-Concert zum Besten der auf der Augusta Verunglückten als so bewährter Künstler einführte, soll auch, nach sachkundigem Urtheil, dieses instrumentale Werk vorzüglich gelungen sein, wozu wir dem genialen Componisten Glück wünschen und nicht versäumen, unser musik- und kunstsinniges Publikum auf dieses Opus aufmerksam zu machen.
Vermischte-.
Darmstadt, 8. November. sStatistisches.j In dem abgelaufenen Jahre gab es an höheren Unterrichtsanstatten im Großherzogthum Hessen 7 Gymnasien, 4 Realschulen erster und 12 Realschulen zweiter Ordnung und eine höhere Bürgerschule. An diesen Anstalten waren zusammen 306 Lehrer thätiy und zwar 137 an den Gymnasien, 163 an den Realschulen und 6 an der höheren Bürgerschule. Die Gesammtzahl der Schüler beträgt 7692, davon besuchten 2960 das Gymnasium, 4593 die Realschule und 139 die höhere Bürgerschule. Den Confessionen nach sind 5595 Schüler evangelisch, 1363 katholisch, 1068 israelitisch und die übrigen gehören anderen Confessionen an. An Schuldgeld wird von den Schülern entrichtet 429,031 JA 80 $ und zwar an den Gymnasien 182,891 JA 56 H, den Realschulen 238,986 «4L 24 H und an der Bürgerschule 7054 JA.
Im Großherzogthum Hessen wurden im abgelaufenen Jahre 31,792 Kinder geboren, während nur 21,916 Todesfälle zu verzeichnen sind, so daß die Zahl der Geburten die der Sterbefälle um 9876 übersteigt. Ehen wurden in demselben Zeiträume
6723 geschlossen, während 65 Ehescheidungen statigefunden haben. In Bezug auf die letzteren ist Rheinhessen und speciell der Kreis Mainz am ungünstigsten gestellt, von sämmtlichen Ehescheidungen haben 20, also beinahe ein Drittel, im Kreise Mainz statt- I gefunden, dann folgt der Kreis Offenbach mit 9 Ehescheidungen, in den Kreisen Bensheim, Dieburg und Büdingen hat keine Ehescheidung stattgefunden, ihnen folgen die Kreise Bingen, Schotten, Heppenheim, Groß-Gerau und Erbach nur mit einer Ehescheidung. (N. H. V.)
— In den Nächten vom 11. bis 14. November, besonders aber in der Nacht vom 13. auf den 14., wird sich das Schauspiel einer größeren Anzahl von Sternschnuppen darbieten. Die meisten kommen aus dem Sternbilde des großen Löwen und da dieses erst gegen Mitternacht aufgeht, so wird die Erscheinung hauptsächlich in der zweiten Hälfte der Nacht eintteten. Das Auftreten der November-Meteore läßt sich viele Jahrhunderte hindurch in den Annalen der Völker verfolgen; sie werden in den Chroniken geschildert als feurige Lanzen, die über den Himmel hinwegfahren, oder als Feuerzeichen kämpfender Heere. Genauere Untersuchungen ergaben, daß diese Meteore jedoch nicht in jedem Jahre gleich häufiger erscheinen, sondern daß die Hauptschauer nach Ablauf von 33i/i Jahren auftreten. Die prachtvollsten Erscheinungen dieser Art ereigneten sich am 12. November 1799, an demselben Tage des Jahres 1833 und zuletzt in oer Nacht vom 13. zum 14. November 1866. Bei diesem letzten Auftreten ist die Erscheinung eingehend beobachtet worden und es hat sich ergeben, daß zur Zeit des Maximums in 10 Minuten mehr als 150,000 Meteore am ganzen Himmel über einem Beobachtungsorte in Norddeutschland aufleuchteten. Wenn man hieraus auf die Zahl der Sternschnuppen schließt, die damals über der ganzen Erdoberfläche in die Atmosphäre eintraten, so kommt man auf weit über 100 Millionen Meteore. Man kann also wohl von einem Sternschnuppenregen sprechen, darf aber nicht wähnen, die Sternschnuppen zögen so dicht gedrängt durch den Raum dahin wie etwa unsere Schneeflocken. Denn dieselben Beobachtungen und Untersuchungen, welche jene große Anzahl der Meteore kennen lehrten, zeigen auch, daß der durchschnittliche Abstand der einzelnen Sternschnuppen von einander, zur Zeit, als sie am dichtesten fielen, noch über 14 Meilen betrug, so daß selbst damals in einem Raume von je 3000 Cubikmeilen nur eine einzige Sternschnuppe war. Man begreift nun auch, warum selbst bei dem großartigsten himmlischen Feuerwerk, welches von Zeit zu Zeit die Sternschnuppen darbieten, doch niemals irgend ein Rest derselben auf dem Erdboden gefunden, worden ist. Auch stürzen die Meteore mit solchem Ungestüm in unsere Atmosphäre, daß, wie Schiaparelli hervorhebt, ihre gänzliche Auflösung oder Verbringung in den höchsten Luftschichten überaus wahrscheinlich ist.
