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— Vor einigen Wochen gelangte an die Pariser Polizeidirection die Meldung, -aß „Jack", der bekannte Papagei des Präsidenten Grevy, entflogen. Das Thier blieb eine Weile verschollen, vor einigen Tagen brachte ein armselig aussehender Bursche zu dem Thierhändler Durand einen beschmutzten, verhungerten Vogel und sagte: „Kaufen Sie mir ihn ab, er kann wohl noch nicht sprechen, allein er scheint bildungsfähig zu sein." Schon wollte der Vogelhändler einige Francs in die Hände des Verkäufers legen, plötzlich begann der Papagei mit vernehmlicher Stimme zu plaudern: „Dumme Politik", „Nun läßt man mich in Ruhe", „Der Gambetta hat's gut, der ist tobt", Der Wilson macht sich sehr verhaßt" rc. In Folge dieses Monologes, den der Papagei sicherlich seinem Herrn abgelauscht hat, .ward der Papagei sofort als Eigenthum des Präsidenten Grevy agnoscirt und diesem zugestellt.
— lVacante Stellen für Militäranwärter im Bezirke des 11. Armee-Corps.s Innerhalb des 3. Verwaltungsbezirks des Großherzogthums Sachsen-Weimar-Eisenach, Großh. Bezirks-Director in Eisenach, Chausseewärter, auf Kündigung, 40 monatlicher Löhnung und freie Wohnung. — Großalmerode, Stadtrath, Stadt- und Polizeidiener, auf dreimonatliche Kündigung, 340 JL jährlich und freie Wohnung, 10,59 a Dienstland und die zu etwa 90 zu veranschlagenden Ausrufegebühren. — Melsungen, städtische Verwaltung, Adjunkt für Executor, auf Kündigung ohne Pensionsberechtigung, Gehalt jährlich 360 JL und 3.6 Raummeter Brennholz, Dienstkleidung alle 2, resp. 3 Jahre, das Aufkommen an Mahn- und Executionsgebühren. — Oberrahmede, Postagentur, Landbriefträger, auf vierwöchentliche Kündigung, 600 JL Gehalt und 60 jtL Wohnungsgeldzuschuß. — Oranienstein, Commando des Cadetten- bauses, Lazarethwärter, auf Kündigung, 760 JC Gehalt, freie Dienstwohnung, Feuerung und Licht. — Sonneberg (Sachsen-Meiningen), Postamt, Postschaffner, auf vier- wöchentliche Kündigung, 800 U4 Gehalt und 42 JL Wohnungsgeldzuschuß.
— Die neu errichtete Sodener Pastillen-Fabrik in Bad Soden am Taunus, welche aus Salzen der berühmten Bad Sodener Heilquellen unter Controlle des Königl. Badearztes und Sanitätsraths Herrn Dr. Stöltzing Mineral-B rüst-Pa stillen bereitet, ist mit Freuden zu begrüßen. Diese Pastillen enthalten ganz genau dieselben Bestandteile als die Heilquellen, folglich auch deren bewährte Heilkräfte. Mit großem Nutzen werden sie angewendet: A) bei allen chronischen Katarrhen des Kehlkopfes, des Rachens und der Lungen, sie wirken in hohem Grade schleimlösend, erleichtern hierourch den oft so qualvollen Husten und in nicht zu seltenen Fällen führen sie allein Heilung herbei. Aeußerst wohlthätig ist der Einfluß bei den verschiedenen Katarrhen Tuberkulöser; B) bei chronischen Katarrhen des Magens und des Darmes, die von Verstopfung und Dyspepsie begleitet sind, bei habitueller Leibesoerstopfung, Hämorrhoiden, einfachen Leberschwellungen und ähnlichen Unterleibsstörungen, die ein auflösendes und mild abführendes Verfahren erfordern. — Sind solche Affectionen mit Lungen- Katarrhen verbunden, so ist die Wirkung der Pastillen eine besonders vorzügliche. In diesen Fällen werden die Pastillen in lauwarmem Wasser aufgelöst genommen; es ist daher eine Wohlthat für die leidende Menschheit, welcher keine Gelegenheit geboten ist, sich an den Quellen in Bad Soden Heilung oder Linderung zu verschaffen und ebenso für solche, welche ihre begonnene Kur im Winter sortsetzen wollen.
Eingesandt.
Gießen, 11. November.
Sicherem Vernehmen nach wird der Baucr'sche Gesangverein in der Kürze ein Concert in „Stein's Garten" veranstalten, zu welchem auch Nichtmitglieder Zutritt haben.
Da genannter Verein noch bei Vielen in guter Erinnerung sein wird, so verfehlen mir nicht, Freunde eines schönen Männergesanges auf dieses Concert aufmerksam zu machen.
Literarische-.
Han- Höltig betitelt sich der jüngste Sprößling der niederdeutschen Muse Heinrich Burmester's und will als „’ne Geschicht' ut plattdütschen Lann'" aufgenommen sein.
, Diese Erzählung behandelt den Liebesroman einer niederdeutschen „groth Buer dochter" und Hans Höltig's ,,'nes enfachen Arbeitsmanns", der, nachdem „he säben. Jahr Anna ehrn Vader tru und ehrlich, rechtschaffen und flietig deint halt, as Jacob um ckiahel , „sik nu an de groth Buerdochder maken will", was natürlich „de oll ®Inna ehrn Vader nicht taugewen" kann. Als der Kunde von dem innigen
- zwischen seiner Tochter und seinem „Grothknecht" erhielt, da wurde Hans Holng sofort „aflohnt" und Anna einem reichen Bauernsohne, den sie nicht mag, bestimmt. Kurze Zeit darnach wird Anna's Vater erschlagen. Der Verdacht lenkt sich aus Hans Höltig, dessen Beil bei dem Ermordeten gefunden wurde. Hans wird ver- hastet, vor die Geschworenen gestellt und verurtheilt. Der Vertheidiger legt Revision em; in der zweiten Verhandlung wird Hans Holtig freigesprochen; damit ist er von öer Strafe des Gesetzes, nicht aber von der üblen Nachrede der Dorfbewohner frei. Man meidet ihn. Hans verläßt das Dorf. Nach einiger Zeit stirbt der Heidkäther Wolker, ein verkommenes Subject, bei dem Hans Höltig früher wohnte, nachdem er vorher emgestanden, er habe mit Hans Höltig's Beil den alten Bauern erschlagen, um ihn zu berauben.
. Kaum hat Hans dies zufällig erfahren, so kehrt er sofort in die Heimath zurück Ur Jn- ™nna' raßld)e mit einem ihr verhaßten Menschen verheirathet worden war, — „un as't Freuhjahr werre in't Land keurn, dünn ffünn’ de Beiden vor’n 2"tar, um den Bund, den de Harten mit enanner flöten Harden, vör Gott un Minschen tau betugen". —
die Fabel, die ohne Zweifel recht hübsch erfunden ist. Leider steht die Ausschmückung derselben, sowie die Characterisirung der Personen, welche zu oft in Karikaturen ausartet, nicht auf b er Höhe künstlerischen Schaffens, auf welcher man lC >rat7 "Harten Leina" suchen durfte. Wir verspüren gegen diese Erzählung einen merklichen Rückgang; insbesondere stehen wir nicht an, streng zu tadeln die Sucht bet> Autors, Wendungen, Gedanken, ja Kunstgriffe Fritz Reuter's zu copiren. Das ist um so weniger zu billigen, als diese Versuche meist gänzlich verunglückten.
Trotz dieser Mängel lesen sich manche Kapitel recht schön; wir dürfen deshalb unfern Leser getrost dieses Buch empfehlen, das sicher den Vorzug hat, nicht in die Reihe jener nach neuestem Pariser haut goüt gebrauten Machwerke zu gehören, vielmehr eine recht kräftige, gesunde und deutsche Kost vorsetzt.
Zu beziehen ist das Buch von Eduard Rentzel, Berlin. Preis 3 JL.
Bei Leiden der Unterleibsorgane, so in dem ganzen großen Gebiet der Frauenkrankheiten, handelt es sich darum, die erregenden Eigenschaften des Kaffee's und Thee's zu vermeiden, dabei aber doch den Magen milde anzuregen, und hier ifb wie^ es die Erfahrung auf allen großen Frauenkliniken lehrt, der Genuß des reinen entölten Cacao nicht genug zu empfehlen, der einmal jene erregenden Eigenschaften des Kaffee's und Thee's nicht besitzt, andererseits durch seinen Gehalt an Protemftoffeir von nicht zu unterschätzendem Nährwerth ist. Der Cacao muß natürlich rein und von feinstem Geschmack sein, und ist Blookers holländischer Cacao besonders zu empfehlen. 8116
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