In den Nächten vom 24. bis 28. November wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch ein anderer, sehr merkwürdiger Meteorschwarm erscheinen, und zwar wird der Strahlungspunkt dieser Meteore nahe bei dem Sterne 7 in der Andromeda liegen. Diese Sternschnuppen stehen in enger Beziehung zu dem verloren gegangenen Biela'- schen Kometen, ja, sie werden von einigen Astronomen geradezu als die Trümmer dieses Kometen betrachtet. Nach der Meinung des ausgezeichneten Beobachters Denning in Bristol sollen sogar im gegenwärtigen Jahre die Sichtbarkeitsverhältnisse dieses Sternschnuppenschwarmes noch günstiger sein als gelegentlich der großartigen Erscheinung von 1872.
Mainz, 7. November. Das alte Raimundithor mit den zwei Thoreinfahrten für die Bahnstrecke, welches vor etwa 25 Jahren erbaut worden ist, wird soeben niedergelegt. Die rothen Sandsteine des Thores werden für die Verlängerung der crenelirten Mauer zwischen dem Rheinufer und der Neustadt Verwendung finden.
Okarben, 4. November. lVerhütete Gefahr.] Gestern Abend entrann der Landwirth Fauerbach dahier einem schweren Unglück und ist es geradezu ein Wunder, daß nicht er und ebenso die Insassen des herannahenden Omnibuszuges aus das Schwerste heimgesucht worden sind. Herr F. fuhr mit einem mit 2 Pferden bespannten Pflug auf dem sog. Heilighäuserweg über den Bahnübergang Nr. 225 heimwärts. Es herrschte ein so dichter Nebel, daß es kaum möglich war, 10 Schritte weit zu sehen. Als das Gefährte gerade auf dem Bahnkörper angelangt war, fielen die Zugbanieren, welche von der etwa 450 Meter entfernt liegenden Bahnwärterstelle Nr. 224 aus bedient werden und das Fuhrwerk konnte weder rückwärts noch vorwärts. Dem Leiter war es unmöglich, sich die Barriere selbst zu öffnen, da er nur mit Mühe die Pferde, welche in Folge des plötzlichen Niederfallens der Barriere wild und scheu geworden waren, im Zaume halten konnte. In seiner Todesangst schrie F. aus Leibeskräften, um den Bahnwärter an dem Bahnwärterhaus Nr. 224 auf seine schreckliche Lage aus- ; merksam zu machen, es war jedoch vergeblich, sein Rufen wurde nicht gehört. Schoa brauste der Zug heran und F. stand im Begriffe, die Pferde und den Pflug unter Aufbietung seiner ganzen Kraft von dem gefährlichen Geleise abzudrängen, als im letzten Moment eine Frau, welche das Rufen gehört hatte, herbeigeeilt kam mrd durch rasches Oeffnen der Barriere Rettung brachte. Wenn der Zug nicht ein verhättniß- mäßig langsam fahrender Omnibuszug, sondern ein Personen- oder gar ein Schnellzug gewesen wäre, so hätte sich ein schreckliches Unglück ereignen können. Wie wir hören, sind alsbald von dem Ortsvorstande Schritte gethan worden, um einer Wiederholung vorzubeugen. Es soll bei der Eisenbahnverwaltung sofort der Antrag gestellt worden sein, die Barriere wenigstens bei Tag von einem ständigen Wärter und nicht von dem Bahnwärter bei Nr. 224 bedienen zu lassen und steht wohl außer Zweifel, daß die gedachte Verwaltung (Königl. Betriebs-Jnspection der Main-Weser-Bahn in Frankfurt a. M.) diesem Ansuchen entsprechen werde. Es kann hierauf um so sicherer gerechnet werden, als die besondere Bewachung des Ueberganges seither nur um deswillen auf die Monate April bis October, als die verkehrreicheren, beschränkt blieb, da der Ortsvorstand selbst diese Beschränkung seiner Zeit für genügend erachtet hatte.
(Darmft. Stgj
Homburg v. d. H. Glück und Unglück liegen oft wunderbar nahe zusammen. Das erfuhr ein Viehtreiber dahier, welcher in der Frankfurter Pferdemarkt-Lotterie für sein Loos von 3 JA ein schönes Reitpferd gewann und dessen Werth mit 760 JA aus-, gezahlt erhielt. Der sonst arbeitsame Mann verjubelte mit durstigen Freunden in * einigen vergnügten Tagen die Hälfte des Gewinns, that einen lustigen Sprung und unglücklichen Fall vom Wirthhaustisch und zog sich einen doppelten Beinbruch zu.
— Aus Venedig thcilt die „Wiener A. Z." folgende kleine Geschichte mit: „Vor einigen Tagen besuchte ein Deutscher Namens Friedrich Bauer die Marcus- Kirche. An einem Seitenaltar sah er eine in tiefe Trauer gekleidete Dame in heißes Gebet versunken, endlich erhob sie sich, schien etwas zu suchen und wankte, sich mühsam an den Wänden festhaltend, dem Ausgange zu. Herr Bauer trat an die Dame heran und meinte galant: „Madame scheinen Jbre Stütze verloren zu haben, darf ich Ihnen meinen Arm anbieten?" Dankend nahm oie Fremde an, dann sagte sie: „Einer der Bettler hat sicherlich meinen silberbeschlagenen Stock entführt, ohne dessen Hilfe ich schwer vom Flecke komme." Am Platze harrten zwei livrirte Diener der Dame, Herr Bauer überreichte seine Karte mit dem Zusatze: „Aus Berlin." Die Beterin zuckte zusammen, dann flüsterte sie! „Kaiserin Eugenie und heimathlos."
— In Kupferdreh (Westfalen) sprang der Rechnunasführer des Werkes „Phönix", nachdem er 45,000 JA Krankengelder unterschlagen und sich entdeckt sah, in den glühenden Hochofen.
Olpe, 4. November. Beider diesjährigen Frühjahrs - Controlversammlung haben sich fünf Landwehrleute eines schweren Vergehens gegen die Subordination schuldig gemacht. Es sind über diesen Fall nur spärliche Mittheilungen in die Oeffeut- lichkeit gelangt und dürften daher einige Details um so mehr intereffiren, als die Bestrafung der Landwehrleute als warnendes Beispiel zur öffentlichen Kenntniß gebracht zu werden verdient. Der Bezirksfeldwebel rief den Namen eines wohlhabenden Bauern auf und als sich derselbe nicht beeilte, feinen ihm vorgeschriebenen Platz zu erreichen, sagte der Feldwebel: „Gehen Sie ein wenig schneller!" Der Landwehrmann kam diesem Ersuchen nicht nur nicht nach, sondern wurde auch noch grob, in Folge dessen ihn der anwesende Gensdarm, der bekanntlich ein Militär- und kein Civilbeamter ist, mithin also Vorgesetzter des Landwehrmannes war, festnehmen wollte. Diese Festnahme suchten mehrere Freunde des Mannes zu hindern und kam es hierbei vor versammelter Mannschaft zu einem sehr tumultuösen Vorgang. Gensdarm und Feldwebel mußten der Uebermacht weichen. Nur vorübergehend, denn die Auftüher, wie sie im kriegsgerichtlichen Erkcnntniß genannt werden, wurden ermittelt und vor das Kriegsgericht gestellt. Von fünf Angeklagten erzielten zwei eine Freisprechung, -wei wurden zu je 5 Jahren Gefängniß und Versetzung in die zweite Classe deS Soldatenstandcs verurtheilt und der Haupträdelsfuhrer bekam 5 Jahre Zuchthaus und wurde ans dem Heere entfernt
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